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"Sareptischen Hause", was versteht man unter diesem Begriff? 

Sarepta war eine Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine im Gouvernement Astrachan. Von Katharina II. ins russische Kaiserreich eingeladen, erreichten die ersten fünf Glaubensbrüder mit ihren russischen Begleitern im August 1765 das Gebiet von Zarizyn, dem heutigen Wolgograd. Sie konnten ihr Land „zum ewigen Eigentum“ selbst aussuchen und durften eine Selbstverwaltung einsetzen. So entstand eine neue Siedlung, welche wie eine Kopie von Herrnhut in der Oberlausitz war. 

Die Brüdergemeinde, außer ihren Missionar Tätigkeit, widmete sich zur Freude der russischen Regierung vor allem dem Handel und der Industrieentwicklung. Deswegen hatten sie natürlich ihre Vertreter in Moskau und St. Petersburg. Ich denke, Herr  Blüher war einer davon. Das Haus, in welchem seine Familie wohnte, hatte mehrere Gästezimmer für Besucher aus Sarepta. Und so ein Haus bekam auch ein Name als „Sareptischen Haus“.

Interessante Erinnerungen über seinen Besuch in Sarepta im  Jahre 1858 verfasste der Historiker Nikolai Kostomarov in der "Autobiographie": 

"Von Zaritsyn gingen wir nach Sarepta. Diese hernhuterskaya Kolonie ist ein außergewöhnlicher Ort: in der Mitte des Kalmückensteppe (Wüstenwildnis) wie aus dem Boden wächst eine rein deutsche Stadt, eine schöne, gepflegte, mit Pappeln entlang der Straße, mit Platz und Brunnen in der Mitte, mit sauberen Häusern deutscher Architektur.

Diese Sekte hat ihren Ursprung nicht von der lutherischen Reformation sondern von Huss. Deswegen ist der Hauptfeiertag in dieser Kolonie der Tag an weichem Huss verbrannt wurde. Das wichtigste in ihrer Lehre ist die Nächstenliebe. Alle müssen  zum Wohle der Gesellschaft arbeiten und von ihr eine Lebensgrundlage erhalten. Ein kommunistisches Prinzip. Sie arbeiten unermüdlich jeden Tag in der Woche, außer Sonntag. Sie erlauben sich kein weltlichen Spaß: kein Theater, kein Tanz, auch das Lesen der Bücher "mit leichtem Inhalt" wird nicht gut geheißen....

Vor 40 Jahren wurde die Kolonie durch Herstellung von Papierstoffen (???) in Russland unter dem Namen sarpinok sehr berühmt; in der Kolonie wurde Keramik mit sehr schönen Oberflächen in großer Menge hergestellt; von dort exportierte man  Lebkuchen, welcher berühmt für seinen Geschmack war. Auch Tabak aus Sarepta war sehr bekannt. Jetzt haben alle diese Branchen ihren blühenden Zustand verloren. Nur die Senföl Produktion ist genauso groß geblieben wie früher. Die Kolonie existiert seit mehr als 100 Jahre, aber die Bevölkerung hat nicht zugenommen, weil viele aus der Brüdergemeine ausgetreten sind."

In seinem Buch „История поволжских немцев-колонистов“ schreibt Дитц Я.Е.(Ditz J.E)  folgendes:

„Понятно, не все промышленные предприятия давали достаточный доход; мельницы, сельское хозяйство, скотоводство были малоприбыльны, но были необходимы Сарепте. Так, сеяную муку для пекарни, кондитерской и пряничного производства найти было негде: она выделывалась только на собственных мельницах.

Не меньших успехов достигли в своей деятельности и приватные. Обильные фруктовые и виноградные сады, табачные плантации, культивирование шафрана, земляники, конопли и пр. давали владельцам значительные доходы. Явились золотых и часовых дел мастера, столяры, горшечники, слесари, кузнецы, переплетчики, каретные мастера, фотографы; началось тканье сарпинки, чулок и колпаков, шелковых и полушелковых платков, сукна и пр. Не было такого ремесла и производства, которое не затевалось бы в Сарепте. Здесь изготовляли: сургуч, свечи, мыло, касторовое масло, глауберову соль, магнезию, сахар из сахарного тростника, кумыс, разводили индиго, а также умели делать рояли, транспорт, который отправляли за границу и в большие города России, выращивали цветы, отлавливали насекомых, птиц и даже степных зверей для зоологического сада Москвы. Но из всех производств приватных самыми полезными для страны и выгодными для самих предпринимателей оказались производство горчицы и горчичного масла и выделка сарептского бальзама.“