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Ebentalerschule

Ebentalerschule
Das Gebäude der Ebentalerschule heute
Das Gebäude der Ebentalerschule heute

Anfangs September 1936 begann der Schulunterricht. Die Schulfrage hatte meinen Großvater fast gezwungen, seinen Wohnort dahin zu verlegen, wo eine passende Schule war. So eine deutsche mennonitische Schule befand sich in Ebental.

"Ebental gehörte zu der  Molotschnaer Tochterkolonie „Memrik“. 1888 wurde dort ein Schulhaus gebaut. Nach der Revolution ist Ebental zu einer Art kulturellem Zentrum geworden, indem dort eine zehnklassige Mittelschule entstand. So begann im Herbst 1922 der Unterricht mit 30 Schülern. Die Kommunisten saßen nun nach gewonnenem Bürgerkrieg fest im Sattel und fingen an, sich lebhaft um das Schulwesen, auch das der Mennoniten, zu kümmern. Der leitende Lehrer, H. Enns, seiner Abstammung nach Gutsbesitzersohn, musste seine Stelle aufgeben. Der andere Lehrer, J. Janzen, verließ die Schule gleichfalls. Die Schule ging aber trotzdem nicht ein, wie das bei den obwaltenden Verhältnissen und dem immer stärker werdenden Druck vonseiten der kommunistischen Regierung nicht anders zu erwarten war. 

In der Mitte der 20-er bis hinein in die 30-er Jahre waren neben Fremden einige wissenschaftlich und pädagogisch gut vorgebildete mennonitische Lehrkräfte an der Schule tätig. Aber auch sie haben sich, um im Amte zu bleiben, weitgehend dem herrschenden Geiste des Kommunismus anpassen müssen.

Ein zur Verfügung gestelltes kurzes Programm der Schule lässt erkennen, dass sie vielseitiges Wissen vermittelt und in dieser Beziehung auf gebührender Höhe gestanden hat. Die Schule vergrößerte sich sehr bedeutend, als um 1930 der Unterricht obligatorisch für alle jungen Leute der Ansiedlung wurde. Sie wurde von einer achtklassigen zu einer zehnklassigen erhoben, dem früheren russischen Gymnasium entsprechend. Zu einer Zeit sollen bis zu 900 Schüler diese Schule besucht haben. Da nicht genügend Räumlichkeiten für so viele Schüler vorhanden waren, wurde der Unterricht in zwei Schichten erteilt, von halb neun morgens bis halb zwei Uhr nachmittags die erste, von zwei Uhr nachmittags bis acht Uhr abends die zweite Schicht. Die Schüler aus den weiter entfernt gelegenen Dörfern waren in Internaten untergebracht.

Die männlichen Lehrkräfte wurden 1937-38 alle verbannt und durch junge kommunistische, zum Teil  russische ersetzt." 1

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Quelle:

 

1 H. Goerz, "Memrik", 1954

   Heinrich Dück, Tagebuch