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Eltern: Johann Cornies, Justina Willms

 Katharina Epp 

Kinder: Johann, Alexander, Katharina, Olga, Justina 

Johann Johann Cornies III. ∗1843 †1912

#643020

Johann Cornies III., G. Lohrenz, "Damit es nicht vergessen werde", Seite 101
Johann Cornies III., Dr. W. Quiring und H. Bartel, "Als ihre Zeit erfüllt war", Seite 71

Das Auszug aus der Melitopoler Zeitung «Der Botschafter» Nr 50, 1912:

 

"Johann Cornies

 

ein Enkel des in den Mennonitenkolonien allgemein bekannten „alten Cornies“, wurde am 31. Dezember 1843 auf dem Gute Taschtschenak im Melitopolschen Kreise geboren. Schon im Frühen Kindesalter von 2,5 Jahren (1846) verlor er seine Mutter Justine Cornies, geborene Willms, durch den Tod , bei der Geburt seiner Schwester Justine. Als im Jahre 1847 sein Vater auf längere Zeit ist Ausland reiste, kam der junge Cornies zu seinem Großvater Johann Cornies und zu Onkel und Tante Philipp Wiebe nach Ohrloff, und als sein Vater sich im Jahre 1848 in Elbing in Westpreußen zum zweitenmal mit Frl. Therese Thießen verheiratete, fuhr der junge Cornies mit Onkel und Tante Ph. Wiebe per Wagen mit Postpferden zur Hochzeit seines Vaters. In dieser Zeit starb dann zu Hause in Ohrloff sein Großvater Johann Cornies, zu dessen Begräbnis von seinen Kindern und Großkindern nur seine einzige Enkelin, Justine Cornies, kommen konnte. Nach der Rückkehr aus dem Auslande blieb der junge Cornies bei seinen Eltern auf dem Gute Taschtschenak und hat durch seine hochgebildete und herzensgute Stiefmutter eine vortreffliche christliche Erziehung erhalten. Den ersten Schulunterricht bekam Cornies zu Hause durch einen Hauslehrer und kam im Jahre 1855 zu seiner weiteren Ausbildung nach Halbstadt in die Zentralschule, woselbst er zuerst 2 Jahre in der Vorbereitungsklasse war und im Jahre 1861 den vollen Kursus der Zentralschule beendigte. Lehrer der Halbstädter Zentralschule war damals Gustav Rempel.

Einige von seinen Schulkameraden: Kornelius Unruh, leitender Lehrer der Ohrloffer Zentralschule und Prediger, David Friesen und Heinrich Willms senior in Halbstadt, Abram Janzen, Prediger der Berdjansker Mennonitengemeinde, Johann Fast, längere Zeit Gebietsschreiber in Halbstadt, Kornelius Fast, Schriftführer des landwirtschaftlichen Vereins und später Gutsbesitzer, - die ihm, Cornies, alle im Tode vorangegangen sind.

 

Nach Beendigung des Schulunterrichts hat Cornies auf dem Gute seines Vaters unter dessen Anleitung die Landwirtschaft  praktisch erlernt, und machte im Jahre 1864 in Begleitung seines Schwagers Joh. Klatt eine Rundreise durch das europäische Rußland, um Land und Leute und die verschiedenen größeren und kleineren Wirtschaften kennen zu lernen.

Die Marschroute für diese Reise war: Von Melitopol per Wagen nach Berdjansk, dann per Schiff nach Mariupol, Taganrog und Rostow, von dort mit einem kleinen Dampfer den Don hinauf bis zur Staniza Kallatsch, unterwegs noch einige Kosakenstanizen besichtigend. Von Kalatsch machten die beiden jungen Reisenden ihre erste Eisenbahnfahrt mit der damals bereits eröffneten Bahn bis Zarizyn an der Wolga und von dort per Dampfer die Wolga herunter nach der schönen Herrnhuterkolonie Sarepta, daselbst die in der Umgegend nomadisierenden Kalmücken besuchend. Von Sarepta ging dann die Reise per Dampfer die Wolga hinauf bis Saratow, von wo aus mehrere lutherische und sämtliche Mennonitenkolonien der Köppentaler Wolost besucht wurden. Dann ging die Reise weiter die Wolga hinauf nach Samara zu den 110 Werst von der Stadt entfernt wohnenden neuangesiedelten Mennoniten der Alexandertaler  Wolost. Von Samara wurde die Reise per Dampfer fortgesetzt über Kasan nach Nishnyi Nowgorod zu der dort stattfindenden weltberühmten Messe, und weiter per Bahn über Moskau nach Petersburg. Hier wurde zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgegend ein Aufenthalt von 14 Tagen genommen. Von Petersburg wurde dann im Herbst die Rückreise angetreten, zuerst per Bahn nach Moskau und von dort, weil damals die Moskau-Kursker Bahn noch nicht gebaut war, mit Postpferden über Serpuchow, Tula, Orel, Kursk, Belgorod, Charkow, Jekaterinoslaw nach Melitopol, mit kurzem Aufenthalt in den Städten zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten. Nach der Rückkehr von dieser Rundreise durch Rußland widmete sich Cornies unter Anleitung seines als praktischen Landwirt bekannten Vaters ganz der Bewirtschaftung des väterlichen Gutes Taschtschenak.

Im Jahre 1866 schickte ihn sein Vater noch zur weiteren Ausbildung nach Deutschland. Dort besuchte Cornies zuerst die Mennoniten in Danzig, Elbing, Marienburg, und im Werder in Westpreußen, reiste dann weiter nach Berlin, Hamburg, Dresden, Sächsische Schweiz, Rheinprovinz, Schweiz, Tirol, nach Wien und von dort zum Winter wieder zurück nach dem Werder in Westpreußen, wohin ihn ein Magnet – seine zukünftige Lebensgefährtin, Frl. Katharina Epp in Fürstenwerder, die er bei seinem ersten Besuch im Frühjahre im Werder schon kennen und lieben gelernt hatte – zog. Nach vorheriger brieflicher Einwilligung seiner Eltern, verheiratete sich Cornies im Jahre 1867 mit Frl. Katharina Epp in Fürstenwerder und kehrte dann im August mit seiner jungen Frau in seine Heimat zurück. Hier hat Cornies dann bis zu dem am 18. Mai 1902 erfolgten Tode seiner Frau in 35-jähriger glücklicher Ehe gelebt. Die Ehe war mit 5 Kindern gesegnet, von denen 1 Sohn und 1 Töchterchen schon im Kindesalter gestorben und 1 Sohn und 2 Töchter noch am Leben sind.

Nach dem im Jahre 1882 erfolgten Tode seines Vaters erhielt Cornies auf seinen Teil von dem väterlichen Gut Taschtschenak 2000 Dess. Land und die Hauptökonomie mit sämtlichen Wohn- und Wirtschafts- gebäuden und 30 Dess. Garten- und Waldanpflanzungen, und war er bis zum Jahre 1893 ausschließlich mit der Bewirtschaftung und Verwaltung seines Gutes beschäftigt. Im Jahre 1884 wurde Cornies zuerst als „гласный“ der Melitopoler Semstwo gewählt und blieb in dieser Stellung 24 Jahre. Sein Vater wurde gleich bei Einführung der Semstwo in Rußland, im Jahre 1866, als Mitglied und Stellvertr. Präsident der Melitopoler Kreislandschafts- Uprawa gewählt und blieb in dieser Stellung 12 Jahre und dann noch 3 Jahre als Ehrenmitglied der Uprawa. Im Jahre 1893 wurde Joh. Cornies junior zum ersten Mal als Mitglied der Melitopoler  Kreislandschafts- Uprawa gewählt, und ist er bis zu seiner Erkrankung im Jahre 1911, fast 20 Jahre, in dieser Stellung für das Allgemeinwohl tätig gewesen. Ihm wurden auch mehrmals die Funktionen als Stellvertretender Präsident der  Uprawa übertragen. Durch unermüdliche und gewissenhafte Pflichterfüllung hat sich Cornies als echter und wahrer „Земець“ allgemeine Hochachtung bei seinen Vorgesetzten, Kollegen und Untergebenen erworben, was auch bei seinem Begräbnisse in der großen Teilnahme  und in der Beteiligung der Melitopoler Kreisuprawa in corpore (?) mit dem ganzen Kanzleipersonal bewiesen worden ist.

Nach oben

dieses Türscharnier brachte ich 2013 aus Melitopol. Er verband eine Tür mit dem Türrahmen in dem Gebäude, wo früher Uprawa war. Das Türscharnier aus der alten Epoche, aus Cornies- Zeit. Jetzt wird das Gebäude renoviert.

Außer der öffentlichen Stellung in der Semstwo, ist Cornies auch noch 12 Jahre lang, von 1900 bis 1912, Vorsteher der Ohrloffer Zentralschule und des Ohrloffer Schulvereins gewesen und hat sich durch seine pflichtgetreue Fürsorge für die Schule und den Schulverein die Hochachtung und den Dank der Lehrer und des Schulvereins erworben. Cornies war kein Mann mit hervorragenden glänzenden Geistesgaben, er war aber ein Ehrenmann und aufrichtiger wahrer Christ, der durch gewissenhafte Pflichterfüllung im Leben mit dem Pfunde, das ihm der Herr gegeben, treu gewuchert hat. Er war kein Freund von Schmeicheleien und konnte ernstlich böse werden, wenn man ihm für seine öffentliche Tätigkeit und sein Wirken Weihrauch streuen oder Komplimente sagen wollte. Er sagte dann: „Wozu das? Ich habe nur getan, wozu ich als Mensch und Mitglied der Gesellschaft verpflichtet und was ich zu tun schuldig war.“

Im Frühjahr 1911 erkrankte Cornies infolge einer Erkältung an Lungen- Asthma, wozu sich später noch eine Herzkrankheit gesellte, infolge deren er sehr schwach wurde und durch Anfälle von Atemnot viel leiden mußte. Die krampfhaften Asthmaanfälle wiederholten sich später immer häufiger und waren manchmal sehr schmerzhaft und beängstigend. In den letzten Wochen konnte der kranke Schwager nicht mehr liegen und nur in sitzender Stellung schlafen, trotzdem blieb er ruhig und geduldig bei seinem monatelangen Leiden und sagte einmal zu mir: „Ich bin dem Herrn sehr dankbar dafür, daß er mir so lange Zeit zur Vorbereitung auf den Heimgang in die selige Ewigkeit schenkt!“ Endlich, am ersten Pfingsttage, dem 13. Mai morgens, wurde der liebe Freund und Schwager Cornies durch einen ruhigen und sanften Tod von seinen Leiden erlöst."

Die „Melitopoler Wedomosti“ brachten aus Anlaß des Ablebens Joh. Cornies nachstehenden Nekrolog:

„Die Familie Cornies stammte aus Holland. Anfangs wanderte sie von dort nach Deutschland aus und kam darauf nach Rußland herüber. Hier erwarb sie Land und akklimatisierte sich im Laufe der Zeit vollständig.

Iwan Iwanowitsch Cornies wurde 1843 geboren und in streng mennonitischem Geiste erzogen, ohne die Familie zu verlassen. Er absolvierte die Halbstädter Zentralschule und lebte dann auf dem heimatlichen Gute im Melitopoler Kreise. Trotzdem dieses Landgut mehr als 2000 Dess. in sich faßt, wurde es doch musterhaft bewirtschaftet und dafür nicht nur einmal prämiiert.

Iwan Iwanowitsch besaß ein seltenes Gemüt, war im Umgange mit jedermann herzlich, und es dürfte sich kaum ein Mensch finden, der dem Verstorbenen etwas Schlechtes nachsagen könnte. Niemals hat man, selbst von seinen Dienenden auf dem Gute , Klagen über ihn gehört.

Als in ganz Rußland unlängst die Agrarunruhen anhoben, blieb I.I. vollständig ruhig, und wenn man ihn fragte: „Nun, wie steht´s mit den Unruhen?“ - so antwortete er gewöhnlich: „Ich fürchte dieselben nicht, denn ich habe keinem Menschen etwas Böses zugefügt.“

Das ganze Leben des Verstorbenen war mit der Semstwo verbunden. Mit der Semstwo begann er seine öffentliche Tätigkeit, und mit der Semstwo schloß er dieselbe auch ab.

Jedenfalls hat sich Iw. Iw. auf der Viehausstellung im vorigen Jahre stark erkältet, worauf er ein ganzes Jahr lang krankte. Jedoch auch in dieser Zeit besuchte er nach Möglichkeit die Uprawa und arbeitete, obgleich er für seine Mühe keine Gage bezog; derselben entsagte er sich schon ums Jahr 1903.

Iwan Iwanowitsch war ein idealer Landschaftsvertreter, der die Unabhängigkeit der Landschaftseinrichtungen aufs wärmste verteidigte. Obgleich er selbst zu den Großgrundbesitzern zählte, strebte er doch stets darnach, dem Volke möglich viel Macht in der Landschaftsverwaltung einzuräumen.

Mit …. Iwan Iwanowitsch die Bühne der öffentlichen Tätigkeit. 1884 wurde er zum Abgeordneten der Melitopoler Semstwo gewählt, und als solcher blieb er auch fast ununterbrochen bis an das Ende seines Lebens tätig.

Von der Extra- Landwirtschaftsversammlung 1893 und von der ordnungsmäßigen 1894 wurde er zum Mitgliede der Landschafts- Uprawa gewählt. Die 28. Allgemeine Versammlung berief ihn zum Mitgliede der Kreis-Landschafts-Tarationskommission.(?) (оценочная комиссия)

Am 5. Oktober 1896 wurde er von der Landschaft zum Mitgliede des Kreiskomitees der Volksnüchternheit bestimmt und gleichzeitig auch in die Volkszählungskommission.

Für letztere Mühe wurde ihm am 30. Januar 1897 die bronzene Medaille Allerhöchst verliehen.

Am 9. Oktober 1897 wurde er wiederum in die Kreis- Uprawa, sowie in das Komitee der Volksnüchternheit gewählt.

Am 11. Juni 1899 wurde er auf Antrag des Taurischen Gouverneurs zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kreis- Landschafts- Uprawa bestimmt.

Am 29. September 1900 wählte man ihn wieder zum Mitgliede der Uprawa, sowie zum stellvertretenden Vorsitzenden. Gleichzeitig kam er in die Kommission hinein, welche die Listen der Geschworenen fürs Kreisgericht aufzustellen hat.

Am 28. September 1903 wurden ihm alle diese Ämter aufs neue übertragen. Dasselbe wiederholte sich am 28. September 1909 wieder, nur daß man ihn jetzt auch noch in den Fürsorgerat des weiblichen Gymnasiums hineinwählte.

Jetzt ist er gestorben. 

Schlafe in Frieden, du, der du dem jungen Geschlechte manches gute Wort zugerufen hast! Schlafe ruhig, du, nach außen hin unbemerkt gebliebener Arbeiter für das Volk. Lange bist du den dornenvollen Pfad gegangen, jetzt aber schließlich in den stillen Hafen des Friedensreiches eingelaufen!

Die Nachgebliebenen werden deiner mit einem guten, freundlichen Worte stets gedenken!"

Nachschrift der Red. Wir verdanken obige biographische Notizen einem sehr nahen Freunde des Verstorbenen.

Doch durfte auch ich ihm in den letzten Jahren seines Lebens persönlich etwas näher treten, und was sich mir da stets besonders bemerkbar machte, war der biedere, schlichte Sinn, der gerade christliche Geist, das freundliche, gewinnende Wesen, - kurz: Cornies war „ein Mensch“ in des Wortes schönster Bedeutung.

Hätten wir doch viel solcher Menschen, solcher Männer, solcher Christen!

 

Мелитопольские ведомости 1912 № 57, 17 мая.

13 мая в 6 часов утра после тяжелой болезни скончался старейший член управы Иван Иванович Корнис. Погребение 18 мая в 2 часа в его имении «Тащенак».

Иван Иванович Корнис. Некролог.

Семья Корнис вышла из Голландии. Сначала они переселились в Германию, а из Германии – в Россию. Здесь приобрели землю и с течением времени вполне акклиматизировались. И.И.Корнис родился в 1844 году, воспитание получил в строго менонитском духе, не уходя из семьи. Обучался в центральном Гальбштадтском училище, где и окончил полный курс наук.

После этого он жил в своем родовом имении, в Мелитопольском уезде. Не смотря на то, что имение большое, состоящее из двух тысяч слишком десятин земли, - хозяйство велось покойным образцово и не раз удостаивалось даже премий…

В прошлом году Иван Иванович на выставке животноводства по всей вероятности сильно простудился, после чего весь год болел; и во время болезни, насколько позволяли силы, посещал управу и работал, хотя за труды получать он ничего не хотел, отказавшись от жалования еще, кажется, в 1903 году.

Иван Иванович Корнис был идеальным земцем, горячо отстаивающим независимость земских учреждений и стремился наиболее широко представить в земстве народовластие, не смотря на то, что сам до конца своей жизни был крупным землевладельцем.

Иван Иванович с 40 лет выступает на сцену общественной деятельности. В 1884 г. его избирают гласным мелитопольского земства…

Чрезвычайным уездным земским собранием в 1893 г. и очередным – в 1894 г. он избирался членом мелитопольской уездной земской управы.

На 28 общем собрании избран членом мелитопольской уездной земской оценочной комиссии.

5 октября 1896 г. избран членом от земства в уездный комитет о народной трезвости. Тогда же избран членом от земства в уездную переписную комиссию.

За труды по переписи населения получил бронзовую медаль, согласно Высочайшему повелению от 30 января 1897 г.

9 октября 1897 г. вновь избран членом уездной земской управы и членом от земства в комитет о народной трезвости.

11 июня 1899 г. предложением Таврического Губернатора назначен заступающим место председателя уездной земской управы.

29 сентября 1900 г. избран членом управы и заступающим место председателя управы. На том же заседании избран членом комиссии по составлению списка присяжных заседателей.

28 сентября 1903 г. избран членом управы и заступающим место председателя, а также членом комиссии по составлению списка присяжных заседателей.

Наконец 28 сентября 1909 г. избран в члены управы и заступающим место председателя, членом попечительства о народной трезвости и членом попечительного совета о женской гимназии…

Friedensstimme. 23 Mai 1912

Nekrolog des Joh. Joh. Kornies.

 

Den „Мелитопольские ведомости“ entnommen.

(Siehe Todesanzeige in voriger Nummer.)

 

Die Familie Kornies ist aus Holland ausgewandert. 

Anfangs siedelten sie über nach Deutschland und von Deutsch-

land – nach Rußland. Hier erwarben sie Land und

bürgerten sich im Laufe der Zeit vollständig ein.

Joh. Joh. Kornies wurde geboren im Jahre 1844.

Er erhielt in dem Hause seiner Eltern eine Erziehung in

streng mennonitischen Sinne. Seinen Unterricht genoß er

in der Halbstädter Zentralschule, wo er den vollen Kursus

jener Lehranstalt absolvierte.

Nach der Schulzeit lebte er auf der Oekonomie seiner

Eltern, im Melitopoler Kreise gelegen. Trotzdem es ein

großes Besitztum war, zu dem stark zweitausend Dessjatinen

Land gehörten – wurde der ganze Haushalt und die

gesamte Landwirtschaft von dem teuren Dahingeschiedenen

doch so mustergültig geführt, daß er wiederholt Prämien

und Belobigunsschreiben dafür von der Behörde erhielt.

Kornies war ein Mensch von seltener Herzensgüte.

Sein Benehmen war gegen jederman ein gewinnendes und

herzliches, und man kann wohl annehmen, daß sich auch

nicht ein Mensch finden wird, der dem Verewigten etwas

Schlechtes nachsagen könnte. Niemals hörte man von

Beschwerden und Klagen über ihn, selbst von den Dienenden

auf seiner Oekonomie nicht.

Als später die Agrarunruhen die Gutsbesitzer von

ganz Rußland in eine begreifliche Aufregung versetzten, war 

Kornies ruhig und unbesorgt, und wenn man ihn fragte:

„Nun, wie stehts, wie denken Sie inbezug der Unruhen?“

Dann antwortete Kornies gewöhnlich nur: „Ich fürchte

nichts, denn ich habe ja niemandem etwas Böses zugefügt.“

Das ganze Leben des Verstorbenen war aufs engste

mit der Landschaft (земство) verknüpft. In der Land-

schaftsuprawa begann und endete seine öffentliche Wirk-

samkeit.

Im verflossenen Jahre zog sich Kornies, aus der

landwirtschaftlichen Ausstellung für Viehzucht wahrscheinlich,

eine heftige Erkältung zu, infolgedessen er fast ein ganzes

Jahr lang leidend war. Aber auch in der Zeit seines

Krankheitszustandes besuchte er, soviel seine Kräfte es ihm

nur erlaubten, die Uprawa und arbeitete da zum Wohl

der Gesellschaft und seiner Mitbürger, obgleich er für seine

Mühe nichts erhielt, weil er, wohl schon im Jahre 1903,

eine jegliche Vergütigung seiner Arbeit kategorisch ablehnte.

Joh. Joh. Kornies war ein durchaus liberal denkender

Lanschaftsabgeordneter. Er war überzeugter Anhänger

und Vertreter einer freien und unabhängigen Landwirtschafts-

verfassung, und obwohl er selbst Großgrundbesitzer bis an

das Ende seines Lebens war, ging sein Bestreben doch

allezeit daraufhin, die Volksvertretung in der Landschafts-

uprawa auf eine möglich breite Grundlage zu stellen.

Joh. Joh. Kornies betrat den Schauplatz seiner öffent-

lichen Wirksamkeit zum erstenmal in seinem 40. Lebensjahre.

Im Jahre 1884 wählte man ihn als Abgeordneten in die 

Melitopoler Landschaftsuprawa, was er bis zu seinem Tode

fast ununterbrochen geblieben ist.

Von der außerordentlichen Kreis- Landschaftsversamm-

lung im Jahre 1893 und von der ordentlichen im Jahre

1894 wurde er als Mitglied der Melitopoler Kreis- Land-

schaftsuprawa gewählt.

Auf der XXVIII. allgemeinen Sitzung wurde er von

der Kreis-  Landschaftsuprawa als Mitglied in die Taratoren-

kommission gewählt. 

Am 5. Oktober 1896 wurde er von der Kreis-  Land-

schaftsuprawa als Mitglied in das Kreiskomitee zur För-

derung der Volksnüchternheit gewählt. Ebendaselbst wurde

er auch in die Kommission für Volkszählung gewählt. Für

seine Bemühungen nach dieser Seite hin wurde ihm am 30.

Januar 1899 Allerhöchst die Bronzemedaille zuerkannt.

Am 9. Oktober 1897 wurde er von neuem als Mit-

glied in die Kreis- Landschaftsuprawa gewählt, ebenso auch

als Mitglied in das Komitee zur Förderung der Volks-

nüchternheit.

Am 11. Juni 1899 wurde er auf den Vorschlag des 

Gouverneurs von Taurien zum Stellvertreter des Vorsitzenden

in der Kreis-  Landschaftsuprawa ernannt.

Am 29. Oktober 1900 wurde er wieder als Mitglied

der Uprawa und gleichzeitig als Stellvertreter des Vor-

sitzenden (auch von der Kreislandschaft) gewählt. Auf der-

selben Sitzung wurde er auch Mitglied der Kommission zur

Ausarbeitung eines Geschworenenverzeichnisses.

Am 28. September 1903 wurde er wieder als Mit-

glied und als Stellvertreter des Vorsitzenden in die Uprawa

gewählt, ebenso auch wieder als Mitglied der Kommission

zur Ausarbeitung des Geschworenenverzeichnisses.

Am 28. September 1909 endlich wurde er wieder als

Mitglied und Stellvertreter des Vorsitzenden in die Kreis-

Landschaftsuprawa gewählt, ebenso auch als Mitglied in

das Fürsorgekommitee zur Förderung der Volksnüchternheit

und als Mitglied des Fürsorgerates des Melitopoler weib-

lichen Gymnasiums.

Jetzt aber weilt er nicht mehr unter uns...

Das Begräbnis wurde am 18. Mai gefeiert. Die

Leichenrede hielt Aelt. H. Unruh

Friedensstimme. 23 Mai 1912

Am ersten Pfingstfeiertage des Morgens ist auf

seinem Gute Taschenak bei Melitopol der Gutsbesitzer

Johann Cornies

(ein Enkel des in den Kolonien allgemein bekannten

„Cornies“) nach einem längeren schweren Leiden in

einem Alter von 68 J. 4 ½ M. im festen Glauben

an seinem Heiland sanft entschlafen.

Der Verewigte war ein aufrichtiger wahrer Christ

und ein Ehrenmann im vollsten Sinne des Worts. Er

war 12 Jahre lang Vorsteher der Ohrloffer Zentral-

schule und ungefähr 20 Jahre lang Mitglied der

Melitopoler Kreis-Landschaftsuprawa.

Durch seine strenge Gewissenhaftigkeit und sein

peinliches Pflichtgefühl hat Cornies sich allgemeine

Hochachtung erworben. Sein Andenken wird im Segen

bleiben. 

«Der Botschafter», 18(31) Mai, 1912

 

 

Familiennachrichten

 

Am ersten Pfingstfeiertage, mor-

gens, ist der allgemein bekannte

Gutsbesitzer Johann Cornies auf seinem

Gute Taschtschenak bei Melitopol

nach einem längeren schweren Leiden

in einem Alter von 68 J. 4,5 M.

Im festen Glauben an seinen Hei-

land sanft entschlafen.

Der Verewigte war ein aufrichti-

ger wahrer Christ und ein Ehren-

mann im vollsten Sinne des Wortes.

Der verstorbene Cornies (ein En-

kel des in den Kolonien allgemein

bekannten „Cornies“) war 12 Jahre

lang Vorsteher der Ohrloffer Zen-

tralschule und ungefähr 20 Jahre

lang Mitglied der Melitopoler Kreis-

Landschaftsuprawa, dabei mehreremale

stellv. Präsident der Uprawa und hat

sich in diesen öffentlichen Stellungen

durch seine strenge Gewissenhaftigkeit

und sein peinliches Pflichtgefühl all-

gemeine Hochachtung erworben. Sein

Andenken wird im Segen bleiben.

Auf der Melitopoler Landwirtschaftsausstellung im September 1898 präsentierte Johann Cornies III. zahlreiche Produkte. Dank Nikolaj Krilov bekam ich den Katalog aus diese Ausstellung. Besonders hat mich beeindruckt das Angebot von Pflanzen mit seltenen Gehölze. Hier ist das Verzeichnis von "Cornies"- Produkten:

 

Futter- rüben, -kürbis. 

Kartoffelstärke, Weizenstärke

Kohl

Getrocknete Äpfel, Birne

 

Pflanzen von:

- Eiche (Querkus, Querkus pyhramidalis)

- Eschen (Fraxinus excelsior, Fraxinus ornus, Fraxinus pendula)

- Ulmen (Ulmus campestris)

- Flatterulme (Ulmus effusa)

- Zürgelbäume (Celtis)

- Robinie (Robinia pseudoacacia,  Robinia rubra,  Caragana)

- Japanischer Schnurbaum (sophora japonica)

- Götterbaum (Ailanthus)

- Pappeln (Populus nigra, Populus alba, Populus  pyhramidalis)

- Ahorn (Acer platanoides, Acer  campestre,  Acer pseudoplatanus,  Acer  negundo, Acer tataricum)

- Weiden (Salix alba,  Salix vitellina,  Salix pendula,  Salix caprea,  Salix aurea,  Salix viminalis

- Gleditschien (Gleditsia triacanthos,  Gleditsia inermis)

- Linden (Tilia parvifolia, Tilia grandifolia)

- Erlen (Alnus)

- Birken (Betula)

- Walnüss (Luglans regia, Luglans nigra)

- Hasel (Corylus)

- Milchorangenbaum (Maclura)

- Maulbeeren (Morus)

- Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)

- Ölweiden (Elaeagnus)

- Hartriegel (Cornus)

- Quitte (Cydonia)

- Weißdorn (Crataegus oxyacantha alba, rosea)

- Rhus (Rhus)

- Spindelsträucher ( Euonymus)

- Mandelbaum (Amygdalus)

- Gemeiner Goldregen (Cytisus laburnum)

- Holunder (Sambucus nigra, Sambucus racemosa)

- Schneeball (Viburnum)

- Rosskastanien (Aesculus)

- Steinweichsel (Prunus mahaleb)

- Schlehdorn (Prunus spinosa)

- Waldkiefer (Pinus sylvestris)

- Schwarzkiefer (Pinus taurica)

- Gemeine Fichte (Pinus abies)

- Eiben (Taxus)

- Wacholder ( Juniperus communis, Juniperus virginiana)

- Lebensbäume (Thuja orientalis, Thuja occidentalis, Thuja pyramidalis, Thuja compacta)

- Tamarisken (Tamarix)

- Flieder (Syringa vulgaris, Syringa chinensis)

- Pfeifensträucher (Philadelphus coronarius, Philadelphus grandiflorus)

- Perückenstrauch (Rhus cotinus)

- Blasensträucher (Colutea arborescens)

- Buchsbäume (Buxus sempervirens, Buxus suffruticosa)

- Heckenkirschen (Lonicera)

- Bastardindigo (Amorpha fruticosa)

- Berberitzen (Berberis)

- Liguster (Ligustrum)

- Johannisbeeren (Ribes)

- Trompetenbaum (Bignonia catalpa, Bignonia radicans)

- Spiersträucher (Spiraea rubra, Spiraea sibirica, Spiraea opulifolius, Spiraea sorbifolia)

- Deutzien (Deutzia)

- Schneebeeren (Symphoricarpos)

- Europäischer Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius)

- Ginster (Genista)

- Heckenrose (Rosa)

- Glycine (Glycine)

- Gartengeißblatt (Caprofolium)

- Waldreben (Clematis)

- Selbstkletternde Jungfernrebe (Ampelopsis quinquefolia)

 

 

Rinder

Schwäne

Butter

Käse (1897, 1898)

"И у него (Cornies II.) тоже только одинъ сынъ (Cornies III.), которого также зовугъ Іоганномъ и который пошелъ по стопамъ своего дѣда и отца. Онъ также прослужилъ 15 лѣтъ членомъ и товарищемъ председателя въ Мелитопольской уѣздиой управѣ и работалъ для блага населенія. Въ благодарность за его заслуги было рѣшено въ полномъ засѣданіи земскихъ депутатовъ повѣсить его портретъ въ залѣ- засѣданій."1

12 ноября 1906 г. Мелитопольское уездное земское собрание приняло решение «повесить в Управе портрет г. Корниса» [Постановления…, 1907, с. 18]. На заседании 11 октября 1907 г. Земское Собрание вернулось к вопросу размещения портрета в связи с заявлением «бывшего Члена Управы И.И. Корниса о несогласии его на помещение портрета его в зале Управы». Собрание, рассмотрев заявление «единогласно постановило остаться при прежнем своем постановлении и просить Ивана Ивановича не препятствовать такому постановлению» [Постановления…, 1908, с. 16].

Johann Cornies III. ist am 13. Mai 1912 um 6 Uhr morgens gestorben und wurde am 18. Mai um 14 Uhr auf seinem Gut Tatschenak beigesetzt. Die Leichenrede hielt Ältester H. Unruh.

Zur Geburt seiner ersten Enkelin, meiner Oma Frieda, schrieb mein Ururgroßvater am 28. November 1896, während seines Aufenthaltes in Poltawa, ein Gedicht. Mein Großvater Heinrich Dück hat den Text dieses Gedichtes 1958  in sein Notizblock abgeschrieben. 

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Quelle:

1 Я. Штах, «Очерки изъ исторіи и современной жизни южнорусскихъ колонистовъ.“ стр.143

 

  Das Auszug aus der Melitopoler Zeitung «Der Botschafter» Nr 50, 1912

 

  Мелитопольские ведомости 1912 № 57, 17 мая.

 

  «Der Botschafter», 18(31) Mai, 1912

 

  Постановления Мелитопольского очередного уездного Земского Собрания ХLІ очередной сессии созыва 9 - 13 Ноября 1906 г. и чрезвычайного уездного Земского Собрания созыва 24 июня 1906 г. – Мелитополь: 1907. – ІІІ, 588 с.

 

  Постановления Мелитопольского очередного уездного Земского Собрания ХLІІ очередной сессии созыва 9 - 12 Октября 1907 г. и чрезвычайного Уездного Земского Собрания созыва 10 февраля 1907 г. – Мелитополь: 1908. – нумерация страниц разная.