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Johann (Hans) Heinrich Dick ∗1924 †2010

#689208

Johann Heinrich Dick, 1956
Johann Heinrich Dick, 1997

Lieber Hans- Möchte Dir herzl. zum Geburtstag gratulieren am 28. Febr.

Ich kann mir den Tag wo Du geboren wurdest so klar vorstellen. Deine

     Großmutter Cornies war da, und so besorgt, das doch alles gut möchte ab-

laufen. Dann um 8 Uhr abends kam Sie glücklich mit der Nachricht zu

uns, dass ein Junge geboren.

6. Febr. 1984   Tante Anna (Frau von Franz Dick)

eine Eintragung meiner Großmutter Frieda Dück

Mein Vater, Johann Dick, wurde am 28. Februar 1924 in Blümenort geboren.

Aus dem Tagebuch meines Großvaters Heinrich Dück:

 

"Am 28. Februar des außergewöhnlich schneereichen Winters 1924 wurde uns unser erstes Kindlein ein braunäugiger und brünetter Junge geboren, seinen äußeren Merkmalen und dem Namen-nach ein Repräsentant der Mutterlinie, denn brünett ist seine Mutter und Großmutter und Hans hieß seiner Mutter einziger Bruder, ihr Vater, Groß - Ur  und Ururgroßvater. An diesem so ernsten und wichtigen Tage stand Frieda außer nur ihre liebe Mutter zur Seite, die ich in aller Frühe und Eile von Blumstein (ihrem zeitweiligen Wohnort) geholt hatte."

 

Hans mit seinen Eltern, 1924
Hans mit seinen Eltern am Asov See, Sommer 1925
Frieda (steht), Hansi,Friedas Schwester Käte mit Tochter, 1925
Frieda mit Hansi und Heini, 1926
1928, Hans (vorne) und Heini zu Hause in Blumenort
Hans (vorne), Heini , Peter und Lika Neufeld vor dem Elternhaus, Blumenort

 

Es waren schwierige Zeiten! Fast alle Verwandten waren um das Jahr 1924 nach Kanada ausgewandert. Die Kindheit meines Vaters war von Hunger, Not und Gefahr gezeichnet. Die ersten 8 Jahre verbrachte er noch im Dück's Haus in Blümenort. Später hat er seinen Heimatort, an den er sich immer in große Liebe und Sehnsucht erinnerte, nie mehr besuchen können.  

Hans, wie auch sein Bruder Heini, haben oft die Schulen wechseln müssen. Das erste, zweite und auch den Anfang des dritten Schuljahres absolvierten sie in der Dorfschule von Blumenort.

„Im Herbst 1932 machten unsere Jungen, Hansi und Heini, ihren ersten Schritt zur Schule und traten, trotz des Altersunterschieds, beide zugleich in die erste Klasse der Blumenörter Dorfsschule ein.  In den ersten 2 Jahren hatten sie einen älteren Lehrer, D.Görzen. Im dritten Jahr einen jungen Lehrer, K. Rempel.  Der Schülerbestand (etwa 40 an der Zahl) war zur Hälfte deutsch und zur Hälfte russisch.“

1929, Frieda mit Rita, Heini, Hansi und Heinrich

Im Winter 1935 musste die Familie das Heimatdorf verlassen und den Wohnort wechseln, deswegen ging Hans in die dritte Klasse in der Stadt Melitopol.

„Einige Tage nach unserer Ankunft in Melitopol konnten unsere Jungen ihren Unterricht in der 3. Klasse der deutschen Parallelklasse einer hiesigen russischen siebenklassigen Schule wieder fortsetzen.  Bis zur Schule haben sie etwa 1 ½ - 2 km  zu gehen, d.h. von unserer „Krasnaja Gorka“ hinunter bis durchs Zentrum der Stadt.

Obwohl Lehrer Rempel in Blumenort unseren Jungen im Unterricht etwas mehr zu bieten im Stande war, als ihre jetzige Lehrerin, Genossin Frieda, so entwickelte das bunte Leben und Treiben der Stadt unsere Kinder im allgemeinen doch mehr. Sicher laufen sie auch Gefahr mehr Böses zu sehen und hören als im Dorfe, was uns Eltern, als Erzieher eine weit größere Pflicht auferlegte als früher  unseren Eltern.“

 

Und wieder musste die Familie in demselben Jahr umziehen. Die vierte Klasse besuchte Hans weiter auf der Station „Jelannaja“ in einer ukrainischen Schule.

1-VIII-35. „Eine der Hauptbedingungen war bei mir jedoch die Schule für meine Jungen.  Mein Versuch, einen Platz in dem 4 km entfernten deutschen Dorf Ebental mit einer Zehnklassigen Schule zu finden, misslang.  Im Falle unsres Umzugs blieb uns somit nichts anderes übrig, als unsere Kinder in eine, hinter der Bahnlinie gelegenen, vierklassigen ukrainischen Schule zu schicken.“

22-XII-35 „Zudem ließen sich unsere Jungen sehr schwer zur ukrainischen Schule schicken, was uns recht viel Sorge bereitete.  … Hansi musste auf mein Bestehen in der 4. Klasse bleiben. …  Im Laufe von 2 Monaten musste ich Hansi täglich beim Lernen mithelfen; dank seinem Fleißes gelang es ihm, alle Schwierigkeiten zu überwinden und allmählich in die Reihen der besten Schüler zu treten. Es hatte ihm viel Anstrengung, Tränen und auch Gesundheit gekostet. Heute jedoch sind die Jungen beide schon ganz im „Fahrwasser“ ihrer Schule.“

 

Im fünften Schuljahr (1936) konnte Hans bereits schon eine  deutsche Schule besuchen.

In Gesellschaft der Mädel von Tante Justels fingen die Jungen an, die deutsche Schule in Ebental zu besuchen. Heini kam in die 4. und Hansi in die 5. Klasse. Die Schule lag 4 km von ihrem Wohnort entfernt. Jeden Tag früh morgens um viertel nach sechs gingen die Jungen in der Finsternis übers Feld an der Bahn entlang nach Ebental und kehrten um 2 Uhr nachmittags zurück. Mein Großvater schrieb, dass Hansi immer besonders eilig morgens war, während Heini sich immer etwas „tragen“ ließ. Das schlimmste war, dass die Jungen, wie auch die ganze Familie, keine passenden Schuhe  (Galoschen) für draußen hatten. Meine Großeltern suchten in Ebental ein Quartier, in dem Hansi und Heini in den Wintermonaten übernachten konnten, konnten aber keines finden.

Die Zeugnisse der Beiden fürs erste Viertel des Schuljahres waren gut, Hansi’s sogar sehr gut, denn er zählte zu den Besten drei seiner Klasse. „Hansi ist ein kluger Junge, jedoch nicht sehr gesund.  Wenn Gesundheit und Verhältnisse es erlauben werden, könnte er es mit seinem Wissen noch weit bringen.  Heini ist ein ganz guter Mathematiker, während er in andern Fächern noch keine besondere Anlagen zeigt.“ Doch Ende Januar 1937 konnten die Jungen in das Internat der Ebentaler (Nikolaewer) zehnklassigen Schule untergebracht werden. Verköstigt wurden sie in der Artels Speisehalle.  In ihrem verhältnismäßig kleinen Zimmer standen dicht nebeneinander neun zweistöckige hölzerne Bettgestelle (russisch Kojki).  Im Zimmer befanden sich somit 18 Schüler.  Die Schule war noch nicht in der Lage, für die über 400 zählenden Schüler, befriedigende Wohnungsverhältnisse zu schaffen.

Auch im nächsten Schuljahr wurden Hansi und Heini im Internat der Ebentaler Schule einquartiert und wieder in der Artelsspeisehalle verköstigt. Die monatlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung für beiden Jungen betrugen ca. 150 Rubel. Obwohl sich die Verhältnisse im Internat seit dem letzten Jahr gebessert hatten, war es immer noch so eng im Zimmer, dass die Jungen sich ein Bett teilen mussten.

Ende März 1938 fuhr Hansi als Klassenbester mit anderen Schülern und Lehrern zur Schülerolympiade nach Stalino. Er hat sich sehr gefreut, diese Reise zu unternehmen und an dem Schülerwettbewerb teilzunehmen. 

Ein Jahr später konnte mein Großvater die Jungen nicht mehr während der Wintermonate im Ebentaler Schulinternat unterbringen. Die Kosten waren so hoch, dass er sie nicht mehr aufbringen konnte. Er hat für sie eine andere Übernachtungsmöglichkeit gefunden, wahrscheinlich bei einer Familie, aber man konnte sich nicht über die Höhe des Entgeltes einigen. „Hätten die Jungen besseres Fußzeug, so würden sie einfach den Winter über gehen. ...Eines der schwierigsten Fragen beim Schulbesuch ist die Kleidung und das Fußzeug.  Die alten Schuhen und Galoschen wurden zum wiederholten mal geflickt.  52 Rubel haben wir in den letzten Monat für Galoschenflicken gezahlt.  Auf dem Markt, sagt man, kostet ein Paar neue Galoschen 60-70 Rubel, während der eigentliche Preis nur 13-15 Rubel ist.“  

Auch für den Winter 1940 / 41 wurde keine bezahlbare Unterbringung für die Jungen gefunden. „Es ist kaltes und nasses Wetter.  Unsere Jungen gingen in all dem Kot ohne Galoschen zur Schule.  Weil sie beide so lange nach Brot  anstehen mussten, kommen sie nicht dazu, ihre Schularbeit zu machen.“

Es war das letzte „normale“ Schuljahr für Kinder gewesen. Hans hatte bis dahin neun Klassen absolviert. Was jetzt auf ihn zukam, stellte alle bisherigen Nöte und Schwierigkeiten in den Schatten!

Hans und Heinz, 1937
oben links: Hans, unten rechts: Heinz, Station Jelannaja
Hans und Heinz
mittlere Reihe links: Heinz, rechts: Hans, unten rechts: Erika, Station Jelannaja

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Im September 1941 wurden Hans und sein Vater zur Trudarmee (Arbeitsarmee) eingezogen. Am 22. September erreichte ihr Transport ein Arbeitslager im Ural. Von einem Stacheldrahtzaun umgeben, mitten in unendlichen Wäldern, lag es fernab jeglicher Zivilisation. Es herrschten Hunger, Kälte und schlechte hygienische Bedingungen. Darüberhinaus mussten die Gefangenen schwerste körperliche Arbeiten verrichten. Hans wurde sehr bald krank. Sein Vater schildert die Ereignisse in seinem  Tagebuch:

 

„26-X-41.  Schwere Tage.  Hansi liegt schwer krank mit einer Lungenentzündung oder Brustfellentzündung,  Die Temperatur den 5. Tag über 39°.  Nichts Effektives wird seitens der Ärzte unternommen.“

„28-X-41. Von Hansi’s Gesundheitszustand habe ich heute noch nichts genaues erfahren.“

„Soeben erblickte ich durch das Fenster des Krankenhauses Hansi. Er zeigte auf Schmerzen in der rechten Seite der Brust, ihm standen die Tränen in den Augen. Warum nicht Köpfe (Medizin Methode in Russland) gesetzt werden, verstehe ich gar nicht. Wie gut würde man ihn zu Hause im eigenen Heim  doch pflegen.  Warum muss der Junge schon so viel leiden?!  Ob auch unsere anderen beiden kleinen Kinder gegenwärtig bittere Not leiden?!“

„31-X-41.  Hansi’s Gesundheitszustand will noch gar nicht besser werden.  Die Temperatur ist noch immer hoch.  Die Heilungsmethode ist sehr mangelhaft.  An allem fehlt es.  Zudem die Kost zu wenig.

Wozu hat man uns nur hier hergeschleppt. Wo kann nur Frieda mit unsern anderen zwei Kinder sein?! Jedoch, Mut!“

„31-X-41.  In der Dämmerungsstunde.  … mir ist so schwer ums Herz, das ich mit Mühe die Tränen unterdrücken kann. Es sind zunächst die Sorgen um mein Kind hier in dieser Lage.  Habe ihm eben ein ermutigendes Zettelchen ins Krankenhaus geschickt.“

„1-XI-41.  Bin keute sehr dankbar gestimmt. Die Temperatur meines Jungen ist heute morgen auf 37.4 gefallen.  Ich sprach mit ihm etwas durchs Fenster.“

„2-XI-41.  Heute erfuhr ich durch einen Sanitär des Krankenhauses zu meiner großen Freude, dass Hansi’s Temperatur bis auf normal gefallen sei.  Wahrscheinlich hat er die Krankheit überstanden, so dass er in 1-2 Tage vielleicht schon entlassen werden kann.  Die Hauptsache ist dann, wie er vor weiteren Erkältungen geschützt werden kann.“

„3-XI-41.  Mit Hansi bessert es, die Temper ist normal.  Gott sei dank.“

 

Nach drei Monaten im Lager haben sie endlich eine Nachricht, ein Lebenszeichen von  Frieda und den bei ihr verbliebenen beiden Kindern bekommen. Im Herbst 1941 waren sie nach Kasachstan zwangsweise umgesiedelt worden. Heinrich schreibt:

„11-XII-41. In diesen Zeiten will einem der Mut ganz sinken.  In solchen Stunden ist Hansi mir immer ein guter Tröster.  Leider ist seine Gesundheit noch nicht hergestellt. Unsere armen Kinder, warum müssen sie so viel durchmachen?  Hansi, Heini, Erika? Ich kann es manchmal fast nicht übers Herz bringen.  Und meine treue Frieda?!“

Im Februar 1942 durften Hans und sein Vater zu ihrer Familie nach Kasachstan zurück. Es waren  schwere Zeiten, aber sie waren wieder zusammen! Im März 1942 traf sie jedoch wieder ein harter Schicksalsschlag: Hans Schwester, die erst 11-jährige Erika, starb an Meningitis.

 

Im November desselben Jahres wurden Hans, sein Vater und sein Bruder Heini, wieder in die   Trudarmee eingezogen. Am 4. Dezember erreichte ihr Transport die Stadt  Buguruslan. Wieder ging es, bei schwerer körperlicher Arbeit und widrigsten Lebensbedingungen, ums nackte Überleben. Gegen Ende 1943 war mein Großvater derart geschwächt und krank, dass er für arbeitsunfähig erklärt und nach Hause entlassen wurde. Der Abschied von seinen Söhnen fiel ihm schwer.

Weiter werde ich wieder aus dem Tagebuch meines Großvaters zitieren, vieles muss man zwischen den Zeilen lesen:

„18-IV-44. Bekamen gestern 2 Briefe von Hansi und Heini; letzterer war zu Besuch bei Hansi, denn sie hatten sich schon seit Dezember nicht gesehen und daher sich auf ihr Wiedersehen sehr gefreut. Wann werden wir mal wieder im Familienkreise zusammen sein können.  Wie scheint einem das bei heutiger Situation so aussichtslos.“

„15-VII-44. Erhielten vor einigen Tagen 2 Briefe von Hansi, auf die wir schon sehr gewartet hatten.  Er ist von Kujbyschev (heute Samara) die Wolga hinauf weiter geschickt worden.  Es muss eine malerische Gegend sein.  Frieda und ich haben ihm sofort geantwortet.  Hansis Briefe klingen immer wehmütig, Heinis sind das Gegenteil.  Hansi klagt in jedem Brief über seine Gesundheit und Lebensverhältnisse. Heini nicht in einem Brief.  So verschieden sind die Kinder doch geartet. Heini hat es daher weit leichter in diesen so schweren Verhältnissen.“

„29-XI-44. Laut letzten Brief von Hansi ist er gerade erkrankt, was uns sehr beunruhigt.“

„17-XII-44. Haben von Hansi noch immer keine Nachricht. Ach! die schweren Sorgen um unsere Jungen!“

„21-XII-44.  Gott sei Lob und Dank!  endlich Nachricht von Hansi durch einen Brief vom 28.XI, dass er gesund und am Leben ist.  Ach, was haben wir uns gefürchtet und gesorgt um unseren lieben Jungen, nachdem wir die Nachricht von seinem Erkranken erhielten.  Er schreibt, dass er jetzt schon das 4. Neujahr in der Trudarmee begegnen muss, und dass die schönsten Jahre seines Lebens so vergehen müssen.  Na, ich hoffe doch bestimmt, dass unsere Jungen, wenn sie nur am Leben und gesund bleiben, an Seele, Geist und Leib noch einer guten Zeit entgegen gehen können.  Könnten wir noch ein Stückchen dieser guten Zeit mit ihnen zusammen verleben.“

„10.III.45. Bekamen einen schönen Brief von Hansi, indem er Frieda tröstet und uns verspricht, die Gesundheit seines Leibes und Seele zu schonen.“

„19-V-45. Sie (Frieda) berichtete mir, dass wir zwei Briefe, von unseren Jungen hätten und dass Hansi an Malaria erkrankte.“

„3-VI-45.  Am 1.V. bekamen wir 2 Briefe von unseren Jungen; Gott sei dank; beide gesund.“

„6-VII-45.  Gestern schrieb ich zwei Briefe an unsere Jungen.  Hansi drückt in seinem letzten Brief sein Bedauern darüber aus, dass die besten Jahren seines Lebens in so schweren Verhältnissen verlaufen müssen und fragt mich, was ich seinerzeit in diesem, seinem Alter getan habe und wofür ich mich interessiert habe.  Worauf ich ihm antwortete, dass ich in seinem jetzigen Alter, die Mittelschule beendete, im Laufe von 7 Monate meine Eltern verlor, zwei Monate nach dem Tode meiner Mutter, der erste russisch-deutsche Krieg begann,  in den ich mobilisiert wurde und über 4 Jahre verbrachte; dass ich somit diese schwere Lebensschule einige Jahre später begonnen habe und dass  jeder, aus dem etwas Tüchtiges werden soll, einmal im Leben eine Leidensschule durchmachen müsse und dass  je eher,  je leichter. Darum solle er alles Niedrige und Gemeine lassen und die Reinheit seiner Seele bewahren, so werde ihm das andere alles schon zufallen.  Ähnliches schrieb ich auch an Heini,  der nicht so ernst auf das Leben schaut wie Hans und uns daher etwas mehr Sorge bereitet. Was können wir jedoch heute mehr an ihnen tun, als dann und wann einen innigen Brief zu schreiben und hauptsächlich für sie zu beten.

Wenn wir Eltern ihnen als sittlich hochstehende und nahe Menschen in Erinnerung geblieben sind und ganz besonders in den Stunden der Versuchung, dann haben wir das in der Erziehung an ihnen erreicht,  was in den heutigen Verhältnissen und auch überhaupt unsere Pflicht gewesen ist. Wo nicht, so haben wir das nicht erreicht.  Denn von der Schule und der Gesellschaft haben sie leider auf dem Gebiet der sittlichen Erziehung nichts erworben.“

„7-VIII-45.  Weil wir unser Quartier gewechselt haben, findet uns der Postträger nicht.  So stellte es sich heraus, dass auf der Post schon 3 Briefe von unseren Jungen lagen, von Hansi zwei und von Heinz einer.  Hansi klagt in seinem Brief über physische Schwäche und Abmagerung.  Ich erinnere mich, dass ich in seinem Alter im Sommer immer abmagerte und im Winter zunahm; dass ich damals wie auch später an Blutarmut litt.  Ich war auch immer wieder besorgt um meinen Gesundheitszustand. Ich hab ihm das im letzten Brief geschrieben. Heinz ist immer gesund, wenigstens berichtet er nie, dass ihm was schadet.  Es freut uns, dass er so gesund ist.“

 

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Hans, 1945
Hans (im Stehen) und Heinz, Buguruslan, 1946

„21-IX-45. Erhielten vor 2 Tagen einen Brief von Hansi mit einer Photographie.  Wir haben uns sehr darüber gefreut.  Er ist etwas mager und schaut sehr ernst.  Ach, diese Trennungen von seinen Lieben, wie ist das doch so schwer und wann werden diese unendlichen Leiden einmal ein Ende nehmen.   Es ist gar nicht durchzublicken.  In diesem unendlichen Warten und Hoffen vergeht ein Jahr nach dem andern und somit das ganze Leben. Wann gibt’s einmal eine Freiheit?!  Und womit haben wir das  nur verdient? Wo ist nur die Gerechtigkeit?  An wen kann man nur appellieren?!“

„10-XI-45. Von Hansi bekommen wir regelmäßig Briefe und seine Briefe sind recht innig.“

„10-XII-45. Soeben habe ich auch einen Brief von Hansi erhalten.  Der Junge ist so besorgt darum, dass die Jahre vergehen und er zu keiner Spezialität kommt.“

„12-III-46. Eines Tages wurden wir überrascht von einem Brief und einer Photographie von unseren beiden Jungen aus Buguruslan.  Die Jungen sehen ganz gut aus. Hansi schreibt, dass Heinz größer und breiter ist als er.  5 Tage hat Hansi bei Heinz logiert und ist dann wieder zurück zu seiner Arbeitsstelle hinter Samara gefahren.“ 

„21-III-46.  Erhielten Gestern einen Brief von Hansi mit einer Geburtstagsgratulation für mich.  In seinem Brief klagt er über seine Lung. Morgen schicken wir ihm einen Brief mit seinem Geburtsschein und einer meiner Photographien.“

„2-IV-46. Erhielten Gestern Briefe - von unseren beiden Jungen. Hansi hat zum ersten mal einen deutschen Brief geschrieben.“

 

Hans wurde Ende August 1946, fast 14 Monate nach Kriegsende, aus der Trudarmee entlassen.

„30-VIII-46.  Montag morgens gingen Frieda und ich nochmal zur Station, um Hansi zu empfangen, denn am Abend vorher waren wir schon sehr unruhig, dass Hansi noch immer nicht gekommen war.  Es regnete mal wieder und wir mussten uns immer wieder beim gehen hinter den Häusern verstecken.  Nachdem wir etwa eine halbe Stunde gewartet hatten, kam der Passagierzug, Frieda blieb beim Zug, während ich zum Tor der Station ging, um niemand unbemerkt durchzulassen.  Da hör ich auch schon Rufe und Frieda kommt mit unserm Jungen an, den Frieda fast vier und ich fast drei Jahre nicht gesehen hatten.  Die Freude war selbstverständlich sehr groß.  Hansi war, fanden wir, noch gewachsen, jedoch etwas mager.  Er hatte eine gelbe Wattenjake an und in der Hand einen Kasten.  Sorecht das Aussehen eines Fabrikarbeiters.

 

Wir kauften uns eine Arbuse für 10 Rubel, wobei Hansi noch sein Taschenmesser der Verkäuferin überließ, und gingen froh plaudernd in die Stadt.  Im Herzen Gott dankend, dass er uns endlich einen unserer Jungen, nach diesem furchtbaren Krieg, heil zurückgegeben hat.  Obzwar wir nur ein sehr kleines Zimmerchen besitzen, wo nur ein Bett stehen kann, so waren wir doch imstande ihn nach heutigen Verhältnissen gut zu bewirten.

 

Unterwegs hatte er sich erkältet, so dass er den ganzen andern Tag krank lag. Unsere Freude und Genugtuung war, dass Frieda und ich ihn pflegen konnten.  Am dritten Tag war er auch schon wieder hergestellt und holte seine kleine Bagage von der Station.  Er ist ein sparsamer Junge und hat sich ganz gut mit Kleider versorgt.  Gestern gelang es mir, ihn hier in der Stadt einzuschreiben.  Wir suchen für ihn jetzt eine leichte Arbeitsstelle, damit er gleichzeitig in den Abendstunden lernen konnte.“

Und so kehrte Johann (Hans), mein Vater, Ende August 1946 aus der Arbeitsarmee entlassen, zu seinen lieben Eltern zurück. Er hat zu diesem Zeitpunkt schon so vieles durchmachen müssen und war erst 22 Jahre alt. Zuerst besuchte Hans neben der Arbeit eine Abendschule, die er im Juni 1947 abschloss. 

Mit seiner Gesundheit stand es nicht besonders gut, bei ihm wurde chronische Brucellose festgestellt. Diese Krankheit äußerte sich bei meinem Vater des öfteren in Knieschmerzen, starker Schwäche und Abmagerung. 

Im Oktober 1947 hat Hans endlich ein normales Bett bekommen, unvorstellbar für heutige Verhältnisse. „Für Hansi kaufte ich für 100 Rubel auf dem Bazar ein eisernes Bettgestell, so das wir mal alle drei wieder normale Lager haben, und das auf der Erde liegen aufhört. Weil unser Zimmerchen so klein ist, wird Hansi’s Bett zum Tage immer hinausgetragen. Jetzt fehlt’s noch an Bettwäsche.“

Im Herbst 1947 schrieb er sich als Student an einer Pädagogischen (Fern-)Hochschule in Semipalatinsk (heute Semei) ein.Es fehlte an Büchern und Geldmitteln fürs Studium, aber er war unendlich froh, mit seiner Ausbildung beginnen zu können.

Im Februar 1949 wurde Hans 25 Jahre alt. Von seiner Mutter bekam er altes Familien- Gesangbuch. Auf der Innenseite befindet sich eine Widmung meiner Großmutter an meinen Vater: „Ein Geburtstagsgeschenk von Deiner Dich herzlich liebenden Mutter. 28.02.1949“.

Hans' Vater schreibt weiter in seinem Tagebuch: „6-III-49. Montag feierten wir Hansi’s 25 jährigen Geburtstag.  Gegenwärtig leidet Hansi etwas an Kopfschmerzen;  er hat sich nämlich die Stirn erkältet und infolgedessen hat sich in der Stirn über dem linken Auge etwas Eiter angesammelt.  Er kuriert gegenwärtig dieses Leiden im Physiotherapie Kabinett.

Möchten unsere Jungen, die bis jetzt schon viel Schweres durchgemacht haben, in der Mittelpartie ihres Alters ein schöneres Leben haben und wir mit ihnen.  Möchte Hans doch für sich ein recht biederes deutsch-mennonitisches Mädel zur Frau finden.“

Das wurde zu einem großen Problem, ein „biederes deutsch- mennonitisches Mädel“  kennenzulernen! Meine Großeltern machten sich Sorgen, das spürt man aus den nächsten Zeilen:

„5-IX-48. Hansi ist Gestern mit einer Gruppe junger Arbeiter des “Oblso” auf einen “воскресник” in einen Nachbarrayon gefahren.  Gestern vor dem Abfahren merkte ich nur wie ihn die russischen Mädels des Oblso umschwärmten. Möchte er nur mal die passende Wahl für sich aus unserer Mitte treffen.“

„Hans würde ja schon heiraten, wenn er ein liebes deutsches Mädel nach seinem Wunsch finden würde.“

Johann Dick, 1949
Rückseite

Ab Februar 1949 arbeitete Hans als Buchhalter und studierte weiter. Im Juni desselben Jahres fuhr er per Schiff nach Semipalatinsk, um die Abschlußprüfungen für das erste Studienjahr abzulegen.

Ab Januar 1950 arbeitete mein Vater bereits als Mathematiklehrer an der Mädchenschule Nr.11 in Pawlodar. Dieser Anfang sollte zu Berufung werden!

In den Zeiten der Not hat man sich, aus heutiger Sicht, über die kleinsten Dinge gefreut. Ein großes Ereignis war der Kauf eines Fahrrads, das mein Vater und mein Großvater abwechselnd benutzten.

Im Sommer 1950 machte Hans wieder eine Reise nach Semipalatinsk, wo er alle Prüfungen für das zweiten Studienjahr mit den Noten “gut” und “ausgezeichnet” bestanden hat.

 

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Johann Dick
Johann Dick
Johann mit seinem Freund, 1948
Johann mit Valerij, ca.1955
Johann mit Valerij, 1984
Johann im Erholungsheim für Lehrer im Schutschinsk, 1955

„16-III-51. Ich freue mich sehr, dass unsere zwei Söhne “ihren Mann stehen” und auch sehr, ein jeder in seiner Arbeit, geschätzt werden.  Das ist ein wahrer Segen und ein Erbe von unseren Vorfahren, die sehr tüchtig waren.  Frieda’s Vater, Großvater usw. wie auch meine Großväter gehörten seiner Zeit nicht zu den Dutzendmenschen und haben in ihrem Leben was tüchtiges geleistet für sich und für die Gesellschaft.“

Einer der engsten Freunde meines Vaters in dieser Zeit war Valerij. Diese Freundschaft dauerte ein  ganzes Leben! Beide studierten Pädagogik im Fernstudium an der Hochschule in Semipalatinsk.

Hans hat 1953 die Pädagogische Hochschule mit dem entsprechenden Diplom abgeschlossen. Er setzte aber sein Studium in den letzten Kursen des Pädagogischen Instituts fort. Leider mußte er sein Studium im Sommer 1954 aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen. Er hatte seit Jahren nur gearbeitet und studiert, ohne sich Urlaub zu gönnen und war einfach erschöpft! So fuhr er im Juli mit seiner Mutter für eine Woche zu Tante Justel. Für Beide war es eine willkommene Abwechselung! 

Hans erhielt im Juni 1955 einen Pass, der 10 Jahre gültig war. Leider enthielt dieser einen Eintrag, dass der Passinhaber nur in Kasachstan wohnhaft sein dürfe. Damit platzte auch der Traum, irgendwann einmal in die Molotschna zurückzukehren. 

In diesem Sommer reiste Hans zu seiner Tante Anna nach Karpinsk. Es war nach vielen Jahren ein lang ersehntes Wiedersehen mit seinen Cousins Peter und Lika. Er wollte auch, wie mein Großvater schrieb, etwas Ausschau nach einem tüchtigen mennonitischen Mädel halten. Anschließend fuhr er für einen Monat in ein Erholungsheim für Lehrer nach  Schutschinsk.

Im Sommer 1956 bestieg Hans zum ersten mal in seinem Leben ein Flugzeug. Natürlich war er, wie auch seine Eltern, aufgeregt. Sein Vater schreibt:

„8-VII-56.  Sonntag.  Hans ist schon über eine Woche in Semipalatinsk im Pädagogischen Institut.  Zum ersten mal im Leben flog er per Flugzeug zusammen mit Victor Eduard Silbernagel.  Ich wollte ihn noch auf den Flughafen begleiten, wie ich jedoch mich dem Flughafen näherte drehte sich das Flugzeug langsam um, um gegen den  Wind anzulaufen.  Und so konnte ich Hans nur mit meinem Blick begleiten, bis das Flugzeug in den Wolken verschwand. Weil dieser Luftverkehr für uns persönlich noch ungewohnt ist, begleitete ich Hans doch etwas aufgeregt. Am nächsten Tage bekamen wir von Hans ein Telegramm mit der Nachricht,  dass sie glücklich geflogen sind.“

Johann Dick, 1956

In dem Tagebuch erwähnt mein Großvater den 32. und 33. Geburtstag von Hans: 

„27-II-56.   Trotzdem Hans’s Geburtstag erst Morgen ist, feierten wir ihn gestern am Sonntag.  Zum Abendbrot waren unsere Kinder und Hans’s Freunde, Lehrer Krjatschko und Valerij mit Frau zu Gast.  Haben viel musiziert auf dem “Proigrywatelj ”, der mit dem”Prijomnik ” “Baltika” verbunden ist.  Hans wird schon 32 Jahre alt und ist noch nicht verheiratet.  Das Finden eines lieben und biederen deutschen Mädels wird für ihn zu einem Problem.“

„28-II-57.  Vor 33 Jahre ist unser Hans geboren.  Damals war außergewöhnlich viel Schnee und ich holte Friedas Mama auf einem großen Schlitten mit einem schwachen Pferdchen bespannt aus Blumstein, wo Friedas Eltern damals im Quartier waren.  Heute ebenfalls ein kalter Wintertag, jedoch für hiesige Verhältnisse ist das normal.  Viele, viele tausende Kilometer sind wir entfernt von unserm Heimatsort, wo Hans geboren wurde und noch viel weiter ist der Ort, wo Friedas Eltern begraben sind.  Unswre lieben Mädels sind auch so weit von einander begraben.

Hans ist noch immer bei uns und noch unverheiratet.  Wie gerne wir ihn auch noch weiterhin für uns haben möchten, ist es doch schon Zeit, dass er sich verheiratet.  Wo findet er jedoch hier das deutsche Mädel, welches ihm als Lebensgefährtin dienen könnte?!  Das wird einfach zu einem schweren Problem.“

Wie auch in den vergangenen Sommern, verbrachte Hans die Monate Juni und Juli 1957 in Semipalatinsk um Prüfungen abzulegen. Da die Zeiten besser geworden waren, konnte er sich  anschließend  in einem Erholungsheim in Alma-Ata ausruhen. Von hier schickte er per Post Äpfel an seine Eltern.  „Wir haben uns mal nach früherer Art an Äpfel satt essen können.“, lesen wir im Tagebuch meines Großvaters. 

Im Sommer 1958 flog Hans für einige Tage zu Besuch nach Karaganda. Er wollte dort unter den Mennoniten Umschau nach einem „biederen deutschen Mädel“ halten, die zu ihm als Lebensgefährtin passen könnte. Aber er fand dort in Karaganda nicht die Liebe seines Leben!

das Hochzeitsfoto von Anna und Johann, 1959
Johann und Anna Dick, ca. 1965

Meine Mutter, Anna Siemens, kam nach dem Abschluss ihre Ausbildung nach Pawlodar, wo sie bei ihrer verheirateten Freundin Ella wohnte. Der Mann von Ella war Peter Neufeld, der Cousin meines Vaters. Und so lernten sich meine zukünftigen Eltern im August 1958 bei Neufeld's kennen. Das Weihnachtsfest desselben Jahres haben sie dann schon zusammen bei meinen Großeltern gefeiert.

Die Hochzeit fand dann am Sonnabend, den 27. Juni 1959 statt. Eine Woche vorher hatten Hans und Anna bereits standesamtlich geheiratet. Kirchlich haben sie sich nicht trauen lassen, da dies möglicherweise berufliche Konsequenzen für meinen Vater wegen seines Lehrerberufs hätte haben können. Die Hochzeitsgäste kamen alle aus dem engeren Kreis der Verwandten: Tante Justel mit Marta, Heinz und Marusja, Lika, Lyda, Ella’s Mutter und meine Großeltern. Die Hochzeitsfeier glich eher einer „Andachtsstunde“, als einer Feier im heutigen Stil.  Es wurden drei Lieder gesungen: “O Selig Haus, wo man dich aufgenommen”, “Nimm Jesu meine Hände” und “ Jesu geh voran”. Meine Großmutter, Tante Justel und Ella’s Mutter sprachen Gebete. 

 Mein Großvater wandte sich mit folgenden Worten an das junge Paar und die Hochzeitsgäste: 

 

„Liebe Kinder, liebe Verwandte!

An diesem für uns so wichtigen Tage, möchte ich einen kurzen Rückblick in die letzten zwei Jahrzehnte unsres Familienlebens tun, um uns zu vergegenwärtigen, wie wir so wunderbar bis hierher geführt worden sind.

Mein ältester Bruder und euer Onkel Gerhard, der schon 77 Jahre alt ist und nächstens seine Goldene Hochzeit zu feiern gedenkt, schreibt in einem seiner letzten Briefe, dass sie einst auf  ihrer Hochzeit vor 50 Jahre von ihren Eltern folgenden Spruch mit auf den Lebensweg bekommen hatten:  “Wohl dem, der den an seine Seite hat, der versprochen, die Seinen trotz Sturm und Wetter nicht zu verlassen noch zu versäumen”.  Dieser Spruch habe im Laufe ihres ganzen langen Ehelebens immer an der Wand in ihrem Hause gehangen und ihnen als Richtschnur gedient.  Und wie wir wissen sind sie  trotz Sturm und Wetter nicht zu Schanden gekommen.

Könnte dieser Wahlspruch nicht auch für euch, Hans und Anja, beim Eintritt in euer Eheleben als Richtschnur dienen? Ich glaube bestimmt. 

Trotz  eurer Jugend seid ihr beide schon sehr lebenserfahren und habt auch schon viel Sturm und Wetter durchgemacht.

Schon früh des Lebens Ernst erkannt,

Erprobt den Kampf ums Dasein,

Verloren Haus und Heimatland,

Die Kindheit, Freud und Frohsinn.

Der grausame Krieg, der Schuld dran war,

Und niemand im Lande verschont,

Hat auch euch, ihr junges Paar,

Die Freuden der Jugend verhöhnt

Unsere Söhne Hans und Heinz, die damals noch als Knaben und Schüler mutig und froh die Schule besuchten und weder Sorge noch Angst unter Obhut ihrer Eltern kannten, wurden plötzlich aufgerüttelt aus ihrem bis dahin so sorglosem Leben, herausgerissen aus der Schule, aus der Mitte ihrer lieben Jugendfreunde und Schulkameraden, aus dem lieb gewonnen Dörfchen neben der Station Желанная,  mit dem so viel schöne Erinnerungen verknüpft sind.  Aus war es mit der Sorgen- und Wolkenlosen Kindheit.  Es folgte eine furchtbar schwere  nie vergessliche Trennung und Abschied von Mama und Erika auf der St. Ясиноватая.  Heinz kam im letzten Moment auf meine wiederholten Bitten noch frei und durfte zurück zu einer großen und freudigen Überraschung für unsere Mama und Erika.  Hans und ich schieden von allem und fort ging’s in den Norden in eine dunkle und ungewisse Zukunft voller Sorgen, Angst, Not und Pein.  Es folgten nie geahnte schwere Jahre für beide Teile unserer zerrissenen Familie.

Inzwischen dann ein kurzes Wiedersehen mit der Familie, die hierher evakuiert war und große Not litt,  und bald darauf der Tod unsre lieben unvergesslichen Erika, die wir zu viert am hohen schneebedeckten Ufer des Irtysch begruben, und zu unserem großen Bedauern das Grab verloren haben.

Und  bald hieß es wieder fort und unsere Mama blieb ganz allein unter fremden Völker in Not und Elend.  Es schien so, als ob der Schrecken kein Ende nehme. 

Und was kann Anja erzählen aus dieser Zeit?  Sie hat sehr Schweres durchgemacht.  Erst einmal als kleines Mädel ebenfalls mit den Eltern Haus und Heimat verloren und in den hohen  Norden gekommen.   Daselbst zuerst den Vater, dann die Mutter und schließlich die Tante durch den Tod verloren und dann als junges Mädel ganz verwaist stehen geblieben ohne Eltern und Heimatlos. So was muss erfahren sein, um es zu verstehen.

Auch Marusja muss den frühzeitigen und schweren Tod ihres Vaters beklagen.  

Darüber sind  nun Jahre vergangen und im beständigen schweren Kampf ums Dasein haben sich, Gott sei Dank, unsere Lebensverhältnisse bedeutend gebessert, die geschlagenen Wunden sind etwas vernarbt und wir wollen froh, dankbar und zufrieden sein.  Drei wackere Enkel wachsen zu unserer aller Freude heran. Und wer von denen hier, hat nicht auch ähnliches erfahren und durchgemacht? 

Viel Mühe, Anstrengungen, Entsagungen und zielbewusstes Streben hat es euch beiden, Hans und Anja, gekostet, gute Bildung zu erlangen. Was war es nur, dass euch beide trotz Sturm, Wetter und große Anfechtungen in der Freude aufrecht und unbefleckt erhalten hat mit gesunder Lebensanschauung und Prinzipien?

Einmal waren es zweifellos die Gebete eurer Eltern, dann, der von den Väter ererbte gesunde biedere Kern, der euch verhalf  Gutes von Bösem, Gerechtes von Ungerechtem zu unterscheiden und entschieden und unverzüglich den rechten Weg einzuschlagen.  Zur Stählung eures Charakters haben auch die frühzeitigen Leiden beigetragen.

Und was war es nur, dass Hans veranlasste, so lange mit seiner Heirat zu warten und jeglichen leichtsinnigen Flirt zu meiden?  Sein offenes Auge und Ohr, seine Beobachtungsfähigkeit haben ihm gezeigt, wo das Ware und beständige Glück zu suchen sei.  Weder Glanz noch hohe Bildung war maßgebendes Kriterium bei der Wahl seiner Lebensgefährtin.  Er suchte in dem bunten Gemisch der Völker und Sprachen, unter denen wir uns befinden, nach einer Verwandten Seele, die eines Volkes, eines Geistes und eines Glaubens sei. 

Unser innigster Wunsch ist es, möchtet ihr beide, Hans und Anja, das gefunden haben, was im Unterschiede zu dem, was heute leider an der Tagesordnung ist,  zu einem dauernden Glück gereicht.

Haltet an dem Glauben, an den Sitten und Gebräuchen unserer Väter und ihr werdet nicht zu Schanden werden.

Haltet fest, ihr auch Heinz und Marusja, an unserer Muttersprache, an der Sprache des Volkes, der Dichter und Denker.

Muttersprache, Mutterlaut, wie so wundersam, so traut!

Erstes Wort, das mir erschallet, süßes erstes Liebeswort,

Erster Ton, den ich gelallet, klingst ewig in mir fort!

Überall weht Gottes Hand, heilig ist wohl mancher Brauch; 

Aber soll ich beten, denken, gebe ich meine Liebe kund

Meine seligsten Gedanken, sprech ich, wie der Mutter Mund.

 

Uns Eltern stimmt dieser Tag froh aber auch wehmütig: froh in der Hoffnung, dass Hans sein Glück gefunden hat, und wehmütig, weil wir von Hans, mit dem wir über 30 Jahre in großer Innigkeit verlebt haben, gewissermaßen scheiden müssen.

Wir sind jedoch der festen Hoffnung, dass das Band, welches uns Eltern mit Euch Kinder, Hans und Anja, Heinz und Marusja, verbindet, auch weiterhin zu unsere Freude und Glück so innig bleibe, denn

Lieb so lang du lieben kannst,

Oh lieb so lang du lieben magst,

Die Stunde kommt, die Stunde kommt,

Wo du an Gräbern steh’st und klagst.

Mama und ich möchten Heute in folgendes Gebet des Dichters einstimmen:

Der Kinder Freuden will ich jubelnd teilen,

Mich soll bewegen, was ihr Herz bewegt;

Ich weiß es, meine Wunden werden heilen,

So lang sie mild die Hand der Liebe pflegt

An ihrer Freude soll mein Herz sich sonnen,

Wann weckend meines Glückes Blumen steh’n,

Und ihre Wonne seien meine Wonne - 

O, die ich liebe, lass mich glücklich seh’n!

 

Dir, Anja, wünschen wir, dass du bei uns nebst Mann wieder ein Elternhaus gefunden hättest und dass du dich im Kreise unserer ganzen Familie heimisch und glücklich fühlen möchtest. 

Zum Schluss verlese ich euch noch einen Hochzeitsglückwunsch.

 

Wir haben uns hier versammelt, um diesen für euch, liebe Kinder, so wichtigen Tag mit herzlichen Glückwünschen zu begrüssen!  Ihr steht heute vor der Pforte eines neuen Abschnitts in eurem Leben.  Mit bangem Herzen stellt  ihr euch heute wohl die Frage, was wird uns dieser Schritt bringen Glück oder Unglück, Freude oder Leid.  Seid getrost und mutig und ruft mit dem Psalmisten: “Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.  Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.  Er erquicket meine Seele, er führet mich auf   rechter Straße um seines Namens Willen.  Und ob ich schon wandelte im finstren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.  Du bereitest vor mir  einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.  Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Liebe und Treue laßet die Überschrift sein in eurem Leben, denn die Liebe kann alle Sorgen von euren Stirnen verscheuchen.  Die Liebe duldet und trägt alles.  Darum sind Liebe und Treue die besten Begleiter fürs Leben. Möge euer zukünftiges Leben sich unter  reichem  Segen in Frieden und Eintracht gestalten.

Wir wünschen euch ein ungetrübtes und freudenreiches Leben.“

 

Zum Abend war eine erweiterte Gesellschaft aus der beiderseitigen Verwandtschaft und Hans’s Lehrerkollegen eingeladen. Es wurden viele Tischreden gehalten, besonders von Hans’s Kollegen und Freunden. Boris Wjatscheslawowitsch Golubzow, einer der besten Mathematiker von Pawlodar und damaliger Instrukteur des „Garono“, sowie Wera Stepanowna, Direktorin der 11. Schule, hoben in besonderer Weise Hans' Leistungen als Lehrer und Mathematiker hervor. Sehr zu Herzen gehende Reden wurden von seinem Studiengenossen Leonid Iwanovitsch Kosarew und seinem langjährigen Freund Walerij Borisovitsch Kreuzinger gehalten. Sein Bruder Heinz, Petja Neufeld und Abram Krüger ergriffen auch noch das Wort.

Johann mit der Tochter Rita, 1961
Johann mit dem Sohn Andrej, 1964

Kurz nach der Hochzeit flog Hans nach Semipalatinsk, um seine letzten Prüfungen abzulegen. Seine Frau Anja besuchte ihn. Im Oktober 1959 hat Hans sein Staatsexamen am Pädagogischen Institut abgelegt.

Endlich hatte er sein (Fern)Studium an der Hochschule, das 8 Jahre  in Anspruch genommen hat,  mit Erfolg beendet. Er war jetzt im Besitz zweier Diplome, eins vom Lehrerinstitut und eines des Pädagogischen Instituts. Diese Leistung hatte viel Energie und Ausdauer erfordert. Den Winter über arbeitete er als Schullehrer und in der Sommerferienzeit, wo er eigentlich ausruhen sollte, hat er über 8 Jahren hinweg weiter in Semipalatinsk am Pädagogischen Institut studiert. Seine Studienleistungen wurden mit „gut“ bis „ausgezeichnet“ bewertet. Sein Diplom berechtigte ihn, an einer Mittelschule Mathematik zu unterrichten. Bereits einige Jahre vor dem Erwerb dieses Diploms war Hans schon mit dem Mathematikunterricht in der obersten Klasse seiner Mittelschule beauftragt worden. Er zählte mit zu den besten Mathematiklehrern in Pawlodar.

Im Januar 1960 wurde Hans zu einer sehr unangenehmen Vernehmung beim KGB vorgeladen. Was dort genau besprochen wurde, weiß ich nicht. Er hat darüber nur mit seinem Vater gesprochen.

Im März 1960, am letzten Geburtstag meines Großvaters, wandte Hans sich mit sehr herzlichen Worten an seinen Vater. Er dankte ihm für die Erziehung, die er durch ihn erhalten hatte und die vom Geist der Biederkeit und Ehrlichkeit durchdrungen war. Mein Großvater schrieb: „Diese Worte waren für Frieda und mich eine große Genugtuung.  Trotz furchtbar schwere Vergangenheit und Verhältnissen,  die fast ein Jahrzehnt unseres Familienlebens gestört hatte, war ich nach Kräften bemüht,  nicht nur mit Worten unsere Söhne zu lehren und zu erziehen,  sondern mit einem vorbildlichem Wandel.“ Am 9. Juli starb Hans´ Vater. 

Und am 16.September wurde ich, als erstes Kind, geboren.  Die Freude war sehr groß. Mein Name hat mir mein Vater gegeben, so hieß seine früh verstorbene Schwester und seine Großmutter.

Zweieinhalb Jahre später kam ihr zweites Kind zur Welt, ihr Sohn Andrej

Mit der Familie wohnte noch Frieda, die Mutter von Hans. Sie starb im Sommer 1965.

von links: Lika Neufeld, Frieda, Johann, Anna, vorne ich, 1962
von links: Peter Neufeld, Heinrich und Johann Dick, ca. 1961

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Hans arbeitete als Lehrer weiter in der Schule Nr. 3. Er war bei den Schülern beliebt und bei den Kollegen sehr geschätzt. 1966 wurde er für seine Verdienste ausgezeichnet.

die Urkunde zu dem Verdienten Lehrers der Kasachischen SSR
auf russisch
auf kasachisch
Auszug aus dem Edikt von 1.10.1966 über die Auszeichnung von Johann Dick mit dem Ehrentitel des Verdienten Lehrers der Kasachischen SSR
das Abzeichen des Verdienten Lehrers der Kasachischen SSR
das Auszug aus der Zeitung mit der Gratulation
der Brief von der Tageszeitung "Freundschaft" in deutscher Sprache
Klassentreffen 1966

Hier ein Auszug aus der Zeitung „Freundschaft“ vom 2. Dezember 1966, Nr.236

Verdienter Lehrer

 

Von dem Jahr 1966 ist nur noch sein Ende geblieben, der frostige Dezember. Die meisten Menschen fragen sich bereits: Was hat uns dieses Jahr gebracht? Was haben wir ihm, dem rüstig Vorwärtsschreitenden, in die Taschen gesteckt?

Eine fleißige Melkerin oder lustiger Traktorist, eine geschäftige Geflügelzüchterin oder ein arbeitsamer Kombiner, ein Gemüsebauer oder ein Imker – alle können nun das Rechenbrett hervorholen und die weißen und schwarzen Steine lustig klappern lassen. Ihre Erfolge drücken sich in Ziffern und manchmal sogar mit einer Reihe von Nullen aus, die sich gewichtig hinter anderen Zahlen runden.

Aber die Lehrer? 

Es gibt keine Ziffern, die ihre Arbeit einigermaßen charakterisieren könnten! Die Noten?

Da muß ich an meinen Kollegen Franz Franzewitsch denken, der zu sagen pflegte: „Alles ist relativ!“

Oder auch ein Gespräch im Autobus. Ein Mädel im weißen Pelz: „Ich habe heut´ne Fünf verdient, in Trigonometrie!“

Ein Mädel im grünen Mantel: „Pah, das sagt noch nichts! Ja, wenn du sie von Johann Heinrichowitsch bekommen hättest! Ich krieg bei ihm kaum mal´ne Vier. Dafür weiß ich aber, daß ich was weiß!“

Ich dachte: Wenn der Mann das hören würde, könnte er gut ohne Rechenbrett auskommen.

Beim aussteigen fragte ich die Mädels, wo sie lernen.

„In der dritten“, antwortete die im grünen Mantel erstaunt.

Jetzt wußte ich, wer dieser Iwan Andrejewitsch war, dessen Noten so schwer wiegen. Zum Tag des Lehrers wurde im Pawlodarer Tschechow- Theater der Mathematiklehrer der Schule Nr.3 Johann Heinrichowitsch Dyck mit dem Ehrentitel „Verdienter Lehrer der Kasachischen SSR“ ausgezeichnet. Solche Menschen müßte man besser kennen, dachte ich. Aus einem Gespräch mit Genosse Dyck erfuhr ich folgendes: Im Dorf Blumenort (Gebiet Saporoshje) lebte er bis zu seinem zehnten Lebensjahr. Dann kam er nach Ebental (Gebiet Donbaß), wo er 1941 die neunte Klasse beendete. Gleich nach Beginn des Kriegs wurde er zusammen mit dem Vater in die Arbeiterarmee einberufen und kam nach Swerdlowsk. 

Doch als Minderjähriger wurde er 1942 entlassen, kam jedoch 1943 wieder in die Reihen der Armee zurück. Diesmal ging´s nach Sysran, wo er das Schlosserhandwerk erlernte.

Das Jahr 1946 fand ihn in Pawlodar als Kassierer, dann Buchhalter. Jetzt erst konnte er die X. Klasse beenden, bekam das Abgangszeugnis und begann sein Fernstudium. 1950 wurde er Lehrer. Von 1956 – 1959 – wieder Fernunterricht, jetzt an einer pädagogischen Hochschule. In der Schule Nr.3 arbeitet Genosse Dyck schon zehn Jahre.

Solange Genosse Dyck mir diese trockenen Realien aus seiner Biographie darlegt, ist er ein wenig verlegen. Plötzlich fliegt ein Schimmer von herzlicher Freude, der wohl von den dunkel leuchtenden Augen ausgeht, über sein Gesicht. Sogar die Stimme klingt anders:

„Stellen Sie sich vor... Kommen da im Sommer zwei junge Damen zu mir. Kaum daß ich sie erkannte! Was Wunder – zehn Jahre sind vergangen seit jener Entlassungsfeier 1956, als ich von meiner ersten Abgangsklasse Abschied nahm. Zehn Jahre. Und nun saß die ganze „Klasse“, wie mir die zwei Damen freudestrahlend verkündeten, im Restaurant „Irtysch“ und wartete auf ihren gewesenen Klassenlehrer. Das war ein Treffen! Ein Fragen, Raten, Sich-Verwundern und Sich-immer-wieder-an-den-Händen-fassen! Nur zwei waren noch unverheiratet. Viele hatten Mann oder Frau mitgebracht. Wir ließen uns fotografieren und beschlossen: Nach zehn Jahren treffen wir uns wieder!“

Einsilbig, wie ein Mathematiker, solange die Rede von ihm selbst ist, wird Genosse Dyck zu einem Cicero, sobald er auf seine Zöglinge zu sprechen kommt. Mit Liebe spricht er über seinen Mathematikzirkel, dessen Mitglieder sein Kabinett mit den nötigen Anschauungsmittel versorgt haben. Im Sommer während des Urlaubs, verbrachte Genosse Dyck ganze Tage in unserer Industriehochschule, wo er den Aufnahmeprüfungen beiwohnte. Er wollte sich überzeugen, welche Schwierigkeiten seine Absolventen bei den Examen hatten.

Aber die Schule Nr.3 brauchte sich nicht zu schämen.

Am Ende unseres Gesprächs sagte Genosse Dyck: „Übergeben Sie bitte der „Freundschaft“ meinen herzlichen Dank für die Gratulation zu meiner Auszeichnung. All das war natürlich sehr angenehm... Aber der beste Lohn ist doch der Dank meiner Schüler!“

 

N. Wacker

Pawlodar

Familienfoto, ca. 1966
Johann und Anna Dick, ca.1977
Johann Dick vorne, 1973

Mein Vater war immer sehr liebevoll, als Vater und auch als Ehemann. Alle Weihnachten haben wir zusammen mit unseren wenigen Verwandten, Familie Heinrich Dick und Familie Peter Neufeld, verbracht. Ich, als Kind habe mich immer gewundert, wieso wir den Tannenbaum zum 24. Dezember aufstellten. Damals konnte ich gar nicht verstehen, dass wir deutscher Abstammung sind und demzufolge ganz andere Wurzeln haben. Manchmal bekamen wir Briefe aus Kanada von Papas Onkeln und Tanten mit hübschen farbigen Bildern. Ich habe sie immer mit sehr großem Interesse angeschaut und mir tat es leid, dass ich sie nicht meinen Freunden zeigen durfte.

1972 mussten wir in eine drei Zimmer Plattenhauswohnung umziehen. Danach wechselten wir noch zweimal die Wohnung. Die Zeiten änderten sich und wurden viel lockerer, so dass wir unsere deutsche Nationalität nicht mehr zu verstecken brauchten. Ich war immer sehr stolz, dass mein Papa so berühmt in der Stadt war. Meine Eltern haben eine Datscha (Kleingarten mit Haus) am Rande von Pawlodar gekauft. Im Sommer fuhren wir mindestens zwei mal in der Woche dorthin.

Meine Eltern waren nie richtig im Urlaub gewesen, es fehlte immer an Geld. Sie waren aber immer froh und zufrieden und ließen uns Kindern es an nichts fehlen. Sie gaben uns viel Liebe und wir durften eine wunderschöne Kindheit verleben.

Familienfoto, 1974
Familienfoto, 1975
Familienfoto, 1977, Leningrad
Picknik in Krasnokutsk bei Familie Bösse, Johann Dick, ca. 1979
Johann und Anna Dick, ca. 1978
in der Mitte Johann und Anna Dick mit Familie Ridinger, Pavlodar, ca. 1978
mit dem Enkel Michael, 1991
mit dem Enkel Michael, ca. 1992

Mein Vater arbeitete bis 1990, noch sechs Jahre nach seiner Pensionierung, in seiner Schule. Er war ein beliebter und sehr gefragter Lehrer, man war stolz, sein Schüler zu sein. 

Zwei Ereignisse führten dazu, dass mein Vater sich einer Freikirche anschloss. Zum einen hatte sich sein Enkel Michael schwere Verbrennungen zugezogen. Zum anderen war es meine Erkrankung, die vier Operationen in einem Sommer erforderte. Die Freikirche war aber keine Mennonitenkirche. 

 

Mit der „Perestrojka“ ergab sich die Möglichkeit, aus der UdSSR auszuwandern. Die Auswanderung war ein großer und gewagter Schritt, man wusste ja nicht, wie man sich in einer anderen, nichtrussischen Gesellschaft zurechtfinden würde. Wir aber wagten es und haben es bis  heute nicht bereut!

Im September 1990 betraten wir deutschen Boden. Wir wurden überall sehr gut aufgenommen. Zuerst waren wir ca. zwei Wochen in Schönberg, nicht weit von Kiel, danach am Rhein im Kamp- Bornhofen, unweit von Koblenz. Wir waren sehr begeistert von allem was wir sahen. Und wir waren sehr glücklich.

Schon im Dezember zogen wir nach Werlte. Der Ort wurde ausgewählt, weil man dort relativ günstige Wohnungen fand. Hilfe dabei bekamen wir von Glaubensbrüdern unserer Eltern. Weil nur unser Vater gut deutsch konnte, musste er mit jedem von uns zu den Behörden, Arzt usw. gehen. Er tat das gerne, denn er sprach sehr gerne deutsch. Wir besuchten alle einen Sprachkurs und Papa blieb ganze Tage über 10 Monate allein mit seinem kleinen Enkel Michael. 

Papas Rede an meinem 40. Geburtstag, 2000

in Kanada mit Verwandten, 1992
40. Hochzeitstag, 1999
40. Hochzeitstag, von links: Andrej, ich, Johann und Anna Dick, 1999
Johann Dick, ca. 1994

Papa ist noch viel Rad in der wunderschönen norddeutschen Landschaft gefahren. Im Sommer 1992 flog er mit Mama nach Kanada, wo sie mit großer Freude und Liebe von Papas Verwandtschaft aufgenommen wurden. Leider lebte aus der älteren Generation nur noch Tante Martha.

Hans hat alle Kinder der Geschwister seiner Eltern persönlich kennengelernt. Er kannte sie ja nur vom Hörensagen. Bei diesen Treffen musste er immer an seine Eltern und deren Sehnsucht, ihre Verwandten einmal wiederzusehen, denken. Leider hatte sich diese Sehnsucht nie erfüllt!

In den folgenden zehn Jahre bekamen wir mehrere Besuche von Papas Cousins aus Kanada. Leider hatte ich damals noch kein Interesse an unserer Familiengeschichte und konnte somit auch keine Fragen stellen, die mich jetzt beschäftigen.

Mitte der 90-iger Jahre zogen meine Eltern nach Osnabrück in die Nähe meiner Familie, um mehr Zeit mit Michael zu verbringen und uns zu helfen. 

Später haben sie sich entschlossen, als Andrej eine Arbeit in Friesoythe fand, ein Haus im Cloppenburg zu kaufen. Es war nur eine kleine Doppelhaushälfte am Stadtrand, trotzdem gab es das sichere Gefühl, ein eigenes Heim zu haben. Meine Eltern haben sich mit viel Liebe eingerichtet, sie verwirklichten ihren Traum, eine eigene Sauna zu haben. Den Garten haben sie auch in wenigen Jahren wunderschön gestaltet. Auch eine große Terrasse wurde gebaut, wo außer gemütlichen Esstischen auch eine große Tischtennisplatte stand. Sie verbrachten dort eine sehr schöne Zeit! Papa fuhr sehr viel Fahrrad und erledigte so alle Einkäufe. 2002 heiratete Andrej und zog nach Bielefeld. 

Den 40. Hochzeitstag meiner Eltern und später Papas 80. Geburtstag haben wir noch sehr schön gefeiert. 

Mit den Jahren bekam mein Vater öfter Probleme mit den Augen, er wurde ein paar mal wegen einer Linsentrübung (Grauer Star) operiert. Aber am schlimmsten war Glaukom, der Grüne Star. Langsam verlor er seine Sehkraft und nach der letzter Operation erblindete er. Nur allein der Gedanke ist schrecklich, sich vorzustellen, dass man gar nichts mehr sehen kann. Mein Vater aber blieb geduldig und wurde nicht verbittert. Leider stellte sich auch noch nach dem Sehverlust eine andere, schlimme Krankheit ein: Alzheimer! Es war sehr traurig anzusehen, wie Papa alles vergaß, was ihm lieb war. Auf der Terrasse hatte Andrej eine dickes Seil gespannt, an dem Papa sich festhielt, wenn er seine Spaziergänge unternahm. Seine Pflege, rund um die Uhr, lag auf den Schultern meiner Mama, aber sie beschwerte sich nie. Irgendwann konnte Papa nicht mehr alleine aufstehen und er erkannte uns nicht mehr. Und dann fiel er noch aus dem Bett und brach sich das Becken. Es wurde immer schwerer und trauriger!

Nach vielen gemeinsamen Überlegungen haben wir entschieden, dass unsere Eltern nach Osnabrück ziehen sollten. Mama verkaufte das Haus sehr günstig und mietete eine Wohnung in Osnabrück - Eversburg, nicht sehr weit von uns. Irgendwann kam die Zeit, dass Papa sogar nicht mehr sitzen konnte und Mama die Wohnung gar nicht mehr verlassen konnte. Es war eine sehr harte Zeit, besonders für Mama! Für sie war nicht die schwere Pflege am Schlimmsten, sondern die Tatsache, dass sie sich mit ihrem Mann nicht unterhalten konnte. An ihrem 50. Hochzeitstag waren sie noch zu zweit und trotzdem war Mama alleine! Die Geburt der ersten Enkelin Evelyn am 14. Februar 2010 hat Papa leider nicht mehr bewusst erlebt.

 

Am 19. März 2010 um 15:55 Uhr starb unser lieber Papa.

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23. März 2010
das Auszug aus der Zeitung "Звезда Прииртышья" von 6.10.1971, Interview mit dem Schuldirektor über Klassen mit dem Schwerpunkt Mathe
das Auszug aus der Zeitung „Звезда Прииртышья“, ca 1982
Пак Б.А.
Андрей Хоруженко
Александр Устименко

Любовь к «Царице наук»

 

В 1967 году приказом министра образования Казахской ССР в школе Nr. 3 города Павлодара был создан класс с углубленным изучением математики (математический класс, как его здесь называют). Кроме алгебры и геометрии, ребята изучают математический анализ, основы прикладной математики — программирование на базе шефствующего предприятия производственного обьединения «Павлодарский тракторный завод имени В.И. Ленина».

Работа с учениками в основном подчинена выявлению способных к математике детей. Немалую роль в этом играют предметные олимпиады — их подготовка и проведение.

«Ученики из математических классов часто бывают победителями внутришкольной, областной и участниками республиканской олимпиад, - рассказывают преподаватели математики, заслуженный учитель Казахской ССР И.А. Дик и завуч Б.А. Пак. - В этом году в республиканской олимпиаде приняли участие шесть учеников нашей школы. Саша Устименко учавствовал в союзной олимпиаде и там был вторым».

А первое приобщение к «большой» математике начинается уже в начальных классах, когда ребята проводят свою малую олимпиаду, проникаются духом соперничества, учатся мыслить отвлечёнными категориями. И все последующие годы школьники не расстаются с предметными днями, неделями, олимпиадами. 

После окончания седьмого класса желающие более углублённо изучать математику переходят в математический класс. В этой школе собираются ребята почти из всех школ города. Это не только участники и победители математических олимпиад, но и все увлекающиеся этой наукой. Единственное условие поступления в математический класс — желание знать математику и хорошая общая успеваемость. 

Учиться здесь, конечно, несколько труднее. Уроков математики в 8 классе на два часа больше в неделю, а в 9- 10-х классах — на четыре, да и подготовка домашних заданий требует больше времени. Но тем не менее успеваемость здесь не ниже, а даже выше, чем в параллельных обычных классах.

Ребята гордятся своим классом, своим коллективом. И, что интересно, проучившись здесь 2-3 года, они считают именно эту школу родной, будто здесь «десять классов пройдено». Вот и сейчас, во время летних каникул, многие выпускники — нынешние студенты — приходят в школу посмотреть, что здесь нового, поговорить со своим любимым учителем математики, каким стал для них заслуженный учитель Казахской ССР Иван Андреевич Дик.

Это под его руководством кабинет математики стал лучшим в городе. Почти всё здесь сделали сами школьники: и перегородку, за которой хранится проекционная аппаратура, многочисленные приспособления для лучшего усвоения материалов, а под доской, неприметные постороннему глазу, спрятались автомотические экзаменаторы, также собранные своими руками. Родители и шефы помогали приобрести необходимые материалы.

Ребята из математических классов не замыкаются на одной математике. Им чуждо разделение на физиков и лириков. Они активные участники «литературных четвергов» и всех спортивных мероприятий. Большая часть школьного комитета комсомола — тоже ученики матклассов. Они же — организаторы традиционных «политчасов» и конкурсов «Эрудицион».

Любовь к «царице наук», как порой называют математику, помогает воспитанию прекрасных человеческих качеств, как упорство в достижении цели и смекалка, дисциплинированность и общественная активность, умение логически и оригинально мыслить — то есть, всего того что отличает людей одарённых.

Выпускники этой школы учатся почти во всех городах нашей страны. Двое из 56 выпускников математических классов 1980 года учатся в Московском физико-техническом институте — сбывается их мечта заняться космической физикой, один в МГУ, поступили ребята также в вузы Новосибирска, Ленинграда, Омска, Томска, Одессы....

В школу на имя директора приходят отзывы о выпускниках. Например, Андрей Хоруженко закончил в 1980 году школу с золотой медалью. Поступил в Томский университет на факультет прикладной математики и сразу начал заниматься в студенческом научном обществе. Ему поручаются самостоятельные научные работы. Студенческая газета обстоятельно рассказала об Андрее. Ректорат университета прислал отличный отзыв о нём, как студенте, который показывает хорошие знания, отличается организованностью и воспитанностью, умением работать с книгой. Университет приглашает других выпускников школы отдать предпочтение их вузу.

Подобные отзывы приходят из самых разных вузов страны: из Одесского электротехнического института связи имени А.С. Попова, из Новосибирского университета, павлодарских педагогического и индустриального институтов.

С мая этого года средняя школа  Nr. 3 города Павлодара представляет на ВДНХ школы Казахстана. Это, несомненно, большая ответственность и высокая честь.

 

В.Максимова

наш внешт. корр.

1985, Interview an deutsche Zeitung in Kasachstan

vom 4.Februar 2010

Дик Иван Андреевич родился 28 февраля 1924 года в селе Блюменорт Запорожской области Украинской ССР. В детские годы семье приходилось часто и много переезжать с места на место из-за репрессий 30-х годов, поэтому учился Иван Андреевич в разных школах: то в немецкой, то в украинской, то в русской.… До войны он успел закончить 9 классов. В 1941 году всё немецкое население забрали в трудовую армию, а точнее, в тюремные лагеря, где погибло 98% его ровесников, но ему каким-то чудом удалось выжить. В 1946 году он приехал в Павлодар к своим родителям. 

 

После тяжелых военных лет Иван Андреевич хотел устроиться на завод рабочим, но его отец, знавший цену и важность хорошего образования, настоял на том, чтобы он закончил 10 класс и поступил в институт. В то время все немецкое население находилось под надзором КГБ и большого выбора "где учиться" у немецкой молодежи просто не было, был только "Учительский институт" в Семипалатинске, куда Иван Андреевич и поступил в 1949 году. Учился он заочно сначала в учительском, а потом в педагогическом институте. Параллельно в 1950 году Иван Андреевич начинает работать учителем математики в средней школе №11, работа ему нравилась. Учителей- мужчин было не так много, а если и были, то они очень быстро продвигались по школьной карьерной лестнице, то есть становились директорами школ. Но Ивана Андреевича интересовала именно работа с детьми и математика, хотя ему часто и настойчиво предлагали должность директора.  14 января 1957 года в городе Павлодаре открылась новая школа – школа №3, в которой собрался коллектив молодых, прекрасно подготовленных учителей, среди них был Иван Андреевич Дик. В 1966 году за заслуги в деле обучения молодежи Ивану Андреевичу было присвоено звание Заслуженный учитель Казахстана. 

В 1968 году в школе происходит знаменательное событие: открываются классы с углубленным изучением математики. Из воспоминаний Ивана Андреевича: "В 1967 году в биографию нашей школы вписывается новая страница. По приказу Минпроса в одной из школ города Павлодара было решено открыть 9-10 классы с математическим уклоном. Выбор пал на нашу школу. Директор школы Алексей Иванович Брудзь поручил это дело учителю физики Марату Баймухаметовичу Исламгазиеву и мне. Познакомились мы с программой, нагрузкой. Математики на 6 часов больше в неделю, много высшей математики. Зная загруженность учащихся старших классов, их общественную работу, мы не совсем верили, что найдутся охотники на такую перегрузку. Было дано объявление в городе. И, как часто бывает в таких случаях, молодость откликнулась сразу же на новое, трудное, неизвестное. Собрались ученики со всех концов города. Первые же месяцы учебы показали, что работать с такими учащимися очень интересно, что у них повышенные требования. Успевали они не только хорошо учиться, но и активно участвовать в общественной жизни школы, отдыхать, заниматься спортом. Наличие математических классов намного изменило лицо школы. Если раньше мы имели первое место в смотре художественной самодеятельности, хорошо выступали в спорте, то теперь прибавились победы на математических олимпиадах города и области ".

Из воспоминаний учителя математики Цхай Зои Владимировны, ученицы Ивана Андреевича: "С 1962 по 1965 год Иван Андреевич был моим учителем математики и классным руководителем. Это было время оттепели. Нам было по 17 лет, учителю – 40лет. Это было сочетание нашего юношеского максимализма и полета романтики с мудростью человека, познавшего и пережившего репрессии, страшную войну, ставшего педагогом по внутреннему убеждению " сеять разумное, доброе, вечное ". Мы любили своего учителя за его сдержанность, человеческое достоинство, мягкость, за его теплый лучистый взгляд. Уважали его увлеченность любимым делом и интеллект. Успехи по математике у нас были разные, но Учитель, никого не выделяя, умел найти подход к каждому. После окончания пединститута я работала учителем математики в своей же школе и уже как коллега познавала методы преподавания и секреты мастерства Ивана Андреевича. Главными особенностями его педагогической деятельности были системный подход в изучении математики и отсутствие формализма. Он тщательно работал над пробелами в знаниях каждого ученика, давал шанс исправить плохую оценку во внеурочное время.  В классе были доброжелательные отношения, мы всегда помогали друг другу и надолго сохранили школьную привязанность".

Классы с углубленным изучением математики стали своего рода легендой, школа – символом полноценного математического образования. Школьники готовы были ездить через весь город в третью школу, лишь бы учиться в математическом классе. Учеба там была надежным трамплином в дальнейшую жизнь, выпускники Ивана Андреевича легко поступали в любые вузы страны, и в конце 70-х годов количество матклассов было удвоено: так много было желающих получить качественное образование. Иван Андреевич был неизменным председателем научного общества учащихся, которое было организовано сразу после открытия математических классов. На заседаниях научного общества решались сложнейшие математические задачи, заслушивались доклады учащихся, обсуждались математические проблемы, проводились различные математические соревнования и турниры. Он был наставником не только учеников, но и молодых преподавателей, которые приходили в школу.

Из воспоминаний Пак Бэллы Алексеевны, отличника образования РК: "Иван Андреевич…как много он значит в моей жизни! После окончания института я в школе почти не работала, а приехав в Павлодар, пришла в школу. Приехала я 29 августа, а 30 августа начала работать в средней школе №3. Директор школы Михеева Нина Константиновна познакомила меня с Иваном Андреевичем, с которым мне довелось работать в 8 классе с углубленным изучением математики. Нначалось наше сотрудничество. Так как я в школе не работала, то мне было все ново и интересно. Я посещала его уроки. У него в школе был единственный кабинет математики, оснащенный техническими средствами. Его уроки были разнообразные, многоэтапные, не похожие друг на друга. Меня поражало то, что он никогда не повышал голос на учеников, а они все работали на уроке, не было ученика, который бы пришел, не выполнив домашнего задания. Он был учителем от Бога! С Иваном Андреевичем было легко общаться, он учил меня, как лучше составить учебное планирование, как лучше организовать повторение в конце года, из каких источников взять материал по отдельным темам и многому другому. Я училась у него сдержанности, внимательному и уважительному отношению к ученикам и их родителям, четкости в работе. Его любили ученики, он умел общаться с родителями учеников, был любимым классным руководителем всех его выпусков. Неудивительно, что его ученики становились призерами областных, республиканских, международных олимпиад по математике. На второй год работы в школе меня назначили завучем, и я увидела работу Ивана Андреевича как руководителя методического объединения математиков. Он был таким человеком, который, за что бы ни брался, все выполнял от души и обстоятельно, как очень важное дело, которое поручили ему в первый раз, хотя в школе он уже проработал 33 года. Сейчас он живет в Германии и до сих пор скучает по родной третьей школе. В одном из писем он признался, что порой ему сняться сны, в которых он ведет уроки. Второго такого математика, как Дик Иван Андреевич, в школе не было".

Из воспоминаний Ивана Андреевича о своих учениках: "Много лет наша школа прочно удерживала первое место по городу. Двадцать учащихся удостаивались права участия на всесоюзных олимпиадах по математике, физике, химии. Контурбаев Борис в течение трех лет учебы был участником всесоюзных олимпиад.  Щербинин Олег и Лопатин Алексей успешно закончили МФТИ. Очень интересен приход в математический класс Толи Щербакова. Он уже в 6 классе завоевал грамоту на всесоюзной олимпиаде, причем выступал за 8 класс, вторично он достиг вершины в 9 классе. Десятый класс Толя закончил в физмат школе при НГУ". 

Сейчас, когда на дворе уже давно 21 век и когда прошло уже 20 лет с тех пор, как Иван Андреевич провел свой последний урок, в его адрес приходят письма со словами благодарности за все, что он сделал для своих учеников, за то, что он вкладывал душу в каждый свой урок, в каждого своего ученика. 

Из воспоминаний учеников Ивана Андреевича: "Разным мог быть Иван Андреевич, то он по-отцовски добрый, веселый и общительный, а то холодный и решительный. Но надо видеть этого человека, когда осторожно и торжественно ведет он в удивительную страну математики ".

 

Его ученики живут и работают в разных уголках мира:

 

Щербинко Нина окончила КазГУ, мехмат, преподаватель математики в ПГУ;

 

Поляков Валерий окончил Омский медицинский институт, хирург;

 

Сытин Валерий окончил Киевское военное артиллеристское училище, военнослужащий;

 

Новичков Валерий окончил летное училище, военный летчик;

 

Цхай Зоя окончила ПГПИ, преподаватель математики школы №3;

 

Конурбаев Темир окончил ПГПИ, преподаватель математики школы №3;

 

Сарбасов Мухаметжан окончил автодорожный институт г. Алматы, зам директора ТОО;

 

Сарбасова Нурбану окончила ПГУ, преподаватель ПГУ;

 

Камышная Наталья окончила мед институт, врач гастроэнтеролог;

 

Саминская Наталья окончила ПГПИ, преподаватель института.

 

В 1990 году в возрасте 66 лет Иван Андреевич с семьёй переезжает в Германию, заканчивается его профессиональная деятельность. Он больше не входит в класс как учитель, ему больше не нужно писать планов и проверять тетради, но интерес к третьей школе, интерес к судьбам своих учеников остался до сих пор.  31 января 2007 года жена Ивана Андреевича Анна Юлиусовна прислала поздравительный адрес в связи с 50 летним юбилеем школы №3: "Третья школа для него - вся его жизнь, его любовь, его надежда. Он всегда жил своими учениками, гордился их успехами, верил в них, желал им всего самого наилучшего. Даже теперь, когда он болен, он волнуется о своих учениках, волнуется, кто будет проводить уроки в его отсутствии. Он желает всем счастья, чтобы все учителя и бывшие ученики были здоровы. Пусть школа №3 и нынешние учителя, и ученики продолжают все традиции школы. И каждый ученик, который закончил эту школу, мог с гордостью сказать:"Я учился в Павлодарской третьей школе ".

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2012 wurde in Pavlodar das Buch "Всё начинается с учителя" von Шаймерденов Т. veröffentlicht. Auf den Seiten von 115 bis 121 befindet sich ein Artikel in zwei Sprachen (kasachisch und russisch) über mein Vater:

Johann Dick, 1968

 

 

Призвание

 

Дик Иван Андреевич родился 28 февраля 1924 года в селе Блюменорт Запорожской области Украинской ССР. В его детские годы семье приходилось часто и много переезжать с места на место из-за репрессий 30-х годов, поэтому учился Иван Андреевич в разных школах: то в немецкой, то в украинской, то в русской... До войны он успел закончить 9 классов. В 1941 году всё немецкое население забрали в трудовую армию, а точнее, в тюремные лагеря, где погибло 98% его ровестников, но ему каким-то чудом удалось выжить. В 1946 году он приехал в Павлодар к своим родителям.

После тяжёлых военных лет Иван Андреевич хотел устроиться на завод рабочим, но его отец, знавший цену хорошего образования, настоял на том, чтобы он закончил 10-й класс и поступил в институт. В то время всё немецкое население находилось под надзором КГБ и большого выбора, где учиться, у немецкой молодёжи просто не было, был только учительский институт в Семипалатинске, куда Иван Андреевич и поступил в 1949 году.

Учился он заочно счачала в учительском, а потом в педагогическом институте. Параллельно в 1950 году Иван Андреевич начинает работать учителем математики в средней школе Nr. 11. Работа ему нравилась.

Учителей- мужчин было не так уж и много, а если и были, то они очень быстро продвигались по карьерной лестнице, становились директорами школ. Но Ивана Андреевича интересовала именно работа с детьми и математика, хотя ему часто и настойчиво предлагали должность директора школы.

14 января 1957 года в Павлодаре открылась новая школа, школа Nr. 3, в которой собрался коллектив молодых, прекрасно подготовленных учителей, среди них был  Иван Андреевич Дик. В 1966 году за заслуги в деле обучения молодёжи  Ивану Андреевичу было присвоено высокое звание «Заслуженный учитель школы Казахской ССР».

В 1968 году происходит знаменательное событие: открываются классы с углубленным изучением математики. Из воспоминаний  Ивана Андреевича: «В 1967 году в биографию нашей школы вписывается новая страница. По приказу Министерства просвещения в одной из школ города Павлодара было решено открыть 9-10 классы с математическим уклоном. Выбор пал на нашу школу. Директор школы Алексей Иванович Брудзь поручил это дело учителю физики Марату Баймухаметовичу Исламгазиеву и мне. Познакомились мы с программой, нагрузкой. Уроков математики больше на 6 часов в неделю, много высшей математики. Зная загруженность учащихся старших классов, занятость общественной работой, мы не совсем верили, что найдутся охотники на такую перегрузку. Было дано обьявление в городе. И, как часто бывает в таких случаях, молодость откликнулась сразу же на новое, трудное, неизвестное. Собрались ученики со всех концов города. Первые же месяцы показали, что работать с такими учащимися очень интересно, что у них повышенные требования. Успевали они не только хорошо учиться, но и активно учавствовать в общественной жизни школы, отдыхать, заниматься спортом. Наличие математических классов намного изменило лицо школы. Если раньше мы имели первое место в смотре художественной школы, хорошо выступали в спорте, то теперь прибавились победы на математических олимпиадах города и области».

Из воспоминаний учителя математики Цхай Зои Владимировны, ученицы  Ивана Андреевича: «С 1962 по 1965 год  Иван Андреевич был моим учителем математики и классным руководителем. Это было время оттепели. Нам было по 17 лет, учителю — 40. Это было сочетание нашего юношеского максимализма и полёта романтики с мудростью человека, познавшего и пережившего репрессии, страшную войну, ставшего педагогом по внутреннему убеждению «сеять разумное, доброе, вечное». Мы любили своего учителя за его сдержанность, человеческое достоинство, мягкость, за его тёплый лучистый взгляд. Уважали его увлечённость любимым делом и интеллект. Успехи по математике у нас были разные, но учитель, никого не выделяя, умел найти подход к каждому.

После окончания пединститута я работала учителем математики в своей же школе и уже как коллега познавала методы преподавания и секреты мастерства  Ивана Андреевича. Главными особенностями его педагогической деятельности были системный подход в изучении математики и отсутствие формализма. Он тщательно работал над пробелами в знаниях каждого ученика, давал шанс исправить плохую оценку во внеурочное время. В классе были доброжелательные отношения, мы всегда помогали друг другу и надолго сохранили школьную привязанность».

Классы с углубленным изучением математики стали своего рода легендой, школа — символом полноценного математического образования. Школьники готовы были ездить через весь город в третью школу, лишь бы учиться в математическом классе. Учёба там была надёжным трамплином в дальнейшую жизнь, выпускники Ивана Андреевича легко поступали в любые вузы страны, и в конце 70-х годов количество математических классов было удвоено — так много было желающих получить качественное образование.

Иван Андреевич был неизменным председателем научного общества учащихся, которое было организовано сразу после открытия математических классов. На заседаниях научного общества решались сложнейшие математические задачи, заслушивались доклады учащихся, обсуждались математические проблемы, проводились различные математические соревнования и турниры. Он был наставником не только учеников, но и молодых преподавателей, которые приходили в школу. Из воспоминаний Пак Бэллы Алексеевны, отличника образования РК: « Иван Андреевич... Как много он значит в моей жизни! После окончания института я в школе почти не работала, а приехав в Павлодар, пришла в школу. Приехала я 29 августа, а 30 августа начала работать в средней школе Nr. 3. Директор школы Михеева Нина Константиновна познакомила меня с  Иваном Андреевичем, с которым мне довелось работать в 8 классе с углубленным изучением математики. Началось наше сотрудничество.

Так как до этого я в школе не работала, то мне всё было ново и интересно. Я посещала его уроки. У него в школе был единственный кабинет математики, оснащённый техническими средствами. Его уроки были разнообразные, многоэтапные, не похожие друг на друга. Меня поражало то, что он никогда не повышал голос на учеников, а они все работали на уроке. Не было ученика, который бы пришёл в школу, не выполнив домашнего задания. Он был учителем от Бога! С  Иваном Андреевичем было легко общаться, он учил меня, как лучше составить учебное планирование, как лучше организовать повторение в конце учебного года, из каких источников взять материал по отдельным темам и многое другое. Я училась у него сдержанности, внимательному и уважительному отношению к ученикам и их родителям, чёткости в работе. Его любили ученики, он умел общаться с родителями учеников, был любимым классным руководителем всех его выпусков. Неудивительно, что его ученики становятся призёрами областных, республиканских, международных олимпиад по математике.

На второй год работы в школе меня назначили завучем и я увидела работу  Ивана Андреевича как руководителя методического обьединения математиков. Он был таким человеком, который, за что бы ни брался, всё выполнял от души и обстоятельно, как очень важное дело, которое поручили ему в первый раз, хотя в школе он проработал уже 33 года. Сейчас он живёт в Германии и до сих пор скучает по родной третьей школе. В одном из писем он признался, что порой ему снятся сны, в которых он ведёт урок. Второго такого математика, как Дик Иван Андреевич, в школе не было».

Из воспоминаний  Ивана Андреевича о своих учениках: «Много лет наша школа прочно удерживала первое место по городу. Двадцать учащихся удостаивались права на участие во всесоюзных олимпиадах по математике, физике, химии. Контурбаев Борис в течении трёх лет учёбы был участником всесоюзных олимпиад. Щербинин Олег и Лопатин Алексей успешно закончили МФТИ. Очень интересен приход в математический класс Толи Щербакова. Он уже в 6 классе завоевал грамоту на всесоюзной олимпиаде, причём выступал за 8 класс, вторично он достиг вершины в 9 классе. 10 класс он закончил в физико-математической школе при НГУ».

Сейчас, когда во дворе давно уже 21 век и когда прошло уже 20 лет с тех пор, как  Иван Андреевич провёл свой последний урок, в его адрес приходят письма со словами благодарности за всё, что он сделал для своих учеников, за то, что вкладывал душу в каждый свой урок, в каждого своего ученика.

Из воспоминаний учеников  Ивана Андреевича: «Разным мог быть  Иван Андреевич. То он по-отцовски добрый, весёлый и общительный, а то и холодный и решительный. Но надо видеть этого человека, когда осторожно и торжественно ведёт он в удивительную страну математики».

Его ученики живут и работают в разных уголках мира: Щербинко Нина окончила КазГУ, мехмат, преподаватель математики в ПГУ; Поляков Валерий окончил Омский медицинский институт, хирург; Сытин Валерий окончил Киевское военное артиллерийское училище, военнослужащий; Новичков Валерий окончил лётное училище, военный лётчик; Цхай Зоя окончила ПГПИ, преподаватель математики в школе Nr. 3; Конурбаев Темир окончил ПГПИ,  преподаватель математики в школе Nr. 3; Сарбасов Мухаметжан окончил автодорожный институт г. Алматы, зам. Директора ТОО; Сарбасова Нурбану окончила ПГУ, преподаватель ПГУ; Камышная Наталья окончила медицинский институт, врач гастроэнтеролог; Саминская Наталья окончила ПГПИ, преподаватель института.

В 1990 году в возрасте 66 лет  Иван Андреевич с семьёй переезжает в Германию, заканчивается его профессиональная деятельность. Он больше не входит в класс как учитель, ему больше не надо писать планов и проверять тетради, но интерес к третьей школе, интерес к судьбам своих учеников остался до сих пор.

31 января 2007 года жена  Ивана Андреевича Анна Юлиусовна прислала поздравительный адрес в связи с 50-летним юбилеем школы  Nr. 3: «Третья школа для него — вся его жизнь, его любовь, его надежда. Он всегда жил своими учениками, гордился их успехами. Верил в них, желал им всего самого наилучшего. Даже теперь, когда он болен, он волнуется о своих учениках, волнуется, кто будет проводить уроки в его отсутствие. Он желает всем счастья, чтобы все учителя и бывшие ученики были здоровы. Пусть школа  Nr. 3, нынешние учителя и ученики продолжают все традиции школы. И каждый ученик, заканчивающий эту школу, мог с гордостью сказать: «Я учился в Павлодарской третьей школе».

 

 

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Papas Lieblingsgebäck war Zwieback. Der Zwieback ist ein rundliches und goldbraun gebackenes Doppeldecker-Hefebrötchen. Dieses kleine Doppelbrötchen ist das bekannteste Gebäck bei den Russlandmennoniten. 

Der russlandmennonitische Tweebak stammt vermutlich aus niederländischen Hafenstädten bzw. aus der Stadt Danzig, wo getrocknete und geröstete Zwieback als Schiffsproviant im Gebrauch waren. Die mennonitischen Zuwanderer behielten diese Backtradition für den Verlauf ihrer weiteren Migrationsgeschichte. In dem Bote von 13. Juni 1956 von Peter Epp : "Zwieback, dieses herrliche Gebäck der Molotschna! Gibt es irgendwo deinesgleichen! An den riesigen Tafeln in Wien, Berlin, Paris essend, nicht hat ihm, unserm allergnädigsten Herrn und Kaiser, der Gesegnete genannt, so gut geschmeckt, wie unser mennonitischer Zwieback, als er im Jahre 1817, bald nach dem Wiener Kongress, auf seiner Durchreise in Lindenau im Hause des ehrbaren Hiebert anhielt und seinen Imbiss nahm."