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Rinderzucht

„Krasnaja Nemka = Rote Deutsche Kuh“

Johann Cornies bemühte sich auch um die Verbesserung der Rinderrasse. Die ersten Jahre besaßen die Mennoniten an der Molotschna nur die aus der alten Heimat mitgebrachte Kühe. Daniel Schlatter* schrieb während seiner Reise im Südlichen Russland im Jahre 1824: „Rindvieh ist an der Molotschna ebenfalls deutscher Schlag. Butter und Käse müssen sehr weit, nach Taganrog, den krimischen Seehafen, nach Cherson, Nikolaew und Odessa verführt werden.“1 

Die aus Preußen eingeführte Rinderrasse war für das russische Klima nicht recht geeignet, Cornies machte Kreuzungsversuche mit russischen Rinderrassen und schuf die berühmte rote Deutsche Kuh, die bis heute in Russland und Ukraine verbreitet ist.

Es existiert aus dieser Zeit ein Artikel von Johann Cornies, in welchem er über Kreuzungsversuche und die Haltung von Kühen berichtet:

 

"О породе Немецких коров на Молочных водах.

(Статья И.И.Корниса.)


Порода так называемых здесь Немецких коров, имеющихся у Молочанских  Меннонистов, ведят своё начало из Остфрисландии. Эти коровы были пригнаны Меннонистами на берега Молочной в большом числе, во время выхода из Пруссии в 1804 году.

Но как число пришедших оттуда Остфрисландских коров было для хозяйства Меннонистов недостаточно, то они придумали пособить этому недостатку через облагоражение местных Русских коров Остфрисландскими племенными быками. Это колонистам совершенно удалось, и продолжается ими до ныне с большим успехом, так что эти облагороженные коровы почти не уступают настоёщим Остфрисландским ни в росте, ни в цвете, ни даже в качестве, с той только разницею, что они не приняли ещё той постоянной тихости или кротости (Sanfmüthigkeit), которая так свойсвенна Остфрисландским. Вот почему и цена на них не восходит более как от 60 до 80 руб., между тем как настоящии ценятся во 100 и во 120 руб. Сих последних продолжают также разводить без смешения с туземными.

Замечательно, что эти настоящии, без от Остфрисландских происходящии коровы, через перемену места и климата, потерёли свою первоначальную прекрасную стать и высокий рост, но богатсво молока сохранили они и теперь такое же, как и за 55 лет: лучшие из них дают, при двукрашном доении в день , от 8 до 12 кружек молока каждый раз. Впрочем те, которые дают только по 8 кружек в раз, считаются лучшими, ибо молоко их гораздо жирнее, и они долее приносят постоянно равномерное колличество молока, нежели те, которые дают от 10 до 12 кружек.

Все эти отличные, много молока дающие коровы, имеют вид худой и требуют за собой как можно лучшего ухода и заботливейшего попечения, которые состоят в следующем:

Каждую такую корову необходимо кормить хорошим, здоровым сеном и сверх того давать ей два раза в день, утром и вечером, по гарицу овса. Далее, поить её чистою водою, и как корм, так и питьё давать сколько можно всегда в одинаковое время. В конюшне должно быть отведено для неё особенное, никогда не перенимаемое, место, где бы она была защищена от влияния худой погоды, где должно содержать её в возможной опрятности, и всякий день чистить скребницею. При такой заботливости, корова будет давать молоко до нового телёнка, и вполне вознаградит труды, употреблённые на уход за нею. Впрочем, считается за лучшее приостанавливать доение по крайней мере за 4 недели до того времени, когда корова телится, чтобы дать ей отдохнуть и собраться с новыми силами. Более же всего требуется, чтобы такая корова была и доена по Остфрисландскому способу, которому впрочем нельзя выучиться из описания, а только чрез упражнение и навык. Главное состоит в том, чтобы корова каждый раз была выдаиваема чисто на чисто, ибо остающееся в вымени молоко засоряет молочные протоки, и чрез то мало по малу уменьшает количество даваемого молока, покуда корова вовсе не испортиться. Сверх того, при доении должно обходиться с нею кротко и никак не бить её, чтобы она из страха и злобы не задерживала молоко. К тому, нужно всегда доить её в одно и тоже, однажды определённое время.

Ежели для такой коровы уже вредна самая перемена места в хлеву, то во сколько раз вреднее должно быть то, когда гоняют её летом на далёкие пастбища или даже переводить в отдалённые места, где она питается непривычным кормом и лишается привычного за ней ухода. Это так вредно, что коровы иногда по прошествии года только получают их прежнюю доброту.

После этого, неудивительно, что многие купленные помещиками на Молочной самые лучшие коровы, терёют отличные свои природные качества, ибо здесь они привыкли к своевременному и хорошему корму, своевременному поению и возможной чистоте, особливо же к порядочному доению, там же напротив остаются в небрежении, и потому не могут сохранить первоначального своего достоинства и доброты. "8

Horst Gerlach schrieb in seinem Artikel über Cornies: „Über die Rindviehzucht hat Johann Cornies 1839 in der Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereins folgendes berichtet: „Die Rasse der hier sogenannten deutschen Kühe der molotschnaer Mennoniten stammt aus Ostfriesland. Sie wurden von den Mennoniten bei ihrer Auswanderung aus Preußen im Jahre 1804 in großer Zahl nach der Molotschna mitgebracht. Weil aber die Zahl der ostfriesischen Kühe für die Wirtschaft der Mennoniten unzureichend war, kam man auf den Gedanken, diesen Übelstand durch Veredelung der einheimischen durch ostfriesischen Zuchttiere abzuhelfen. Das ist vollkommen gelungen und wird bis heute (1839) mit großem Erfolg fortgesetzt, da die veredelten Kühe fast in keiner Beziehung den echten ostfriesischen nachstehen, weder in Wuchs, noch in Farbe, noch in den Eigenschaften...“

Die Deutsche Rote Kuh hatte als Milchlieferant eine große wirtschaftliche Bedeutung erlangt und war vor allem in den Städten und Industriegebieten als „Krasnaja Nemka = Rote Deutsche Kuh“ (Красная немка) bekannt.  Im Jahre 1923 wurde das ukrainische Staatliche Herdbuch in Odessa und 1927 das zweite nordkaukasische Herdbuch in Rostow angelegt. Beide Herdbücher führen offiziell die Bezeichnung „rote deutsche Kuh“. Nach 1945 ist diese Rindviehrasse dann in „Stepnaja poroda“ umbenannt worden. Damit sollte die züchterische Leistung der deutschen Kolonisten offensichtlich verschwiegen werden. Die russische Revolution, die Sowjetregierung und der letzte Krieg hat die Kolonisten von Haus und Hof verjagt. Zurückgeblieben ist jedoch die deutsche rote Kuh als eine der vielen Zeugen deutscher Pionierarbeit.“2

Interessant ist auch der Bericht von A. Petzhold, den er während seines Besuches im Gut Juschanlee im Jahre 1855 schrieb:

„Die Binder sind holländischer Abstammung, zu einem Bestände von circa 200 Stück und es werden aus dieser Heerde nicht nur schöne und stattliche Milchkühe, sondern auch starke und kräftige Ochsen erzogen. Eine gute Milchkuh dieser Race, welche bei einer guten Frühlingsweide täglich 20—25 Quart, ausnahmsweise auch bis 30 Quart Milch giebt, wird mit 30 —43, und ein Zuchtstier, mit 50—100 Rbl. bezahlt. Es werden, wie man leicht denken kann, ansehnliche Mengen Milch gewonnen, die man vorzugsweise zu fettem Käse für den Handel verarbeitet, woraus abermals dem Besitzer des Gutes grosser Gewinn zufliesst. Obgleich jährlich bis zu 40 Pud Käse abgesetzt werden, so können doch die Anfragen von nah und fern bei weitem nicht befriedigt werden, wie denn ich und meine Reisegefährten die Vortrefflichkeit und Haltbarkeit der hier gefertigten Käse aus eigener Erfahrung bescheinigen können, da wir einen solchen von Wiebe als Viaticum erhielten, dessen Wohlgeschmack uns fünf Wochen lang auf der Fortsetzung der Reise bis Moskau, wo der Rest in dankbarer Erinnerung an das schöne Juschanlee verzehrt ward, erfreute.“3

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Zuchtstiere cholmogorischer Rasse

„Bis 1834 besaßen die Mennoniten an der Molotschna nur eine Nachzucht von dem Rindvieh, das die Einwanderer einst aus Preußen mitgebracht hatten und später, als Mangel an Kühen entstand, mit russischem, einheimischem gemischt wurde. Auf solche Weise hatte die Rasse in den 20 Jahren schon viel verloren, so dass eine Aufbesserung durch Kreuzung edlerer Gattungen dringend geboten war. 

Da reiste Cornies 1835 ins Poltawsche und kaufte von der Großfürstin Helena Pawlowna auf dem Gute Karlowka anfangs 10 Kühe und 2 Zuchtstiere cholmogorischer Rasse. Später reiste er auch noch in die Gegend bei Moskau, wo man in den Klosterwirtschaften besonders gutes Vieh hatte, um neues Zuchtmaterial zu erwerben. Das durch diese Veredelung gezüchtete Vieh zeichnete sich sowohl durch reichen Milchertrag - bis 32 Quart den Tag (1 Quart – 946,4 ml), - als auch durch stattlichen Körperbau sehr vorteilhaft aus.“4 

Ich habe einige Briefe , welche Johann Cornies II. seinem Vater Johann Cornies I. während seiner Reise nach Moskau schrieb. Er musste viele Aufgaben in Moskau erledigen, eine davon war auch der Kauf von Zuchtkühen.

Cornies junior kam am 5.12.1834 in Moskau an und wohnte im Sareptischen Haus bei Herrn Blüher**. 

Herr Blüher machte den Johann Cornies II. mit einem Oekonom, Herrn Unkebauer, bekannt, welcher die ganze Umgegend von Moskau gut kannte und von sehr vielen Gutsbesitzer zu Rate gezogen wurde.

Aus Cornies junior Briefen kann man gut eine Vorstellung bekommen wie der Kauf vom Vieh abgelaufen ist. Agronom Gavel schrieb 1848 „Im Jahre 1835 kaufte Cornies in der Gegend bei Moskau zur Veredlung des Rindviehes Zuchtstiere cholmogorischer Rasse; das aus dieser Veredlung hervorgegangene Vieh hat sich sowohl durch größern Milchertrag, schönen Körperbau, als auch durch Verkauf von Zuchtstieren aufs beste bewährt und Beifall gefunden.“5

Moskau, den 10. December 1834

(erhalten von Johann Cornies I. am 30.12.1834)

 

„Geehrtester Vater! ... Dieser Herr ( Unkebauer) versicherte mich, dass das Kalmalorische Vieh am milchreichsten von allen andern hiesiegen ist, auch holändisches, eigentlich wie er sagte Ostfriesländisches Vieh, hat man hier in der Nähe aber nicht ächtes weil schon an 20 Jahren kein neues Geblüth zu bekommen ist, und versicherte mir auch, dass das hiesige Holländische dem Kalmagorische weit nachstehe. Hier mit diesem Herrn habe auch gelegenheit Oekonomien zu besuchen wo ich wieder andere Nachrichten einziehen kann. ...“

 

Moskau, den 22. Januar 1835.

(erhalten von Johann Cornies I. am 9.2.1835)

 

„Werthgeschetzter Vater!

Meinen Brief vom 10 ten Decbr. v. J. werden Sie wie ich hoffe schon längst erhalten haben. Mein Vorsatz war, früher zu schreiben, hatte mich aber vorgenommen erst das hiesige Kolmagorische Hornvieh zu besehen und zwar in Gesellschaft des, schon im ersten Briefe erwähnten, Herrn Unkebauer, der sehr gute Kenntnisse von dem hiesigen Hornvieh besitzt. Dieser Mann hatte mich öfters versprochen mich mitzunehmen wenn er auf die benachbarten Landgüter reisen würde, und auch oft die Tage bestimmt an welchen wir ausfahren würden; aber immer kommen andere Geschäfte dazwischen, welche ihn abhielten; bis jetzt. Ich habe nun das hiesige Vieh gesehen, mit anderen Gattungen verglichen, und mich auch erkundiget bei den Oekonomen welches die mehreste Milch giebt so sagte man mir dass das Kolmagorische die mehreste und feteste Milch giebt. Das besagte Vieh ist groß und wohlgebaut, hat ein gutes äußeres Ansehen, von Farbe roth, bunt, schwarz, weiß nur schäcke habe keine gesehen. Zum Verkauf hat man auch auf einigen Landgüter aber nur höchstens von 2 bis 3 Stück altes und junges. Die Viehhändler haben gewöhnlich von 3 jähriges bis 6 jähriges Vieh, da sie die Milchgebende Kühe am ersten absetzen können. Das Jungvieh wird hir erst im dritten Jahre zum bespringen gelassen, im Ganzen genommen, wie ich mich überzeugt habe, ist das hiesige Vieh besser wie bei uns nicht allein im Ansehen, sondern auch an der Milch; denn eine gute Kuh giebt des Tages bei gutem Futter 15 bis 20 Quart, auch darüber. – Ich habe nicht das fette Vieh beurtheilt sondern dasjenige welches nicht hinlänglich an Futter hatte, und in der Kälte draußen stehen musste. – Menschen die sich den Viehtransport übernehmen würden würden giebts in Menge und auch würden sie nicht sehr theuer sein, aber leider sind solches arme die vom Betrug leben, denn erstens, würden solche keine Bürgen stellen können, zweitens würden sie zu sehr mit den Thieren eilen oder in der Hitze nicht vorsichtig genug sein, und drittens würden sie aus Vortheil das Vieh schlecht füttern und es dadurch auf der Reise schwächen oder gänzlich ermatten; aus diesen Ursachen werde ich abgerathen das gekaufte Vieh den hiesigen Viehtreibern nicht allein anzuvertrauen, und zwar von Leuten die vielen Umgang in dieser Hinsicht mit den hiesigen Bewohnern gehabt haben.

Ich bin entschlossen hier Ankäufe zu machen aber nicht eher als bis ich Ihr Gutachten über dem obenbesagten erhalten habe, bitte daher um Nachricht, in welchem alter ohngefähr das Vieh sein kann und wie viel Stück, der Preis ist von 200-300 Rubel à Stück, wie Sie den Transport wünschen? Ob ich von dort einen oder zwei Menschen zu erwarten habe, oder soll ich mich hier um einen guten Menschen bekümmern? ersteres würde für sicherer halten. Im Falle ich von dort jemand zu erwarten habe, so würde ich denken am besten wäre es dass er ausgangs April hier sei. Herr Blüher hält für besser wenn ich erst das Vieh abfertigte und dann erst weiterreiste, denn dieses Geschäft würde sich nicht so leicht übernehmen, wenn auch für Vergütung. Der Viehtransport wird hier nicht eher können als in der Zeit vom 8 – 15 May abgehen weil der Schnee gewöhnlich Ende Aprils auftauet. ...“

 

Moskau den 28. Januar 1835.

(erhalten von Johann Cornies I. Am 22.2.1835)

 

„... Das Kolmagarische Vieh hat die gehörige Höhe und Länge, nach dem wie es in den bei Ihnen befindlichen Briefen aus Holand angegeben ist; halte es auch vortheilhaft selbiges in unserer Gegend einzuführen. Mein Vornehmen ist, nicht eher als im März diesen Kauf zu beginnen, und mit der Bedingung es so lange an den gekauften Ort zu lassen bis die Zeit, wo ich selber das Vieh abhole oder die Verkäufer müssen es an einen Bestimmten Ort stellen. Ich würde eher anfangen wenn das Futter wohlfeiler wäre, und später kann ich auch nicht, denn die Zeit würde mir wieder zu kurz werden. Halte für besser von dort Menschen kommen zulassen; diese Leute könnten ohne Fuhrwerk kommen von Charkow kann man immer Fuhren dingen und auch billig; hier denn ein Pferd und Wagen kaufen, dieses denke ich am billigsten; ein Pferd würde hinreichend sein, da es doch nicht weiter des Tages als 30 Werst zu gehen hat. Das Vieh kann man in der Nähe haben

etwa 20 bis 30 Werst von der Stadt, nach allen Richtungen, auch selbst hier in der Stadt ist dergleichen Vieh zu haben. ...“

 

Moskau, den 25. Februar 1835.

(erhalten von Johann Cornies I. am 19.3.1835)

 

„Innigstgeliebter Vater!

Ich habe, seit meinem letzten Schreiben von 28 ten Januar, noch mehrere Hornvieh gesehen, wo sich unter dem Guten sehr Schlechtes befand, habe mir die Verschiedenheit gemerkt; hoffe nun bestimmt das Beste heraus zusuchen zu können. Ich sehe fast alle Tage, vom Kolmagarischen Vieh hier in der Stadt, und finde das meiste von gutem Körperbau, und zwar so, wie Sie es wünschen zu haben. Ich werde zwar viele Reisen darnach machen müssen, aber nicht weite, wie ich schon erwähnt habe; um solches heraus zu finden welches einem in aller Hinsicht Freude macht und das Gewünschte entspricht. ...“

 

Glücklicherweise bekam ich von Frau Ingrid Epp aus Canada eine Kopie des Antwortbriefes von Johann Cornies an seinen Sohn:

 

den 29. Maerz 1835

 

„Lieber Sohn,

Deinen Brief vom 25. Febr. Habe richtig erhalten und Dein Wohlbefinden mit Vergnügen und herzlicher Freude daraus ersehen, … Künftigen Montag den 1. April reiset dein Onkel Dirk Boldt von mir als Geschaeftsfuehrer bestimt, von hier ab, um die von Dir in Moskau gekaufte 10 Kuehe und 2 Bullen in Empfang zu nehmen und hier her zu transportieren, ihm habe ich zum treiben und besorgen des Viehes aus Halbstadt einen jungen vernunftigen Menschen Abr. Reimer genannt u unsern Kuhhirten von Juschanlee Afanasij begeb Martin Hamm aus Thiege fuehrt sie bis Charkow, von dort werden sie sich eine Fuhre miethen bis Moskau, auf der Twerskoy sollen sie einkehren, dort glaube ich wird es fuer sie auch leicht moeglich zur Rueckreise ein Pferd u Wagen zu kaufen, ich habe Bold 1040 Rubel und 300 Silbermuenze mitgegeben ueberhaupt 1340 Rubel ich denke diese Summe wird zu Hin und Rueckreise hinlanglich sein, sollte aber noch gut Ueberschlag welcher dort besser denn hier gemacht werden kann, dieses Geld nicht hinreichen. ...“

 

 

Moskau den 15. April 1835

 

„Geehrtester Vater! ... Den Ankauf habe schon angefangen und bestrebe auch bis zum 25 dieses ihn zu beenden, der Preis ist aber sehr verschieden und habe auch viel theurer bezahlt wie ich vorher berichtete auch mehrers habe in dem bekannten Preise gekauft; zweijährige Kälber sind selten deshalb habe beschlossen mehr Kühe wie Kälber zu kaufen. Das gute Vieh wird hier aus liebhaberei gehalten, ohne das die Gutsbesitzer dadurch Nutzen haben, weshalb sie es auch theuer bezahlen. ...“

 

 

Moskau den 29. April 1835

 

„Werthgeschätzter Vater!

 

Ihren zweiten Brief vom 29 März habe durch Onkel D. Bolt am 25 sten dieses erhalten, er kam schn am 24 sten gesund und glücklich hier an. Seine Reise von Charkow hat etwas länger gedauert wie es mit dem Fuhrmann abgeredet war. Gegenwärtig hat der Onkel sein Quartier nicht weit von dem meinigen, bei einem Deutschen, wo er auch Mittag ißet, ich hielt dieses für besser wenn er und die andern in der Nähe des Viehes sein könnten. Den Ankauf habe bis auf einen alten Bullen besorget, den ich dieser Tage kaufen werde; Ich weiß schon mehrere die zum Verkauf sind. Ich gedenke in einer Zeit von 8 Tagen werde mit allem Anstalten fertig sein....“

 

 

Moskau den 13. May 1835

 

„  Geehrtester Vater!

 

Vergangenen Dienstag den 7 ten May, ging das von mir gekaufte Vieh von hir ab. Ich habe nicht ganz genau das gewünschte Alter bestellen können wie Sie es wünschten, und habe wie aus beiliegendem [?] Register zu sehen ist, mehr altes wie junges gekauft. Dies Vieh wird mit Haber [Hafer] gefütter[t], weil das Heu in hiesiger Gegend sehr schlecht [?] ist, ich denke wenn es weiterhin kommt, wird das Vieh wenig Futter brauchen, weil an den Straßen genug graß wächst. Onkel [?] Boldt hat seinen Rückweg über Tula und Orel genommen, weil auch diese Straße Vieh getrieben wird, und sie ihm schon bekannt ist. Das Vieh ist an den Hörnern gebrannt und zwar am Linken K und am Rechten die Nummer begleitete er zwei Tage um zu sehen wie das Treiben gehen wird, und fand, dass es sich sehr gut treiben ließe und langsam die Straß fortschritt, wenn es nötig sein wird, so will der Onkel sich noch jemand zur Hilfe annehmen. – Ich habe von Herrn Blüher schon 345 T [Taler ?] mehr aufgenommen, wie ich zu bekommen hatte, dem Onkel habe noch 200 T.[Taler ?] banc: mitgegeben, damit er nicht zu kurz komme mit dem Gelde, er hatte, als er von hier abreiste was über 1000 T [Taler ?] in besitz. Wenn Sie verlangen (auch [durchgestrichen]) die kleinere Unkosten des Viehes, welche ich gehabt habe, so bitte ich um Nachricht. Ich würde schon nach St. Petersburg abgereiset sein, aber ich will hier noch bis zum 20 ten dieses verweilen um die Ausstellung der Russischen Fabrikaten und Künste zu sehen, welche am 18 ten eröffnet wird. Mein Vorsatz ist der, zum Juny in St. Petersburg, zum ersten July in Riga, und zum August wieder hier in Moskau zu sein, zum ersten September in Saratow, und anfangs October in Sarepta und zum November zuhause zu sein. ...“

 

 

den 20. August 1835

 

„Wertgeschätzter Vater!

… Ich freue mich recht sehr dass die von mir in Moskau gekaufte Kühe glücklich dort bei Ihnen angekommen sind; oft hatte ich Besorgniß dar über und wünschte immer, bald eine gute Nachricht von diesem Geschäft zu erh[a]lten, ich fühle mich jetzt wieder recht sehr ermuntert um meine Reise fortzusetzen. ...“

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Vorwerk Juschanlee war auch durch Rindzucht bekannt.

„Es war gerade die Viehzucht, die Juschanlee zum berühmten Mustergut machte, da die Tiere den Ruf des Gutes auch in entfernte Provinzen brachten. So hatte Cornies am 14. Juni 1837 einen Auftrag aus der Stadt Kertsch (Krim), eine seiner guten Milchkühe an einen Kunde zu liefern. Cornies stand jedoch gerade im Begriff, eine Geschäftsreise in den Kaukaus zu unternehmen und von dort die Wolga stromaufwärts über Sarepta nach Saratov zu befahren. Der Kunde musste deshalb bis zu seiner Rückkehr im August desselben Jahres warten. Die Reise muss für Cornies erfolgreich gewesen sein, denn im August 1838 wurden 50 seiner Preiskühe nach Sarepta an der Wolga geliefert, wo sie sehr günstig verkauft wurden.“6 

 

Auf der "St. Petersburg-Ausstellung" im Jahre 1869 stellte Johann Cornies II. seinen berühmten  Ochsen „Samson“ aus und wurde ausgezeichnet.

«В стаде волов  и коров г. Корниса мы не могли найти другого Самсона, подобного выставленному им  в 1869 году на всероссийской выставке  рогатаго скота в  С.-Петербурге. Мы думаем, что не лишним будет рассказать здесь  дальнейшее странствование  этого замечательнейшего  восьмивершкового вола. У г. Корниса  была ему пара, но один  вол околел ещё  до 1869 года. Самсон  же, вероятно, сильно когда нибудь подскользнулся зимою

в гололедицу , потому что задние ноги были у него ве совсем крепки и часто дрожали. После  выставки в  С.-Петербурге и покупке его на аукционе, он был отправлен на выставку скота

в  Гамбург, где снова был  премирован; из Гамбурга он пропутешествовал  в Лондон, где и окончил свое существование. Но, хотя в стаде г. Корниса и не было другого Самсона, все таки скот его отличался рослостью: редкая корова или вол  оказались бы, по  измерении, „без  вершков'-, а иные были вершков трех или  и  четырех росту. Г. Корнис  сообщил  нам, что лучшая часть скота находится в  имении Юшанле г. Вибе, получившего  это имение за своею женою, сестрою Корниса, которая  унаследовала его от старика Корниса, знаменитаго деятеля меннонитов и основателя лесоводства и других сельско-хозяйств. отраслей в  среде; но, по недостатку времени, мы не могли посетить этого имения.

В стаде г. Корниса находится 45 пар  волов, до 50 коров, которые зимою все стоят  на стойле, и несколько десятков гулеваго скота. Весь этот скот отличается более широким строением, нежели осмотренный нами в других  имениях. Весь он рыжей масти, без  всяких отметин, и происхождение свое ведет от низменных пород Голландии. И теперь у г. Корниса есть чистокровый голландский бык для случки.»7

"In der Herde von Ochsen und Kühen bei Cornies haben wir keinen zweiten "Samson" gefunden. Cornies hatte im Jahre 1869 mit dem Ochsen "Samson" auf einer Ausstellung in St. Petersburg einen Preis gewonnen. Nach dieser Ausstellung wurde der Ochse zu einer Ausstellung nach Hamburg verschickt. Danach weiter nach London, wo er verstarb. Aber obwohl es in der Herde von Cornies keinen zweiten "Samson" gab, sind viele Tiere riesig."7 

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Quelle:

 

* „Daniel Schlatter war ein Schweizer Separatisten Missionar, der 1824 in die Molotschna kam und die meiste Zeit der nächsten 3 Jahre dort verbrachte, davon lange Zeit in Cornies Haus. Fast eine Freundschaft entstand zwischen den beiden Männern.“ Dr. John Staples, Professor of Russian and Soviet History at State University of New York „ Johann Cornies and Pietism in der Molotschna.“

 

** „Schließlich pflegte Cornies eine seiner engsten und längsten Freundschaften mit Daniel Blueher, einem Moskauer Wollhändler. Cornies besuchte Blueher 1824 und 1834 schickte er seinen Sohn, Johann Jr. zu Blueher, indem er seinem Freund schrieb:“... auf Deine Freundschaft zählend, wage ich es und zögere nicht länger und schicke meinen Sohn direkt zu Euch und übergebe ihn in Eure Obhut. Dies erfüllt uns Eltern mit Freude und es beruhigt unser Gemüt völlig.“ Blueher machte 1837 einen Gegenbesuch bei Cornies in der Molotschna.“ Dr. John Staples, Professor of Russian and Soviet History at State University of New York „ Johann Cornies and Pietism in der Molotschna.“

 

1 Daniel Schlatter „Bruchstücke aus einigen Reisen nach dem südlichen Rußland in den Jahren 1822 bis 1828.“, 1830, Seite 361

 

 

2 Heimatbuch der Deutschen aus Rußland, 1960, Seite 122

3 Alexander Petzhold „Reise im westlichen und südlichen europäischen Russland im Jahre 1855“, Seite 200

 

4  D.Epp „Johann Cornies“, 1946, Seite 42

 

5 Agronom Gavel, Nachruf auf Johann Cornies. Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Russland. Beilage. Okt. 1848.

 

Odessa Archiv, Fond 89, 341,1835, Privatbriefe von J. Cornies an seinen Vater Joh. Cornies aus Moskau

 

6 George Epp, „Geschichte der Mennoniten in Russland“, Band II., Seite 60

 

7 «Экскурсия на реку Молочную», Н. Калагсорин, В. Борисов, 1874

8 Прибавление к Харьковским Губернским Ведомостям (1838-39), Сборник статей о сельском хозяйстве юга России, извлеченных из ЗИОСХ с 1830 по 1868 год. Одесса, 1868. С. 513- 514