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Eltern: Jacob Siemens, Anna Janzen

♥ Sara Klassen

Kinder: 

Johann (Hans) Jacob Siemens ∗1909 †2002

#515488

1965
Johann Siemens, ca 20 Jahre alt
Johann Siemens

Informationen über Hans Siemens, den Bruder meines Großvaters Julius Siemens, erhielt ich durch seine Tochter Katie. Ich hatte das Glück, sie und ihren Mann Hank persönlich kennenzulernen. Sie besuchten uns im September 2014. Wir haben drei wunderschöne Tage zusammen verbracht.

 

Mitte der 20iger Jahre des vorigen Jahrhunderts emigrierten viele Mennoniten nach Canada, so auch Hans ältere Schwester Maria mit der Familie ihres Mannes. Zu dieser Zeit wurde es immer schwerer, aus dem Sowjetstaat auszureisen. Hans Siemens war ungefähr 17 Jahre alt, als er es allein versuchte. Zuerst kaufte er sich bei einem ukrainischen Mann einen Pass, um nach Moskau fahren zu können. Um nicht aufzufallen, nahm er zuerst einen Zug in Richtung China und später zurück nach Moskau. In Moskau wurde Hans verhaftet und kam ins Gefängnis. Er wurde immer wieder verhört. Während eines dieser Verhöre geschah etwas Unfassbares: Einer der Gefängniswärter sagte: “Was macht ihr mit diesem Jungen, lasst ihn gehen“. Hans konnte sein Glück nicht fassen, daß er  frei kam. Etwas später wurde er aber erneut verhaftet. Diesmal transportierte man ihn zusammen mit anderen Gefangenen in einem Zug nach Sibirien. Er und die anderen Unglücksgenossen waren in einem Zugabteil untergebracht und jeder von ihnen dachte nur an Flucht. Als der bewaffnete Wächter an der Tür eingeschlafen war, sprang Hans bei der ersten Gelegenheit aus dem fahrenden Zug. Er kam erneut nach Moskau, konnte sich ein Visum verschaffen und verließ die Sowjetunion.

 

„J . Siemens aus Guszarowka (heute Clearbrook, Kanada) wird am 24. November in Moskau verhaftet und in seine Heimat zuruckgeschickt. Zuhause angelangt, besorgt er sich Lebensmittel und macht sich sofort wieder auf nach Moskau. In Charkow , Ukraina, faszt ihn die GPU ein zweites Mal. Wieder wird er nach Guszarowka zuruckgeschickt. Aber noch einmal gelingt es ihm, sich nach Charkow durchzuschlagen. Hier versucht er, mit dem Flugzeug nach Moskau zu kommen, doch ist der Flugverkehr fur den Winter zwei Tage vorher eingestellt worden. Siemens verliert trotzdem den Mut nicht. Er fahrt erst ein Stuck sudwarts und gelangt dann nach Ueberwindung groszer Schwierigkeiten uber Woronesch nach Moskau. Hier findet er sofort Anschlusz an einen ab gehenden Transport und entkommt glucklich nach Deutschland.“ 1

 

Zunächst hielt Hans sich in einem Flüchtlingslager in Deutschland auf (1928, 1929?).  Er konnte per Schiff nach Kanada auswandern. Hans erreichte seine neue Heimat am 1. Januar 1930. Am 2. Januar feierte er seinen 19. Geburtstag. Hans wohnte bei seiner Schwester Maria mit ihrem Mann Abram Klassen und deren Kindern Margaret, Jacob und Abram in Regina, Saskatchewan.

In Kanada änderte Hans seinen Vornamen in John. In den ersten fünf Jahren arbeitete er auf einer Farm in Regina. Danach ging er nach Winnipeg, Manitoba. Hier heiratete John Sarah Klassen, eine junge Frau, die er noch aus Russland kannte. In Winnipeg arbeitete John als Fleischer, später in einem Juweliergeschäft. In Winnipeg ließ er sich taufen und ist zusammen mit seiner Frau Mitglied einer mennonitischen Kirche geworden.

John und Sara hatten zwei Kinder: Jack (Jacob) und Katie.

1948 zog die Familie nach Abbotsford, British Columbia. Sie ließen sich auf einer kleinen Farm nieder. Diese lag in der Nähe des Dorfes Arnold. Die Familie machte harte Zeiten durch, da die Farm zu Beginn noch nicht so gut lief. John war gezwungen, noch zweiten Job als Zimmermann anzunehmen. Aber er war jung, stark, gesund und bereit für seine Ziele hart zu arbeiten. 

12 Jahre später zogen sie nach Abbotsford. Von da an wurde das Leben leichter. Sie konnten sich schon vieles leisten. 

Der älteste Sohn Jack studierte in Vancouver und wurde Buchhalter. Er heiratete Lora Voth, eine Krankenschwester. Sie haben zwei Kinder (Rene und Darren) und drei Enkelkinder. 

Die Tochter Katie heiratete Hank Neufeld. Ihnen wurden drei Söhne (Stuart, Dean und John) und sieben Enkelkinder geschenkt.  

an unseren lieben Geschw. Julius und Tin, Gatie u. Anna zum andenken aus der Weiten ferne von Canada. von Euren Geschw. Sara u. John (Johann) Siemens. 2.Juni 1935
1953, Hans Siemens mit seiner Mutter
"Dies ist Onkel Hans mit Oma vor dem Haus. 1953, März"

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Johann Siemens Familie, 1966
Johann Siemens Familie, Goldene Hochzeit
Johann und Sara Siemens, 1965
von links Hank und Katie Neufeld, meine Mutter, 2014, Osnabrück

Quelle:

 

1.VOR DEN TOREN MOSKAUS, 1960, Herausgegeben vom Komitee der Flüchtlinge unter Mitarbeit von C.C. Peters, Seite 120