Sie sind hier:  Dick > Gerhard Franz Dück > ♥ Anna Enns Dück

Eltern:Jacob Enns, Anna Wiebe

Gerhard Franz Dück

Kinder:Gerhard, Jacob, Anna, Franz, Heinrich, Maria, Helena

Anna Jacob Dück, geb. Enns ∗1859 †1914

#133561

Anna Enns Dück, 1902
Anna Enns Dück, 1910

Es ist sehr interessant, dass alle Dücks, außer mein Großvater Heinrich, eine Frau mit dem Namen Anna geheiratet haben. Meine Ur-Großmutter Anna Enns, Ehefrau von Gerhard Dück, ist am 26.Oktober 1859 geboren und hatte sehr früh ihren zukünftigen Mann kennen gelernt.

 

Aber aus welcher Familie stammt sie? Über Enns Vorfahren wusste ich gar nichts. Dank der Erinnerungen von Jasch Dyck konnte ich aber ein bisschen in Erfahrung bringen.

Annas Vater, Jakob Enns (#102056), wurde im Jahr 1824 in Ohrloff geboren. Im Jahre 1851 heiratete er Maria Froese, die im Jahre 1855 starb und 2 Söhne hinterließ, Jakob und Abram. Im Jahr 1856, hat mein Ur-UrGroßvater Enns wieder geheiratet: Anna Wiebe (#133559). Zusammen bekamen sie viele hübsche Töchter, die zweite von ihnen, Anna, wurde meine Ur-Großmutter.

Anna Enns, geb.Wiebe

Jacob Enns hatte ein eigenes Geschäft in Halbstadt. Er kaufte Hafer in Charkow und Salz in der Krim. Dieses sandte er nach Halbstadt, wo seine Frau es erhielt und bezahlte. Die beiden Söhne, Jakob und Abram hatten große Geschäfte während des Krimkrieges. Während dieser Zeit haben sie verschiedene Lebensmittel geliefert, oft unter gefährlichen Umständen. 1870 wanderte Jacobs Sohn Abram nach Amerika aus.

Jakob Enns war auch in anderen Geschäften engagiert. Er kaufte mit seinen beiden Brüdern Land in Jakaterinoslav (Dnepropetrovsk). Nach einiger Zeit gingen die Brüder getrennte Wege wegen familiärer Streitigkeiten. Danach kaufte Jacob Enns ein Anwesen in der Nähe der Stadt Mariupol und beschäftigte sich mit der Schafhaltung. Er verkaufte Wolle und kam so zu großem Geld. Und auch da verlor er sein ganzes Vermögen. Er ging bankrott. Als mein Großvater Heinrich Dück 1936 Mariupol besuchte, schrieb er in seinem Tagebuch: 

„Unwillkürlich erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter etwas vor 60 Jahre noch als junges Mädchen mal in den damals noch schwachbesiedelten Steppen unweit Mariupols gelebt hat; wie sie mit 2 Halbbrüder und sechs jüngeren Schwester und ihrem Vater an der Spitze, unserm unternehmungsfähigen Großvater Jakob Enns, die Steppen urbar machten, Schafe züchteten und gegen Wolf und Natur ums Dasein kämpften.“

Die Kinder gingen in eine deutsche Dorfschule. Anna hatte schon vorher eine Schule in Halbstadt besucht, wo sie von dem berühmten Dichter, Prediger und Lehrer, Bernhard Harder, unterrichtet wurde. Dabei erhielt sie eine gute Wissensgrundlage in ihrer Kindheit, die sie zu einer ruhigen, sanften und frommen Ehefrau und Mutter in den späteren Jahren gemacht hat. 

Schließlich musste die Familie Enns das Anwesen verlassen und zog in die "Kolonie" wie man zu sagen pflegte und zwar in das Dorf Blumenort und ließ sich in einem bescheidenen Haus, nicht weit vom Familie Dück, nieder. 

Jacob Enns starb kurz danach am 27. März 1880.

Anna Enns (geb. Wiebe) mit ihren allen Töchtern und Jacob (Der Sohn aus der erste Ehe ihres Mannes mit Maria Froese) , 1880

Und bald lernte Anna einen Jungen, Gerhard Dück, aus der Nachbarschaft kennen und lieben. Ihre Mutter, Witwe Enns, zog mit ihren Kindern nach Ohrloff, so wurde das junge Paar örtlich getrennt. 1882 heirateten sie und gründeten ihr Zuhause in Blumenort in Dücks Anwesen. Anna und Gerhard waren sehr glücklich und führten ein ruhiges stilles Leben. Sie bekamen acht Kinder. Ganz oft besuchten sie Großmama Enns aus Ohrloff.

Am 29. Oktober 1913, im Alter von 54 Jahre starb Gerhard und hinterließ eine sehr traurige stille Witwe. Anna wurde materiell gut versorgt und hatte genug Hilfe für sich und ihre zwei Söhne und 2 Töchter. Das Leben nahm seinen Gang, und durch den Tod ihres lieben Ehemanns und Vaters entstand eine große Lücke. Anna meinte: "jetzt sehe ich das Sterben mit anderen Augen an".

Aus dem Tagebuch meines Großvaters Heinrich Dück:

 „Nachdem unser Vater gestorben war, sagte Mutter mit Wehmut “und wir hatten uns vorgenommen, wenn unsre Kinder erst groß sein werden, viel zu reisen”

Anna zog sich mehr und mehr zurück, war still und sehr traurig, sie konnte ihren Mann nicht vergessen, erkrankte bald an Unterleibtyphus und starb 6 Monate später am 31 Mai 1914. 

Aus dem Tagebuch meines Großvaters Heinrich Dück:

 „30.IV.41.  Landregen.  Heute Morgen schlug die Nachtigall zum ersten mal unter unserm Fenster.  Es erinnerte uns dieses an frühere Zeiten. ... mich, an den Mai vor 25 Jahren, als meine liebe Mutter am Unterleibtyphus krank lag und starb, während dem die Nachtigallen besonders in den Nachtwachenstunden ununterbrochen in unserm Garten schlugen.“

Anna wurde neben Gerhard begraben. Aus der Erinnerungen von Jacob Dyck:

„...und so liegen die 2 Grabhügel unserer lieben, unvergesslichen Eltern in der alten Heimat Russland nebeneinander. Da unsere beiden Schwestern Anna und Mariechen noch unverheiratet waren bedienten sie Mutter auf ihrem Krankenlager bis an's Ende. Während der Vermögensteilung wurden die, die beiden Töchter, extra dafür belohnt. Das Elternhaus wurde nun aufgehoben und alles wurde das ganze Vermögen, wie Geschäft, Land, mehrere Hofstellen mit sehr massiven Wohngebäude und Wirtschaftshäuser und dergl. unter uns 6 Geschwistern verteilt.“ 

Und zwei Monate nach Annas Tod begann der erste russisch-deutsche Krieg.

Nach oben