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Geschwister von Anna Dück, geb. Enns

- Jacob #133557 (1852- 1929), Halbbruder, heiratete Anna Töws

- Abram #133558 (1855- 1925),  Halbbruder.

- Elisabeth (1.) #133560 (1857-1873)

- Anna #133561 (1859- 1914), heiratete G.F.Dück

- Maria #133562 (1861- 1899), heiratete J.Dirks

- Helena #133563 (1863- 1944), heiratete P.Thiessen

- Margaretha #133564 (1865- 1919),heiratete J.P.Dück 

- Aganetha #133565 (1867- 1896), heiratete H.F.Dück

- Katharina #133567 (1871- 1914), heiratete J.Warkentin

- Elisabeth (2.) #133568 (1874- 1891)

 

Ich bin im Besitz eines seltenen Bildes, auf welchem Anna (Wiebe) Enns #133559, ihre Töchter und Stiefsohn Jacob abgebildet sind. Das Foto entstand nach dem Tode von Anna (Wiebe) Enns Ehemann ( 27.03.1880) und vor der Hochzeit (28.01.1882) ihrer Tochter Anna

 

Auf dem Bild ganz rechts ist wahrscheinlich Elisabeth (2.). Sie starb mit 17 Jahren.

Das zweiten Mädchen von rechts (im Stehen) müsste Katharina sein. 

Aganetha ist ganz links zu sehen. 

Elisabeth (1.) ist nicht auf dem Foto, weil sie 1873 starb.

Die Anderen zu identifizieren ist sehr schwierig.

*Margaretha Enns heiratete am 6.Juni 1891 Herrn J.P. Dück in Tiege. Er ist nicht mit den anderen Schwager Dücks verwandt. Margaretha und Johann Dück hatten 11 Kinder.

Informationen über Margarethas Nachkommen kann man auf der Web-Seite von Eric Krause finden. www.krausehouse.ca/krause

Die Enkelin von Margaretha- Louise (Dück, Mathies) Ross hat mir ein paar Photos von ihrer Großmutter geschickt.

Margaretha steht links
Margaretha mit ihre Familie
Margaretha mit ihrem Mann J.P.Dück

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Ein Sohn von Margaretha, Peter Johann Dück, blieb in Rußland. Zunächst hatte nur mein Großvater Heinrich Dück den Briefkontakt mit ihm. Später stand auch mein  Vater hatten in postalischen Kontakt mit ihm.

 

Peter heiratete 1924 in Ohrloff Paula Wiebe. Sie hatten nur eine Tochter. Sie hieß Eleonora (Nora) und wurde am 01.06.1928 geboren.

Aus dem Tagebuch meines Großvaters:

 

"11.X.44 Erhielten Vorgestern 3 Briefe, von Heins, Schwester Anna und Peter Dück.  (….)Pet. Dück schreibt, dass er mit seinem Töchterchen sonst ganz gut lebt; von Halbstadt er erfahren habe, dass es ganz zerstört sei; dass er ferner auf eine Herausforderung von Aluschta hoffe.“ 

 

„12.I.45 Peter Dück schreibt dass er Erlaubnis zur Einfahrt nach Jalta hat, aber dass man ihn nicht loslasse. Er habe erfahren, dass Halbstadt total vernichtet sei.“ 

 

„26.I.46. Haben 2 Tage starken Frost - 36° und starken Wind. Es ist schon sehr viel Schnee. Erhielten Gestern einen Brief vom Cousin Peter J. Dück vom Ural, in dem er unter andern schreibt, dass bei ihnen im Ural Halbstädter angekommen sind als Repatriierte. Den ihr Los wird nicht beneidenswert sein.“ 

 

„15.II.46. Erhielten Gestern 2 Briefe, von Hansi, Cousin Peter Dück und etwas eher  von Cousin Franz Dück. ….. Pet. Dück schreibt, dass er zu Frau und Kind hinübergefahren ist; er habe sich diese Erlaubnis durch Kalinin errungen. Aus Franz Dücks Brief klingt eine Sehnsucht nach dem, was wir gehabt und verloren haben.“

 

„28.VI.46 Während ich auf Komandirowka in die Kolchosy war, hatten wir einen seltenen Besuch - Paula, Peter Dücks Frau. So manches sehr Interessante hat sie erzählt von verschiedenen gemeinsamen Bekannten; auch eins und das andre aus unsrer früheren Heimat. Mein gewesener Religionslehrer soll seinen früheren Arbeitsort besucht haben.

 

Durch Paula erhielten wir auch 2 Photographien von unsern lieben Geschwister von drüben. Man ist doch innerlich sehr erregt, wenn man unsre Geschwister besieht.“

 

„15.VII.46 Gestern war Sonntag. Frieda und ich haben mehrere Stunden auf den Bazar zugebracht, denn wir müssen Sachen verkaufen, die Peter Dücks Paula bei uns zum verkaufen gelassen hat. Die Preise fallen gegenwärtig und so bietet man uns verhältnismäßig wenig und man wagt’s nicht, für den Preis zu verkaufen. Überhaupt ist es eine heikle Sache, für jemanden etwas zu verkaufen.“

 

„31.VIII.47. Erhielten vor kurzem einen Brief von meinem Cousin Peter J. Dück, in dem er berichtet, dass er an Lungenentzündung gekrankt hat und als Folge sich bei ihm in den Lungen ein Abszess gebildet hat. Das ist ein schweres Leiden.“

 

 

„28.IX.47 Erhielten kürzlich einen Brief von meinem Cousin Peter J. Dück aus dem Krankenhaus in Molotow. In seiner Einsamkeit empfindet er unter dem Druck seines Leidens eine tiefe Sehnsucht nach der Heimat, den Eltern, den Ort, wo seine Wiege gestanden und er seine schöne Kindheit verlebt hat. Besonders empfindet man so was, wenn man krank liegt und mal ganz zur Seite gestellt ist.“

 

„8.V.49. Sonntag. Heute morgens während meine Familie noch schlief, schrieb ich einen Brief an meinen Cousin Peter J. Dück.“

 

 

„1.II.55. Ich bin Heute zu Hause und nicht auf Arbeit gegangen, weil ich mich nicht gesund fühle. Wir haben Heute gerade starkes Sturmwetter.

Erhielten soeben einen Brief von meinem Cousin Peter J. Dück. Ihre einzige Tochter Eleonore ist als Arzt auf 3 Jahre in den fernen Norden gefahren.“

 

 

„20.X.57. Sonntag. Erhielten soeben einen Brief von meinem Cousin Peter Joh. Dück Krasnikamsk. Trotz seiner fast 60 Jahre und schwerem Leiden seiner Frau ist er noch immer mutig und fortschrittlich. Außer seiner Arbeit als Buchhalter beschäftigt er sich in seinem Privatleben viel mit Gartenbau und zwar mit Kultivierung von Obstbäumen in den nördlichen Verhältnissen."

 

Mein Vater besuchte 1969 Peter Dück in Selenokumsk.

von links: Nora mit ihrem Sohn, Paula, Peter, Ehemann v. Nora Oleg Kauchukovski
links Johann Dick, mein Vater
Das Haus von Peter Dück

 

Peter Johann Dück ist am 30. März 1988 in Selenokumsk gestorben.

 

Seine Tochter Nora mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn Peter Kauchukovski  besuchten 1990 ihre Verwandten Dücks in Canada. Nora ist 2012 gestorben. Ihr Sohn Peter wohnt in Tuapse, Rußland.

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*Katharina Enns heiratete Jacob Warkentin am 19. November 1898.

 

Das Ehepaar hatte 7 Kinder. 

Katharina starb bei der Entbindung ihres Sohnes Heinrich (#662922) am 21.Oktober 1914 in der Memriker Kolonie.

Wir haben auch heute sehr engen Kontakt mit den Nachkommen von Katharinas Tochter Lydia (#662928). Im Tagebuch meines Großvaters finden Katharinas Söhne Jasch (#662930) und Hans (#662924) Erwähnung.

 

Aus dem Tagebuch meines Großvaters:

 

„24.VIII.47. Soeben überraschte uns mit einem Besuch eine Hilda Warkentin, die Tochter meines Cousins Jasch Warkentin von Waldock - Memrik. Anno 1937 wurde ihr Vater und Mutter genommen und sie wurde als 10 jähriges Mädel in ein Kinderheim geschickt. Später wurde ihre Mutter und sie befreit. Anno 1941 wurde sie wie alle andren Deutschen hierher nach Kasachstan geschickt in einen Sowchos. Ihr Großvater mein Onkel Jakob Warkentin starb nach 3 Wochen im Alter etwa von 75 Jahre. Sein andrer Sohn Hans war auch vor einigen Jahren genommen, so dass er mit seinen 2 Töchter und 2 Schwiegertöchter ohne Männer hierher gekommen war. Der Sohn Hans Warkentin soll in diesen Tagen befreit worden und zu seiner Familie zurückgekehrt sein; ebenfalls der Sohn von Lida (Lydia)Warkentin (Frau Krüger). Die Mutter und Pflegebruder von dieser Hilda wurden etwa anno 1942 in die Trudarmee mobilisiert und so blieb das Mädel allein. Sie arbeitete im Sowchos als Schwarzarbeiter und später als Magd bei einem Buchhalter des Sowchos. Ihre Mutter und Pflegebruder sind dann frei gekommen und haben sich gefunden und wohnen in einem Kolchos in der Omskschen Oblast. Gegenwärtig hat die Hilda hier von der Komendantur die Erlaubnis bekommen, zu ihrer Mutter zu fahren.“

 

„18.VIII.57. Sonntag Vor einer Woche war bei uns mein Cousin Hans Warkentin, mit Frau zu Gast. Sie kamen zum Arzt J. Fröse, der aus ihren Memriker Kolonien stammt. Hans Warkentin ist in diesem Sommer im Kurort Kislowodsk gewesen. Auf dem Rückwege fuhr er bei sich im Donbass an und war auch auf seinem Heimathof. In sein Haus ging er nicht hinein, im Garten war er jedoch. In ihrem einst so schönen Obstgarten sind nur 3 Obstbäume geblieben.“

 

„18.I.59. Sonntag. Heute waren Frieda und ich zu unsre Cousine Lyda Krüger (Warkentin) zu Besuch gefahren mit dem Vorortzug. Wir trafen sie krank an. Sie erlebt jetzt gerade schwere Tage und weint sehr viel, da sie ihre letzte Tochter, die frohe Lydotschka hat abgeben müssen, welche sich vor zwei Wochen verheiratet hat mit einem Oskar Böss und mit ihm in einen Sowchos hinüber gezogen ist, der ca 250 km von hier entfernt in den abgelegenen Steppen liegt.

Lyda Krüger hat ihren Mann anno 1937 spurlos verloren und dann ihre 4 Kinder in furchtbar schweren Verhältnissen der Verbannung allein auferzogen. Mit ihrer Lydotschka ist das vierte und letzte Kind aus ihrem Haus gezogen und sie ist nun ganz allein geblieben, was sich gegenwärtig sehr schwer auf ihr Gemüt legt.“

 

Lydia (Lyda) Krüger, geb. Warkentin , hatte  4 Kinder:

-Abram

-Anna

-Agahta (Katja)

-Lydia (Lydotschka)

 

Lydia und ihre Kinder mit samt ihren Familien kamen in den 90-iger Jahren nach Deutschland. Lyda Krüger ist 19.. gestorben. Ihre Tochter Lydotschka (Lydia Bösse) starb noch vor ihr, 1993.

Lydia und Oskar Bösse haben drei Töchter bekommen: Irina, Nelli und Valja. Obwohl sie für mich verwandschaftlich entfernte Cousinen sind, sind sie für mich persönlich sehr nahe Verwandte. Unsere Familien hatten und haben sehr engen Kontakt, sowohl in Kasachstan als auch in Deutschland. Irina war genauso alt wie ich. Sie starb viel zu früh, 2011. Ich vermisse Irina sehr. Sie fehlt mir.

1903, Katharina Enns mit ihrem Mann Jacob Warkentin und Kindern
links im Sitzen Lydia (Lyda) Krüger geb. Warkentin
links im Stehen ihr Mann
1956,von links: meine Oma, Lydia (Lida) Warkentin- Krüger, ihre Tochter Lydia (Lydotschka), mein Opa
1992, Mein Vater mit seiner Tante Lyda Warkentin- Krüger (Cousine meines Großvaters )
von links: Nelli, Irina und ich, 2010
 

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*Aganetha ( Neta ) Enns heiratete Heinrich Dück, der Bruder von meinem Ur-Großvater Gerhard Dück. Neta starb sehr früh und hinterließ zwei kleine Mädchen Anna und Agnes.

 

*Jacob Enns, der Stiefbruder meiner Ur-Großmutter,  wurde  am 20 Juni 1852 im Crim geboren. Seine Mutter (Maria Froese (#62100)) starb als er gerade 3 Jahre alt war. Sein Bruder Abraham war zu dem Zeitpunkt nur 6 Monate alt.

Sein Vater Jacob Enns heiratete am 6.Juli 1856 Anna Wiebe. Für die beide Jungs war sie wie eigene Mutter.

Auf dem Bild oben ist er ca 28-30 Jahre alt und unverheiratet. Die Familie Enns hielt sehr zusammen. Jacob besaß ein Grundstück am Ufer des Flusses Juschanlee (4 Meilen südwestlich von Ohrloff). Alle seine Schwestern halfen ihm bei der Arbeit in der Erntezeit.

Später heiratete Jacob Anna Töws (am 29.4.1863 in Tiege geboren) und gründete eine große Familie. Ich weiß, dass er viele Kinder hatte. Leider gibt es keine genauen Informationen.

Aus dem Tagebuch meines Großvaters könnte ich folgendes erfahren:

„Im Dezember 1929 (20.12.1929 Tiege) starb nach einigen Schlaganfällen unser Onkel Jak. Jak. Enns (Tiege), der Halbbruder meiner Mutter, im 76-ten. Lebensjahr. Er war ein selbstbewusster und energischer Mann mit Lebenserfahrung und praktischen Sinn. Seine für bauerlichen Verhältnisse oft außergewöhnliche Reisen bis über die Grenzen unsres Landes hatten seinen Gesichtskreis weit erweitert. Was seiner materiellen Lage anbetraf, so hatte er es trotz allem nicht über das Niveau eines Mittelbauer gebracht.“

 

Kinder vom Jacob Jacob Enns:

 

- Anna, ausgewandert nach Kanada

 

- Jasch, ausgewandert nach Kanada

 

- Gerhard, ausgewandert nach Kanada

 

- Hans, wurde am 29.06.1905 geboren und heiratete am 30.08.1930 Helene Redekopp. Sie hatten zwei Töchter: Annie und Mary. (Annie Klein-Enns und ihr Mann besuchten 1995 meine Eltern in Werlte, Deutschland).

von links Mary Penner-Enns, ihr Mann, Annie Klein-Enns
1995, von links meine Mutter, Annie Klein-Enns, mein Vater

Hans wurde festgenommen (ich denke ca. 1936-1937) und verbrachte 10 Jahre in Haft. Seit der deutschen Besetzung der Ukraine hat Hans Enns jegliche Verbindung zu seiner Frau und seinen Kindern verloren. Ich vermute, dass seine Frau Helene Redekopp mit ihren Kindern während des Krieges zuerst nach Deutschland und danach nach Kanada gegangen ist. Nach seiner Haft, im Jahre 1947, kehrte Hans als kranker Mann nach Kasachstan zurück. Nach großem Leiden starb er im Alter von 44 Jahren. Er hat nie erfahren, wo seine Familie geblieben ist.

(1992 trafen meine Eltern seine Frau Helena Enns geb. Redekopp. Sie hat den verwitweten Jasch Gerhard Dyck, Bruder meines Großvaters, geheiratet.

 

- Mariechen heiratete P.D.Cornies

 

- Liese blieb unverheiratet.

 

- Lena heiratete Franz Friesen

 

Weiter aus dem Tagebuch meines Großvaters:

 

„4.VIII.35 Etwas später kamen noch zu uns meine Cousine gew. Mariechen Enns mit ihrem Mann P. D. Cornies der gegenwärtig in der Stadt in einer Ölpresse arbeitet u. unweit von uns wohnt. Es sind dies meine einzigen Verwandten in Melitopol, und trotzdem wir uns bis zum Frühling dieses Jahres eigentlich nur wenig gekannt, so sind wir rasch gute Freunde geworden. Die Mariechen ähnelt doch ihrem ganzen Wesen nach sehr ihrem Vater dem energischen Onkel Jak. Jak. Enns aus Tiege.“


„12.VI.44 Aus P. Dücks Brief erfahren wir, dass Tante Enns ( Frau von Jacob Enns, Anna Töws)wohl noch lebt, aber dass Pet. Dav. Cornies (Mann von Mariechen Enns) gestorben ist.“


„12.I.45 Lena Enns berichtet uns die Adresse von ihrer Mutter (Anna Töws)“


„23.XII.45 Lise Enns schreibt, dass ihre Schwester Lena einige Wochen ganz wahnsinnig gewesen sei, dass sie gegenwärtig doch schon wieder genese. Die beiden Schwestern haben viel durchgemacht und aus Lieses Brief ist ein fester Gottesglaube zu sehen.“


„12.III.46 Erhielten von Liese Enns, einen Brief mit der Nachricht, dass ihre Mutter - Tante Enns (Anna Töws) im Alter von 86 Jahre am 14-II l./J hier in Sibirien gestorben sei. Wenn Tante Lena - Vaters Schwester nicht mehr lebt, dann ist mit Tante Enns unsre letzte Tante dahin geschieden. Wie wir sie das letzte mal vor 10 Jahre in Melitopol trafen, hoffte sie noch so sehr auf bessere Zeiten. — Sehr schwer ist es, wenn man den schweren Teil seines Lebens im hohen Alter durchmachen muss. Ihr ganzes Leben ist sie auf Krücken gegangen und im Laufe des letzten Jahrzehnt zwei mal die Reise aus der südlichen Ukraine bis Sibirien gemacht.“


„2.IV.46 Lise Enns schreibt, das ihrer Schwester Lenas Sohn vor kurzem gestorben sei und scheinbar infolge eines Unglücks und das Lena schrecklich traure um ihn.“


„28.VI.46 Einige Tage logierte bei uns eine mennonitische Frau N. Bur von Konstantinowka mit ihrem Jungen, mit den ich in Buguruslan in der Trudarmee zusammen gewesen bin. Sie erzählte aus sicheren Quellen , das  meiner Cousine - Helene Friesen (geb. Enns) Sohn Hans ist vor kurzem in der Ferne gestorben. An seinem Todestage springt seine Mutter plötzlich aus dem Schlaf auf und sagt, dass ihr Sohn Hans sie gerufen hat.“



„30.VIII.46 Den folgenden Zug nach Hansi’s Ankunft kam zu uns Helena Friesen geborene Enns - Tiege. Sie kam aus Tomsk wo sie einen Monat in einer Nervenheilanstalt kouriert hatte. Trotz ihren sehr schweren Leiden besitzt sie ein starkes Selbstbewustsein und Mut. Ihre Gesichtszüge sind genau Onkel Enns Züge. Ihr Redeweise erinnert an ihre Mutter - Tante Enns.“


„19.X.46 Wir haben den dritten Tag einen seltenen Gast - Frau P. D. Cornies - früher Mar. Enns aus Tiege. Sie kommt aus der Novosibirischen Oblast und will zu ihren Schwestern, die in unsrer Pavlod. Oblast wohnen. Sie hat ziemlich gealtert; sie ähnelt sehr ihrem Vater auch Mutter.“


„16.X.47 Erhielten gestern und Heute 5 Briefe (...) Lise Enns lässt fragen, ob es möglich ist, in eine wärmere Gegend hinüberzuziehen, was sie gerne möchte, weil sie sich nach dem Thyphus gar nicht so recht erholen kann.  Heute schickte ich ihnen die Adresse von Joh. Jak. Janzen, der im südlichen Kasachstan wohnt.“


 „14.XII.47 Vor kurzem kam zu uns mein Cousin Hans Jak. Enns (früher Tiege), der aus seiner 10-jährigen Haft befreit und aus dem Norden zurückgekehrt ist. Diese 10 Jahre haben tiefe Spuren in seinem Gesicht und an ihm überhaupt zurückgelassen. Zwei Jahre hat er in einem Lazarett für Tuberkulose zugebracht; eine Lunge ist bei ihm schwer verletzt. Mit seiner Frau und Kinder hat er seit 1942 jegliche Verbindung verloren. Heute Morgens fuhr er mit einem gelegentlichen Auto bei diesem großen Frost und in seiner dürftigen Kleidung zu seiner Schwester Mariechen, die 50 km von hier entfernt in einem Kolchos schneidert.“


„25.IV.48 Unter anderem war ich in dem Kolchos namens Kirow, wo unser Cousin Hans Enns aus Tiege seit seiner Rückkehr aus der Verbannung als ______ arbeitet. Seit der Okupation der Ukraine von den Deutschen hat Hans Enns jegliche Verbindung mit seiner Frau und Kinder verloren.


Zu unserm großen Erstaunen hat er sich vor einer Woche mit einer geschiedenen Frau aus dem Kolchos “Kirow” verheiratet, d. h. sind einfach zusammengetreten ohne jegliche bürgerliche oder kirchliche Trauung. Weil sie nach heutigen Begriffen etwas bemittelt ist, d. h. eigen Haus, 2 Kühe, Schafe, und genügend Produkte hat, so ist Hans Enns dadurch aus seiner materiellen Not einstweilen heraus gerettet; er lud mich zu sich zu Nacht u. zum Essen ein, versuchte diesen seinen Schritt (Heirat) mir, zwar etwas ungeschickt, zu erklären, und ich musste eine freundliche Miene zum bösen Spiel machen. Mit seiner Schwester Mariechen (Frau Cornies), die ein großes Original ist, ist er nach seinen Worten in diesen 2-3 Monaten ihres Beisamen-sein, ganz, “über den Bogen” gekommen.


Uns, und besonders Frieda, hat dieser Schritt des Hans Enns sehr verwundert.


Was wird nur seine Familie noch mal dazu sagen, wenn die noch am Leben ist und dieses erfahren wird.“


„2.X.48 Die Geschwister Lise und Lena Enns (Friesen) sind vor 2 Tage von Mokam(?) in unsre Stadt gezogen.“


„1.XI.48 Montag. Gestern - Sonntag, hatten wir Besuch Geschwister Lise, Lena und Hans Enns mit Lenas Tochter; Auffallend, dass alle 4 ziemlich leidend sind, ebenfalls auch die 3te. Schwester Mariechen.“


„19.XII.48. Hans Jak. Enns liegt gegenwärtig hier im Krankenhaus; man hat bei ihm Rückmark Schwindsucht festgestellt.“


„24 Dezember 1948 Es ist eigentlich “Heiliger Abend”. Leider ist Heute und Morgen Arbeitstag Während wir am Abendbrot saßen kamen die Schwestern Lena und Lise Enns um gemeinsam mit unsrer Familie zur Andacht zu gehen. Bevor sie gingen, sangen wir noch einige Weihnachtslieder.“


„27.II.49 Vorgestern Abends waren Frieda und ich, und Gestern Abend, unsre Jungen und Marusja bei Geschwister Enns zu Gast. Vor 2 Tagen haben die nämlich ihren Bruder Hans aus dem Krankenhaus zu sich geholt, um ihn dann weiter ins Kollektiv Kirowo abzutransportieren. Er kann weder sitzen noch gehen, liegt fest zu Bett. Um 2 Wirbel seines Rückgrades ist eine dicke Geschwulst.“


„20.III.49 Donnerstag abends den 17.III feierten wir meinen 57ten Geburtstag; zu Gast waren die Schwestern Lena und Lise Enns mit Lena’s Tochter Anja. Unsern Abend schlossen wir mit alten Liedern aus unserm Gesangbuch.“


„17.IV.49 Sonntag. Vorigen Sonntag hatten wir ein kleines Begräbnis unseres ersten Großkindes - eines etwas zu früh geborenen Mädels. Das Mädel lebte nur etwas über einen Tag. Während Marusja noch im Krankenhaus war, feierten wir hier im engen Kreise mit den Schwestern Lena und Lise Enns das Begräbnis. Wir sangen passende Lieder aus unserm Gesangbuch. Lise Enns vertritt in solchen Fällen den Prediger.“


„15.V.49 Sonntag. Gestern wurde Hans Enns zu seinen Schwestern gebracht, um wiederum im Krankenhaus unterzukommen. Sein Gesundheitszustand ist sehr bedenklich und fast hoffnungslos. Wenn nicht sein starker Wille, wäre er wohl schon untergegangen. Gestern sah ich zum ersten mal diesen von Natur so starken und körperlich ganz gebrochenen Mann weinen. Er sagte zu mir, er sei ganz müde und möchte eine Entscheidung haben; die furchtbar schwere 10 Jahre seiner Verbannung, während der er schon 2 Jahre im Krankenhaus zugebracht hat, und jetzt schon über ein halb Jahr ganz an’s Bett gefesselt, zudem seine verzwickte Familienverhältnisse und materielle Lage, haben ihm auch schließlich seinen starken Willen und Mut gebrochen. Er meinte Gestern, ob er denn so ein großer Sünder wäre, dass ihn so ein schweres Schicksal getroffen hat. Sein schweres Schicksal hat ihn an Gott irre gemacht.“


„2.VI.49 Hans Enns liegt wieder im Krankenhaus, es sieht mit ihm nur sehr bedenklich aus. Eine Operation ist ihm noch nicht gemacht.“


„5.VI.49 Sonntag. Vorgestern abends ist Hans Enns im Krankenhaus gestorben und Heute wird er im Kolchos namens Kirow begraben. Am letzten Tage hat er schon nichts gesprochen; am Tage vorher viel geweint. Von Gott wollte er ja nichts hören; laut Aussage seiner Schwester Lena, die ihn am meisten besucht hat, soll er in den letzten Tagen jedoch ganz anders geworden sein und auf Lena’s Trostworte schweigend genickt haben.


Der Hans war ein Mann, wie auch sein Vater, aus “grobem kernigen Holz”.“


„1.I.50 Zu viert mit den 2 Schwestern Lena und Lise Enns begegneten wir Gestern abends das Neue Jahr. Unsre Kinder waren ausgegangen.“


„13.VI.54 Mittwoch am 9. Juni begruben wir meine Cousine Lise Enns, die nach Jahrelangem Magenleiden schließlich an Magenkrebs gestorben ist. Ihr Sarg wurde in einem Grab mit ihrer Schwester Lena (Friesen) die im vorigen Herbst starb, begraben. Jetzt ist noch ihre ältere Schwester Mariechen geblieben, die auch ganz alleinstehend ist. Lena’s Tochter Anja ist jetzt ganz verwaist. Ihren Vater Franz Friesen, der unweit von hier in einem Sowchos mit einer andern Familie lebt, kennt sie wohl kaum, da er Lena verlassen hat, als Anja noch klein war.


Onkel und Tante Enns waren doch gesunde Menschen und haben ein hohes Alter erreicht, während ihre Kinder, besonders die vier, die hier waren, alle sehr leidend waren und drei davon schon verhältnismäßig jung gestorben sind.


Es waren alle sehr energische und selbstbewusste Menschen. In jeder Frage des Lebens hatten sie ihre eigene und bestimmte Meinung. Die Schwestern Lise und Lena waren beide sehr religiös und gläubig. Lise war einfach ein Prediger und konnte sehr überzeugt reden und schön beten. Am Grabe ihrer Schwester Lena hielt sie ein sehr ernstes Gebet in deutscher und russischer Sprache. Wie ich damals mit ihr zum offenen Grabe ging meinte sie noch, wer wohl jetzt von uns an der Reihe sei.


Den Tod fürchtete sie nicht. Weil sie nie eine eigene Familie gehabt war ja auch niemand, den sie zurückließ und sie beweinte.


Lena war sehr nervenleidend und hatte ein Rückgradleiden, woran sie wohl auch gestorben ist.“




„4.IX.56 Vormittag war unsre Cousine Maria Cornies (Enns) zu Besuch, welche etwas Brennholz gelegentlich holen wollte. Trotz ihrer Schwäche und Gebrechlichkeit macht sie dank ihrem starken Willen noch manche Strapazen durch. Weil sie ganz allein ist, muss sie alles allein tun und kann sich auf niemanden verlassen. Sie möchte so gerne ihren Bruder Jash finden, der scheinbar in Deutschland sich befinden soll.“




„18.II.57 Fast ein halbes Jahr habe ich keine Notizen in diesem Heft gemacht, während dem sich doch so manches zugetragen hat.


Maria Kornies, von deren Besuch bei uns auf der Rückseite dieses Blattes geschrieben ist, ist im Dezember gestorben und auf dem selben Kirchhof, wo ihr Bruder Hans liegt, begraben worden. Frieda und Schwester Anna waren mit dem Kolchosautobus zum Begräbnis gefahren. Und so sind alle vier Geschwister Enns hier im Laufe von einigen Jahren gestorben. Während die andren drei - die älteste Schwester und Brüder, Anna, Jasch und Gerhard noch gesund sind und in Canada leben. Die älteste Schwester Anna bittet uns, ob wir nicht könnten etwas Näheres über den Tod ihrer Mutter und vier Geschwister berichten.“

 

In Pawlodar blieb von der ganzen Familie nur Anna Friesen, die Tochter von Liese Enns übrig. Sie heiratete den russischen Mann Tiganov (Тыганов)

1950, Schwestern Enns- Liese und Lena, Lenas Tochter Anna
Anna Friesen-Tiganov (Photo aus Privatarchiv von Waldemar und Tatjana Dick)
1993, von links Viktor Dick, seine Frau Svetlana, Anna Dick, Anna Tiganov, Maria Dick.

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Aus dem Tagebuch meines Großvaters:

 

„5.XI.59 Sonntag. Abend. Ich sitze allein zu hause. Zu Mittag hatten wir zu Besuch Anja Tiganowa, geborene Friesen, mit ihrem Mann Ljenja und Kind. Die Arme hat nach dem Tode ihrer Mutter - Helena Friesen (geb. Enns) und ihrer Tante Luise Enns, die beide sehr um sie sorgten, schon viel durchgemacht. Der erste zeitweilige und zweite Mann sind Trinker. Heute bekamen wir ein etwas besseren Eindruck von ihr und ihrem Mann.“