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Johann Johann Cornies II. ∗1812 †1882

#44151

1835

 

Johann Cornies II. wurde am 10. Dezember 1812 als erstes Kind von Johann Cornies I. in Ohrloff geboren. Obwohl er in Süd-Russland zur Welt kam, genoss er eine mennonitische Erziehung  wie in Preußen. Von Johann Cornies II. existiert leider kein Bild. Selbstverständlich wurde zu diese Zeit schon fotografiert und es muss von ihm mehrere Aufnahmen gegeben haben. Da bin ich mir sicher, weil es von seiner Schwester Agnes einige Fotos gibt. 2016 reiste ich nach Kanada, einer der Gründe dafür war,  die Suche nach alten Aufnahmen. Meine Erwartungen wurden nicht erfühlt. Die Generationen, für die es wichtig war, sind schon nicht mehr am Leben und alte historische Dokumente und Fotos gibt es leider nicht mehr.

Ich vermute, dass Johann Cornies jun. sehr gut die russische Sprache beherrschte, mündlich und auch schriftlich. Diese, meine Behauptung basiert auch auf der Tatsache, dass seine Schwester Agnes nach Moskau geschickt wurde, um Russisch zu lernen und er selber verbrachte über zwei Jahren in Moskau und St. Petersburg. Und, mit zwanzig Jahren verließ Johann die Molotschna und verbrachte einige Zeit in Ekatherinoslav (Dnipropetrowsk) um sich weiter zu bilden. Zum Glück konnte ich Kopien von fünf seiner Briefe an seinen Vater aus dem Jahr 1832 im Archiv von Odessa finden und bekommen. Diese Briefe lassen die alte Zeit lebendig werden.

2. Dezember 1832 „Gestern d 1 ten December habe ich den Anfang gemacht bei HC Haussteck Unterricht zu nehmen; ich bekomme mit den andern Zöglingen den Tag 2 Stunden, ausgenommen an Sonn- und Feiertagen, und zahle wie diese 12 Rbl den Monat, wie das Geld abgetragen wird habe ich mich nicht erkundiget, werde mich darnach erkundigen und Ihnen dann baldigst darüber berichten.“

 

Später schickte ihn sein Vater auch nach Sachsen um spanischen Merinos zu kaufen. Johann Cornies jun. war mit allen Geschäften seines Vater vertraut.

1834 unternahm er eine große Reise, welche über zwei Jahre dauerte. Der Ziel dieser Reise war  geschäftlich, aber auch zur weiteren Bildung. Am 5. Dezember 1834 erreichte er Moskau auf einem mit Pferden bespannten Wagen.  In seinen Briefen spricht Johann Cornies jun. über diese Zeit. Ich vermute, dass sein Vater oder jemand anderes ihn bis nach Charkow begleitete, ca. 400 km. So beschreibt Johann Cornies jun. seine Anreise nach Moskau:  „ … was der Reise anbetrift, hat es so gut gegangen, dass es in so einer rauhen Jahreszeit nicht hätte besser ergehen können.

   Von Karkow (Charkow/Харьков) bis Jakowlewa (Jakovlevo/Яковлево, Белгородская область), 28 Werst auf diesseit Belgarod (Belgorod/Белгород), hatten wir morastigen Weg, den die Erde war vom Regen ganz aufgetauet, und könnten des Tages nur wenige Wersten machen. Von oben benannten Dorfe bis Obojan (Обоянь, Курская область), war der Weg sehr höckericht, und also auch nicht schnell fort zukommen, der Frost war zwar nicht sehr stark, dennoch Tag über anhaltent; bei Obojan schneiete es etwas, und da noch auf vielen Stellen alter Schnee lag, so war der Weg schon ziemlich gut. Von Kursk (Курск) bis hier her (Moskau/Москва) war Schlittenweg und ganz ebene Bahn, man konnte sich aber wegen der gelinden Witterung nicht auf Schlittenfahrt verlassen, überhaupt hatten wir von Karkow fast immer Nebel, zuweilen auch etwas Regen und Schnee, der Wind wehete mehrentheils aus Westen, welches uns sehr vorthlhaft war. Hier in Moskau hat es bis jetzt nur 10° Reamur gefrohren.“

Der Weg von Charkow bis nach Moskau über die oben genannten Orte ist 760 km. Und somit die gesamte Strecke  mit schlechten Straßenverhältnissen von Molotschna nach Moskau ungefähr 1200 km. 

der Weg von Charkow bis Moskau

Johann Cornies I. hatte freundschaftlichen Kontakt mit einem Kaufmann Blüher in Moskau, der zu „Herrenhuther“ Brüdergemeinde gehörte.  Und er schickte seinen Sohn, Johann jun. zu Blüher, indem er seinem Freund schrieb:„... auf Deine Freundschaft zählend, wage ich es und zögere nicht länger und schicke meinen Sohn direkt zu Euch und übergebe ihn in Eure Obhut. Dies erfüllt uns Eltern mit Freude und es beruhigt unser Gemüt völlig.“ 

Und so blieb Johann für längere Zeit im Sareptischen Hause bei Herrn Blüher, welcher ihn mit vielen Leuten bekannt machte. Einer davon war Herr Unkebauer, ein bekannter Oekonom, welcher sehr gute Kenntnisse von dem hiesigen Hornvieh besaß. Johann besuchte zusammen mit dem Herrn Unkebauer viele Landgüter um Vieh anzuschauen. Herr Unkebauer versicherte Johann, dass das Cholmogorische Vieh am milchreichsten von allen anderen hiesigen ist. Und so kaufte Johann Cornies jun. 1835 in der Gegend bei Moskau Zuchtstiere cholmogorischer Rasse zur Veredlung des Rindviehes. Agronom Gavel schrieb 1848 „Im Jahre 1835 kaufte Cornies in der Gegend bei Moskau zur Veredlung des Rindviehes Zuchtstiere cholmogorischer Rasse; das aus dieser Veredlung hervorgegangene Vieh hat sich sowohl durch größern Milchertrag, schönen Körperbau, als auch durch Verkauf von Zuchtstieren aufs beste bewährt und Beifall gefunden.“9

Schon im Januar 1835 fing Johann an bei einem Vermesser die Lehrstunden zu nehmen. Im Brief von 28. Januar 1835 schrieb er: „...Mein Lehrer ist ein Ruße und spricht kein Deutsch, obzwar er einen ganz deutschen Namen hat, er heißt Karl Egert. Er stehet in Dienst. Des Sommers beschäftigt er sich mit Vermessen der hiesigen Ländereien und des Winters copirt er Pläne; seine Arbeit ist sehr gut, er versichert mir, dass ich bis zum Frühjahre so viel Fortschritte machen werde, dass ich ein Feld, oder Land richtig bemessen, eintheilen und aufzeichnen kann; auch wird er Messungen anstellen wo ich dabei sein werde.

Er spart seinen Fleiß nicht um mir alles gut zu erklären; im ganzen ist er ein sehr freundschaftlicher Mann, ich werde immer sehr gut bei ihm aufgenommen....“

Aus seinem Brief von 13. Mai 1835: „... hier viel Rußisch gesprochen wird. Ich bin gesonnen, in diesem Falle, noch neben der Feldtmeßkunst in Archetektur unterricht zu nehmen.“

Nach seinen Erfolgen in der Schafzucht, beschäftigte Johann Cornies I. die Frage des Handels von Schafwolle. Aus diesem Grund suchte Johann jun.  Herr Köhlman, einen Tuchfabrikant, welcher  schon Wolle beim Cornies I. kaufte, um seine Meinung zu hören. Später schrieb er an seinem Vater über unterschiedliche Qualität der Wolle, über die Preise in Russland und im Ausland, über die Probleme der Reinigung der Wolle, welche sie selber hatten. Dieser 22-jährigen jungen Mann hatte schon einen ausgeprägten Geschäftssinn.  

Es ist bemerkenswert, dass Johann auf Alles achtete, was auch vielleicht nützlich für die Molotschna Kolonie wäre. Ein Beispiel dafür ist die Samengewinnung von Tannen: „Ich habe gegenwärtig eine Quantität Tannen und Pinus Larix Zapfen liegen, wenn ich den Saamen ausgeklopft habe, werde ich ihn an …[?] Cornies in Ekatherinoslaw schicken, ich hoffe es wird Ihnen angenehm sein von diesen Saamen gute Körner zu erhalten.“

Johann musste für sich einen Jahrespass beantragen, um eine Möglichkeit zu bekommen um weiter zu Reisen. Mit einer Bitte, seine Reise weiter zu bestimmen, schrieb er an seinen Vater: „Sollte aber mein Jahrespaß einmal angekommen sein, so bitte ich doch meine Reise näher zu bestimmen, ob nur bis Petersburg oder Riga, und zurück, von Moskau über Saratow und Sarepta...“

„Ich habe beschlossen meine weitere Reise, bald nach dem ich das Vieh abgeliefert habe anzutreten, und gedenke in St Petersburg einen Monat zu verweilen.“

Den ganzen Transport und Fütterung von Vieh zu organisieren nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Am 7. Mai 1835 verließen die Tiere Moskau und im August sind sie „glücklich“ in Molotschna angekommen. Das durch diese Veredelung gezüchtete Vieh zeichnete sich sowohl durch reichen Milchertrag, als auch durch stattlichen Körperbau aus. 

 

Johann jun. blieb noch bis zum 20. Mai in Moskau, um die Ausstellung der Russischen Fabrikaten und Künste zu sehen, welche am 18. eröffnet wurde. „Mein Vorsatz ist der, zum Juny in St. Petersburg, zum ersten July in Riga, und zum August wieder hier in Moskau zu sein, zum ersten September in Saratow, und anfangs October in Sarepta und zum November zuhause zu sein. - Bleibe ich noch einen Winter hier in Moskau dann werde ich länger zum zweiten mal in St. Petersburg verweilen. Sollte Agnes herkommen, so könnte sie hier im Sareptischen Hause wohnen und in verschiedene Handarbeit Unterricht nehmen...“

 

Johann jun. schrieb viele liebevolle Briefe aus Moskau, adressiert an seinen Vater. Das spezielle Briefpapier war geschmückt mit Bilder, der Sehenswürdigkeiten Moskaus.  

 

Den Monat Juni 1835 verbrachte Johann in St. Petersburg. Er besuchte die Zarenresidenz Oranienbaum, Strelna mit dem Konstantinpalast, Zarckoe Selo mit dem Katharinenpalast und seinem atemberaubenden Bernsteinzimmer und Kronstadt, eine frühere Festung auf der Ostseeinsel Kotlin. „Bis jetzt hat mir Zarsko – Selo noch am besten gefallen; den Garten habe dort mit aufmerksamkeit besehen, habe auch den schönen Viehstall besehen, es befindet sich dort noch Holländisches-, Englisches-, Tiroler-, Ungarnsches-, und Ukrainisches Vieh, aber nur wenig; desgleichen auch nur an 50 Merinos und einige Lamma. Hier und in der Umgegend ist wenig regen gewesen, die Ernte wird wie man befürchtet nicht die beste sein, und auf schlecht zubereitetem Boden, wird sie auch schlecht ausfallen. In der Zeit das ich hir bin, hat es einmal etwas geregnet.“

Ende Juni besuchte Johann das Peterhofer-Fest, um die berühmte Wasserkünste zu sehen. Peterhof, welches an der Südküste des finnischen Meerbusens liegt, war die Sommerresidenz vom Zar Peter der Große. Neben dem eigentlich im barocken Stil dekorierte Palast, wurde die Goldene Kaskade und ein großer Teil des unteren Parks angelegt und der 400 Meter lange Kanal zur Ostsee ausgehoben. Die gesamte Gartenanlage ist geprägt von den originellen Wasserspielen mit über 150 Fontänen, die über ein ausgeklügeltes unterirdisches Rohrsystem (40 km) gespeist werden und ausschließlich durch natürliches Gefälle funktionieren. Berühmtester ist natürlich der Samsonbrunnen. Meine Eltern, mein Bruder und ich waren sehr beeindruckt von der derartige Eleganz, Pracht und Fülle an Kaskaden und Fontänen, als wir Peterhof im Sommer 1977 besuchten.

Zarckoe Selo, Katharinenpalast
Kronstadt
Zarenresidenz Oranienbaum, Menshikovpalast
Peterhof
Samsonbrunnen
 

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Riga heute

Аm 2. Juli 1835 reiste Johann nach Riga. So beschreibt Johann die Hauptstadt Lettlands: „Die Stadt Riga ist sehr enge gebaut, in sehr vielen Gassen kann nur ein Fußgänger den Fahrenden eben vorbei gehen, die Häuser sind hoch und nach deutscher Bauart gebaut; die Vorstädte sind mehr nach russischer oder nach neuer bauart angelegt.“

Aber auch hier hatte Johann geschäftliches im Sinn:

„In Riga werde ich mir wenig aufhalten, sondern in Kurland mir etwas umsehen, man sagt dort seien die Wirthschaften besser eingerichtet.“

„Mit ersterer Gelegenheit reise ich nach Kurland, vielleicht nach Goldingen (Kuldīga), ich habe schon an einen Oekonomen Adressen in jener Gegend. – Wie es mir jetzt scheint werde ich hier für meinen Zweck mehr gewinnen wie in St. Petersburg, ist dieses der Fall, so kann ich noch nicht bestimmen, wie lange ich in den Ostseeprovinzen herumreisen werde. Schäfereien sind nicht sehr viele, und sehr zerstreut, auch ist in Perna eine große Horn-Viehzucht. – Hier erntet man jetzt Heu, die Sommersaat ist nicht aufs beste, weil es an Regen mangelt.“

In seinem Brief von 23. Juli berichtet Johann: „Schon an 8 Tagen lebe ich in Kurland auf dem Guthe des Herrn von Sass ohnweit dem Städchen Talsen (Talsi). Meinen Aufenthalt habe ich bei den Oekonomen hieselbst, Namens Meyer. Ich kann jetzt so recht die hiesige Wirthschaft übersehen und kennen lernen. Besuche auch andere benachbarte Güther. – Die Heuernte ist jetzt beendet und man fängt die Getraideernte an, welche zum Theil mittelmäßig auch wohl auf manchen Stellen schlecht ausfällt; besonders das Sommergetraide hat wegen der anhaltende Dürre gelitten. Die hiesigen Gutsbesitzer halten des Dingers wegen ziemlich viel Hornvieh, welches auch ziemlich milchreich ist, es hat keinen hohen Wuchs, und da der größte Theil, doch die Hälfte ohngehörntes ist, so bekommt es dadurch ein schlechtes ansehen, besonders für den, der es nicht gesehen hat. Man hat auch in manchen Oekonomen Holsteinsches Vieh; selbiges habe aber noch nicht gesehen. – Herr Meyer wünschte von mir zu wissen wie viel unsere Dreschmaschinen für den hiesigen vortheilhafter sei, da ich nicht gehörich angeben konnte wie viel sie abdrischt, so bath er mich, wenn es mir möglich wäre nähere Auskunft davon zu geben, welches ich ihm auch versprach; so habe ich nun die Bitte an Sie, die nachstehende Fragen durch Sommerfeld mir beantworten zu lassen und zwar: „wie viel Pferde vorgespannt werden und wie viel Schock des Tages abgedroschen werden?“ ferner wie viel Menschen erforderlich sind, wenn das Getreide ganz hohe [?] sich befindet? ob auch oft reparatur nöthig ist bei guter Beobachtung? ob das Stroh kurz zerschlagen wird, und ob es auch rein ausdrischt? wie theuer sie bei uns zustehen kommt? – Ich kann jetzt noch nicht bestimmen wie bald ich von hier abreisen werde, ich finde hier manches nur [?] interesantes, und möchte auch gerne mehreres näher kennen lernen. Herr Mayer brachte mir in Vorschlag nach der Insel Oesel (Saaremaa) mitzureisen, geschiehet dieses bald, so bin ich entschlossen, dort werden sehr gute Käse verfertigt.“

In Kurland hat Johann eine der besten Schäferei von Herrn von Hahn besucht.  Seiner Meinung nach, war das Vie aus Moskau trotzdem besser, obwohl dort feine Schafe waren.

Ob Johann all seine großen Pläne in der Umgebung von Riga verwirklichen konnte, weiß ich leider nicht. Mir fehlen viele Briefe von dieser Reise. Am 17. August kam er zum zweiten mal in St. Petersburg an.  In diesen Tagen bekam er einen Brief von seinem Vater, in welchem stand, dass die  von ihm gekauftne Kühe Molotschna erreicht hatten. Diese gute Nachricht  hat Johann ermuntert seine Reise fortzusetzen. Noch größere Freude machte ihm die Nachricht, dass er seine Schwester Agnes bald in Moskau treffen wird, und mit ihr zusammen im  künftigen Frühjahr die Rückreise anzutreten kann. 

Mitte September kam Johann wieder nach Moskau und seine Schwester einen Monat später. Aus Agnes Brief von 14. Oktober 1835: „Geehrtester Vater! Den 11 Octbr sind wir hier gesund und glücklich angekommen  die Familie Blüher haben wir gesund und frisch angetroffen, den Bruder (Johann jun.) haben wir nicht angetroffen, er ist mit seinem Lehrer auf ein Landgut gereiset um dasselbe zu bemessen und es ist noch nicht bestimmt wenn er kommen wird.“

Und so blieben die beiden Geschwister den Winter 1835- 36 in Moskau zusammen. Johann nahm weiter an den Unterrichtstunden teil. „...  ich aber seit den 30 sten October in Archetektur, bei einem Oficir nahmens Cac…iu [?] Piennrs [?] Unterricht nehme, so ist mir die Zeit sehr eingeschrenkt. … seit mehr als einen Monat nehme ich wöchentlich 3 Lectionen; Der Preis ist 5 Rubel Banco. ...“, berichtete er seinem Vater im Dezember 1835. Agnes beschäftigte sich mit der Näharbeit. „Vergangene Woche endete sie ein aus Wolle genehetes Sofa-Kissen-Muster, welches guten Beifall fand von denen die es sahen.“ 

Johann beschreibt  in seinen Briefen das Wetter und die Natur, man merkt was für ein guten Beobachter er war. Er macht sich auch ernste Sorgen um seine Schwester Agnes, als sie sich erkältet hatte. Seine Briefe sind immer volle Liebe zu seinen Eltern. Und immer wieder berichtet er über Geschäftliches. Für Herrn Blüher bestellte Johann von seinem Vater gute Samen per Post.

Am 19. Mai 1836 starteten Johann und Agnes ihre Rückreise nach Hause. Die Heimreise sollte über Sarepta an der Wolga gehen. Und von da wusste Johann nicht genau, wie er mit seiner Schwester nach Molotschna kommt. Darüber schrieb er seinem Vater noch im April:

 „...finde ich Ihre Meinung über meiner Reise ganz so, wie ich schon oft darüber gedacht und gesprochen habe, nur kann ich nicht  bestimmen wie schnell die Dampfböthe von Astrachan schiffen; in Sarepta laden sie Holz, ob sie aber Pasagire aufnehmen kann ich mich erst dort erkundigen. Gelegenheit hat man dort immer, die mehresten reisen zu Wasser, weil die Straße viel Sand hat. Aber auf welcher Straße man von Sarepta oder Carizin [heute Wolgograd] am Beßten zu Hause reisen, kann ich erst dort bestimmen, ob es mehr Fuhrleute giebt die die Odessaer oder …[?] Kasker [?] Straße fahren, gerne möchte ich längs dem Don reisen wenn es in der Weinleese treffen wird....“

Herr Blüher und seine älteste Tochter begleiteten die Beiden noch 8 Werst außer der Stadt Moskau. Zuerst fuhren die Geschwister fast immer längst der Oka, ein langer rechter Nebenfluss der Wolga. Die Tage waren sehr regnerisch und es kamen auch Nachtfröste vor. Der Weg bis Rjasan war schlecht, teilweise wegen dem lehmigen und sehr lockerem durchnässten Boden . Und ab Pensa konnte man besser fahren.

Zwei Wochen später, am 2 Juni erreichten  die Geschwister Saratow. So beschreibt Johann die deutsche Kolonien in dieser Gegend: „Im Sarowschen habe mehrere Kolonien besucht, die Leute sind ziemlich wohlhabend, haben gute Häuser mit Holz gedeckt einige auch mit Stroh, wenig warme und geräumige Viehstelle, die Kreis oder Gemeinde-Schäferein sind schlecht wenn sie dürften so würden sie die Schaffe verschänken. Taback und Weizenbau ist auf der Wiesenseite der Haupterwerb, Gartenbau ist wenig. – Die auf der Bergseite treiben neben den Weizenbau auch noch Profesionen besonders viele Baumwoll-Webereien. Die wenigsten können etwas schreiben obzwar in jedem Dorfe eine Schule ist, so dieselbe auch so überhäuft und bisweilen hat ein Lehrer an 500 Schüler und Schülerinnen. Jedes Dorf hat eine Kirche die mehresten sind von Holz; zu einen Kirchspiele gehören mehrere Kirchen in welchen der Pfarrer wechselweise prädigt. Die Leute sind sehr gastfrei und nehmen Reisende recht gerne auf, mir so auch der Schwester hat es recht sehr gefallen.“

Von Saratow setzten sie ihre Reise mit gemieteten Pferden fort und 5 Tage später kamen sie nach Sarepta.  Johann verbrachte nur wenige Stunden dort. „...in dieser Zeit wurde ich, bei einigen Bewohner dieser Kolonie wo ich Aufträge zu entrichten hatte aufs freundschaftlichste aufgenommen...“

Agnes blieb in Sarepta und Johann fuhr weiter über die Wolga nach Astrachan. Es war schon hoch Sommer und es sehr heiß, über 30°. Sein Aufenthaltsort in Astrachan war bei Herrn Fadeew. Noch im Winter erfuhr Johann vom Herrn Blüher, dass Herr Fadeew ein Haupt Curator der Calmüken ist und er wollte ihn unbedingt besuchen. „...Astrachan ist ziemlich gut gebaut nur viele große Häuser neigen sich dem Verfallen, von der frühern Festungs-Mauern hat es noch deutliche Spuren, die Flotte[?] bestehet aus kleinen Schiffen, auch die Kafartai-schiffe [?] sind klein. ...“

Wie lange Johann in Astrachan blieb und wie seine Reise weiter verlief weiß ich leider nicht. Mir fehlen die Briefe, den letzten, den ich besitze, wurde am 14. Juli 1836 in Astrachan geschrieben.

Von Moskau nach Astrachan sind 1700 km.

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Am 17. April 1841, im Alter von 28 Jahren heiratete Johann jun. die 26-jährige Justina Willms aus Halbstadt. Sie bekamen drei Kinder, wobei der erste Sohn Johann mit 11 Monaten starb. Der zweiter Sohn, ebenfalls Johann, wurde 1843 geboren. Das Glück jungen Eltern sollte vollkommen sein, als zweieinhalb Jahre später die Tochter Justina geboren wurde. Dann geschah eine schreckliche Tragödie. Acht Tage nach der Entbindung am 15. Mai 1846 im Alter von 31 Jahren starb Johann´s Frau Justina. Nach diesem Schicksal trauerte Johann längere Zeit. Er blieb allein mit zwei kleinen Kindern. Seine Eltern überredeten ihn für eine Weile ins Ausland auf Reisen zu gehen um sich dort zu zerstreuen und in Preußen  Ausschau nach einer neuen Lebensgefährtin zu halten.

Seine einjährige Tochter Justina wurde in der Obhut ihrer Großmutter gelassen, der kleine Sohn Johann blieb bei seiner Tante Agnes und ihren Mann Philip Wiebe zurück. 

Während Johann Cornies jun. noch in Preußen weilte, starb seine Mutter. Und er konnte nicht zur Beerdigung kommen. Sein „tief betrübte Vater, der infolge dieses  Verlustes eine unheilvolle neue Aufregung beim fernen Sohne befürchtet, teilt ihm  die traurige Nachricht in schonendster Weise mit.“1

 

 

5.April 1847.

Mein lieber Sohn!


Deine l. Mutter, die sich am Mittwoch gleich nach Ostern stark erkältete, wurde krank; die Krankheit mit starkem Durchfall, entkräftete sie schnell in solchem Grade, dass der gleich herbeigerufene Arzt, obgleich der Durchfall von selbst sich setzte, durch seine ärztliche Hilfe wohl Linderung verschaffte, aber zur Hebung der Krankheit nichts wirken konnte; sie wurde immer schwächer und schwächer und- verschied- zu unserm Leidwesen, am 5ten Tage ihrer Krankheit, den 30. März, 2 Uhr nachmittags zu einem besseren Leben und wurde am 2. April auf dem Gemeindebegräbnisplatze in Ohrloff begraben. So schmerzlich mir, Dir und uns allen das Hinscheiden der lieben Mutter auch sei, so muß uns doch der Gedanke zur einzigen, größten Beruhigung dienen, daß die Entschlafene sich schon längst durch das Jahre lang fortwährende Kränkeln zu dieser Auflösung christgläubig und standhaft vorbereitet hatte und seelenruhig einschlummerte.


Daswenige kann ich Dir nur väterlicher Liebe zur Aufrichtung und zum Troste schreiben, aber in der Hoffnung gewiß, daß Du Dich in den unerforschlichen Ratschluß Gottes fügen und Dich nicht darüber der anhaltenden übermässigen Trauer und Schwermut überlassen wirst; denn: "Was Gott tut, dass ist immer gut!"-


Du weiß, dass die Mutter eben so sehr wie ich wünschte, dass Du die Reise nach Preußen machen möchtest; auch munterte sie mich an, Dir zu schreiben und zu erlauben, noch weiter als nach Preußen zu reisen; daher sei unversagt und vervolge den Zweck Deiner Reise. Gott schenke Deinem Herzen stille Ruhe und heitere Zufriedenheit! Den Schmerz wird Dir die Zeit nach und nach mildern. Dieses ist der enzige Wunsch und Rat Deines Dich herzlich liebenden Vaters.- Amen!

Cornies junior blieb noch längere Zeit in Preußen und fand dort seine zweite Lebensgefährtin, Therese Tiessen. Die Hochzeit sollte in Elbing, Preußen, stattfinden.  Johann´s dringender Wunsch und Bitte war, wenn es dem Vater nicht möglich oder zu beschwerlich sein sollte, so möchte doch die einzige Schwester Agnes mit ihrem Mann Philipp Wiebe zu seiner Hochzeit nach Preußen kommen. Der Vater willigte dem Wunsch des Sohnes ein und ließ seine Tochter mit ihrem Gatten und den kleinen fünfjährigen Enkel fahren. Einige Zeit nach deren Abreise, nach zweiwöchigen Krankheit, starb am 13. März 1848 Johann Cornies I. Das musste ganz schlimm für Johann jun. und seine Schwester gewesen sein diese traurige Nachricht so weit weg von zu Hause zu bekommen und keinen Abschied vom geliebten Vater nehmen zu können.

Johann Cornies jun. heiratete ein Monat später am 13. April 1848 seine zweite Frau Therese Tiessen. Nach der Hochzeit kamen sie zurück nach Molotschna. 

Johann junior erbte das Gut Tatschenak. Seine ganzen Nachkommen lebten auf Tatschenak. Auch meine Oma Frieda ist dort geboren worden. Johann und Therese bekamen vier Kinder: Emilie, Bernhard, Maria und Johanna. Zwei Kinder starben, Emilie mit 11 Jahren und Bernhard im Babyalter. 

Johann Cornies jun., nachdem er so viel Erfahrung in Landwirtschaft im Ausland gesammelt hat und auch ausgezeichnete Gutshöfe kennen lernte, hatte viele Ideen auf seinem Gut zu verwirklichen. Er wollte auch das fortsetzen, was sein Vater erfolgreich angefangen hatte. 

Die ersten Pflanzen im Tatschenaker Obstgarten, welcher einen Halbkreis um das Haus bildete, wurden vom Johann Cornies I. im Jahre 1844 eingesetzt. Es war sein Sohn, welcher die Obstbaumanlage vergrößerte, pflegte, viele neue Fruchtsorten einführte und in einen prachtvollen Zustand brachte. "въ 1849 году изъ молодого и небольшаго сада менониста Корниса въ имѣніи его Ташшанакъ, Мелитопольскаго уѣзда, продано яблокъ и грушъ на 1,000 р. сер. и сверхъ того насушено значительное количество."10 1849 verkaufte Johann Cornies II. Äpfel und Birnen aus seinem jüngen Garten für 1000 Silberrubel. Wurde auch sehr viel Trockenobst gemacht.

Ein Teil des Gartens war ein Weingarten. Mit dem Wein experimentierte Cornies hier schon 1836. Der Wein wurde am Stöcken gepflanzt und aufgerankt. Von Augenzeugen wurde 1852 berichtet, dass man sich nicht satt sehen konnte, so viel Trauben hingen an den Stöcken. Johann Cornies II. hatte schon eine Weinpresse, ich konnte in mehreren Berichten lesen, dass sein Wein ausgezeichnet war. Auf Tatschenak wurde eine hochwertigste Rebsorte Riesling kultiviert. Alexander Petzhold schrieb 1855 : „der Besitzer von Taschenak (Johann Cornies II.) unter den Mennoniten derjenige ist, welcher bis jetzt den grössten Weinbau treibt (der Weingarten ist 3/4 Dessjatinen) und ansehnliche Mengen Wein keltert, dessen Güte ich aus eigner Erfahrung kennen lernte. Es ist Taschenak in Betreff der Obstbaumzucht und des Weinbaues jedenfalls ein Mustergut für diese südrussischen Steppengegenden und es können die Bemühungen des Besitzers um Förderung dieses besonderen Zweiges der Laudwirthschaft nicht hoch genug angeschlagen werden.“2

 

Johann Cornies II. setzte auch den Seidenbau fort. Seine Anlage von Maulbeerpflanzungen erreichte 1849 1,5 Desjatinen Land. "Такъ напримѣръ въ прошломъ году (1849) приготовлено подъ шелковичную плантацію въ имѣніи Ташанакь менониста Корниса 1 ½ десятины."10

Johann Cornies II. hat auch hier in dieser Steppe die Bewässerungsanlagen eingerichtet, wozu das Wasser künstlich in die Höhe gehoben wurde um über die weite Fläche verteilen zu können. Damit hat er nicht nur den Ertrag erhöht, sondern auch den Obstbäumen ein höheres Alter gesichert.

 

Das Tatschenaker Wohnhaus, welches noch sein Vater gebaut hat, war solide, aber einfach. Deswegen vermute ich, dass es von Johann Cornies jun. ganz umgebaut wurde. Sein prachtvolles geräumiges, mit allem Komfort ausgestattetes Wohngebäude aus gebrannten Ziegeln mit einem gepflasterten Hof sah nicht wie ein einfaches, typisch mennonitischen Haus aus. Es ist leicht zu erklären, Johann Cornies jun., hatte während seines Aufenthalts in Moskau, St. Petersburg und in Preußen viele schöne Gebäude gesehen, viele Museen, Kunstausstellungen besucht und ein Gespür für das Schöne entwickelte.  Ein Augenzeuge3 berichtete, dass sein Wohnhaus ein sehr schönes Gebäude mit vielen großen Zimmern war. Der Fußboden wurde mit braunem und gelbem Mahagoniholz Parkett ausgelegt. Zu den Zimmern oben führten von außen zwei hohe Treppen. Die Türen wurden mit viel Glas geschmückt. Von beiden Seiten des Hauses gab es große Balkons. Die Wirtschaftsstube und Küche befanden sich, wegen der Hitze des Sommers, halb unter der Erde.

Auch die  Allee zum Haus, welche eine viertel Meile vor dem Gut anfing, war einmalig für diese Gegend. Sie ähnelte einer, die von Danzig nach Oliva führte, nur die Bäume waren kleiner. 

„Schon eine Werst vor dem Vorwerke Taschenak, dem Herrn Johann Kornies gehörend, beginnt auf beiden Seiten des Weges eine herrliche Allee, als Vorbote der Kultur, welche auf dem sogenannten Vorwerk den Reisenden angenehm überrascht.“4

 

Alexander Petzhold  berichtete: „Dass hier von der menonitischen Einfachheit wenig zu findet war, habe ich schon früher bemerkt; auch in dem uns vorgesetzten Mittag, welches auf  Befehl meines Begleiters sofort zubereitet wurde, entbehrte man sowohl im Service als in der Zubereitung der Speise nichts, was man in  einem deutschen wohlhabenden Hause zu erwarten berechtigt ist. Nur die einfach ländlich reinliche Tracht eines kleines Sohnes des Hauswirths (Johann Cornies III.), der mit seinen Barfüssen sich als hübsches Landkind präsentierte, erinnerte an die einfache Sitte der Menoniten.“

 

«Sein Sohn (Johann Cornies II.), der durch grosse Reisen im Auslande und durch eine tüchtige Bildung - trotz seiner früher geleisteten Knechtsdienste, im Besitze eines schönen Gutes und grossen Reichthumes, gegen die Güter der Erde nicht unempfindlich geblieben ist, bewohnt gegenwärtig mitten in der Steppe, unweit Melitopol, ein Gut, dessen Wohnhaus, nebst eleganter Meublirung a la Rococo den kühnsten Anforderungen eines Aristokraten genügen würde. Es soll hiemit nicht der leiseste Vorwurf den Herrn J. Kornies jun. treffen, da er nach Aussage der Menoniten im Uebrigen alle Vorschriften dieser Secte erfüllt; im Gegentheil lobe ich Herrn Kornies, den ich leider nicht persönlich kennen lernte, für diese Empfänglichkeit, die er gegen das feinere Leben bewiesen, was um so mehr zu entschuldigen ist, als er nicht in der Colonie selbst, sondern auf seinem Gute Taschenak wohnt, und das väterliche Wohnhaus in Orlow seinem Schwager Herrn Wiebe abgetreten hat. Demnach führe ich dies nur als Beweis an, dass das einfache Leben der Menoniten nur so lange fortbestehen kann, so lange sie aus dem engen Kreise ihrer Colonie sich nicht entfernen, folglich nichts Besseres kennen lernen.»4

 

Im Tatschenaker Haus befand sich eine reiche Familienbibliothek, welche Cornies jun. immer wieder vergrößerte. Für seine Kinder wurden Privatlehrer eingestellt. Einer davon war Johann Klatt, seinen späteren Schwiegersohn.

 

Nicht sehr weit von dem  Gut befand sich ein kleines Flüsschen „Tatschenak“, nach derem Name auch das Gut benannt wurde.  Das Wasser hatte  aber einen schlechten Geschmack. Um die Wasserbedürfnisse zu erfüllen ließ Johann Cornies jun. mehrere Brunnen auf dem Gut bauen. Trotz der Nähe zu Liman und dem Asowschen Meer, waren die Brunnen aber nur 20-25 Meter tief.

Man muss auch die Waldanlage in der baumlosen Steppe erwähnen unter denen Ulmen, Pappeln und Eichen ganz vorzüglich gedeihten.... „Мне (рассказывал нам г. Корнис) отец завещал изменить весь пейзаж моего имения разведением леса. Но как мало успел я исполнить это завещание в течении моей жизни!“ А разведение леса достигло здесь замечательных успехов.“

Ich versuche es zu übersetzen: «Ich (erzählte uns Herr Cornies) habe meinem Vater versprochen den Wald hier zu setzen und die ganze Landschaft meines Gutes zu ändern. Aber wie wenig habe ich in meinem Leben geschafft um diesen Rat zu erfüllen!“

Johann Cornies jun. erreichte große Erfolge im Schafzucht. Professor Petzhold berichtete: «...Ganz ausgezeichnet wird hier die Schafzucht mit 8500 Stück Merinos betrieben und alles gethan, um diesen Wirthschaftszweig auf möglichster Höhe zu erhalten. So hatte der Besitzer dieses Gutes vor einigen Jahren eine bedeutende Anzahl Böcke von Steiger in Sachsen gekauft und das Stück mit 30—40 Louisdor bezahlt. Im Jahre 1855 (die Wollschur war zu Zeit meiner Anwesenheit schon vorüber) hatte man circa 530 Pud, im Jahre 1854 dagegen 630 Pud Wolle gewonnen.»2

Von zwei Autoren Н. Калагеорги und В . Борисов wurde sehr gut Cornies Wirtschaft im Jahre 1874 beschrieben. So berichteten sie, dass 1874 die Zahl von Schafen erreichte in Tatschenak schon 10 000 Stück Elektoralmerinos.

«Число овец достигает, здесь до 10.000 голов электоральной породы; не смотря

на то, что овцы г. Корниса дают, средним  числом, только от 4,5 до 5 фунт. шерсти, он не хочег менять их на камвольных, надеясь, по всей вероятности, при всеобщем стремлении  хозяев к уничтожению овец перейти и к разведению камвольных, получить  все-таки значительный доход от своей тонкой шерсти.»7

 

Auf der St. Petersburger Ausstellung im Jahre 1869 stellte Johann Cornies II. seinen berühmten  Ochsen „Samson“ aus und wurde ausgezeichnet.7

 

Während des russisch-türkischen Krieges 1853- 1856 spendeten und unterstützten  Mennoniten die russische Armee. In den Kriegsnachrichten wurde auch Johann Cornies II. für seine Spende ( 1000 Silberrubel) für den Brückebau für den Truppendurchgang gedankt.5

 

In der August- Ausgabe des Unterhaltungsblattes von 1854 dankt der Kaiser auch für die Initiative der Mennoniten, bei der Überwindung der weit über die Ufer getretenen Flüsse:

 

„Der Gutsbesitzer, Mennonit Johann Cornies (jun.), hat durch das Tal Tatschenak auf deutschen Wagen eine einstweilige Brükke erbaut, deren Material ihm selbst 1000 Rubel Silber kostete. Ohne diese Brücke wäre der Übergang der zwei Brigaden der 17. Infanteriedivision, sowie der Artillerie, unsächlich des zu dieser Zeit unerhörten Austrittes des Wassers in diesem Thale auf ein nicht vorgesehenes Hindernis gestoßen. Während des Übergangs der Truppen über diese Brükke beaufsichtigte Herr Cornies persönlich die glückliche Überfahrt.“ 

Nach Kriegsende legte Fürst Goreakov, der kommandierende General der Südarmee, dem Kaiser eine Liste von Siedlern vor, die sich während des Krieges besonders verdient gemacht hatten. Unter den 66 ausgezeichneten Siedlern waren 20 Mennoniten. Johann Cornies jun. bekam eine goldene Tabaksdose im Wert von 100 Rubel Silber.6

 

 

 

Johann Cornies jun. war von 1860 bis 1880, gemeinsam mit Ph. Wiebe (1860-1870) und Heinrich Reimer (1870- 1880), der Vorsteher (nach russische Terminologie „Curator“- попечитель) der Ohrloffer Zentralschule.8

 

 

 

 

 

Johann Johann Cornies starb im Alter von 70 Jahren am 18. Juni 1882 in Tatschenak.

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Quelle:

1 D. H. Epp, "Johann Cornies", (Steinbach 1946)

2 Alexander Petzhold, „Reise im westlichen und südlichen europäischen Russland im Jahre 1855“

3 Der Brief wurde von Anna Epp geschrieben, die zog 1852 nach Rußland. Eine abgeschriebene Kopie des Briefes befindet sich im Privatarchiv von Frau v. Issendorff. 

4 „Beiträge zur Kenntniss des Russischen Reiches und der angränzenden Länder Asiens“, Karl Ernst von Baer  und Grigoriĭ Petrovich Gelmersen. Neunzehntes Bändchen. St. Petersburg, Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 1854

5 Сборник известий, относящихся до настоящей войны. Санктпетербург, 1855

6 Georg Epp, „Geschichte der Mennoniten in Russland“, Band II, Seite107

7 «Экскурсия на реку Молочную», Н. Калагсорин, В. Борисов, 1874

8 P.M.Friesen, Die Alt-Evangelische Mennonitische Brüderschaft in Russland (1789-1910), im Rahmen der Mennonitischen Gesamtgeschichte, Seite 595

9 Agronom Gavel, Nachruf auf Johann Cornies. Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Russland. Beilage. Okt. 1848.

10 "О СОСТОЯНІИ РАЗНЫХЪ ОТРАСЛЕЙ СЕЛЬСКАГО ХОЗЯЙСТВА въ южной Россіи, въ 1850 году." Журнал Министерства Государственных имуществ, Часть 40, 1851 г