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Das Cornies´sche Wohnhaus in Ohrloff

Die Wirtschaft von Johann Cornies in Ohrloff, G. Lohrenz, "Damit es nicht vergessen werde", Seite 55

"Das Cornies´sche Wohnhaus in Ohrloff, welches durch sein geschmackvolles Äußere sehr vorteilhaft aus der Zahl der übrigen Dorfsbauten hervortrat und seinerzeit die Aufmerksamkeit des durchreisenden Monarchen Alexander I. auf sich gezogen hatte, war in seinem Innern genau so eingerichtet, wie die bessern Bauernhäuser alle. In der großen Stube die große Kiste mit der Wäsche, ein altmodischer Spiegel, ein Himmelbett, beim Offen in der Wand ein Glasschrank mit Geschirr usw. Die Dielen waren nach holländischer Weise nicht gestrichen und auch nicht mit Sand bestreut, wie es sonst die Sitte in den Bauernhäusern verlangte. Die "große Stube" diente bei ihm zugleich als Esszimmer. 

Cornies selbst wohnte in der "Sommerstube". Dort stand sein Arbeitstisch dem Fenster gegenüber. Auf demselben lagen immer, außer verschiedenen Papieren, einige Bücher, darunter eine Bibel. An der einen Wand stand sein spezieller Kleiderschrank. Die Kleider mußte der Kutscher reinigen und bürsten, solches gehörte zu dessen eigensten Obliegenheiten. Ein Sessel mit einem gepolsterten Ledersitz, einige Stühle und ein Bücherschrank vervollständigten die innere Einrichtung. Der Schrank enthielt einen kleinen Teil seiner Bibliothek. Alles war so einfach, wie er selbst, und solches wiederum nicht aus Sparsamkeit oder Geiz, sondern aus Prinzip."1

"Die Corniessche Wirtschaft in Ohrloff war für jeden, der unsere Geschichte kannte, von großem historischen Interesse. Die Nachkommen von Cornies, Philipp und Johannes Wiebe, hatten sich bemüht, möglichst alles so zu erhalten, wie Cornies es verlassen hatte. Auf dem Hof stand ein stattlicher zweistöckiger Bau, die offizielle Kanzlei des Vorsitzers. Seine Privatkanzlei befand sich in der "Sommerstube" des Wohnhauses. Ich bin während der Auswanderungszeit mehrfach auf den Corniesschen Hof gekommen, wo sich in dem erwähnten Nebengebäude eine Zeitlang die Kanzlei des "Verbandes" befand. Wenn ich dann meiner Phantasie freien Lauf ließ, dann wollte es mir zuweilen scheinen, als ob der Geist des großen Cornies noch unsichtbar in diesen Räumen weile, voll Trauer, dass Glieder seines Volkes sich durch unerträgliche Verhältnisse genötigt sahen, die Heimat zu verlassen, die Heimat, der er seine Kraft und sein Leben geopfert hatte."2

Links die ehemalige Kanzlei von Johann Cornies, Foto aus Walter Quiring und Helen Bartel " Als ihre Zeit erfühlt war", Seite 84
Kanzlei von Johann Cornies, Foto aus Privatarchiv von Katharina Petker (katpeet53@googlemail.com)

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"Auch Cornies hat es nicht geträumt, daß auf seinem Grundstück Nr.4 in Ohrloff einmal so ein herrlicher Brunnen sein werde."1

Quelle:

 

1   D. H. Epp, Johann Cornies, (Steinbach 1946), Seite 131, 49

2  H.Goerz, "Die Molotschnaer Ansiedlung", Lichtzeichen Verlag GmbH, Lage, Seite 69