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Eltern: Gerhard Franz Dück, Anna Ens

 Peter Neufeld

Kinder:Angelika, Peter

Anna Gerhard Neufeld, geb. Dück ∗1888 †1958

#133574

Anna ist die älteste Tochter von Gerhard und Anna Dück. Sie wurde am 2. Januar 1888 geboren.

Ihre Kindheit war sicherlich genau so behütet und schön wie bei meinem Großvater

Anna war eine sehr schlanke und große junge Frau. Auch hatte sie feine Gesichtszüge. Was mir auf den alten Fotos besonders auffällt, ist ihre aufrechte Haltung. Hiermit meine ich, dass man ihr Selbstbewusstsein in ihren Augen spüren kann. In der Zeit, wo viele Frauen noch lange Haare trugen, hatte sie schon eine Kurzhaarfrisur.

Sie war 25- 26 Jahre alt, als ihre Eltern starben. Weil Anna noch nicht verheiratet war, pflegte sie zusammen mit ihrer Schwester Mariechen beide bis zu ihrem Tod.

Anna heiratete ziemlich spät, erst mit 33 Jahren. Ob ihre späte Heirat an den turbulenten schwierigen Zeiten lag oder ob sie einfach vorher den richtigen Mann nicht gefunden hatte,  weiß ich nicht. Die Hochzeit fand 1922 in Blumenort statt. Peter Neufeld, der Ehemann von Anna, stammte aus einer sehr wohlhabenden Familie aus Ebenfeld. Die junge Familie wohnte zusammen mit Annas Geschwistern in dem Elternhaus von Anna.

Anna und Peter bekamen zwei Kinder: 1923 die Tochter Lika (Angelika) und 1925 den Sohn Petja (Peter).

1918, Peter Neufeld, Eroeffnung der Moelkerei in Blumenort
1920, Mölkerei, Blumenort
Familie Anna und Peter Neufeld, Blumenort, 1929

Mein Großvater und der Mann seiner Schwester, Peter Neufeld, waren sehr gute Freunde. Sie haben auch zusammen die Entscheidung getroffen in der alten Heimat zu bleiben und nicht der Auswanderung seiner Geschwister im Jahre 1926 zu folgen.

Als 1930 die Kollektivierung in Blumenort begann, arbeitete Peter als Sekretär und Rechnungsführer in der ersten Verwaltung dieses Kollektives. Im August 1931 wurde Peter verhaftet. Im wurde vorgeworfen der Sohn eines ehemaligen großen Landbesitzers zu sein. Zwei Tage nach seinem Arrest wurde die ganze Familie nachts aus dem Haus getrieben und nach Norden (Челябинск) ausgesiedelt. Anna und Peter arbeiteten im Bergbau. Sie lebten in unmenschlichen Verhältnissen zusammen mit anderen Leidensgenossen. Hunger, Krankheiten und Tod waren an der Tagesordnung. 

Familie Peter und Anna Neufeld
Familie Peter und Anna Neufeld

1932 wurde die Familie gewaltsam getrennt. Die kleinen Kinder (Lika und Petja) wurden den Eltern weggenommen und zu Peters Mutter gebracht. Dieses geschah nachdem durch die Sovjet Regierung ein neues Gesetz erlassen wurde: „die Kinder sind nicht für ihre Eltern verantwortlich“. Peter und Anna wurden weiter in das Gebiet Perm geschickt (Krasnowischersk).  Dort lag schon Schnee. Sie wohnten buchstäblich im Wald, umgeben von Sümpfen. Wie Tiere, graben sie eine Höhle für sich in der Erde, um ein Plätzchen zum Schlafen zu haben. Dass Anna und Peter dort überlebten, grenzt an der Wunder. Das Jahr 1933 brachte einige Veränderungen. Im Frühling durften sie endlich in einem Dorf wohnen, in dem Peter als Buchhalter arbeitete. Anna verdiente ein bisschen Geld mit Nähen. 1934 durften sie ihre Kinder zu sich nehmen. Auf dem Weg nach Blumenort wurde Anna öfters aufgehalten und verhört. Keiner konnte wissen, dass das nächster Treffen mit ihrem Bruder Heinrich und seiner Familie erst in 21 Jahren stattfinden würde.

Die Familie Neufeld war endlich wiedervereinigt. Sie bekamen ein kleines Zimmerchen, in dem Peter ein Etagenbett aufbaute. Die Kinder besuchten die russische Schule, obwohl sie kaum Russisch sprachen. In dieser Zeit schien das Leben ein bisschen leichter zu werden. Anna mit Peter luden in einem Brief meinen Großvater  mit seiner Familie zu sich nach Krasnowischersk zuziehen. Nach langer Überlegung hat mein Großvater sich dagegen entschieden. 

Am 2. Januar 1938 wurde Peter wieder verhaftet und in ein Gefängnis in Solikamsk gebracht. Zwei Wochen später wurde auch Anna verhaftet. Und so blieben die Kinder ganz allein. Lika war 14 und Petja 12 Jahre alt. Fast ein Jahr kämpften die Kinder ums Überleben. Die russische Familien, die in der Nachbarschaft lebten, teilten das Wenige was sie selber hatten mit den beiden Kindern. Lika putzte in einer wohlhabender Familie. Und im Herbst kam Peters Schwager Friesen und nahm Kinder nach Kasachstan (nicht weit von Djeskasgan) mit.

Am 14.Januar 1939 wurde Peter erschossen. Viele Jahre wusste keiner darüber Bescheid. Nach 13 Monaten Haft durfte Anna wieder nach Hause. 

Mein Großvater schrieb in seinem Tagebuch:

„9.09.1939. Schwester Anna wohnt seit Ende April wieder in Krasnowischersk, ihre Kinder sind jedoch bei ihren Verwandten H. Friesen im Kasachischen Gebiet.  Wo Peter sich befindet, ist unbekannt.“

Nach einiger Zeit durfte Herr Friesen die Kinder Anna zurückbringen. 

Aus dem  Tagebuch meines Großvaters:

„23.01.1940. Den 2. Januar schickten wir ein Paket mit etwas Schmalz und Wurst an Schwester Anna und ihre Kinder nach Krasnowischersk.  Haben bis Heute noch keine Bestätigung des Empfanges.“

 

„ 18.08.1940. Von Schwester Anna bekamen wir vor kurzen einen Brief, der sehr mutlos klingt; sie hat noch immer keine Nachricht von Peter, und schaut daher sehr dunkel in die Zukunft.“

 

„ 03.11.1940. Wir sind schon sehr beunruhigt darüber, dass keine Nachricht von Anna kommt!“

 

Nach der Zeit im Gefängnis war Anna sehr krank und konnte kaum arbeiten. Lika und Petja mussten sehr hart mithelfen. Sie arbeiteten als Hilfsarbeiter.

Und dann kam die zweite Weltkrieg und noch viel schlimmere Zeiten standen bevor. Die Kinder wurden, weil sie Deutsche waren, aus der Schule herausgenommen und in die Arbeitsarmie eingesetzt.

Über weiteres Leben von Anna aus dem Tagebuch meines Großvaters Heinrich Dück:

 

„12.06.1944. Anna erlebt große materielle Schwierigkeiten und sehnt sich sehr in ihrer Einsamkeit.“

 

„11.10.1944. Anna bangt sich sehr in ihrer Einsamkeit und möchte so gerne zum Winter mit jemand von den übrigen zusammen sein.  Wenn das nicht so umständlich wär, müsste sie einfach hierher kommen.“

 

„12.01.1945. Anna erwartet Erlaubnis zur Ausfahrt nach Lika. Sie plagt furchtbar die Sehnsucht nach allen Lieben, morgen wird sie 57 Jahre alt.  Das Leben vergeht und wir haben in unsern Leben noch nicht normal gelebt.“

 

„ 25.08.1945.  Soeben einen deutschen Brief von Schwester Anna vom Ural erhalten.  Die Arme leidet sehr durch ihre Einsamkeit. Sie schaut so hoffnungslos auf ein Wiedersehen mit uns und unsern andern Geschwistern. Wie sind das nur alles für schwere Fragen und Probleme.  Ich bin gegenwärtig nicht geneigt so dunkel auf die Zukunft zu schauen; sicher, hat man sich schon überzeugen müssen dass in unsern Verhältnissen ähnliche Fragen sehr langsam gelöst werden und man schrecklich viel Geduld haben. Wer weiss, wie es mit Peter steht?!  Möchte der doch noch am Leben sein und zu seiner Familie in erster Linie zurück kehren dürfen. 

Der große Weltkrieg geht zu Ende; was wird der nur uns persönlich bringen?!  Gibt es noch für uns eine Reabilitierung oder bleiben wir schuldlos die Geachteten?!  Unsre armen Kinder!!“

 

„5.01.1947. Erhielten soeben einen Brief von Schwester Anna, der uns sehr traurig gestimmt hat.  Schon mehrer Monat hatten wir keine Nachricht von ihr;  wir telegraphierten vor etwa 10 Tage an sie, bekamen jedoch keine Antwort darauf. Zuvor berichtet Anna dass sie 6 Wochen im Krankenhause in Nadejdinsk nach einer Operation gelegen habe und nun allmählig genese. Dann berichtet sie, dass man aus Moskau auf Likas Anfrage geantwortet habe, das Peter gestorben und irgendwo im Ural unweit von Swerdlowsk begraben sei.  Wie, wo und wann berichtet sie nicht.

Der arme liebe Schwager!  Im Stillen hoffte ich immer, dass vielleicht ano 1947, d.h. um 10 Jahre seiner Verbannung, er doch unverhofft mit einemal erscheinen würde.  Schwester Anna und Kinder hofften dasselbe. Welche bittre Enttäuschung!  16 Jahre sind es her, dass wir von einander schieden im gewesenen Kabinett H. Günter Ohrloff, dass damals ein Haftlokal darstellte. Und 9 Jahre sind es wohl her, dass er von seiner Familie weg ist. 

Hoffentlich wird sich noch einmal jemand finden, der persönlich und mündlich Näheres über Peters Leben und Sterben wird berichten können. Peter war ein echter Gesellschaftsmann, der noch viel der Gesellschaft im engeren und weiteren Sinn hätte leisten können.

Für Geschichte - und besonders für mennonitische Geschichte interessierte er sich am meisten.  Er hatte daher eine seltene und große Sammlung von Geschichtlichen Material über die mennonitschen Ansiedlungen im Süden Russlands, etwa 16 gedruckte Bücher, die leider alle verloren gegangen sind,  und zwar ano 1936 in Melitopol durch einen Diebstahl bei P. E. Kornies.  Peter selber hatte eine Geschichte über die Deutsche Rote Kuh in russischer Sprache abgefasst.  Kleinere Schriften und Materialien hatte er abgefasst, welche jedoch nicht gedruckt wurden über die Geschichte des Seidenbaus und Pferdezucht in der Molotschna Kolonie,  über Machno und Machnowschtina, die jedoch in den 20-ziger Jahre schon abhanden gekommen sind. In Fragen der mennonitschen Geschichte war er eine personifizierte Enzyklopädie.  Er war sehr gesellig und konnte ohne Unterbrechung interessant sprechen über die aller verschiedensten Themas. Er war daher überall, wo man ihn kannte, unter den Deutschen, wie auch unter den Russen, sehr beliebt und gern gesehen. Im Laufe von 6 Jahre (1924-29), während denen wir beide in der Rayonverwaltung der Genossenschaft “Molotschna” arbeiteten sind wir fast täglich zusammen hin und zurück nach Halbstadt gefahren und fast nie ist’s langweilig gewesen;  immer war über etwas Interessantes zu sprechen. Und weil wir in einem Hause wohnten, konnten wir jeden Abend wiederum zusammen sein im Familienkreis.  Unsre Unterhaltungen waren auch dann immer lebhaft und interessant.  So auch am letzten Abend noch bevor er weg musste, wurde in unsrer Eßstube noch viel geplaudert und gelacht. Peter war gut gebildet, er hatte seiner Zeit die Berdjansker Realschule geendet.  Er war sehr belesen. Von 1931 folgten für Peter und seine Familie sehr schwere Zeiten, worüber vielleicht noch mal später Näheres. Sie haben zwei tüchtige Kinder, von den die Angelika laut ihren Briefen wohl am meisten Peter ähnelt.“

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„02.05.1947. Von ihrer Tochter Lika, die in Krasnowischersk ist, schreibt sie, dass die ganz besorgt drum ist, dass sie noch nicht getauft ist. Wohl in unserm ganzen Lande ist heute keine Möglichkeit sich nach mennonitischer Art taufen zu lassen.“

 

„07.11.1947. Erhielten vor 2 Tage ein Paket von Schwester Anna auf unsre Verabredung hin.  Die Sachen, die das Paket, enthalten, sind für uns sehr passend, es sind: eine Wattenjacke und ein Paar Hosen für Hansi, ein Paar Unterwäsche und ein Handtuch für mich, ein Rock und niedrige Sommerschuhe für Frieda, außerdem noch etwas Material zu Wäsche, Strümpfe und Seife.  Alles sehr passend.  Wir warten nun auf einen Brief, indem uns der Preis des ganzen Pakets berichtet wird, damit wir Anna ein gleichwertiges Paket mit Produkte schicken können.“

 

„16.11.1947. Heute wollen wir noch das Paket für Anna ganz fertig machen, um Morgen abzuschicken.“

Annas Tochter Lika, 1945, Краснокамск
Annas Sohn Peter (Petja), 1949
Annas Sohn Peter, 1949, Karpinsk

„12.12.1954 Bekamen Gestern ein Paket von Schwester Anna und ihren Kindern, darinnen waren 2 Handtücher, Reis und Wermischel.  Zum Dank möchten wir ihnen auch etwas schicken, wissen jedoch nicht was.“

 

„31.12.1954 Hoffen im kommenden Jahr auch Schwester Anna wiederzusehen.  Wie gerne würden wir die anderen Geschwister auch wiedersehen.“

 

„26.06.1955.  Sonntag.  Heute Vormittag begleiteten Frieda und ich Hans zur Station.  Er ist heute nach Karpinsk zu Schwester Anna und Kinder gefahren.“ 

von links Lika, Petja und Anna Neufeld
oben zweiter von links Peter
in der Mitte zweite v. links Ella, Anna Neufeld
unten rechts Lika

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Peter Neufeld, 1950
die Hochzeit von Peter Neufeld
21.06.1953

„07.08.1955. Nächste Woche gedenken Frieda und  ich nach Karpinsk zu Schwester Anna zu fahren.“

 

„12.02.1956.  Sonntag.  Schon lange keine Notizen gemacht.  Auf unsrer Reise nach Karpinsk habe ich einige Notizen gemacht, die ich in dieses Heft überführen will.  Leider ist ein Heft mit Notizen abhanden gekommen. Folgendes habe ich auf der Rückreise notiert:

 

Karpinsk

Der größte Teil dieser norduralischen Stadt ist während und nach dem letzten Kriege erbaut worden.  Das eigentliche Zentrum der Stadt besteht aus neuen einzelstehenden zwei-dreistöckigen Häuser.  Die Quartiere des grössten Teils der Stadtbürger sind aus Holz erbaute geräumige neue Häuser.  So auch Schwester Anna’s Haus ist ein hübsches Blockhaus mit Schiefer gedeckt und besteht aus drei helle Wohnzimmer, Küche, Kammer, Korridor und Beischlag.  Auf dem Hof steht ein ebenfalls aus Holz gebautes Ställchen für Schwein und Hühner. Der Hof  ist schön umzäunt und mit einem kapitalen Tor und Pforte versehen.  Es fehlt nicht einmal an einer elektrischen Glocke an der Straßenpforte. Auf dem Hof sind Bretterstege.  Der grösste Teil der Arbeiter besitzt ähnliche Häuser.  Überall sieht man gefärbte Laden und Fenstergardinen.  Anna’s Haus ist verhältnismäßig gut möbliert.  Auf den Betten und an den Wänden Handarbeiten. Im Gemüsegarten saftig grüne Kartoffelstauden mit schönen Kartoffel darunter.

 

Unser Besuch

Seit dem 16. bis zum 23.VIII. 1955 spazierten Frieda und ich bei Schwester Anna und Familie, bei Tante Mar. Janzen mit Kinder und Gertr. Dück.  Überall wurden wir sehr innig und herzlich aufgenommen und uns viel Liebe entgegengebracht, das uns sehr wohltat und wir schon viele Jahre nicht erlebt hatten.

Alle Tage waren wir zusammen bei jemanden von diesen unsern Verwandten.  Viel Waldbeeren, der Reichtum der Wälder, wurden uns überall aufgetischt.  Bei Anna fehlte es beim Mittag selten an einer Flasche Wein, wofür Petja sorgte und auch  ich das wenige dazu beitrug.  Bei Anna aßen wir immer in der großen Stube  am runden Tisch, was mir ganz praktisch schien.   Zu Frühstück gab es gewöhnlich außer Kaffee und Tee frische durchgebratene Kartoffel, was für uns ungewohnt war, bei ihnen jedoch Regel ist,  weil Petja und die anderen zu Mittag nur einen Inbiß machen.

 

Schwester Anna

21 Jahre hatten wir schon nicht Anna gesehen.  Das letzte mal sahen wir Anna anno 1934 als wir noch in Blumenort wohnten und Anna vom Ural  zu uns kam, ihre Kinder abzuholen.  Damals sah sie noch frisch und verhältnismäßig jung aus, während sie gegenwärtig sehr gealtert hat.  Sie hat ja auch schon 67 Jahre erreicht.  Das ist jedoch nicht der Hauptgrund ihres Alterns.  13 Monat Gefängnis mit Peter in sehr schweren Verhältnissen,   die große Sorge um ihre verlassenen kleinen Kinder  und schließlich der Verlust von Peter haben schwere Spuren an Anna’s Nerven,  ihre Augen und ihr Gesamtaussehen zurückgelassen.  Sie war mir daher anfänglich sehr fremd und besonders auch ihre Stimme. Was jedoch in einigen Tagen unsres Beisammenseins verschwand.  Trotzdem es Anna immer drock hatte, mit dem Haushalt, mit der kleinen Nata usw.  und ihre Hauptgehilfen, Lika nicht zu Hause,  haben wir uns doch viel und innig unterhalten von früher,  jetzt  und von der Zukunft, von Eltern, Geschwistern, Verwandten und Bekannten.  Und doch ist es viel  zu wenig gewesen und viel  zu rasch verfloss die Zeit unsres Beisammenseins.

 

Petja und seine kleine Familie

Petja ist ein  tüchtiger und energischer junger Mann.  Er hat eine sehr ernste, harte und rohe Lebensschule  in seiner Jugend durchgemacht.  Erstensmal als kleine Kinder mit den Eltern in den Norden  geschickt worden, zweitens in der frühesten Kindheit von den Eltern geschieden,  den Vater verloren  und ihn dann als Junge schon in der Familie vertreten müssen, 12 Jahre in der Schacht gearbeitet,  die Gesundheit teilweise verloren  usw.   Im Alter von 25-27 Jahre hat er nebst Arbeit im Schacht die Abendschule absolviert  und ein kapitales Haus  und Hof  gebaut.  Es sind nur wenige,  die sowas im Stande sind.

Trotzdem er im persönlichen Leben verhältnismäßig  viel erreicht hat, ist er durchaus nicht befriedigt mit seiner Lage, er möchte mehr und produktiver schaffen.  Er sieht sich daher nach neue Betätigung  um.   Deshalb  zog es ihn auch nach Pavlodar, wo soviel gebaut werden soll.

Ella ist ein schönes, sympathisches, stilles  junges Frauchen, die ihrer Jugend wegen so ganz dem guten Einfluss Petjas und Anna’s Familie unterliegen könnte.

Petja bemühte sich sehr unsern Besuch schön und inhaltsreich zu gestalten. Im großen Dreck und bei sehr schlechten Weg fuhr er mit  mir mit dem Auto nach Krasnoturinsk,  in dem ich anno 1942 schwere Zeiten erlebt habe,  dann fuhr er noch mit mir  zum Kohlenrasres, wo er gearbeitet hat  usw.

Petja und Ella haben ein schönes einjähriges blondes Töchterchen, Nata, genannt nach Petjas Tante Natascha.  Nata ähnelt etwas ihrem Vater und ist ein sehr ruhiges Kind, so recht ein Zögling ihrer Oma von Petjas Seite.

Lika war gerade im Erholungsheim, so dass wir sie leider nicht getroffen haben.“

oben, zweiter von links Heinrich Dück
unten von links Anna Neufeld mit Nata, Frieda Dück

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„25.08.1956. Sonnabend Abend.

Mitte Juli kam Anna mit Lika, Ella und Nata zu uns.  Sie überraschten uns des Nachts vor dem Tage,  wo wir sie eigentlich laut Telegramm erwarteten.

Jetzt machten sie gemeinsam mit Petja Versuche alle Fragen ihrer Übersiedlung zu lösen.  Es gab viel Enttäuschungen und besonders bei Anna und Lika.  Immer wieder wurde von “zurück” gesprochen, so das Petja schon noch einen schweren Kampf  zu kämpfen hatte.   Nach zweiwöchentlichem Suchen in der Stadt und Sowchosen entschlossen sie sich ein Häuschen in der Stadt für 14 Tausend Rubel zu kaufen.  Dank der Ausdauer und Energie Petjas haben sie sich ihr Häuschen schon schön eingerichtet, alles gestrichen und remontiert.  Es ist ihnen auch gelungen, eine schöne junge Kuh zu kaufen, die ihnen täglich 15 Liter Milch gibt, 10 Hühner gekauft, die ebenfalls fleißig legen.  In Karpinsk leisteten sie sich gewöhnlich nur 1 Liter Milch den Tag, während sie hier jetzt sehr viel mehr haben, als sie brauchen. Auf dem Bazar sind gegenwärtig Pomidoren in Hülle und Fülle und zu sehr mäßigen Preisen, ebenfalls Arbusen, Äpfel, Mehl, Butter und dergleichen, alles was sie in Karpinsk nicht hatten.

Lika und Petja haben auch schon Arbeit. Was ihnen hier gar nicht gefällt (ebenfalls auch uns) das ist der Staub in unsrer Stadt und die mangelhafte Wasserversorgung der Stadt.  Im großen und ganzen scheint es mir, sind sie schon ausgesöhnt.

Vor einer Woche feierten sie ihr “новоселье” Einzugsfeier, an dem wir mit unsrer ganzen Familie teilnahmen.“

 

„04.09.1956. Gegen Abend war Schwester Anna bei uns.  Wir sind so froh, dass sie jetzt mit ihrer  Familie in unsrer Nähe wohnt.“

 

„23.06.1957. Bei Schwester Anna wird sehr gebaut.  Sie bauen sich ein zweites Zimmer an.  Der Petja ist in dem Bauen in diesen so schweren Bauverhältnissen unermüdlich.  Er baut aus Rohr, was jetzt modern ist.  So viel Energie, Unternehmungslust und schwere Arbeit wird verpufft an so einem “Bauen”.  In anderen Verhältnissen wäre Petja im Stande bei weniger Kraftaufwand ganz was andres zu leisten.“

 

„27.12.1957. Vorgestern Abends feierten wir bei uns im Kreise unsrer Kinder und Großkinder und Schwester Anna mit Kinder Weihnachten.“ 

 

„14.01.1958. Sonntag Abends feierten wir Schwester Anna’s 70ten Geburtstag und gleichzeitig ihres Enkels Petja’s einjährigen Geburtstag.  Erstere an der Schwelle des Lebensabend,  letzterer an der Schwelle des Lebens.

An solchen Festlichkeiten ist unser Heinz immer sehr aufgelegt und erinnert mit seinen Späßchen und Witzen sehr an unsern verstorbenen Onkel Heinrich Dück.   Er kann so eine Gesellschaft sehr erheitern.“

 

„Vom 11.08.58. Etwa eine Woche ist Schwester Anna sehr krank.  Sie hat furchtbare Kopfschmerzen  und  liegt fest zu Bett.   Temperatur,  Puls und Blutdruck normal.  Anna’s Nervensystem  hat sehr gelitten.  Zu dem hat sie sich in der letzten ganz überanstrengt  weil alle auf Arbeit sind und sie den Haushalt und die zwei kleinen Enkel besorgen muss. Dann  ist  Petja schon über ein  halb Jahr nicht zu Hause und wird wohl noch 3 Monat abwesend sein, was ganz besonders schwer sich auf Anna’s Gemüt  legt.  Die gespannten Beziehungen  zwischen Anna und ihrer Schwiegertochter Ella tragen auch dazu bei.  Trotzdem Ella immer sehr tätig und fleißig im Hause ist, so hat sie doch nichts  liebenswürdiges  an  sich, worunter Anna besonders leidet. Um  eine Entspannung  in ihre  Familienverhältnisse zu bringen  muss Petja mit seiner Familie doch wohl mehr selbständig werden.“

 

„05.09.1958.  Leider muss ich dieses Heft in einer traurigen Stimmung und Verfassung beginnen.  Soeben kam ich von Schwester Anna zurück, die schon drei Wochen sehr schwer krank liegt, und wir sie daher jeden Tage ein-zweimal besuchen.  Ihr Zustand ist so, dass sie nur selten bei klarem Bewusstsein ist.  So dass ich auch heute fast nichts mit ihr sprechen konnte. Mehrere Monate klagte Anna über ihr schwaches Gedächnis. Dann begannen bei ihr sehr starke Kopfschmerzen, die bis heute mit einigen Unterbrechungen fortdauern. Nervenerkrankung und Blutadernverkalkung stellt der Nervenarzt fest.  Der Zustand ist bedenklich. Gestern erhielt Anna einen Brief von Br. Gerhard,  der ihr noch nicht konnte vorgelesen werden.“

 

„17.09.1958.  Anna’s Zustand wird immer bedenklicher.  Auf Lika’s Bitte hin war ich heute bei Dtr. Herrklotz, den Nervenarzt, der einmal bei Anna gewesen ist.  Er wiederholte noch einmal seine vor zwei Wochen festgestellte Diagnose, Blutadernverkalkung der Gehirnblutgefäße und Nervenerkrankung. Nach seiner Meinung ist Anna’s Zustand sehr bedenklich, eigentlich aussichtslos. Trotz dem Anna noch lebt, wissen wir nicht, ob wir noch mal mit ihr werden normal sprechen können.

Es sind dies die Folgen ihres furchtbar schweren Lebens. Welches sind die schwersten Erlebnisse:

 

Anno 1913-14 in 7 Monat beide Eltern verloren.  Darauf folgte der erste Weltkrieg und die Mobilisation aller 4 Brüder.

1919-20 Machnowschtschina,  Brand und Mord in unserm Heimatdorf. Hungersnot.

1931 Peters Arrest und Aussiedlung eines Nachts mit Anna und kleine Kinder in den Norden.

1932 Das Scheiden auf einige Jahre von ihren zwei kleinen Kinder,  welche der schweren Lage halber zurück in den Süden zu Peters Mutter geschickt wurden.

1933 Wurden sie noch weiter in den hohen Norden geschickt,  wohin Anna dann anno 1934 ihre Kinder holte.   Unterwegs eine unheimliche Verfolgung und Verhör.

1938 Peters und etwas später Anna’s Haft,  Gefängnis und Lager in schwersten Verhältnissen.  Die beiden kleinen Kinder allein stehen geblieben im nördlichen Ural.

1939 Peters Tod im Gefängnis in Swerdlowsk.  

Nach 13 monatlicher Haft Anna’s Befreiung und einsames Leben im Ural, denn die Kinder waren inzwischen von Schwager Friesen nach Kasachstan geholt worden.

Dann folgte Anna’s Wiedervereinigung mit den Kinder.

1941 Zweiter Weltkreig und die Mobilisation  ihrer zwei Kinder von 16 und 17 Jahren.

Das Leben im nördlichen Ural bis 1956.

Übersiedlung nach Pawlodar und Verschlechterung der Wohnungsverhältnisse.

1958 Alle Kinder im Dienst.  Der ganze Haushalt und Pflege der kleinen Kinder lag auf ihr im Alter von 70 Jahre.

Die offizielle Nachricht, dass Peter völlig unschuldig gewesen und gestorben ist.

Dies alles hat ihr zartes Nervensystem schließlich nicht mehr ertragen können und nun die schweren Folgen.

Sehr selten ist Anna jetzt bei klarem Verstand, was in uns große Besorgnis hervorruft.

Sehr zu bedauern ist, dass Lika ganz allein mit ihrer so kranken Mutter geblieben ist, denn Petja ist mit Ella und ihren Kinder vor einer  Woche nach Alma- Ata gefahren,  um seine Kursen fortzusetzen.  Er wäre ja nie von seiner kranken Mutter gefahren, wenn nicht von diesen Kursen seine weiterer Arbeit als Lehrer in der Autoschule abhängig wär.

Lika allein pflegt ihre Mama Tag und Nacht, sie ist dabei so geduldig und selbstlos, einfach heldenhaft, was ja ihr auch nie leid sein wird.  Die arme Lika hat auch schon so viel Schweres durchgemacht in ihrem Leben.  Möchte sie auch nochmal schöne und glückliche Zeit erleben.“

 

„17.10.1958.  In Anna’s Zustand noch keine Änderung, nach wie vor liegt sie im Bett, hat immer noch starke Kopfschmerzen, isst wenig, daher furchtbar abgemagert, die Hauptsache jedoch ist, dass ihr klares Bewusstsein bis jetzt noch nicht wiedergekehrt ist.  Lika pflegt Anna noch immer allein, da Petja mit Familie noch nicht zurückgekehrt ist.  Eine Hilfe hat Lika in Anja Siemens, die bei ihnen einstweilen im Quartier ist.

 

Erhielten heute  einen Brief  von Br. Jasch, in dem er schreibt, das Mariechen meine zweite Karte über Anna’s Zustand erhalten hat.  Die Karte hat nur 6 Tage gegangen, das ist ja fast unglaublich.  Ganz besonders gedrückt und besorgt über Anna’s Zustand ist Schwester Mariechen.“

 

 

„28.10.1958.  Mit Schwester Anna noch immer so weg, kein klares Bewusstsein mehr.  Sie wird immer magerer.  Ihr Zustand ist doch wohl wirklich aussichtslos.“

 

„06.11.1958.  Morgen feiert unser Land sein größtes Fest, das 41. Oktoberfest.

Soeben kam Frieda von Schwester Anna zurück, der sie in ihrem schweren Krankenlager etwas frisches Gebäck und Obstmus brachte. Mit Anna wird es immer schlechter.  Sie hat sich sehr verändert und ist manchmal fast nicht zu erkennen.  Die arme Lika ist schon so übermüdet von der ununterbrochenen Pflege ihrer Mutter.  Petja ist ja mit seiner Familie vor einer Woche nach Hause gekommen, muss jedoch um 2 Tage wieder fahren noch auf einen Monat.  Er leidet auch sehr, einmal weil er wieder fort muss und die kranke Mutter verlassen muss und zweitens macht er sich schwer darüber, dass es so weit mit seiner Mutter gekommen ist dank den Verhältnissen der letzten Jahre in ihrer Familie und besonders in diesem Jahr, wo Anna es bestimmt zu schwer gehabt hatte.  Alle waren am Tage auf Arbeit und sie als 70 jährige kränkliche Frau musste zwei kleine Kinder pflegen und für den Tisch sorgen, Uhr 6 aufstehen und den ganzen Tag ohne Mittagsschlaf ununterbrochen schaffen.  Zudem die unfreundlichen Beziehungen zwischen Anna und der Schwiegertochter Ella. Petja hat ja seine Mutter immer sehr geliebt, wie auch die Mutter fast nicht ohne Petja sein konnte.  Es ist daher auch sehr verständlich, warum diese ganze Situation so schwer auf  Petja’s Gemüt wirkt.“

 

„19.11.1958.  Sonntag den 16 November haben wir unsre liebe Schwester Anna hier in Pawlodar zu Grabe getragen. Drei Monat hat sie sehr schwer krank gelegen, an Sklerose des ganzen Organismus und besonders der Gehirnblutgefäße. Fast die ganze Zeit ist sie bei unklarem Bewusstsein gewesen.  Wir haben daher auch fast nichts mit ihr sprechen können, so dass sie für uns gleichsam schon tot war.

Den 13. November abends waren Frieda und ich noch bei ihr.  Da ihr Zustand so bedenklich war, blieb Frieda bis Uhr 12 bei ihr, um Lika etwas Möglichkeit zu geben auszuruhen.  Uhr 12 ging ich wieder hin, um Frieda abzuholen.  Halb zwei gingen wir schlafen und halb sechs des Morgens klopfte  es bei uns am Fenster.  Wir ahnten sofort, dass man uns die Nachricht von Anna’s Tot bringt.  Und wirklich.  Anja Siemens, die zeitweilig bei Neufelds im Quartier ist, trat ein und meldete, dass Anna halb drei d.i. um 2 ½ Stunden nach unsrem fortgehen sanft entschlafen sei. Lika war allein bei ihr, als sie starb.  Kurz vor dem Tode hörte Lika mit einmal Anna kaum vernehmbar rufen:  Lika, Lika, arme Lika gab ihr noch einen Kuss.  Bald darauf  hörte Anna auf zu atmen.

Und so ist der einzige nahe Verwandte aus unserm Kreise geschieden, den wir sehr schwer werden vermissen können. Ganz besonders schwer ums Herz wurde mir kürzlich, als wir so an Anna’s Bett im Halbdunkel saßen und leise sangen und mir dazu unsre ganze Vergangenheit die Kindheit im Elternhause mit eingeschlossen, und alles, was mich mit unsrer lieben Schwester verbindet in Erinnerungen trat.    In Anbetracht des nahenden Todes unsrer lieben Schwester, mit der wir unsre innigen geschwisterlichen direkten Beziehungen nach so langer Trennung und vielen schweren Erlebnissen im Laufe der letzten zwei Jahre unsres Beisammenseins wieder aufgenommen hatten, und in Anbetracht der drückenden Entfernung, die uns von Euch, lieben Geschwister alle trennt, empfand ich ganz besonders schmerzlich das bevorstehende unvermeidliche schwere Scheiden von unsrer lieben Schwester und darauffolgende  Öde und Einsamkeit.

Auf dem Begräbnis waren etwa 15-20 Mann uns eingeschlossen, worunter nur 2 Verwandte, Lyda und Hans Warkentin, der zufällig in die Stadt gekommen war.  Petja war vorher nicht zu Hause und kam kurz vor dem Begräbnis aus Alma- Ata geflogen. Ein schwach gebildeter Mann lutherischer Konfession aus einem Nachbardorf  hielt eine kurze Leichenrede.   Anna ist auf dem Kirchhof  begraben,  wo auch Lise und Lena Enns begraben sind.

Unser Hans machte einige Aufnahmen am Sarge.  Anna war im Sarge kaum erkennbar, so hatte sie das dreimonatlich schwere Leiden mitgenommen. Drei Tage nach dem Begräbnis fuhr Petja wieder nach Alma- Ata, um seine Kursen bis zum 1. Dezember zu beendigen. Nach dem Begräbnis schickte ich ein Telegramm an unsre Geschwister.  Weil ich jedoch in der Adresse die Benennung der Strasse ausgelassen hatte, wurde ich um 2 Tage von Moskau aus gebeten, die Adresse genauer zu präzisieren.

 

Frieda sagte am Sarge 2 Verse eines Liedes auf.

Du ruh’st so sanft,  ach merkst du nicht,

Wie Trän um Träne fällt von unsrem Angesicht um dich

Wie öd uns ward die Welt,

du weist von keinem Leide mehr, von keinem Gram (grief) + Schmerz,

nur Fried und Wonn ist um dich her,

nur Friede, nur Friede, nur Friede allerwärts.

 

Du ruhst so sanft, wir müh’ n uns noch

hinieden Tag um Tag, und tragen unser Leid und Weh

wie Gott es fügen mag.

Du weist von keinem Leide mehr, von keinem Gram + Schmerz,

nur Fried und Wonn ist um dich her,

Nur Friede, nur Friede, nur Friede allerwärts

 

Ich hatte mir auch vorgenommen ein paar Worte am Sarge zu sagen, der gedrückten Stimmung halber wär ich jedoch kaum fähig gewesen am Sarge zu sprechen.

Und so hat der Alltag wieder begonnen und wir müssen weiter pilgern unsern Lebensweg.“

 

26.12.1958. Zu Anfang gedachten wir derer, die im vorigen Jahr noch mit uns war und jetzt zu unsrem großen Bedauern nicht mehr unter uns ist, und zwar unsrer lieben Schwester Anna. Wir sangen “Stille Nacht”.  Lika weinte, wie auch später mehrere mal und besonders, als wir das Gedicht “Nimmer-immer” uns lasen, welches Marta Janzen für Lika geschickt hat.

 

Ein Gedicht, das Marta Janzen durch uns für Lika geschickt hat.

 

Nimmer  - immer !

 

Ich schloß dir die Augenlieder

 

Und sah’ dich von hinnen geh’n,

 

Ach, niemals, niemals hier wieder

 

Darf ich in’s Auge dir seh’n.

 

Ich darf dir nimmer mehr sagen

 

Wie warm mein Herz für dich schlägt,

 

Und nimmer mehr mit dir tragen

 

Ein Weh, das das Herz bewegt.

 

Nie findet mein Suchen und Sehnen

 

Mehr Rat und Leitung bei dir

 

Du wischst nimmer mehr die Tränen

 

Von Augen und Wangen mir.

 

Nicht tröstet in Sorgen und Schmerzen

 

Mich mehr dein freundliches Wort,

 

Nicht find ich an deinem Herzen

 

Mehr einen Ruheort;

 

Nie wieder, ach niemals wieder!

 

Wie tönt es so hart und kalt,

 

Es ist das trübste der Lieder,

 

das hier auf Erden erschallt.

 

Doch immer und ewig tönt droben

 

In den Reihen der Selgen das Lied,

 

Dort bist du mir aufgehoben

 

Von der ich weinend hier schied.

 

Ob erlosch deiner Augen Schimmer,

 

Ob Tränen vom Auge mir taun,

 

Einst werde ich immer, o immer

 

Ins treue Auge dir schauen.

 

Dort werden die Wanderpfade,

 

Die Gott uns hier führte, enthüllt,

 

Wir werden im Lichte der Gnaden,

 

Verklärt in des Heilandes Bild.

 

Gestillt ist der Sehnsucht Flehen

 

Und nicht mehr, von Sünde getrübt,

 

Darf  immer ins Auge dir sehen,

 

Die ich so innig geliebt.

 

Wie trüb hier auch klingt - das “Nimmer”

 

Am dunkeln Grabesrand,

 

Ich tröste mich mit dem “Immer”

 

Im süßen Heimatland !“

 

 

„24.04.1960.  Sonntag.  Ich machte ein kleines blechnes Täfelchen  zu  Schwester Anna’s Grabstein mit der Inschrift: "Anna Neufeld, geborene Dück, 1888-1958 - Ruhe sanft."   Es ist dies wohl  mein letzter Liebesdienst für meine liebe verstorbene Schwester Anna.

Während ich dieses Täfelchen färbte und schrieb überschlichen mir schwere Gedanken, die mit Anna als meiner ältesten Schwester und unsrem Leben im Elternhause und später verbunden waren.  In Anbetracht meines Alters und Gesundheitszustandes fragte ich mich unwillkürlich, wann und wo wohl meine letzte Stunde schlagen wird und wer für mich so ein Täfelchen anfertigen wird.  Man will solche trübe Gedanken immer wieder von sich scheuchen, und doch muss man Stellung dazu nehmen.  Könnten wir doch dann im Kreise unsre Lieben Geschwister alle sein.“

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"Mennonitische Rundschau", 14.01.1959, Seite 6

 

 

 Witwe Anna Neufeld,

in Rußland.

 Den vielen Verwandten und 

Freunden bringe ich eine Trauer-

botschaft, daß unsere liebe Schwe-

ster Anna, Frau Peter Jac. Neu-

feld, früher Ebenfeld, im Alter

von fast 71 Jahren am 14. No-

vember 1958 nach sehr schwerem

Leiden – Adernverkalkung – hat

heimgehen dürfen. Vor etwa 20

Jahren starb ihr Ehegatte Peter,

nachdem er schwer gearbeitet, im

Gefängnis geschmachtet, und als

kranker Mann ins Hospital ge-

bracht wurde, wo er schließlich sei-

nem Leiden erlag und in der 

Steppe Sibiriens sein Grab fand.

Der Ort ist der Familie bis heute

unbekannt.

 Besonders schwer wurde es nun

für die Witwe mit ihren zwei jun-

gen Kindern. Sie wurde unter sehr

schweren Verhältnissen hin und her

geworfen. Ihre letzte Station war

Pawlodar, wo sie auf einem

Friedhof begraben wurde. Der

Sarg wurde von etlichen Perso-

nen begleitet und, wie Br. Hein-

rich schreibt, von einem schlichten

lutherischen Mann wurde eine kur-

ze Leichenrede gehalten. Der Text

ist leider nicht erwähnt, wahr-

scheinlich aus Furcht.

 Was unsre Herzen nach so einer

traurigen Nachricht bewegt, ist 

leicht zu erraten. Wer mehr von

dem schweren Los unserer lieben

Geschwister wissen möchte, der lese

bitte den Bericht von Br. Heinrich 

Görz, Vancouver, B. C., in dem

2. Band „Mennonitische Märth-

rer“ auf Seite 139. Nach so einer

schweren Reise durch dieses Trä-

nental gönnen wir unsern lieben

Geschwistern die Ruhe beim Herrn,

sind aber besorgt um ihre zwei

Weisenkinder. Möchten sie den 

wahren Trost beim Lebensfürsten

suchen und finden, ist unser Gebet.

Gerhard Dick

48 Betzner Avenue

Kitchener, Ontario.

(„Bote“ bitte abdrucken.)   

Das Grab von Anna Neufeld, geb. Dück
2015

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Peter und Lika Neufeld, Pawlodar
Tante Njusja mit ihrem Mann H. Goerz
Das Grab von Heinrich Kathler, Ebenfeld, 1899
Jacob und Maria Neufeld
Familie Jacob und Maria Neufeld
(Peter unten in der Mitte)
Familie Jacob und Maria Neufeld,
(Peter rechts)
Peter Jacob Neufeld, Berdjansk
Familie Neufeld, 1928, Blumenort
Peter und Anna mit ihren Kindern ganz rechts
Lika Neufeld in der Mitte
Peter und Lika Neufeld
Hochzeit von Peter Neufeld,
rechts Anja Siemens
Familie Peter Peter Neufeld,
im Stehen Angelika Peter Neufeld

Die Erinnerungen von Lika (Angelika) Neufeld

 

О предках семьи Нейфельд со стороны нашего отца Нейфельд Петра Яковлевича (VI.1892 - I.1939).

Записала его дочь Анжелика. Согласно воспоминаний тети Нюси. - папиной сестры.

 

   В 1872 г. Вышел 1 Манифест царицы Екатерины II (немецкого происхождения) о приглашении иностранцев в Россию, с целью заселения необжитых земель России. Итак в 1828 году из Германии - Восточной Пруссии "Elbnig-E  erwald" приехала молодая семья Нейфельд, очень бедные, и заселилась на Украине. Запорожье, Молочансаий район село Ладеком (это был наш Пра-прадед). В последствии наш дед Генрих Кäтлер из села Гросвайде купил землю у русского дворянина, жившего в Москве, земля эта находилась недалеко от г.Молочанска и рядом с украинским селом Гуляй-Поле (Родина Нестора Махно - предводителя банды Анархистов). Построив имение "Ebenfeld", он женился на вдове - Марии Янцен, дети которой от первого мужа были уже взрослыми. В новой семье у них родились 3 дочери: Катерина (по мужу Шредер) и Мария (по мужу Нейфельд - это была наша бабушка) - они были двойняшками. И третья дочь Елена ( по мужу Классен).

В 1895 году прадед умер - дочери в это время уже были замужем. Было построено еще два хутора для Шрейдеров - "Bergfeld" для Классеных "Silberfeld", а родовое имение "Ebenfeld" досталось нашей бабушке, т.е. Семье Нейфельд. Все три хутора были расположены рядом, каждый имел небольшой лес и земли для посева; вокруг были украинские  села. Наш дед Яков Нейфельд был родом из села Либерау, очень любил сельское хозяйство, но по профессии был педагог. После женитьбы на нашей бабушке, он занялся реставрацией дома: достроил 2 этаж, провел водяное отопление. Во дворе была построена школа для своих детей, а также и детей соседних сел. Преподавал сам дедушка. Также построили дом для воскресных служб, похорон, свадеб. Заложили большой сад, с фруктовыми и декоративными деревьями, беседками, дорожками все по английскому стилю. На огороде, кроме овощей росло много цветов. На выезде из усадьбы было несколько домиков, где жили дальние родственники, которые арендовали земли у дедушки, а также выполняли всякие работы по усадьбе. Во время посевной и уборки урожая нанимались рабочий из ближних сел, но сам дедушка и его сыновья тоже всегда работали в поле, дочери помогали по дому, в кухне, саду и огороде. Дедушка был строгим, но справедливым как с детьми, так и с рабочими. Бабушка была очень доброй, воспитывала детей работящими, добрыми, прививала им христианскую веру.  Детей было 7: наш папа старший Петр, тетя Катя, тетя Наташа, дядя Heinz,тетя Нюся, дядя Ваня и тетя Мими - её бабушка адаптировала. В 1918 году, после революции, их детство кончилось. В феврале м-це в их доме появился Н.Махно со своей бандой. Он был хорошо знаком со всей семьей дедушки, вел себя как друг, но ... отобрал все - землю, скот, машины для обработки земли - все было роздано сельчанам близлежащих деревень. Некоторые семьи из сел переехали в дом к дедушке. Семьи Шрейдеров  Классеных выехали из своих домов. Начались вооруженные нападения, убийства. Был убит выстрелом через окно 22-летний сынШрейдеров. Дедушке дали охрану из австрийских солдат и тогда в его дом приехали семьи Шрейдеров  и Классеных. Жили все вместе. Лето 1918 г. Прошло спокойно. Осенью состоялась свадьба единственной дочери Классеных Маргариты. Она вышла замуж за гражданина Германии Георга Епп, который торговал в России автомашинами для одной германской фирмы. Он забрал жену и её родителей и уехал в Германию. В это время дядя Шрейдер решил поехать в свой дом и посмотреть, что там делается и хотел еще кое-чего привезти из своих вещей, но был там на месте зверски убит махновцами. Вскоре махновцы добрались и до дома дедушки. Началась стрельба, все три семьи наскоро собрали несколько чемоданов и под защитой солдат австрийцев уехали из своего имения Ebenfeld навсегда. Много наших родственников и знакомых были убиты бандитами, которые воевали  то на стороне красный, то на стороне белых. Наши семьи обосновались в деревне Блюменорт. Тетя Катя Шнейдер, вдова купила себе дом. У нее теперь осталось 6 дочерей и 5 сыновей. Наш дедушка купил очень маленький домик, крытый соломой (этот домик я еще помню. Но бандиты махновцы продолжали зверствовать, особенно в немецкий селах. Однажды один из их главарей приехал в деревню мобилизовать лошадей. Он узнал моего папу и деда и увез их и еще несколько человек из деревни в Гкляй-Поле. Дорогой несколько  человек расстреляли. В банде были и некоторые жители украинских сел, которые когда-то работали у дедушки в имении. Помня добрые отношения к ним, они старались освободить деда и папу. Сам Махно дал им бумагу об освобождении из тюрьмы, где заключенные были уже в нижнем белье, готовые к расстрелу. Знакомые украинцы из деревни одели и накормили наши и на другой день они вернулись домой. В октябре 1919 г. В деревне Блюменорт произошла большая трагедия. Ночью столкнулись отряд белогвардейцев и махновцев. Были убитые. Утром началась расправа. Махновцы забрали старосту деревни с двумя сыновьями 16 и 14 лет, пастора, учителя и еще нескольких сельчан - бросили их всех в подвал и утром облили все бензином и забросали гранатами. Все погибли, на этим не закончилась расправа - в деревне расстреляли еще несколько человек, в том числе и Якова Шмидт - мужа Кати Шрейдер. Через два дня собралось много народу так же из других деревень на похороны убитых. Но махновцы снова нагрянули, опять были расстрелы, и в деревне подожгли много домов, также сгорел и дом Шрейдеров дотла (эти руины, где оставались только колодцы да фундаменты я хорошо помню, никто их больше не отстраивал). В 1920 году Красная Армия окончательно победила. По Черному Морю бежали на крейсерах белогвардейцы и махновцы. В стране был страшный голод, разруха. Помогли от голода нашим опять бывшие рабочие-украинцы нашего деда из Гуляй-Поля. Дедушка сам поехал туда и привез продукты, дорогой он заехал в свое имение Ебенфельд. Но там уже было все разрушено и сожжено. 1 марта 1923 года от всего перенесенного дед умер. В 1922 году было несколько свадеб. Мой папа женился на Анне Дик - девушке из этой же деревни Блюменорт. Стали они жить в доме маминых родителей, которые к этому встречи уже умерли. Мамин брат Андрей с семьей тоже жил в этом доме. В это же врем мамина двоюродная сестра Леля Шрейдер вышла замуж за офицера красной армии, который в последствии служил в отряде охраны Кремля в Москве. Агнесса Шрейдер вышла замуж за Леткеман, у них была одна дочь. Впоследствии она осталась совсем одна и жила в Г.Черкесске. Тетя Агнесса пережила и дочь и зятя и умерла в большой бедности также в городе Черкесске. (Там я её дважды навещала, когда  была на курорте в Пятигорске). Мария Шрейдер вышла замуж за Нейфельд (нашего однофамильца). Его отец или брат отца, имел какой-то завод на станции Софиевка, зде был управляющим, Катя, твой дедушка Шмидт. Про остальных детей Шрёдеров я ничего не знаю. Семья нашей бабушки продолжала жить в деревне Блюменорт. Я хорошо помню как мы в гости ходили к бабушке. Мои тетя Катя и Наташа тоже вышла замуж. Тетя Нюся осталась с бабушкой, на её иждивении была и Мими, дядя Хайнц уехал в1928 г. Канаду и дядя Ваня был призван в армию, служил на берегу Черного Моря, там он впоследствии женился на болгарке Даре, имел 2 дочерей Тамара и Анжелика. В 1926 г. 3 брата и сестра нашей мамы уехали в Канаду. Письма от них мы стали получать только в 1956 году уже в Павлодаре. Жизнь в Канаде в начале тоже была нелегкой, но потом все построили дома, все работали, некоторые из их детей получили высшее образование. Один был летчиком, но погиб при катастрофе, когда самолет Урал на аэропорт города Монтреаль приблизительно в 70 годы, тогда погибло около 120 человек. От всей родни с маминой стороны осталось три кузины, с одной из них мы по телефону иногда разговариваем, на сами они не звонят.

   Ну а наша жизнь в деревне Блюменорт тоже быстро закончилась. Папа работал в колхозе писарем, учил безграмотных. В 1923 году родилась я, а потом в 1925 г. Родился мой брат Петя. Коллективизация шла полным ходом. Разруха и голод все увеличивалась. В августе 1931 года папу оркестровали и через два дня нас с мамой вывезли на станцию Стульнево, вместе с папой погрузили в телячьи вагоны и в числе тысячи семей украинцев, немцев, татар, повезли на Север - это называлось раскулачивание зажиточных хлеборобов. Несмотря на то, что у людей ужу давно все было отобрано, скот передан в колхозы; хутора сожгли банды махновцев. Привезли нас в Челябинск - Злоказное. Родители должны были работать в шахте. Жили в бараке без перегородок. У каждой семьи были по 2-3 топчана. Вещи под топчаном спали по очереди. Дети умирали от голода, дизентерии. Вышел Указ "Дети за отцов не отвечают" и стали отпускать детей к родственникам домой. Так и нас с Петей отправили домой к бабушке, где единственным трудоспособным человеком было тетя Нюся; наши родители не знали, что и там было очень голодно. Родителей отправили из Челябинска в Пермскую область, сначала поездом. От Соликамска по реке Вишере большими лодками - шитиками до деревни Усть-говоруха, был сентябрь, но уже шел снег. На волокушах повезли людей в лес, кто был в силе строили себе землянки. Кругом лес и болото. К весне все это поселение вымерло. Наши родители пережили зиму и весной пару направили работать бухгалтером в деревню на берег реки Вишеры. Там вязали плоты из стволов деревьев и отправили вниз по реке, там ниже был Бумажный комбинат (стволы деревьев перерабатывались в бумагу). В деревне жизнь была уже легче, мама стала зарабатывать продукты шитьем; и в 1935 году ей разрешили поехать и забрать нас. После этого папу перевели работать в г.Красновышерск. Мы теперь опять были все вместе. Мы получили маленькую комнатку, папа построил нары, где мы все спали, и стоял маленький столик. Через два месяца мы уже получили комнатку и кухню. Пошли в школу, хотя русский язык знали очень плохо. Но не долго мы радовались и в 1938 году папу и еще много мужчин увезли в Соликамск в тюрьму. Через две недели и маму забрали туда же. Пете было 12 лет, мне 14 и в течении года жили одни. Добрые русские соседки с нами иногда делились своим маленьким пайком - они тоже все были переселенцами под комендатурой. Я ходила к одной еврейской семье "пуцать". Зиму пережили, осенью приехал за нами тети Наташин муж и увез в Карсакпай - это военный городок между Джезказганом и Байконуром. Там мы тоже год прожили, продолжали учиться. В 1940 году маму освободили и нас дядя повез обратно в Красновышерск. Все наше богатство - это была швейная машинка и кое-что из постели. Одежда обносилась. Купить было не на что. После тюрьмы мама не могла работать, иногда она шитьем немного зарабатывала на питание. Мы с Петей ходили разгружать баржи с цементом или с зерном; пилили дрова. Но в 1941 году началась война - из школы нас исключили и послали работать - это была уже так называемая труд армия для немецкого населения. Я сначала была послана в лес на лесозаготовку. Стояли ужасные холода, одевать было нечего. Потом мы оба работали на Опытном Поле. Директор опытного поля знал нашего папу и к нам относился хорошо. Петя был у него конюхом, а я в овощнике перебирала картошку, турнепс, репу, а потом меня взяли в контору переписывать отчеты  (тогда там печатных машинок не было). А осенью, в сентябре месяце Петю взяли в настоящую трудармию в г. Карпинск. А меня в ноябре в г.Краснокамск. 28 ноября, в день моего рождения, мы вышли пешком 100!км. До Соликамска. Посреди ехали сени с нашими котомками и комендант с оружием, а мы 13 женщин шли за жим пешком. Мы ночевали в деревнях. В Соликамске нас посадили в поезд и с пересадками на третий день приехали на место. Сначала я работала на разных работах, больше всего грузчиком. Потом перевели в базу Техснаба и условия были там лучше, но работали тяжело. Перед концом войны меня взяли работать в контору, благодаря знания русского языка. В этой конторе я проработала до 1949 года. Ночами, когда нужно было срочно разгружать баржу с цементом или кислотой , я тоже выходила на разгрузку, так как я числилась в бригаде грузчиков и получала рабочую карточку на хлеб. Тут и прошла моя молодость. Я участвовала в хоркружке, мы ужу стали одеваться получше, иногда ездили по работе в Пермь на электричке. Привезли в город на спецпоселение репатриированных "Власовцев", которые были в плену в Германии. Это все были молодые ребята, нашего возраста, взятые на фронт в последние месяцы войны, не успев повоевать, они попали в плен. В 1949 году, я по вызову мамы, согласно закона "О соединении семей" поехала в город Карпинск, тоже в сопровождении коменданта с оружием. Там я прожила семь лет, они промчались очень быстро. Работала бухгалтером в О.Р.С.е "Вахрушевуголь". Сначала жили в бараке, потом построили дом. В 1953 году Петя женился на Эле, через год Наташа родилась. В 1956 году все немцы освободились из под комендатуры, и наконец-то смогли ехать, но не на прежнее место жительства. Мы решили поехать в Казахстан, в г.Павлодар, где жил мамин брат Андрей Дик.

   Теперь о наших родственниках на Украине. Бабушка умерла в 1935 году. Тётя Катя с детьми и т.Нюся с тётей Мими жили все вместе в деревне Фриденсдорф. Тёти Кати муж был расстрелян в начале войны. Тётя Наташа была уже выслана в Казахстан с 2 детьми, дядя толе был расстрелян. Но жителей деревни Фриденсдорф не успели вывезти в Казасхстан. Советские войска ушли на Восток, а немцы заняли Украину. До сентября 1943 года жизнь под оккупацией прошла более спокойно. Но советские войска стали гнать немцев. Вместе с ними уходили и жители немецких сёл с Украины. Никто не знал, что их ждёт впереди. Стариков и детей повезли на телегах, женщины шли пешком. Шли на запад через  Днепр, Карпаты и Польшу. Шёл дождь со снегом. Эта дорога длилась четыре месяца. Многие умерли в дороге. К новому году дошли до Германии в Mecklenburg-Pommern, жила бабушкина сестра - тётя Лена Классен. Её зат Георг Енн и его семья приняли их и помогли с оформлением документов. В январе 1945 фронт подошёл к Köningsberg. Собрались ехать дальше на запад. Пароход "W.Gustlow" был готов к отплытию, но наши не решились на нём плыть. Через час после отплытия он был потоплен советской подводной лодкой. Решились поплыть на маленьком пароходе до острова "Rügen", потом поездом до земли Schleswig Holstein. Началась отправка русских немцев домой в Россию. Мои тёти связались с братом, который уехал в Канаду в 1927 году а также тёти Кати Schwiegertöchtern были в Канаде - все они хлопотали там, чтобы их родственники смогли приехать к ним, и в 1948 году все встретились в Vancuver Britisch-Kolumbien. Тётя Нюся встретила своего ещё помолвленного жениха, и они поженились, и прожили 20 лет, пока дядя не умер. После этого тётя Нюся с тётей Мими пошли жить в дом для престарелых  - у каждой там была своя квартира: 2 комнаты и кухня, сами себе готовили. Дом этот принадлежал менонитской христианской общине. Только Леля Шрейдер не поехала в Канаду, а вернулась в Москву, где жила её дочь с мачехой (Леля была с мужем в разводе, он дослужился до генерала, умер и был похоронен в Москве). Дочь родную Мать не приняла. Леле пришлось уехать. Она прожила в чужой семье нянькой до смерти. В 1989 году я с племянником летала в Канаду по гостевому вызову от тёти Нюси. Два месяца мы прожили у своей тёти, иногда нас забирала к себе Рита с мужем (Рита моя двоюродная сестра) они нас возили на машине и показывали достопримечательности ихнего края. Через несколько лет мои тёти одна за другой умерли.

Ну а теперь ещё о нашей жизни в Карпинске и в Павлодаре. Когда слой угля подошёл к городу, стали закрывать разрезы. В 1956 году все немцы освободились из под комендатуры. Все стали постоянно уезжать в тёплые края Киргизию, Казахстан. Некоторым удавалось устроиться в Крыму, на Кавказе. В Павлодаре жил мамин брат А.Дик. В августе 1956 года мы приехали в город на Иртыше. в это время началось освоение целинных земель. Работы было полно, но квартир небыло. На деньги проданного нового рубленного дома, мы с мамой смогли купить маленький домик с плоской крышей и корову. Крыша протекала, не было ни колодца, ни водопровода. За водой ходили на Иртыш. Начали пристраивать, поставили на дом крышу. Мы все трое ходили ра работу, а мама была с детьми: Наташей и Петей. В это время приехала и Элина мама из Карпинска. Купила она маленький домик по соседству. У неё ещё было 5 детей, а отец Эли умер ещё в Карпинске. Наша мама очень скучала по Карпинску и в ноябре 1958 года она умерла. Для старого купеческого города Павлодара наступила новая жизнь. Старые глиняные и деревянные домики сносились. Строились пятиэтажные дома, одновременно развивалась промышленность, сначала алюминиевый завод потом уже и тракторный, химкомбинат, нефтеперегонный завод и много других маленьких предприятий. Вслед за бабушкой Женей и мы продали свой домик в центре города и собрав все свои сбережения, купили дом на 2 Павлодар. Требовался большой ремонт. Петя и я обдирали неровную штукатурку, а Эля заново штукатурила, на это она была большой мастер. Через 15 лет у Пети и Эли появилось на свет ещё 4 доченьки: Лена, Ина, Оля и Лиля. Все дети получили образование. Наташа окончила институт, остальные техникум. Петя стал хорошим водителем. Все выросли работящими, добрыми. Родители обращались с ними с любовью и дети любили своих родителей. В 1977 году я получила благоустроенную квартиру по ул. Чкалова в 5-этажном доме на 4 этаже, а через год я вышла на заслуженный отдых. Пенсия была не большая, но на скромную жизнь хватало. Зато я была свободной от работы - а стаж у меня был 38 лет по трудовой книжке и ещё два года не вошли . Соседи по дому были хорошие, и жила я недалёко от брата и его семьи. Через 25 лет, 15 марта 2002 года мы покинули Казахстан навсегда и уехали в Германию. Мы, старшее поколение, гонимые и преследуемые с детства, так и не узнали, где наша настоящая Родина была, а теперь постепенно уходим в небесный край. В вечность.

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