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Der mennonitische Familienname Siemens bedeutet patronymisch „Sohn des Simon“. Der Ursprung leitet sich aus dem hellenistischen Judentum („šim'on“) ab. Durch die Verwendung des Namens im Neuen Testament (Simon, ursprünglicher Name des Apostels Petrus; Apostel Simon Zelotes) wurde „Simon“ auch unter Christen in Europa sehr populär. Der Name ist in zahlreichen Schreibvarianten auch heute noch in den Niederlanden und in weiten Teilen Norddeutschlands sehr verbreitet.

Meine „Siemens“ Vorfahren konnte ich ab Jacob Siemens verfolgen. Er wurde ca. 1735 in Groß Brunau (Burwald Pfarrei) geboren. Dieser Ort war ein Gutsbezirk und lag im Kreis Rosenberg (heute Susz (poln.)), Regierungsbezirk Marienwerder / Westpreußen. Später wohnte er in Zeyerskamp, Gemeinde Rosenort (später Ellerwald Pfarrei). Wer war seine Frau, wie viele Kinder hatten sie, was war er von Beruf? Auf diese Fragen fand ich leider keine Antwort. Am 16. April 1765 wurde Jacob Siemens und seiner Frau ein Sohn geboren, sie hießen ihn Peter Jacob. Sein Geburtsort ist ebenfalls Groß Brunau (heute Bronowo (poln.)).   

 

Ende des 18. Jahrhunderts sind  viele Mennoniten von Ost- und Westpreußen nach Südrußland ausgewandert. Ihre Ansiedlung sollte am Dnjepr-Ufer stattfinden, in der Nähe der heutigen Stadt Cherson. Diese Ländereien waren erst kurz zuvor von osmanischer unter russische Herrschaft gekommen. Bevor sich die Auswanderer auf den weiten Weg machten, erkundeten mennonitische Abgesandte das vorgesehene Siedlungsgebiet. Nach ihrer Rückkehr und ihren positiven Berichten brachen die mennonitischen Siedler im Winter 1787/88 nach Russland auf. Insgesamt kamen 228 Familien im Herbst 1788 in Dubrowno (liegt heute in Weißrussland) an, wo sie überwinterten. Im Frühjahr 1789 reisten sie dann auf dem Fluss Dnjepr zur Siedlungsstätte. Da in der Nähe des ursprünglich vereinbarten Siedlungsgebietes immer noch kriegerische Handlungen stattfanden, mussten sie nun an einer anderen Stelle siedeln. Sie bekamen Land gegenüber der heutigen Insel Chortitza, in der Nähe der heutigen Stadt Saporoschje (damals Alexandrowsk). Chortitza wurde zum Namen der ersten Mennonitenkolonie im zaristischen Rußland.

„Im Monat Juli 1789 erreichte der erste Trupp Einwanderer seinen Bestimmungsort, das Tal, in welchem sich die bescheidene Chortitza ihr Bett gemacht hat und seit urdenklichen Zeiten den Fluten des im Osten kaum sichtbaren Dnjeprs zustrebt. Ein langes, breites Tal, von hohen Bergen eingeschlossen, gähnte sie an. Dazu bot sich ihnen auf der Talsohle selbst der traurige Anblick eines inmitten der Urwüchsigkeit einer unkultivierten Gegend gelegenen, von seinen Bewohnern verlassenen und zerstörten Dorfes dar.“ „Hierzu rings um weit und breit kein lebendig Wesen, kein Baum, kein Strauch — wer hätte sich da eines beängstigenden Grauens erwehren können! Und so ging's auch den neuen Landeskindern. Mehr jedoch als die Einsamkeit, schreckte die Einsichtsvollem die Bodenbeschaffenheit. Sie trauten anfangs ihren Augen nicht. In solcher Gruft sollten sie, die Kinder der weiten Niederung, wohnen und sich heimisch fühlen? Diese Berge sollten ertragsfähig sein? Auf diesen Höhen sollte ihr Wohlstand blühen? — Wie groß mußte beim Anblick der bergigen Landschaft die Verlegenheit derjenigen sein, welche gewohnt waren, im Marschboden der Nehrung zu pflügen, und dann auch derjenigen, deren Urteil, den Ackerbau betreffend, sich nur auf die Behauptungen der ersteren gründete, die selbst aber niemals, weder in der Niederung, noch auf der Höhe, einen Pflug gehandhabt hatten. O, welche Enttäuschung! Dieses also war das gelobte Land, um dessentwillen sie sich mit schwerem Herzen von Heimat, Freunden und Bekannten losgerissen, um dessentwillen sie den weiten, beschwerlichen Weg gemacht? Dieses waren die fruchtbaren Ebenen, die ihnen die Deputierten vorgegaukelt?“ „Das Gepäck der Einwanderer, welches die Obrigkeit befördert hatte, war angelangt. Als sich nun die erfreuten Menschenkinder ans Auspacken der sehnlichst erwarteten Kleidungsstücke, Hausgeräte usw. machten, fanden die meisten ihre Kisten und Kasten des ursprünglichen Inhalts beraubt und statt dessen mit Steinen oder sonst wertlosem Ballast angefüllt. Selbst diejenigen Sachen, welche noch bis an Ort und Stelle gekommen, waren durch den langen Transport in den feuchten, oft nassen Barken bis zur Unbrauchbarkeit verdorben.“1

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Chortiza Kolonie

„Dazu kam noch eine der Ansiedelung höchst ungünstige Witterung. Der Augusthimmel brachte Regen über Regen. Weil aber nur wenige der bei Chortitz vorgefundenen Hütten bewohnbar waren, so mußten die meisten der Ankömmlinge im Freien unter notdürftig aufgeschlagenen Zelten, oder auch auf den verdeckten Wagen biwakieren.“1

„Unter Leitung der beiden Deputierten wurden in diesem Jahre die Dörfer:Chortitz, Rosenthal, Insel Chortitz, Einlage, Kronsweide, Neuenburg, Neuendorf und Schönhorst gegründet.“1

"Somit sollte gebaut werden, doch es fehlte am notwendigsten dazu, am Gelde. Holz war genugsam vorhanden; die Baumstämme aber mußten zuvor in Balken, Bretter und Bohlen verwandelt werden, bevor sie zu einem Bau zusammengefügt werden konnten. Die versprochenen Unterstützungsgelder (zur wirtschaftlichen Einrichtung auf die Familie 500 Rubel) liefen in so kleinen Summen ein, daß sie ohne Nutzen für die häusliche und wirtschaftliche Einrichtung verbraucht wurden.“1

„Daselbst bauten die Ansiedler ihre Wohnungen anfangs in gemessener Entfernung von einander, damit jeder, wie in Preußen, in der Mitte seines Landstückes wohne. „Sie waren aber kaum mit der ersten Einrichtung ihrer Häuser fertig, als sie auch schon die Notwendigkeit erkannten, enger zusammen zu ziehen und sich in geschlossener Reihe niederzulassen. Sie fühlten sich nämlich vor der Raubgier der umwohnenden Nachbaren nicht sicher, welche nicht nur ihr Eigentum, sondern auch ihr Leben bedrohten.“1

„Die ersten gottesdienstlichen Zusammenkünfte unserer Voreltern hieselbst in einer zurückgebliebenen Kornmühle statt. Dieselbe stand dort, wo nachmals die erste Kirche erbaut wurde.“ „Es wurde beschlossen, daß jeder Ansiedler zum Bau einer Kirche in Chortitz ein gutes Stück Bauholz abgeben und von der zur Zeit erfolgten Auszahlung einer größeren Vorschußsumme 5 Rubel zurücklassen solle.“1

„,,Wo sich Deutsche niederlassen, dort bauen sie sofort eine Schule." Auch unsere Vordem blieben diesem Grundsatze der Nation treu. Schulen entstanden bald, aber selbstverständlich glichen dieselben anfangs in allem dem unentwickelten Kinde. Schon das Schullokal war darnach angetan. Es fiel in der ersten Zeit nicht selten mit der Wohnstube des Lehrers zusammen und statt Landkarten, Anschauungsmittel und dergleichen schmückten allerlei Hausgeräte oder Werkzeuge seine Wände.“ „Die Unterrichtssprache war die plattdeutsche.“1

Die ganze Ansiedlung wurde die „Chortitzer Ansiedlung“ oder die „Alte Kolonie“ genannt, im Gegensatz zu der einige Jahrzehnte später entstandenen jüngeren „Molotschnaer Ansiedlung“.

 

 

In den Jahren 1793 - 1796 kamen immer noch neue Transporte von Mennoniten aus (West- und Ost) Preußen an. Es waren insgesamt 118 Familien, welche größtenteils in den Chortitzer Kolonien aufgenommen wurden. Die, die aus Mangel an Raum in den wenigen Häusern der Kolonien nicht aufgenommen werden konnten, wurden im Städtchen Alexandrowsk einquartiert. Diese neuen Ankömmlinge gehörten zur sogenannten „zweiten Auswanderung“.

 

Die junge Familie Peter Jacob und Katharina Siemens mit ihrer zweijährigen Tochter Katharina hatte sich auch für die Auswanderung nach Russland entschieden. Man schrieb das Jahr 1794.

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Tante Liesa Löwen erinnerte sich, dass ihre zwei Onkel (= 2 Onkel meines Großvaters) 1910 zu einem Siemens- Treffen nach Hahnenklee bei Goslar eingeladen wurden.  Die beide Onkel konnten wahrscheinlich auf Grund der politischen Situation nicht mehr aus Rußland ausreisen. Ron Siemens aus Alberta berichtete mir, dass die Einladung kam von Leo Siemens. Sein Ur-Ur-Großvater Peter Siemens wurde auch eingeladen, konnte aber wegen seinen Alters in diesem Treffen nicht teilnehmen. 

Aus Wikipedia erfuhr ich, dass intensive familiengeschichtliche Forschungen führte Leo Siemens (1847–1925) durch, der 1873 den Siemens-Familienverband mit Sitz in Goslar begründete, dem die Namensträger aller Zweige des Goslarer Gesamtgeschlechts angehören. Diese Untersuchungen setzte Hermann Siemens (1891–1969) fort, der an der Universität Leiden eine Professur für Dermatologie innehatte und mit richtungsweisenden wissenschaftlichen Arbeiten in der Medizin hervortrat.

Leo Siemens kontaktierte 1893 die Siemens in Kanada, um mehr Informationen für das Stammbuch, welches 1910 gedruckt wurde, zu bekommen. Über Jahre wurden die Daten dafür gesucht, es folgte intensive Briefwechsel, aus welchem existieren noch drei Briefe (von Ron Siemens zugeschickt). Vom Peter Siemens bekam Leo Siemens die Adresse meines Ur-Ur-Großvaters Julius Siemens in Schönwiese, Russland. 

 

Ich habe mich mit dem „SIEMENSHAUS GOSLAR“ in Verbindung gesetzt. Von Herrn Lüdecke bekam ich mehrere Dokumenten aus damaligem Schriftwechsel mit den Siemens aus Amerika und Russland. Einen direkten Briefumtausch mit meinem Ur-Ur-Großvater gab es leider vermutlich nicht.

Seit Erstellung des ersten Familienstammbaumes im Jahre 1829 durch Theodor Siemens (Vater von Leo Siemens) betreibt die Familie konsequent Ahnenforschung. Die “Goslarer Siemens” lassen sich urkundlich belegbar bis auf Ananias Siemens (*1538) zurückführen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Name Siemens in Goslar 1384.

In Betracht gezogen hat man damals auch einen “Schulterschluss” mit der Linie „RA“ auch vor Ananias Siemens und eventuell auch außerhalb Goslars. Die Buchstaben “RA” stehen für Russisch-amerikanische Linie. 1935 hat man die Nebenlinie „RA“ im Stammbaum nicht mehr aufgeführt da sich bis dahin keine Belege für eine Verbindung ergaben.

Es gibt immer noch keine Belege die für oder gegen eine Verbindung sprechen. Es bleibt als eine ungeklärte  Angelegenheit.

Quelle:

 

"Die Chortitzer Mennoniten, Versuch einer Darstellung des Entwicklungsganges derselben" von  D. H. Epp, 1889