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Seit ein paar Jahren interessiere ich mich für Familienforschung. Wahrscheinlich muss man ein bestimmtes Alter erreichen um diesen Wissensdurst nach seinen eigenen Wurzeln zu bekommen. 2010 ist mein Vater gestorben und jetzt kann ich ihm meine Fragen nicht mehr stellen. Er wollte immer die Orte besuchen, in denen er seine Kindheit verbracht hat. 2013 habe ich es für ihn getan. Dank seiner Vorarbeit, die er bzgl. unserer Familiengeschichte geleistet hat, und den Erzählungen meiner Mutter konnte ich mit meinen Forschungen beginnen. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es nicht ausreicht, nur die Namen von der eigenen Ahnen zu sammeln. Für mich ist es wichtig geworden, wie sie lebten, was sie taten und welche Schicksale ihnen wiederfuhren. Es ist ein Versuch diese Schatten der Vergangenheit einzufangen.

 

Obwohl ich persönlich nie ein Mitglied der mennonitischen Kirche war, bin ich dennoch sehr stolz auf meine Vorfahren und mein mennonitisches Erbe. Wir verdanken unseren Vorfahren viel - unsere Kultur, unsere Zivilisation, unsere Gene und das Leben. Wir haben auch eine große Verantwortung, ja, eine Pflicht, dieses kostbare Erbe an künftige Generationen weiter zu geben.

 

In den letzten 450 Jahre waren alle meine Vorfahren Mennoniten. Der Begriff „Mennoniten“ ist ursprünglich eine religiöse Bezeichnung. Heute sind die Mennoniten eine spezielle Gruppe, die auf der ganzen Welt verstreut ist. Sie hat ihren Zusammenhalt beibehalten, der über ihre religiöse Bindung, über Staatsangehörigkeit und Wohnsitz hinaus geht. Ich bin stolz, ein Teil davon zu sein und ich möchte mehr über meine Vorfahren erfahren.

 

Von meinem Vater habe ich ein altes Gesangbuch für mennonitische Gemeinden in Russland (gedruckt 1903 im Halbstadt) erhalten. Das Buch ist mit Leder bezogen und ist verziert mit dem Namen „Johann Cornies“, „Taschtschenak 1910“. Auf der Innenseite ist eine Inschrift von meiner Großmutter an meinem Vater : „Ein Geburtstagsgeschenk von Deiner Dich herzlich liebenden Mutter. 28.02.1949“. Dieses Buch schätze ich sehr, nicht nur wegen seines Inhalts, sondern weil es ein Erbstück meiner Familie ist. Wenn ich das in den Händen halte, geht mir so vieles in meinem Kopf herum. Ich fühle mich so tief mit unseren Vorfahren verbunden. Je mehr ich über sie in meinen Nachforschungen erfahre, desto mehr fühle ich mich als einen Teil dieses großen Volkes: der „Mennoniten“.

Was passiert  mit einem Menschen, wenn  er die Verbindung zur Vergangenheit verloren hat? Wenn man den Anker verliert, dann kann das Leben sich im Bruchteil einer Sekunde von Grund auf ändern und man wird erneut auf einem Meer ohne Horizont ausgesetzt.

Das, was ich bei meiner Ahnenforschung am meisten schätzen gelernt habe, sind die dadurch entstandenen bleibenden Freundschaften.