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Anna Julius Dick, geb. Siemens ∗1934

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Meine liebe Mama, Anna Dick, geb. Siemens, hatte eine sehr schwere Kinder- und Jugendzeit, geprägt durch Krieg, Hunger und Not. Dazu hat sie früh ihre Eltern verloren und blieb trotzdem ein sehr optimistischer und freudiger Mensch. Anna Siemens wurde am 2. Juli 1934 in dem Industriestädtchen Konstantinovka in der Ukraine geboren.
Es waren dunkle Zeiten in der UdSSR. Die Sowjetherrschaft stellte nun alle, die sich Deutsche nannten oder einen deutschen Namen trugen, als Verbrecher hin. Die Ausrottung der Deutschen begann schon nach der Oktoberrevolution und wurde fortgesetzt. Viele Mennoniten flüchteten nach Kanada, Brasilien, einige wenige nach Deutschland. Aber in den 30er Jahren wurde die Auswanderung erschwert und hörte zuletzt ganz auf, da Moskau keine Ausreisepässe mehr ausstellen wollte. Von den Siemens blieben nur mein Großvater Julius mit Familie und sein Bruder Kornej „fest eingeschlossen“ im Land, in dem Stalins Regime herrschte.
Nach Annas Geburt wurde ihre Mutter Tina sehr krank. Nach verzweifeltem Suchen fand der Vater Julius schließlich eine Arbeitsstelle außerhalb der Stadt. Und so blieb Tina allein mit ihren zwei Töchtern, Anna und der zwölf Jahre älteren Agata, fast ohne Mittel zurück. Aus dieser aussichtslosen Lage wurden sie von Kornej Siemens gerettet, der zu diesem Zeitpunkt aus dem Straflager endlich entlassen wurde. Danach wurde gemeinsam beschlossen, nach dem Ural umzusiedeln. So kam die Familie Siemens mit der zweimonate alten Anna im September 1934 in Novo-Sotrino, ein Dorf im Sverdlovsk Gebiet, an. Hier wohnte Tinas Schwester Anna mit ihrem Mann Peter Wieler.

1936, Novo-Sotrino, Agata und Anna

In der Nähe des Dorfes lag ein Wald, in dem man reichlich Beeren und Pilze sammeln konnte. Ich glaube, es waren relativ glückliche Jahre, weil die Familie zusammen war. Ein kleines Kind merkt nicht, wie schwer das Leben ist, wenn nur Mama und Papa da sind und das Kind Liebe bekommt. Die ersten Erinnerungen meiner Mutter sind mit Novo-Sotrino und dem Wald verbunden. Schöne Mädchenkleider und Spielzeug hatte sie natürlich nicht. Ihr Vater Julius arbeitete in einer Fabrik bis das schreckliche, volle Terrorjahr 1937 kam. Meine Mama, damals ein dreijähriges Kind, kann sich ganz gut an Folgendes erinnern: In einer Dezembernacht kamen schwarz gekleidete Leute ins Haus, durchsuchten es und nahmen ihren Onkel Peter Wieler mit. Alle zu Hause wussten, dass er nie zurückkommen würde! Meine Mama stand mit großen Augen an der Tür, voller Angst beobachtete sie alles. Kann man DAS vergessen?
Kurze Zeit später wurde auch mein Großvater Julius an seinem Arbeitsplatz festgenommen. Die Anklage, er solle einen Kolchos in Brand gesetzt haben, war völlig absurd. Glücklicherweise kehrte er ein Jahr später nach Hause zurück. Der Grund für seine Entlassung war, dass durch die vielen willkürlichen Verhaftungen die Gefängnisse inzwischen total überfüllt waren. Dadurch kamen dann auch wieder viele (zu Unrecht) Beschuldigte „willkürlich“ frei. Um Julius´ Gesundheit stand es sehr schlecht. Er litt an epileptischen Anfällen, die sich jetzt häuften. Seine Frau Tina hatte sehr große Angst um ihn. Julius begann wieder als Zimmermann in einer Fabrik (смоло скипидарный завод) zu arbeiten. Dieser Betrieb befand sich in einem anderen Ort, sodass Julius eine ziemlich lange Strecke zu Fuß entlang den Bahnschienen zurücklegen musste. Das fiel ihm immer schwerer!
Dann kam der 2. Weltkrieg und mit ihm auch die Mobilisierung der Deutschen in die Arbeitsarmee. Aus gesundheitlichen Gründen durfte Julius zu Hause bleiben. Annas Mutter Tina und Schwester Agata wurden im November 1942 zwangsweise nach Karpinsk ins Arbeitslager eingezogen. Julius starb am 29. Juli 1944. Und so blieb Anna mit ihrer Tante Anna Wieler, welche ihr die Mutter ersetzte, allein.

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1940, Novo Sotrino, Anna Siemens
ca. 1940-41, Novo Sotrino, Tante Anna Wieler, Agata und Anna
ca. 1942, Novo Sotrino, Anna und Tante Anna Wieler
1950, Karpinsk, Anna Siemens
1951, Karpinsk, Anna im Stehen, Agata sitzt rechts

Im Juni 1946 wurde die Situation im Arbeitslager etwas gelockert. Sie durften zwar nicht weg fahren, aber die Familien durften zu ihnen zuziehen. Tante Anna Wieler verkaufte ihr Haus in Novo-Sotrino für 900 Rubel, dafür konnte man in dieser Zeit ca. 9 Leib Brot kaufen.
Die zwölfjährige Anna mit ihrer Tante kamen in Karpinsk an, wo sie in einem Zimmer einer Baracke des Arbeitslagers, zusammen mit Tina und Agata, ihr neues Zuhause fanden. Auch nicht einmal der Stacheldrahtzaun konnte den jungen Leuten ihre Lebenslust weg nehmen. Agata heiratete und bekam ihr erstes Kind Ljelja. Der Mann von Agata wohnte im selben Zimmer mit allen anderen zusammen. Meine Großmutter Tina arbeitete im Bergwerk. Sie wurde immer kränker und bekam schwere Asthma. Als es schon gar nicht mehr ging ließ man sie als Putzfrau arbeiten. Im November 1947 starb die kleine Ljelja an Masern. Im gleichen Jahr kauften sie ein Viertel Haus, d.h. ein großes Zimmer, keine Küche. Mama hat eine Zeichnung von diesem Zimmer erstellt.
Am 23. März 1948 während des Nachtdienstes erlitt Tina einen Schlaganfall. Anna und die schwangere Agata waren gerade auch da, sie halfen ihre Mutter zu putzen und brachten ihr etwas zu essen. In dieser Nacht saßen alle drei zusammen und unterhielten sich beim Essen. Plötzlich ging das Licht aus. Anna lief zur Toilette und hörte wie ihre Mutter ihr zurief, vorsichtig beim Treppenlaufen im Dunkeln zu sein. Das waren die letzten Worte von meiner Großmutter Tina. Als Anna nach ca. 5 Minuten zurückkam, schrie Agata schon panisch: „Mit Mama stimmt etwas nicht“. Anna holte den Wächter mit einer Taschenlampe, welcher dann auch einen Krankenwagen gerufen hat, der aber erst sehr spät kam. Tina konnte sich nicht bewegen und auch nicht sprechen. Sie war schon gelähmt. Zwei verzweifelte, weinende Schwestern konnten ihrer Mutter nicht helfen. Tina wurde zuerst in ein Krankenhaus gebracht, dann in ein  anderes. Nach damaligen Regeln, durfte man sie auch nicht besuchen. Die Pflege, die medizinische Versorgung und das Essen im Krankenhaus waren sehr schlecht. Nach zweiwöchentlichem Aufenthalt nahmen die Schwestern ihre Mama unter eigene Verantwortung nach Hause. Drei und halb Monate später, am 7. Juli starb Tina. Kurz davor hat sie noch mitbekommen, dass ihre ältere Tochter Agata am 12. Juni einen Sohn Jenja (Женя) zur Welt gebracht hat. Tina hat auch seinen Name gelost.
1950 zog Agata mit ihrem Mann und dem Sohn aus. Und so blieb die 16-jährige Anna wieder mit ihrer Tante Anna zurück. 1952 verließ Agata ihren Mann und kehrte mit Jenja zurück. Anna ging in die Schule bis 1951. Danach arbeitete sie in dem Bergwerk als Табельщица und besuchte die 9. Klasse der Abendschule. Tante Anna nähte für fremde Leute und Agata arbeitete zuerst in einem Obstlager und danach im Kindergarten. So kamen sie über die Runden.

1948, Karpinsk, Anna Siemens als Schülerin
1950, Karpinsk, Anna Siemens in der 9. Klasse
1953, Karpinsk, Anna Siemens
1956, Karpinsk, Abendschule, Anna Siemens in der 10. Klasse

Am 28. Februar 1954 ist Tante Anna im Schlaf gestorben. Die beiden Schwestern hatten Niemanden mehr. Die Großeltern lebten in Brasilien, mit welchen zu dieser Zeit noch kein Briefkontakt wieder hergestellt worden war. Anna besuchte Buchhalter Kurse, fand aber keine Arbeit. Im Juli 1956 ist sie nach Saratow gefahren, wo sie die zweijährige Ausbildung zur Näherin absolvierte. Die Stadt hat ihr sehr gefallen und sie bekam dort auch eine Arbeitsstelle. Anna wollte unbedingt ihre Schwester zu sich holen. Das aber war leider unmöglich. Und ohne ihre Schwester wollte Anna dort nicht bleiben.

 

1955, Karpinsk, Anna Siemens links
1956, Saratow, Anna Siemens
1957, Saratow, 1.Mai Demonstration
1957, Saratow, Anna Siemens
1958, Saratow, Ausbildung zur Näherin
1958, Saratow, Anna Siemens

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Es war Annas Freundin Ella (sie kam 1956 mit ihrem Mann Peter Neufeld nach Pawlodar, Kasachstan), die ihr vorgeschlagen hat sie in Pawlodar zu besuchen um zu überlegen dort zu bleiben. Annas Ausbildungsstätte hatte für sie eine Arbeitsstelle in Pawlodar gefunden und so fuhr sie im August 1958 in das ihr unbekannte Kasachstan. Das erste Eindruck vom Pawlodar war sehr negativ, keine schöne Häuser, keine Bäume, überall trockene Steppe und Wind. Mama erzählte, dass sie immer ein Gefühl hatte Sand zwischen den Zähnen zu spüren. Und außer der verheirateten Ella, kannte Anna dort auch niemanden. Sie wollte nur zurück nach Saratow. Aber, wie es das Schicksal so will, lernte sie eine Woche später den zehn Jahre älteren Johann Dick, den Cousin von Ellas Mann und meinen zukünftigen Vater, kennen. Die jungen  Leute verliebten sich ineinander und Annas Wunsch aus Pawlodar wegzuziehen war verschwunden. Im November 1958 bekam sie ihr ersten Urlaub und fuhr nach Karpinsk ihre Schwester zu besuchen, mit der Versprechung an Johann unbedingt zurück zu kommen. Sie blieb nur zehn Tage in Karpinsk. Nach der Rückkehr wohnte sie weiter bei Neufeld´s. (улица Абая 340). Weihnachten desselben Jahres hat Anna im Kreise von Johanns Familie gefeiert. Im Januar 1959 haben Ella und Peter Neufeld ein anderes Haus gekauft und Anna blieb bei den neuen Wirten. Im März hat Johann ihr den Heiratsantrag gemacht und beide wollten schon im April heiraten. Wegen der plötzlichen Krankheit von Johanns Mutter haben sie die Feier auf Juni verschoben. Am Sonnabend den 27. Juni fand dann die Hochzeit statt. Eine Woche früher war die standesamtliche Trauung. Kirchlich trauen konnten sie sich nicht, weil es negative Folgen auf weitere pädagogische Arbeiten meines Vaters haben könnte.

Am 9. Juli 1960 starb Annas Schwiegervater und am 16.September wurde ich, als erstes Kind geboren. Meinen Namen hat mir mein Vater gegeben, nach seiner früh verstorbenen Schwester und nach seiner Großmutter. Zweieinhalb Jahre später kam mein Bruder Andrej zur Welt. Wir wohnten zusammen mit Oma Frieda Dück, welche im Sommer 1965 starb.

1958, Pawlodar, Anna Siemens
1959, Pawlodar, Anna Siemens-Dick
1961, Pawlodar, Anna Dick mit Tochter Rita
1961, Pawlodar, Anna mit Tochter Rita
1962, Pawlodar, Anna Dick mit Tochter Rita
ca.1961-62, Pawlodar, Anna und Johann Dick
1968, Pawlodar, Anna Dick mit Rita und Andrej
1969, Pawlodar, Anna Dick
197? Anna nahm manchmal Arbeit nach Hause

Weil Anna in ihrem Nähatelier bedrängt wurde in die Kommunistische Partei einzutreten, hat sie gekündigt. Dank Lika Neufeld fand sie eine Stelle als Dispatcher im Busdepot, in dem sie bis 1969 arbeitete. Letzte zwei Jahre als Ökonomistin. In dieser Zeit hat Anna eine Fernausbildung zur Buchhalterin absolviert. Die Prüfungen fanden in Omsk statt. Leider musste Anna ihre sehr gute Arbeitsstelle wechseln um in der Nähe von Zuhause zu sein. Es war nicht einfach den  Haushalt und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Ganz früh am morgen musste sie zwei Ofen heizen. Ich kann mich noch erinnern, dass es ziemlich schwer war die Kohle für den Winter zu besorgen. Wasser holte man damals von der Säule, die ca. 50 Meter von unserem Haus entfernt war. Mit der Einschulung von Andrej übernahm Mama eine schlechtere Stelle in einer staatlichen Finanzorganisation, nicht weit von zu Hause. Sie musste Hausbesuche machen um Schulden bei den Bürger zu sammeln. Das war manchmal auch gefährlich. Und obwohl ihr eine andere Stelle versprochen wurde, welche sie noch abwarten sollte, kündigte Mama. Sie begann als Controller im kommunalen Wasserwerk zu arbeiten. Dieses Unternehmen war ein paar Minuten von zu Hause entfernt und Mama konnte zwischendurch nach uns gucken. Sie hatte zwei Arbeitskolleginnen Tante Klava und Tante Mascha (so nannte ich sie), mit welchen Mama richtig gut befreundet war.

 

 

1972 wurde unser Haus abgerissen, weil die Stadt irgendwelche Leitungen durch diese Stelle führen wollte. Wir haben kein Geld für unser Haus bekommen, nur eine Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss (wegen Diebstähle schlecht) in einem anderen Teil der Stadt. In der Sowjetunion spielte eine es eine wichtige Rolle, die notwendigen Bekannten zu erlangen, um notwendigen Dinge oder Dienstleistungen zu erhalten. Der ganze Staat war in Korruption verwickelt. Es war ganz normal, dass man jemanden bestechen musste, um viele selbstverständliche Sachen fürs Leben zu bekommen. Mein Vater konnte das gar nicht. Wenn es also notwendig war, jemandem zuzustimmen oder etwas zu bekommen, wurde es von meiner Mutter gemacht. So erhielt meine Mama 1972 von den „richtigen“ Leuten die Erlaubnis, in einem Jahr in einem anderen Haus eine Wohnung zu bekommen, bereits im dritten Stock, für uns und nebenan für ihre Schwester, unsere Tante Agata. Wir waren sehr glücklich darüber.

Mamas Freundin Ella Neufeld bekam Mutterschutzurlaub und ihre Arbeitsstelle wurde frei. Dank diesem glücklichen Zufall, bekam Mama 1974 eine sehr gute Stelle als Buchhalterin im Bußbahnhof. Dieses Unternehmen lag auch näher zu unserem neuen Zuhause. Mama hat dort bis in die Rente (1989) gearbeitet. Ihre Rente betrug 120 Rubel. 1982 sind wir noch einmal umgezogen in eine schöne Vier Zimmer Wohnung. (улица Суворова 7/1) In dieser Zeit arbeitete ich bereits, Andrej studierte noch und endlich hat mein Bruder sein eigenes Zimmer bekommen, bis dahin musste er im Wohnzimmer schlafen.

1967, Pawlodar, Familien: Peter und Ella Neufeld, Jacob und Maria Bartel, Heinrich und Maria Dick. Anna ist die zweite von links, Angelika Neufeld ganz rechts
1975, Pawlodar, Anna Dick mit Rita und Andrej
1983, Pawlodar, Anna mit Schwester Agata
ca.1987, Pawlodar, Anna und Johann Dick
1990, Anna mit Michael, Ostsee, erste Tade in Deutschland

Mit der „Perestrojka“ 1990 fiel unsere Entscheidung nach Deutschland umzusiedeln. Es waren sehr glückliche Jahre, trotz vieler Schwierigkeiten. Mama hat noch versucht einen Kurus zur Altenpflegerin zu machen, hat es aber, wegen Sprachproblemen, nicht geschafft. Sie konnte nur Plattdeusch sprechen. Meine Eltern wohnten in Werlte und zogen später nach Osnabrück um, um mir mit dem Michael zu helfen. Er war der einzige Enkel und wurde zu dem Zeitpunkt eingeschult. Sie machten mit ihm Hausaufgaben, gingen spazieren oder zum Sport. Michael übernachtete ganz oft bei seinen Grosseltern. Und später, als er größer geworden ist, zogen sie nach Cloppenburg um, wo sie ihren Traum vom eigenen Häuschen verwirklichten. Die Doppelhaushälfte haben sie zusammen mit meinem Bruder Andrej gekauft. Mama und Papa mit viel Energie, Freude und Liebe haben sich ihr neues Zuhause gemütlich gemacht. Sie bauten eine große Terrasse, auf welcher auch Tischtennis seinen Platz fand. Im ersten Stock, neben dem Schlafzimmer, wurde eine Sauna eingebaut. Und der Garten wurde wunderschön. Michael kam ganz oft über Wochenenden zu seinen Großeltern. Ich begleitete ihn zum Bahnhof in Osnabrück, setzte ihn in den Zug und Mama holte ihn dann am Bahnhof in Cloppenburg ab.

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1997, Osnabrück, Anna Dick
ca.2003-2004, Cloppenburg, Anna und Johann Dick
2005

Die schlimmen Zeiten kamen mit Papas Krankheit, nachdem er blind geworden ist und die Alzheimer-Krankheit ihn seiner letzten Gedächtnisspuren beraubte. Ich kann nicht ohne Tränen an die letzte von ihm geschriebene Geburtstagskarte an meine Mama denken. Papa konnte schon gar nicht sehen, aber wollte unbedingt noch selber für seine geliebte Anna schreiben und Andrej hat ihm damit geholfen. Später wusste Papa nicht mehr, wer Anna ist, aber immer wieder sagte er ihren Namen. Die ganze Pflege lag auf Mamas Schultern. Tag und Nacht war sie für Papa da und pflegte ihn sehr liebevoll.
Andrej, seit ein paar Jahren verheiratet wohnte in Bielefeld. Da kam der Zeitpunkt, in dem Pflege und Haus einfach viel zu viel für Mama geworden ist. Sie verkaufte das Haus und sie zogen in eine Mietwohnung in Osnabrück, nicht weit von uns. Es war eine richtige Entscheidung denn Papas Zustand verschlechterte sich. Mama kam kaum noch aus der Wohnung raus. Nur manchmal, wenn Michael oder Tante Agata bei ihr waren, fuhr sie sonntags zur Kirche.
Als Papa 2010 starb war es für Mama am schlimmsten. Ich glaube, nur die Geburten der zwei Enkelinnen Evelyn und Marleen haben ihr wieder Lebensfreude gebracht.

 

ca. 2005-2006, Cloppenburg, Anna und Johann Dick
ca. 2006, Cloppenburg, Anna und Johann Dick
2010, Anna, Lena und Andrej mit Evelyn, Rita
2014, Annas 80-er Geburtstag, Osnabrück

Mama wohnt jetzt in einer sehr kleinen Wohnung ganz in der Nähe von uns. Und obwohl sie nicht ganz gesund ist, bleibt sie sehr optimistisch. Mama fährt mit der Bahn einmal im Monat zu ihrer Schwester nach Cloppenburg. Tante Agata hat im November 2018 ihr 96. Geburtstag gefeiert und ist sehr schwach. Und zweimal im Monat fährt Mama nach Bielefeld zur Familie meines Bruders und bleibt dort meistens drei oder vier Tage.
Mama, trotzt ihren 84 Jahren bleibt immer in Bewegung. Sie bügelt für unsere Familie schon seit Jahren alle Wäsche. Backen ist ihre Leidenschaft, sie versorgt damit alle. Aber auch Stricken mag sie gerne, wir alle haben mehrere warme Stricksocken, welche Mama liebevoll für uns gestrickt hat.

Ich hoffe, dass der liebe Gott unserer Mama noch viele gesunde Lebensjahre schenkt.

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