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Eltern: Gerhard Franz Dück, Anna Ens

 Luise Unruh 

Kinder: Walter, Gerhard, Marula, Louise, Elfrieda, Peter, Marwood Waldemar 

Gerhard (Гриша - Grischa ) Gerhard Dick ∗1882 †1983

#20737

Gerhard Gerhard Dück, 1910
Gerhard Gerhard Dick, 1975
von links Louise Harback,ich, Johanna und Lilian Dick, 2015

Gerhard Dick, der älteste Bruder meines Großvaters, ist am 17.Dezember 1882 geboren und er durfte seinen 100. Geburtstag im Dezember 1982 noch feiern.

Im Sommer 2015 lernte ich in Kanada zwei von seinen Schwiegertöchtern, Johanna und Lilian Dick und seine Enkelin Louise Harback, meine Cousine, kennen. Unser kurzes Treffen bei Tee und Kuchen im Hause von der 95-jährigen Johanna  war sehr innig. Ich hatte ein Gefühl, dass ich alle schon mein ganzes Leben kenne.

Meine Eltern 1992 hatten Glück noch alle Kinder von Gerhard Dick kennenzulernen. Als Andenken brachten sie aus Kanada ein schönes Ölbild mit einer Herbstlandschaft, gemalt von Elfriede Dyck (Gerhards Tochter) mit. Jetzt hängt dieses Bild in unserem Haus. Der jüngste Sohn Gerhards, Woldemar (Marwood) mit seiner Frau besuchten meine Eltern ein paar Mal, während ihrer theologischen Reisen in die baltischen Republiken. Ich war begeistert von seiner strahlenden Energie. Das war auch Woldemar Dyck, der als erster der Dyck's Cousins, als wir 1990 nach Deutschland kamen, Briefkontakt zu meinem Vater herstellte. 

 

Gerhard und Louise Dick, Hochzeitsfoto, 1910
Gerhard Dick, ganz rechts, Ohrloff, vor der Schule, ca.1918
Gerhard und Louise Dick mit Kindern
Ankunft in Breslau, 1926
Ankunft in Breslau, 1926
Gerhard und Louise Dick
Gerhard und Louise Dick, 1975

Louise Harback hat mir die kurze Biografie ihres Großvaters geschickt. 

 

"Biography of Gerhard G. Dick    December 17, 1882 - January 7, 1983

 

Gerhard Gerhard Dick was born in Blumenort, Molotschna colony, South Russia, on December 17, 1882, the oldest in a family of four sons and three daughters, (plus one son in infancy.)

 

He attended school to the end of the first year of high school (Zentralschule) in Ohrloff, a neighbouring village.  At that time, young men of military age had to do alternative government service, so Gerhard spent several years serving in government forests (the Forstei) as well as in government vineyards on the Crimean peninsula.  

 

On occasion he spoke of the time when the Lord became important to him, and when he experienced a change in his life.  When he was 17, around 1899, one of the maidservants of the family became ill and died.  In those days mourners walked behind the carriage of the deceased to the cemetery. On this occasion the group of mourners sang the song "Zum Erloeser will ich Kommen in der Gnadenzeit", that is: "I want to come to the Saviour in the time of grace". The song had a powerful message for Gerhard, and so the funeral became the occasion when he experienced his personal salvation. He was later baptized and joined the church.

 

On September 15, 1910, Gerhard married Louise Unruh, the daughter of minister Peter Unruh of Ohrloff. He soon operated a farm of his own in the village of Ohrloff where they settled. Three sons and three daughters were born to them there: Walter, George, Mary, Louise, Frieda, and Peter, whereas their youngest son was born in Canada. 

 

During the time of the Russian Revolution and the anarchy which followed in 1917, Gerhard sometimes had to flee for his life--and was miraculously spared. After the great famine in 1921, Communism made life in Russia very difficult, and the family decided to emigrate to Canada. 

 

On June 30, 1926, Gerhard's family arrived in Breslau, Ontario, Canada, where some of their relatives were already living. After a month they joined other immigrants on Pelee Island in Lake Erie. There they lived for the next year and a half, and their youngest son, Woldemar (Marwood), was born.

 

Because the island was too isolated, Gerhard decided to move his family to the mainland, where they bought a farm near Leamington, Ontario. Here the family became involved in the life and activities of the newly-formed Leamington Mennonite Brethren Church.

 

After some difficult years through the Depression, Gerhard Dick's family moved to the Kitchener area in 1941.  Here Gerhard was employed at Canadian Blower and Forge, from which he retired in 1957 at the age of 75.

 

For thirty years Gerhard and Louise enjoyed an independent life-style in their own home on Betzner Avenue in Kitchener. Due to illness in the summer of 1980 it became necessary for them to move to the Fairview Mennonite Home in Preston (Cambridge). 

 

On December 12, 1982, the family had a happy celebration of Gerhard's 100th birthday.  He enjoyed the occasion and led in prayer.  Two weeks later, his health began to deteriorate, and on Friday, January 7, 1983 he went to be with his Lord at the age of 100 years and three weeks. "

 

"Biographie von Gerhard G. Dick ( 17.Dezember 1882 – 7. Januar 1983)

 

Gerhard Gerhard Dick wurde am 17. Dezember 1882 in Blumenort, Molotschna Kolonie, Südrussland geboren, er war der älteste in eine Familie, mit vier Söhnen und drei Töchtern (plus ein Sohn im Kindesalter)

 

Er besuchte die Schule bis zum Ende des ersten Jahres (Zentralschule) in Ohrloff, einem Nachbarort. Zu dieser Zeit mussten junge Männer, im Wehrfähigem Alter, alternativen Dienst für die Regierung leisten, deswegen verbrachte Gerhard mehrere Jahre in Wäldern (Försterei) und Weinbergen der Regierung auf der Halbinsel Krim.

 

Gelegentlich sprach er über die Zeit, zu der ihm der Herr wichtig geworden ist, und wann er sich entschied sein Leben zu ändern. Als er 17 Jahre alt war, ca. 1899, wurde eine der Mägde der Familie krank und verstarb. Zu dieser Zeit gingen die Trauernden hinter dem Wagen des Verstorbenen zum Friedhof und sangen das Lied „Zum Erlöser will ich kommen in der Gnadenzeit“. Dieses Leid hatte eine starke Botschaft für Gerhard, und so wurde die Beerdigung der Anlass , als er seine persönliche Erlösung erfahren hatte. Später wurde er getauft und trat in die Kirche ein.

 

Am 15. September 1910 heiratete Gerhard Louise Unruh, die Tochter von Minister Peter Unruh von Ohrloff. Er betrieb bald einen eigene Bauernhof im Dorf Ohrloff, wo sie sich niederließen. Sie bekamen drei Söhne und drei Töchter: Walter, George, Mary, Louise, Frieda und Peter, der jüngste Sohn wurde in Kanada geboren.

 

Zur Zeit der russischen Revolution und der Anarchie im Jahre 1917, musste Gerhard fliehen um zu überleben - und wurde, wie durch ein Wunder, verschont. Nach der großen Hungersnot im Jahre 1921 machte der  Kommunismus das Leben in Russland sehr schwierig, und die Familie beschloss nach Kanada auszuwandern.

 

Am 30. Juni1926 erreichte Gerhards Familie Breslau, Ontario, Kanada, wo schon Verwandte von ihnen lebten. Nach einem Monat reisten sie mit anderen Einwanderern nach Pelee Island in Lake Erie. Dort lebten sie die nächsten anderthalb Jahre und ihr jüngster Sohn, Woldemar (Marwood), wurde geboren.

 

Weil die Insel so isoliert war, entschied sich Gerhard mit seiner Familie auf das Festland zu ziehen, wo sie sich einen Bauernhof in der Nähe von Leamington, Ontario kauften. Hier wurde die Familie in das Leben und den Aktivitäten des neu gegründeten Leamington Mennoniten-Brüdergemeinde integriert. 

 

Nach einigen schweren Jahren durch die Depression zog Gerhard Dick´s Familie 1941 in die Nähe von Kitchener. Hier war Gerhard in der Canadian Blower and Forge beschäftigt, und ging im Alter von 75 Jahren in den Ruhestand.

 

Für weitere 30 Jahre genossen Gerhard und Louise den unabhängigen Lebensstil in ihren eigenen vier Wänden in der Betzner Avenue in Kitchener. Krankheitsbedingt mussten sie 1980 nach Fairview Mennonite Home in Preston (Cambridge) ziehen.

 

Am 12. Dezember 1982 hatte die Familie eine glückliche Feier, den 100. Geburtstag von Gerhard. Er nutzte die Gelegenheit und hielt ein Gebet.Zwei Wochen später verschlechterte sich seine Gesundheit und am Freitag den 7. Januar 1983 holte der Herr ihn, im Alter von 100 Jahren und drei Wochen, zu sich."

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Aus dem Tagebuch meines Großvaters:

 

24.01.1959. "Dann erhielten wir einen inhaltsreichen Brief von Bruder Gerhard, in dem er über seine Reise nach Californien und Br. Col. schreibt. Unter anderm berichtet er über den plötzlichen Tod meines Jugendfreundes Jak. Schulz im Alter von 67 Jahre. Er war Prediger und ist während einer Andacht gestorben. Über drei Schuljahre sassen wir mit ihm auf einer Parte in der Kommerzschule (1909-1912). In Can. verheiratete er sich mit Katja Thiessen aus Halbstadt, die er sich noch während dem Studium in der Kommerzschule auserwählt hatte. Zu jener Zeit kehrte auch ich mit Peter Unruh und Hans Janzen Orechowo öfters in Thiessens Haus ein. Sehr gerne hätte ich nochmal nach so langer Trennung (40 Jahre) und so verschiedenen Lebenswegen meinen alten Jugendfreund getroffen.  Friede seiner Asche! 

Einen Monat sind Gerhard und Luise unterwegs gewesen und haben ca 10 000 Klm zurückgelegt. Viel alte Bekannte hat Bruder Gerhard auf seiner Reise angetroffen - wie: Wold. Günther, mein Jugendfreund, Gerh. Derksen und Jak. Joh. Wall Bl.-ort, unsern Cousin Jak. Dück Schönbrunn (Missionar), einen 90 jähr. Onkel J. Dick - Cousin unsrer Mutter, Isaak aus Tiege, Schwager Peters Geschwister, J. Epp R-ort, A. Hamm Lichtenau, Ohrloffer, Rosenörter, u.s.w."

Familie Gerhard Gerhard Dick, 1959

1.01.1960. "Letzteres empfinden wir gegenwärtig ganz besonders, da wir im Dezember Monat von all’ unsern Geschwister innige Briefe mit Foto’s, Weihnachts- und Neujahrglückwünsche erhalten haben.

 

Die Briefe sind alle so innig, zu dem noch die Aufnahmen, dass einem fast so ist, als ob man sich mit ihnen begegnet hat. Und besonders empfand ich das nach dem Erhalten des großen Familienbildes von Bruder Gerhard, welches ich stundenlang beschaut habe. Ihre Familie besteht gegenwärtig laut Bild aus 31 Personen. Alle schauen sie ins Objektiv und somit auf den, der diese Bild beschaut. Aus den Augen und Gesichter ihrer Kinder leuchtet so etwas Nahes und Verwandtes. Dann die lieben Schwiegersöhne- und töchter und die Schaar der lieben Enkel. Anfänglich wusste ich nicht, warum mir ein Mädel, das Töchterchen des jüngten Sohnes Woldemar, so besonders auffiel. Dann sagte uns Helga Tomsen, die gelegentlich das Bild sah, dass das Mädel sehr unsre liebe Erika ähnelt. Was wir dann auch fanden. Und so muss ich denn immer wieder dieses Mädel beschauen.

Was noch ganz besonders zu bemerken ist, ist das, dass Bruder Gerhard in 50 Jahre seiner Ehe nicht einen Todesfall in seiner großen Familie zu verzeichnen hat. Was ein sehr großes Glück ist und nur der richtig schätzen kann, der das Gegenteil erfahren hat, so wie wir, die wir von 4 Kinder zwei - und zwar die jüngsten zwei Mädel verloren haben. Uns will es so scheinen, dass mit dem Tode eines jeden Kindes und besonders im liebsten und unschuldigsten Alter ein Stück des Elternherzens und Lebensfreude mit ins Grab senkt."

 

10.01.1960. "Sonntag. Erhielten heute einen Brief von Bruder Gerhard vom 30.12.1959, in dem er von dem Empfang meines Briefes vom 17.12.1959 berichtet, der nur 9 Tage unterwegs gewesen ist. Was mir in dem Brief auffällt, ist der Lebensmut, Frohsinn und sogar Humor der aus ihm herausleuchtet. Für seine 78 Jahre ist das von größter Bedeutung. Er erwähnt, das Heinz Janzen, der Sohn des Jak. Heinr. Janzen, in folge Herzanfälle im Alter von 56 J. gestorben ist. Er war dort Mechaniker von Beruf. Bruder Gerhard legt ein Weihnachtsgedicht bei, gedichtet von Heinz Janzen vor 2 Jahre. Wie doch solche Gaben sich vererben, da doch sein Vater ein talentvoller Dichter war."

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Grabstein von Gerhard und Louise Dick, Kitchener