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"Mein Bestreben ist nicht so viel darauf gerichtet, meinem Erwerbe nachzugehen, als ich mich vielmehr dazu berufen fühle, meinen Mitmenschen nützlich zu werden."

                                                                                                                         Johann Cornies

 

Das einzige Porträt des Johann Cornies stammt von Tobias Voth, 1827

Nachruf auf Johann Cornies.

 

Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Russland. Beilage. Okt. 1848.

(die Übertragung des Nachrufs von Frau  Heiderun v.Issendorff)

 

 

Johann Cornies, geboren den 29. Juni 1789, gestorben den 13. März 1848.

 

Johann Cornies war geboren in Westpreußen ohnweit Danzig, den 20. Juni 1789. Sein Vater war ein thatkräftiger erfahrener Mann, der in seiner Jugend geraume Zeit als Matrose gedient und viele Länder bereist hatte, und sich später mehr der Gastwirtschaft als Land-wirtschaft widmete. Seinen Kindern ließ er eine, ihrem Stande gemäße, gute Erziehung geben, wozu sich in dem Städtchen Mühlhausen, seinem lezten Wohnort in Preußen, die beste Gelegenheit darbot.

Johann Cornies war der älteste Sohn. Talentvoll und dabei lernbegierig, sammelte sich Cornies auf der Schule zu Mühlhausen manche nützliche Kenntnisse, die ihm in seinem spätern Wirkungskreis gute Früchte trugen. – 16 Jahre alt wanderte Johann Cornies im Jahre 1804 mit seinen Ältern nach Südrussland aus. – In dem chortizzer Ansiedlungsbezirke angelangt, übernahm Cornies unter Aufsicht seines greisen Vaters die Leitung einer Brandweinbrennerei. – Schon während dieser Zeit benuzte Cornies jede Gelegenheit, sich mit dem Zustande der hiesigen Mennoniten Kolonieen bekannt zu machen.

Mit dem Beginne der Ansiedlung der Familie Cornies an der Molotschna im Jahre 1806, fängt die eigentliche Lebensgeschichte des Verewigten an, in fortgehender Entwiklung seines thätigen Wirkens.

Um ein richtiges Urtheil über das segensreiche Wirken des Verewigten zu fällen, wollen wir zuvörderst auf sein inneres und häusliches Leben einen Blik werfen, und dann uns hinwenden zu seiner Wirksamkeit für die Außenwelt.

Wir wollen den Dahingeschiedenen aus einem seiner Briefe selbst zu uns sprechen lassen. In der Zeit seines kräftigsten Wirkens, während welcher er als Bevollmächtigter der Molotschner Mennoniten-Gemeinde dastand, finden wir im Jahre 1823 an einen seiner Freunde folgende Zeilen gerichtet: „Ich fühle mich gedrungen, so viel in meinen Kräften steht, zu wirken, weil es noch Tag ist, es kommt gewiß die Nacht, da Niemand wirken kann; ich verlasse mich auf keinen Menschen, und ich kehre mich auch nicht an die Schmähungen Andersdenkender, sondern auf Gott meinen Heiland sezze ich mein Vertrauen; jetzt kann jeder unter uns viel thun, die Zeit ist da, nur nicht kalt, nur nicht lau, sondern in Gottes Namen frisch ans Werk!“

Wir sehen den Verewigten in dem verschiedenen Lebensverhältniß immer ruhig, sicher, klar und gefasst dastehen.

Sowohl in Zeiten des Kummers, als auch in Zeiten der Freude sahen wir Cornies immer seine Ruhe und Selbstständigkeit behaupten. Wir wollen das oben Gesagte durch die eigenen Worte des Verewigten bekräftigen. Im fürchterlichen Schneegestöber des Winters von 1824 auf 1825 erlitt auch Cornies, so wie auch viele andere Landwirte hiesiger Gegend, bedeutende Verluste, - der verewigte büßte damals etwa 800 Schaafe und 200 Pferde ein. In einem Briefe aus derselben Zeit spricht der Selige sich folgendermaßen darüber aus: „Unter vielen hat der Herr auch mich seine Rute fühlen lasse, zwar ist mein Vieh nicht aus Hunger gefallen, weßhalb ich auch innerlich keine Unruhe fühle, sondern bloß ernstlich nachsinne, ob ich zur Erhaltung des mir anvertrauten Gutes überall meine Schuldigkeit gethan habe, wofür ich seiner Zeit Rechenschaft ablegen muß. Gott giebt nicht immer, was mein Wille, aber gewiß, was mein Heil ist,

 

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deßwegen bin ich von Herzen froh und zufrieden, und arbeite aufs Neue um so vorsichtiger zum Lobe Gottes. Mein Bestreben ist nicht so viel darauf gerichtet, meinem Erwerbe nachzu-gehen, als ich mich vielmehr dazu berufen fühle, meinen Mitmenschen nützlich zu werden.“

In der Heimat unseres Cornies, in Preußen, giebt es nirgends Gemeinden, welche allein aus Mennoniten bestehen, sondern sie wohnen dort einzeln, zerstreut unter andern Gemeinden. –

Eine solche mit Vorrechten ausgestattete, abgeschlossene selbstständig dastehende Mennonitengemeinde, wie Cornies sie hier im südlichen Russland antraf, überflügelte seine kühnsten Hoffnungen und Erwartungen. Einer solchen Mennonitengemeinde anzugehören, und zu ihrem Wohl und Aufschwung beitragen zu können, beseelte schon von frühester Jugend an diesen feurigen Jüngling.

Außer dem hier über seinen Geist Gesagten, müssen wir noch andere liebenswürdige Eigenschaften desselben näher beleuchten, denn nur dadurch kann es uns klar werden, woher er so viel wirken konnte.

Auf welcher hohen Stufe geistiger Ausbildung und Glaubens er stand, dafür giebt uns seine Duldung in Glaubensangelegenheiten den besten Beweis. Herzensgüte, inniges Wohlwollen gegen alle Menschen, die ihm entgegentraten, baldiges Vergessen der ihm angethanen Kränkungen, die pünktliche Erfüllung jedes Auftrages, so wie des einmal gegebenen Versprechens, Ordnungsliebe, Ausdauer und Beharrlichkeit in dem einmal für gut und nützlich Anerkannten, waren ihm vorherrschend eigen geworden. Zu diesen gesellten sich im freundlichsten Bunde nachfolgende schöne Eigenschaften: ein schneller Überblik, richtige Auffassung der jedes Mal vorliegenden Verhältnisse, ein vorzüglich gutes Gedächtniß, treffliche Einsichten, eine Wiß- und Lernbegierde, der selten etwas entging, was einer Ausbeute würdig war. Der Verewigte fühlt in sich eine wahre Begierde, das zu erforschen, was überall und in allen Lebensverhältnissen ihm selbst und seinen Mitmenschen Freudigkeit und Selbstständigkeit verleihen konnte.

Von früh bis spät war er ununterbrochen beschäftigt und nur dann war ihm so recht innerlich wohl, wenn er fortwährend belehrend unter seinen Brüdern und Mitmenschen wirken konnte. Dem Müßiggang hatte er vollkommene Feindschaft geschworen, daher konnte ihm auch nichts mehr verdrießen, als Gleichgiltigkeit gegen Pflichten oder Berufsgeschäfte.

Wenn er schon Vernachlässigkeit der Art bei seinen Untergebenen oder Gleichgestellten mit Unwillen rügte; um so weniger konnte er Gleichgiltigkeit gegen Berufspflichten bei Beamten ohne Entrüstung wahrnehmen.

In seinem Lobe war er stets vorsichtig, ungleich mehr geneigt zum Tadel, aber bei allem fanden wir bei dem Seligen eine aufrichtige Hochachtung der Verdienste Anderer; wo er bei seinen Untergebenen guten Willen, Fleiß und Ordnungsliebe wahrnahm, da schenkte er ihnen auch sein unbedingtes Vertrauen.

Der Dahingeschiedene hatte eine seltene Gabe des Wortes und der überzeugenden Rede, durch welche er auf alle, die mit ihm in nähere Berührung kamen, einen bleibenden Eindruk machte. Durch seinen Feuereifer für alles Gute und Nützliche, durch seinen klaren lebendigen Geist, so wie durch seine treffenden Worte, passende Vergleiche, und eigenthümliche Art der Beweisführung wusste er sich überall Macht und Einfluß zu verschaffen.

Der Selige trat Jedem, vornehm oder gering, der seine Bekanntschaft, Hilfe oder guten Rath suchte, herzlich, offen und liebevoll entgegen; Jeder fühlt sich zu ihm hingezogen, und dennoch wusste er auf eine merkwürdige Art sein geistiges Übergewicht geltend zu machen. – So manchen seiner Nebenmenschen, den er auf Abwegen sah, hat er durch keine andere Gewalt, als durch die seiner überzeugenden Redekraft auf einen bessern Lebensweg gebracht.

Mit dieser Gewalt, welche in der überzeugenden Gabe seiner Rede lag, übte er nicht blos auf seine Brüder und deutschen Landsleute seinen segensreichen Einfluß aus, sondern auch auf alle Völker und Glaubensparteien seiner Nachbarschaft, sowohl auf Nogaier und Russen, als auch

 

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auf Hebräer, Duchoborzen und Molekaner. – Alle diese Leute allmählig einer höhern Gesinnung entgegn zu führen, war seine innige Freude und Lust. Er hatte es sich als die Aufgabe seines Lebens gestellt, überall, so viel er vermochte, durch Rat und That zu helfen und zu belehren.

Noch muß einer Eigenthümlichkeit erwähnt werden, welche nicht wenig dazu beitrug, dass fast alle seine Unternehmungen mit den schönsten Ergebnissen gekrönt wurden. Bevor Cornies zur Ausführung eines größeren Unternehmens schritt, trug er den Entwurf desselben oft schon Jahrlang mit sich umher, und traf die nöthigen Vorbereitungen. Die eintretenden Schwierigkeiten voraussehend, beseitigte er erst dieselben, und dann erst, nachdem alles für sein Unternehmen reif war, trat er plötzlich mit demselben hervor, und so schien es dann, als ob alle Unternehmungen des Verewigten von einem besondern Glücksstern oder günstigen Geschik begleitet worden wären. Der Bruder des Verewigten erzählte, dass er jedes Mal wusste, wenn in des Bruders Seele wieder ein größeres Unternehmen sich vorbereitete, weil man dann verschiedene Anordnungen und Einrichtungen treffen sahe, von denen Niemand wusste, wohin sie führen sollten.

In Folge dieser Eigenthümlichkeit können wir dem Seligen, troz seines raschen Ent-schlusses bei größern Unternehmungen, fast nie Übereilungen nachweisen. Hatte der Selige einmal etwas übernommen, so führte er das Begonnene auch mit einer seltenen Beharrlichkeit und Geistesstärke durch. Bei allen seinen Unternehmungen sahen wir ihn bis in das Einzelne eindringen, ohne deßhalb den Überblik über das Ganze aus dem Auge zu verlieren.

Eine Eigenheit, man könnte sie bei Cornies liebenswürdig nennen, zeigte er darin, dass er zu Hause nur eigene Erzeugnisse genießen mochte.

Unschuldigen Vergnügungen konnte er sich unbefangen und mit wahrer Freude hingeben. Er wusste die stillen, alltäglichen kleinen Freuden, welche uns das Leben immer darbietet, zu beachten und wert zu halten, und daher sehen wir ihn fast immer froh und heiter in das Leben blikken. – Die Landwirtschaft war ihm nicht blos das Mittel, wodurch er zum Wohlstande gelangt war, sondern sie war ihm auch die Quelle seines reinster und höchsten Freuden. Ein Freund der Natur, hat er ihr so manches Geheimnis abgelauscht. Gleichwie er seinen Einfluß über Menschen, mit denen er in Verbindung stand, geltend zu machen wusste, in ähnlicher Art wußte er auch als ausgezeichneter Landwirt durch Nachdenken, Fleiß und Beharrlichkeit es dahin zu bringen, dass selbst Grund und Boden seine Macht und Obergewalt anerkennen mussten.

Seine Lebensweise war höchst einfach; allem verschwenderischen Aufwande war der Verewigte gram. Von größern gebetenen Gesellschaften war Cornies, troz seiner liebenswürdigen Gastfreundschaft, kein Freund. Besuchsreisen kannte er nicht, selbst seine leiblichen Brüder sahen ihn nur auf Augenblikke bei sich.

Im Winter, nach vollbrachter Tagesarbeit, sammelte sich ein Kreis ausgewählter Freunde um den Teetisch. Der Selige war ein höchst anziehender, anregender Erzähler und Gesellschafter. Nie fehlte es in diesem Kreise an lebhaften, lehrreichen, nüzlichen Unterhaltungen, wobei der Verewigte, ein leidenschaftlicher Tabaksraucher, seine dampfende Tabakspfeife in steter Glut erhielt. Wie oft ertönte in diesem Kreise das Losungswort des Verewigten: „Kein Neuerer oder Anhänger des Alten, Mittelstraße, beste Straße“. Er hat viel geschrieben. Mehrere nüzliche landwirtschaftliche Aufsäzze sind gedrukt und bekannt geworden. Nur in später Nacht, wenn keine Störung mehr zu befürchten war, gab er sich der Beschäftigung des Lesens oder Schreibens hin. Das Plattdeutsche, seine Muttersprache, in der er sich sehr gewandt und gut ausdrükte, blieb ihm stets theuer und lieb. Bemerkte er bei einzelnen seiner Mitbrüder, dass sie sich des Plattdeutschen

 

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schämten, so konnte er darüber sehr ungehalten werden.

Cornies hatte viele aufrichtige Freunde unter den Mennoniten, doch dass es ihm auch nicht an Gegnern gefehlt hat, war nicht anders möglich. Jeder Kampf, so auch der für das Wohl der Mitmenschen, bringt Gegner hervor. Der Selige war ein braver Streiter für die gute Sache, gleich bereit, Jedem den Krieg zu erklären, der seinem Bestreben, Gutes zu stiften, entgegen trat. Der vertrauteste Herzensfreund des Dahingeschiedenen war der Kirchenlehrer Peter Neufeld in Orlof. – Nie, auch in Zeiten des Kummers und wenn Krankheitsanfälle den klaren Geist des Verewigten umwölkten, wich dieser treue Freund von seiner Seite. Noch muß eines andern Freundes des Verewigten erwähnt werden, dieß ist der gegenwärtige Gebietsvorsteher Töws, der ihn, besonders in Bezug auf seine Wirksamkeit as Vorsteher des landwirtschaft-lichen Vereins, kräftig unterstüzte; dieser war es vor allen andern, der in die Gedanken und Absichten des Seligen einzugehen vermochte.

Durch dieses vereinte Wirken war es möglich, das zu leisten, was Jedem einzeln nicht möglich gewesen wäre.

Zwei und zwanzig Jahre alt, 1811, hatte Cornies geheiratet. Seine Lebensgefährtin stand ihm als brave Hausfrau und liebende Mutter seiner beiden Kinder trau zur Seite, bis ein Jahr vor seinem Hinscheiden, sie ihm der Tod entriß.

Noch vor dem Tode seiner Frau reiste Cornie’s einziger Sohn ins Ausland, dort wählte er sich seine jezzige Lebensgefährtin, und der Verewigte entschloß sich, so unendlich schwer ihm auch die Trennung von seiner einzigen Tochter und seinem braven Schwiegersohne wurde, beide zur Vermählungsfeier des Sohnes nach Preußen reisen zu lassen. Der schmerzliche Augenblik der Trennung wird den Kindern unvergesslich bleiben.

Am 29. Februar dieses Jahres erkrankte Cornies in Folge starker Erkältung, - hinzu kam noch eine Geschwulst am Halse, die seine Brust beengte. Sanft verschied er am 13. März, leider getrennt von seinen in Preußen noch weilenden Kindern, in den Armen seines Bruders David Cornies. Die lezten Tage des Seligen waren in feierlicher Stille verflosssen, kein Klageton kam über seine Lippen. Im Vorgefühle seines nahen Todes verlangt er durchaus nach gar keiner menschlichen Hilfe. Die ihm dargereichten Arzeneimittel gleichgiltig einnehmend, blikte er nach oben, fühlend, dass, wenn Hilfe möglich wäre, er sie nur von seinem himmlischen Vater, bei dem nichts unmöglich ist, zu erwarten habe.

Der lezte Liebesdienst wurde der theuren Leiche am 16. März dieses Jahres erwiesen. Von nah und fern strömten die Menschen herbei, die irdischen Überreste des dahingeschiedenen Wohlthäters zur lezten Ruhestätte zu begleiten. Da das Haus nicht alle herbeiströmende Men-schen fassen konnte, so wurde, nach der vom Kirchenältesten gehaltenen schönen Rede, die Leiche im Hofraume aufgestellt. Die unverändert gebliebenen lieblichen Züge des Verstorbe-nen legten den besten Beweis davon ab, dass der Selige mit einer solchen Ruhe und Freudig-keit dem Tode ins Angesicht geblikt hatte, wie sein so schönes thatenreiches Leben es wohl mit sich bringen konnte und musste.

Es war ein schmerzlicher, aber auch zugleich erhebender Anblik, als sich zum Zuge nach dem Gottesakker nicht nur Deutsche, sondern auch Nogaier, Russen, Hebräerkolonisten und Molokaner anschlossen. Das schönste Wetter begünstigte die Feier der Beerdigung.

Am Sarge sah man von allen benachbarten Völkerschaften der verschiedensten Glaubensparteien, ihm, dem Vollendeten, so manche stille Thräne des Dankes und der Liebe nachweinen. So mancher der Anwesenden trug mit dieser Leiche auch zugleich seinen besten Freund und Wohlthäter zu Grabe.

Sanft ruhe seine Asche!

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Beim Beginn der Ansiedlungen am Flusse Molotschna hatte der Verewigte den Auftrag erhalten, für seine Familie Baumaterial herbei zu schaffen.

Bei dieser Gelegenheit lernte er zuerst die

 

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seines Wohlthäters erwähnte unser Dahingeschiedener oft seiner treuen Lehrer, hinzufügend, dass er später so nüzlich werden konnte, verdanke er hauptsächlich dem Herrn von Kontenius. Auch die spätern Vorgesezten der Fürsorge-Komität erblikten in Cornies nicht einen Untergebenen, sondern vielmehr einen aufrichtigen Freund, der ihnen thatkräftig und mit unermüdetem Eifer half, immer mehr und mehr das Wohl der Kolinieen zu begründen.

Im Jahre 1824 erhielt Cornies von Seiten der Fürsorge-Komität den Auftrag, zur Veredelung der Gemeindeschäfereien, Merinoschafe aufzukaufen. Der erste Ankauf derselben wurde aus der Landwirtschaft Seiner kaiserlichen Majestät zu Zarskoe-Selo, bewerk-stelliget.

Bald darauf ein zweiter aus dem Königreiche Sachsen. Lezterer war es vorzüglich, der den Gemeindeschäfereien der Mennoniten unberechenbaren Gewinn brachte. Beide Aufträge waren von Cornies in dem Maße zur vollkommenen Zufriedenheit ausgeführt worden, dass ihm dafür eine dankende öffentliche Anerkennung von Seiten des General-Fürsorgers, General-Lieutenant von Insow, zu Theil wurde.

Die eigene, gleichzeitig entstandene Merinosheeerde des Verewigten kam bald in solchen Ruf, dass Bökke aus seiner Schäferei in die enfernten Gouvernemente Cherson, Poltawa, Woronesch u.s.w. verkauft, und nicht selten mit 200 R. Banko das Stük bezahlt wurden.

Im Jahre 1824 besuchte Cornies im Auftrage der Regierung mit einem Beamten des Ministeriums diejenigen Schäfereien des südlichen Russlands, deren Besizzer mit der hohen Krone bestimmte Bedingungen eingegangen waren. – Später bereiste er, der Einladung des frühern Fürsorgers des Kalmükken (Fedejew) folgend, die Steppen der Kalmükken, um sein Urtheil über Möglichkeit von Dorfgründungen auf den ausgedehnten Steppen dieses Volkes abgeben zu können.

Im Jahre 1830 wurde Cornies vom Herrn Minister auf Lebzeit zum Vorsizzer des landwirt-schaftlichen Vereins für den molotschner Mennonitenbezirk erwählt. Daß dieser Verein so se-gensreich für den Aufschwung der Mennoniten-Ansiedelungen gewirkt hat, ist vorzugs-weise dem unermüdeten Fleiß, Nachdenken, der Beharrlichkeit und der Thatkraft des Ver-ewigten zuzuschreiben. – Was der Selige als Vorsizzer dieses Vereins gewirkt hat, kann nur derjenige richtig beurtheilen, welcher so glüklich ist, Augenzeuge des blühenden Zustandes dieser Kolonieen gewesen zu sein. Als Vorsteher dieses Vereins sehen wir den Dahingeschie-denen mit seltenem richtigen Gefühl, ohne sich etwas zu vergeben, genau die Gränze zwischen Bruder (denn die Mennoniten bilden bekanntlich eine Brüderschaft) und Vorgesezten ziehen.

Hier als Vorsteher dieses Vereins ist es, wo wir den Verewigten alle seine körperliche und geistige Anstrengungen verkoppeln sehen. Hier in dieser Stellung ist es, wo er bis zu seinem späten Alter mit wahrem Jugendeifer für Beförderung des Guten und Nüzlichen arbeitete, hier ist es, wo er nicht blos sein geistiges Übergewicht über die Gemüther der Menschen, mit denen er in Verbindung stand, geltend zu machen wusste, sondern wo er auch den Grund und Boden zwang, ihm zu gehorchen, und ihn als seinen Herrn und Gebieter anzuerkennen.

In dem Jahre der Not und des Elendes von 1833 war es, wo der Verewigte durch weise Umsicht und Leitung das Dasein vieler Kolonisten aufrecht erhielt.

In diesem schreklichen Missjahre, in welchem das Elend der benachbarten Kleinrussen und Nogaier den höchsten Grad erreicht hatte, zeigte sich auch wieder der Verewigte als wahrer Menschenfreund, was noch jetzt die in der Nähe wohnenden Kleinrussen und Nogaier dankend anerkennen.

Die Macht und Gewalt, welche der Dahingeschiedene über die Gemüther der Menschen besaß, hat sich am herrlichsten und glänzendsten bei der von ihm unternommenen Ansässig-machung und Gesittung der Nogaier bewährt, für die er eine besondere Vorliebe gefasst hatte. Durch genaue Kenntniß und richtige Auffassung der Eigenthümlichkeiten des Nogaiers, wusste sich der Verewigte einen ungewöhnlich hohen Grad der

 

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Achtung bei diesem Volke zu verschaffen, auch vertrauten sie ihm Alles ohne Rückhalt an, und nur dadurch wurde es dem Dahingeschiedenen möglich, einen solchen Einfluß auf dieses Volk auszuüben. Die erste Stufe der Bildung der früher mit ihren Heerden umherziehenden Nogaier war natürlich der feste Hüttenbau. – Die zweite Stufe: Einführung der Merinoschafzucht. Nach dem erwähnten Missjahr von 1833 benuzte Cornies die damals unter den Nogaiern entstandene Armut, um die Merinoschafzucht bei ihnen einzuführen. – (Ein früherer Versuch der Art war schon fehlgeschlagen.) Einige Aussprüche des Korans *

schienen der Einführung der veredelten Schafzucht unüberwindliche Hindernisse in den Weg zu legen. Doch auch diese wusste der Verewigte durch Kenntniß des Korans, den er nach einer deutschen Uebersezzung genau kannte, zu beseitigen. – Obgleich die Geistlichen der Nogaier behaupteten, das spanische Schaaf könne kein rechtmäßiges Opferschaf sein, so bewies ihnen doch Cornies, und zwar aus dem Koran, dass eben das spanische Schaaf, als das edelste, das einzig rechte und wahre sei, welches die Mohamedaner opfern müssten, und so sahen wir nun die benachbarten Nogaier durch Betreibung einer edlen Merinosschafzucht zur Wohlhabenheit gelangen.

Dadurch, dass Cornies den Nogaiern die Hälfte des jährlichen Zuwachses von einigen Merinosheerden unter der Bedingung überließ, dass sie diese Heerden 4 Jahre hindurch auf ihren Ländereien füttern und pflegen mussten, wurde den Nogaiern die Möglichkeit geboten, auf eine leichte Art zu Merinosheerden zu gelangen. – Später wurden darüber gewisse Bedingungen festgestellt, welche bis jetzt noch fortbestehen.

Die Dritte, zum Theil unvollendete Stufe der Gesittung der Nogaier, ist der Aufbau planmäßig gebauter Dörfer. Den Beweis, dass eine Anlegung von Nogaieransiedlungen (planmäßig gebaut) möglich ist, hat Cornies durch Gründung mehrer solcher Kolonieen deutlich gegeben; namentlich verdient die Nogaierkolonie Akkermann unsere Bewunderung.

Auch für die benachbarten Molokaner und Duchoborzen hat Cornies wohlthätig eingewirkt. Ihr volles Vertrauen besizzend, nahmen sie dankend von ihm Belehrung und guten Rat an, in Folge dessen ihre wirtschaftliche Einrichtung einen bessern Aufschwung erhielten. Selbst aus ihrer Verbannung wussten sie ihm zu wiederholten Malen ihren Dank zuzurufen, namentlich weil Cornies durch Bitten, die er an den Fürsten Woronzow gelangen ließ, auch hier für ihr Wohl zu wirken gesucht hatte.

Auch zur Veredelung der Rindviehzucht in hiesiger Gegend hat Cornies nicht wenig beigetragen. In den Mennonitenkolonieen bestand bis 1834 nur aus Deutschland mitge-brachtes, jetzt nach vielen Jahren schon ausgeartetes Rindvieh. Im Jahre 1835 kaufte Cornies in der Gegend bei Moskau zur Veredlung des Rindviehes 10 Kühe und 2 Zuchtstiere cholmogorischer Rasse; das aus dieser Veredlung hervorgegangene Vieh hat sich sowohl durch größern Milchertrag, schönen Körperbau, als auch durch Verkauf von Zuchtstieren aufs beste bewährt und Beifall gefunden.

Daß Cornies auch den Steppenboden lohnend zu behandeln, ja man möchte sagen zu beherrschen verstand, davon geben uns den besten Beweis die herrlichen Anlagen von Holz- und Obstbaumzucht, die wir in diesen Kolonien finden. Eigenthümlich ist der oft wiederholte Ausspruch des Verewigten in Bezug auf Baumanlagen: Der Mensch muß nur ernstlich wollen, dass Baumanlagen auf den Steppen fortkommen und sie werden gedeihen. Zum Beweise dessen legte Cornies mit dem besten Erfolge mehre kleine Waldungen auf den höchsten Steppen an. Als nach Eröffnung des landwirthschaftlichen Vereins im Jahre 1830 mit Ernst und Eifer zur Holz- und Obstbaumzucht geschritten wurde, war Cornies wieder der erste, der mit gutem Beispiel auf seinem Vorwerk Juschanlee voranging. Tausende von verschiedenen Bäumen wurden aus Jekatharinoslaw und dessen Umgegend herbeigeschafft. Doch da dieß nicht den gewünschten Erfolg hatte,

(*Koran, der Glaubenslehren der Mohamedaner, zu denen auch die Tartaren sich zählen.)

 

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so begann Cornies eine Samenschule in möglichst großer Ausdehnung anzulegen. Bald überflügelte der gute Erfolg seine kühnsten Erwartungen und die ganze Anlage, damals 13 Deßjatinen groß, wurde eine einzige großartige Baumschule, vermittelst welcher hernach in den Kolonieen viele andere Waldanlagen und Obstgärten entstanden. Aus dieser großen Baumschule zu Juschanlee gingen später bedeutende Sendungen an Bäumen der verschiedensten Art bis ins Gouvernement Charkow, sogar nach der Krimm.

Auch in Bezug auf den Akkerbau haben die Mennoniten vorzugsweise durch den Einfluß des Verewigten die Möglichkeit einer wohl durchdachten Bewirtschaftung der Steppen dargethan. Durch die in den Mennonitenkolonieen immer allgemeiner werdende Anerkennung der großen Vortheile der Schwarzbrache ist ein Betrieb des Ackerbaues begründet, der sich in nicht ferner Zukunft immer mehr und mehr bewähren wird.

Deutsche Kolonisten an der Molotschna haben an vielen Stellen in den die Steppen durch-ziehenden Schluchten Dämme angebracht, wodurch eine Menge Viehtränken entstanden; auch finden wir hier künstliche Frühlingsbewässerung der Wiesen durch zwekmäßige Ab-dämmung der Steppenflüsse, und auch darin war der größte und eifrigste Beförderer – Johann Cornies. Die in einigen Mennonitenkolonieen zum Schutz für die Stürme angelegten Baumpflanzungen werden nach vielen Jahren noch dem Verewigten ein Denkmal sein.

Zur Einführung des Seidenbaues hat Cornies wesentlich beigetragen. Als die Maulbeerbäume sich vermehrten, legte Cornies einen großen Wert auf die Einführung des Seidenbaues. Dieser für die hiesige Landwirtschaft so wichtige Zweig, dem er aus eigener Tasche bedeutende Geldopfer brachte, hat dem Verewigten manchen Kummer verursacht, denn obgleich sich das rohe Erzeugnis über alle Erwartung vermehrte, so sah Cornies doch voraus, dass wenn die Seide nicht mit mehr Sachkenntniß abgehaspelt werden könnte, alles vergebens sei.

Er fasste daher den Entschluß deßhalb selbst nach Italien zu reisen, doch sein unerwartet plötzlich eintretender Tod, vereitelte die Ausführung dieses Planes.

Den Tabaksbau hat Cornies in Folge mündlicher Empfehlung des erlauchten Fürsten Woronzow eingeführt und den Kolonisten somit gezeigt, wie alle Sorten ausländischen Tabaks aufs beste zu erzielen sind. Ueber den Tabaksbau in den Steppen hat Cornies eine gedrukte Anweisung hinterlassen. *

Dem Gemüsebau und der Blumenzucht widmete er ebenfalls die größte Aufmerksamkeit. Bei jeder Gelegenheit suchte er auch diesem Zweige der Landwirtschaft immer mehr Eingang und Verbreitung zu verschaffen.

Zur Hebung der Gewerbe treibenden Mennoniten kam der Selige im Jahre 1839 auf den Gedanken, nach und nach alle mögliche Gewerbe in einem Dorfe zu vereinen. Mit allerhöchster Bewilligung kam die Einrichtung einer Handwerkerkolonie bei Halbstadt zu Stande. Der Zwek ihrer Bestimmung wird nicht verfehlt werden, jetzt erst wird mehr und mehr der Nuzzen der Gründung dieser Kolonie eingesehen, ein Beweis, wie richtig der Verewigte die Bedürfnisse der Zukunft voraussah. Auch hat Cornies zur Unterstüzzung und Aushülfe junger Handwerker einen besondern eignen Geldfond gebildet, aus welchem denselben gegen billige Zinsen auf kurze Zeiten Vorschüsse ertheilt werden.

Als in ganz Russland die Einführung des Kartoffelbaues zur Sprache kam, hatte Cornies auch hier thätig mitgewirkt. Mehre Jahre hindurch unterzog er sich freiwillig der Oberaufsicht desselben in verschiedenen Kreisen des Gouvernements Taurien.

Cornies, überall bereit Gutes zu wirken, ging gerne auf den Wunsch der Regierung ein, auf seinen Gütern Kronslehrlinge aus dem Bauerstande aufzunehmen, damit sie unter seiner Leitung die Landwirtschaft durch die That und Anschauung erlernen könnten, ebenso behilflich war er darin, zu demselben Zwek, junge Kronsbauern bei guten Wirten in den Mennonitenkolonieen

(* Die Beilage zur ersten Nummer des Unterhaltungsblattes, April 1846.)

 

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unterzubringen. Der Zwek der Regierung ist hierbei durchaus nicht verfehlt, denn schon im laufenden Jahre werden mehrere tüchtige junge Leute, Russen sowohl als Nogaier, als Musterwirte für andere Kronsbauern auftrete können.

Auf den Wunsch Sr. Erlaucht des Herrn Ministers der Reichsdomänen übernahm Cornies im Jahre 1845 die Einrichtung und Oberaufsicht der im berdjanschen Kreise begründeten Kronsmusterwaldanlage von etwa 100 Deßjatinen. Die schnellen, großartigen Leistungen bei dieser Kronsmusterwaldanlage, wird gewiß dazu beitragen das Andenken des Seligen auch bei der hohen Regierung zu verewigen.

Das Schulwesen in den Mennonitenkolonieen ist durch Cornies wesentlich befördert worden. Es werden tüchtigere Lehrer angestellt, als früher, welche deßhalb auch einer größern Achtung genießen, ebenso ist auch der Schulbesuch regelmäßig geworden. Sein Eifer und seine vielfachen Bemühungen, vernachlässigte Kinder ihrem offenbaren Untergange zu ent-reißen, so wie sein Wachen über das sittliche Betragen in den Ansiedlungen, hat ihm manche Feindschaft zugezogen; natürlich konnte das seinen Eifer nicht im Mindesten schwächen.

Sowohl durch das Beispiel von Cornies, als auch durch seine darüber ertheilten Regeln, haben die Bauten in den Colonieen ungemein gewonnen, denn nicht nur wird jezt zwek-mäßiger und dauerhafter, sondern auch zugleich hübscher gebaut.

In den lezten Jahren waren es besonders die aus dem Gouvernemente Tschernigow auf Cornies, Vermittlung übersiedelten Mennoniten in der Kolonie Hutterthal, welche seine Thätigkeit in Anspruch nahmen. Durch genaue Aufsicht und väterliche Fürsorge des Seligen sind die Bewohner dieser Kolonie, welche von allem entblößt, völlig arm an der Molotschna ankamen, im Verlauf von 5 Jahren in freien Besiz musterhafter Gebäude gekommen und viele wohlhabend geworden. Außerdem hatte Cornies ebenfalls, auf Wunsch der hohen Regierung die besondere Aufsich über mehre andere Kolonistenbezirke und über den Bau mehrer Nogaierdörfer, sowie auch zweier russischer, welche gleichsam als Muster dastehen sollte, übernommen. Auch in diesen Dörfern zeigt sich deutlich wer sie angelegt und überwacht hat. In Bezug auf die Ansiedlung der Hebräer ist Cornies neuerlich von der Regierung beauftragt worden, auch dieser Ansiedlung mit seinen Erfahrungen beizustehen, was er auch treulich erfüllte. Was ein guter Wille in Verbindung mit Sachkenntniß vermag, hat uns der Verewigte klar und deutlich dargethan.

Im Jahre 1825 würdigte der hochselige Kaiser Alexander glorreichen Andenkens ihn, Cornies, eines Besuchs in seinem eben neugebauten, sich freundlich auszeichnenden Hause, und im Jahre 1837 wurde ihm, Cornies, das hohe Glück zu Theil, dem jetzt regierenden Kaiser Nicolaus in Simpheropol vorgestellt zu werden; Seine kaiserliche Majestät hieß ihn seinen, dem Namen nach alten Bekannten, und dankte wohlwollend für seine Bemühungen bei den Nogaiern. In demselben Jahre hatte Cornies das Glük, Seine kaiserliche Hoheit, den Großfürsten Thronfolger Alexander Nikolajewitsch auf seinem Vorwerke Juschanlee zu empfangen, sowie vier Jahre später Ihre kaiserliche Hoheiten die Großfürstinnen Helena

Palowna und Maria Michailowna ihm dieselbe hohe Ehre erwiesen. Der Großfürst Thronfolger sowohl als die Großfürstinnen verliehen ihm bei dieser Gelegenheit goldene Tabaksdosen zum bleibenden Andenken. Im Jahre 1845 beehrte der Großfürst Konstantin Nikolajewitsch das Vorwerk Juschanlee mit einem Besuche, doch konnte Krankheits halber Cornies nicht selbst erscheinen. Seine kaiserliche Hoheit war so gnädig sich durch den Leibarzt über das Befinden des Kranken zu erkundigen.

Der Fürst Woronzow hat den Seligen oft besucht; Seine Erlaucht schenkte ihm aufrichtiges Vertrauen. Herzliche Freude bezeugte Cornies über den jüngsten Besuch des Herrn Ministers Grafen Kißilew, und dass Seine Erlaucht die biedere Gesinnung erkannt haben, beweist unter andern vorzüglich das Schreiben des Grafen vom 22. Oktober 1841 folgenden Inhalts:

„Bei meiner Reise durch die Mennonitenkolonieen blikte ich mit herzlicher Freude auf den wohlgeordneten Zustand derselben, und auf die

 

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Fortschritte in Ihrer eigenen Wirtschaft. Dieses ließ ich zur allerhöchsten Kenntniß gelangen, worauf Seine kaiserliche Majestät auszusprechen geruhte, dass Ihm der Name Cornies schon bekannt sei, als der eines würdigen nüzlichen Mannes. – Eine angenehme Pflicht ist es mir, einen solchen kaiserlichen Ausspruch Ihnen mittheilen zu können, um so mehr, da die Mennoniten höher stehend, als die übrigen Ansiedler, diesen in wirtschaftlicher Hinsicht als Muster dienen, und somit ihre Bestimmung erreicht haben. Auch die sich immer mehr entwikkelnde Aufklärung der Nogaier gereicht den Mennoniten zum Lobe, welches ebenfalls Seiner Majestät dem Kaiser zu unterlegen, ich so glüklich war.“ *

Für die musterhafte Anlage des Vorwerkes Juschanlee wurden dem Herrn Cornies im Jahre 1836 auf Allerhöchsten Befehl, 500 Deßjatinen Landes verliehen; 1838 wurde derselbe zum Mitgliede der gelehrten Komität beim Ministerium der Reichsdomänen erwählt, und 1844 erhielt er die erste große goldene Medaille für Nüzlichkeit in der Landwirtschaft.

Der innigste Wunsch unseres dahingeschiedenen Freundes, nämlich das Vertrauen, welches unser erhabener Monarch den Mennoniten-Gemeinden allgemein geschenkt hat, zu rechtfertigen, ist gewiß in Erfüllung gegangen.

Johann Cornies gehört nach dem Urtheile Vieler, die ihm nicht näher kannten, zu den ausgezeichneten Menschen, deren Geschik auch durch Glük begünstigt worden ist; doch war es nicht der Reichthum, durch den der Verewigte sich die Liebe des Monarchen erworben, und das große Zutrauen seiner Vorgesezten und Mitmenschen gewonnen hatte (denn das allein kann nie solche Früchte tragen), wohl aber sein unermüdetes Streben, das Wohl seiner Brüder (Mennoniten) und Nebenmenschen zu begründen; das ist es, wodurch er so hoch gestellt war.

Der Lebenswandel unseres Verewigten bestimmt uns, troz seines erworbenen Reichthums (der bei ihm nur ein Mittel für gute Zwekke war), den Grundsaz auszusprechen: „Suche nicht des Lebens Reichthum außer dir; schaffe ihn dir in eigener Brust“, ebenso werden wir aufgefordert, bei dem Beispiele, das der Verewigte giebt, auszurufen: „Liebe Gott, vertraue auf ihn; liebe die Natur, wirke in ihr“. Von diesen Ansichten durchdrungen, war das Leben des Verewigten ein reiches – ein thatenreiches.

 

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In Folge persönlicher Bekanntschaft mit dem Verewigten, und auf Grundlage eingehändigter schriftlichen Nachrichten zusammengestellt.

 

Agronom Gavel.

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„Mennonitische Rundschau“, 13. August 1884, Nr. 33, 5. Jahrgang

 

In der „Odessaer Zeitung“, in der

Rubrik „Koloniales“ ist schon vielfältig

besprochen worden, wie die Agricultur in

unserm südlichen Rußlande gehoben wer-

den und der ausgesogene Boden wieder

zu Kräften kommen könne u.s.w. und

in den vor mir liegenden Nrn.91 und

92 dieser Zeitung wieder Aufsätze über

dieses Thema standen, wobei auch des 

verstorbenen Herrn Johann Cornies er-

wähnt wird – so erlaube ich mir aus

meiner eigenen Erfahrung etwas mitzu-

theilen, was ich von Herrn Cornies weiß:

Er war im vollen Sinne des Wortes der

Mann, von den man sagen könnte:

„Folget mir nach, wie ihr mich zum Vor-

bilde habt.“ Schreiber Dieses hat vor

46 Jahren, wo sein 12-jähriger Schulzen-

amts- Dienst anfing, viel Umgang mit

dem Verstorbenen gehabt; seine Bildung

in der Landwirtschaft stammt meist von

daher. Er, Herr Cornies, war der Mann,

der die Baumenpflanzungen eunführte,

und da nur Wenige daran glaubten, daß

dieselben auf unsern Steppen fortkommen

würden, so hatte er es mit vielen Wider-

wärtigkeiten zu thun. Er reiste öfters

in den Kolonien herum, um die Planta-

gen nachzusehen und fang häufig, daß

ein Wirth seine Bäume in der Wald-

plantage mit den Wurzeln statt in die

Erde in die Luft gepflanzt hatte, aus

Rache weil er nicht pflanzen wollte und

doch mußte. Es fanden sich aber auch 

gleich Mehrere, die Herrn Cornies bei-

stimmten, daß wir Deutsche durch unsere 

Vorrechte gegenüber den Russen verpflichtet

seien, auf die kahlen Steppen mehr Bäume

zu pflanzen und den angrenzenden Völkern

ein Beispiel zur Nachahmung zu sein,

wobei wir selbst immer den größten Nu-

tzen ziehen. Er war auch der Mann, der 

die Vierfelder- Schwarzbrache einführte,

welche damals nicht so willkürlich behan-

delt werden durfte, wie gegenwärtig, wo

man dieselbe fast durchgängig mit Kukuruz

besäet; außer Kartoffeln war nichts er-

laubt, in die Brache zu säen oder zu

pflanzen, wer diese Ordnung übertrat,

wurde damit bestraft, daß er dieses Land 

sogleich umpflügen mußte und den Som-

mer über schwarz halten, wovon Cornies

sich alle Jahr persönlich überzeugte. Er 

war auch der Mann, der die Direktion

über die Schulen hatte, und hatte selbst 

eine Schule angelegt, die noch jetzt existi-

rende Vereins- Schule. Er gab den 

Schullehrern Instruktionen, was ihre 

Aufgabe sei: „Nicht Herren sollt ihr aus 

den Knaben machen, nicht (Bothe*),

sondern gehorsame, fleißige sittsame Män-

ner sollen es werden“. Ueber den alten 

Schlendrian war er ungehalten: „Es ist 

Zeit, daß die Mennoniten die Pelzhosen 

ablegen“ pflegte er zu sagen. Er war 

auch der Mann, der den Handwerkerstand 

und Gewerbebetrieb förderte. Einem 

guten Handwerker wollte er nicht gern 

erlauben, eine Landwirtschaft zu über-

nehmen; er sagte dann, wenn sie sich da-

zu bei ihm meldeten (ohne dieses war 

seine Wirtschafts- Uebernahme erlaubt)

die guten Handwerker fehlen uns; er sah 

deutlich, wo es fehlte, es fehlte allerwärts,

so wie es auch heute noch in jeder Bezie-

hung wiederum fehlt. Er hat nicht lange 

gelebt, der gute Mann, und doch lebt er 

noch. Meinen Kindern und Kinderskin-

dern will ich von ihm erzählen, wie es 

schon vielmal geschehen ist, und diese wer-

den es kommenden Geschlechtern erzählen.

Er war auch der Mann, der für den Land-

mann belehrende Zeitschriften in die 

Colonien schickte, ja einzelne gute Bauern-

Wirthe bekamen sie von ihm direkt ins 

Haus geschickt, als da waren: Mitthei-

lungen der Kaiserlichen ökonomischen freien 

Gesellschaft zu St. Petersburg, Unter-

haltungsblatt von Odessa, Dorfszeitung 

von William Löbe d.h. alles nützliche und 

belehrende Lekture. Beachtungswerth 

scheint, das in den Mitteilungen ange-

gebene Untergrundaufpflügungen, um wieder 

kräftigere Aecker zu bekommen, zu sein.

Wir haben damals, als die Wälder an-

gelegt wurden, mit dem vorräthig rajol-

ten Lande die kleine Probe mit Kartoffeln

auf diesem Lande gemacht, und noch nie 

haben wir solche ergiebige Kartoffelernte 

gehabt, wie damals, ein Beweis, daß auch 

das Getreide, besonders der Weizen**),

bessern Ertrag liefern würde, wenn der 

Untergrund aufgerührt wird, dann Sonne

und Luft ihn umtaufen oder frucgtbar 

machen können. Es ist etwas schwer, den 

Boden ein paar Fuß tief umzudrehen,

allein diese Mühe und Arbeit würde sich 

meines Erachtens hundertfach belohnen,

dieses Unternehmen könnte so eingetheilt

werden, daß man in gewissen, etwa zehn

Jahren, seine Aecker umrajolt hätte und 

vielleicht jedes Jahr nicht mehr als acht

Morgen oder vier Dessätinen jährlich

bearbeiten würde. Ein Nachtheil ist es

in der Agricultur geworden, daß der 

Hackenpflug nur selten auf Stellen gar 

nicht mehr gebraucht wird, das schräge,

kreuzweise Durchfurchen mit dem Hacken,

besonders der Brache, ist dem Lande sehr 

dienlich, dadurch werden die Balken,

welche allemal mehr oder weniger beim

Pflügen gemacht werden, zerrissen und 

die Erde wird mehr elastisch, folglich auch

fruchtbarer. Es ist ein merklicher Unter-

schied, indem man alle Jahr in einer 

Richtung die Furchen zieht, oder wenn

man abwechselnd auch einmal schräg oder

quer pflügt, hauptsächlich beim Brach-

pflügen. Weiter war Herr Cornies auch 

der Mann, dem es nicht um die Hebung

seiner Mitbrüder allein zu thun war,

sondern auch der angrenzenden Völker

als Russen und Nogeier nahm er sich 

an; die Russen lehrte er durch die von

ihm angestellten deutschen Aufseher vor-

theilhaft Kartoffeln pflanzen; die Nogeier

creditirte er bei den Mennoniten, daß

dieselben die spanischen Schafe mit hal-

ber Anzahlung bekamen, wobei er einen 

deutschen Aufseher anstellte, der die Auf-

sicht führte, ob sie auch die Thiere con-

traktmäßig behandelten. Die Nogeier

liebten und respectierten den Mann und

die Russen hatten alle Ehrfurcht für den

Лекаренко, so so nannten sie ihn, weil sein

Vater Doctor war; er untersuchte auch

die nahegelegenen russischen Wollosten

und hatte Justiz- Pflege über sie. Auch

die Juden wurden ihm von der höhern

Behörde überlassen, um Landwirthe aus 

ihnen zu machen, doch ging dies nicht

nach Wunsch, da, wie es scheint, die Ju-

den nicht zu regelrechten Landwirthen

geboren sind. Herr Cornies war auch

der Mann, der die Industrie bei den

Mennoniten in Bewegung zu setzen ver-

stand. Damals gab es Landlose, wie 

auch jetzt, nur ist es jetzt viel schlimmer

mit denselben, weil sie aufgebracht, fast

alle um Land schreien; das durften sie

damals nicht, sonst hieß es von Herrn

Cornies: „Willst Du Dich nicht still

verhalten und arbeiten, so wirst Du

bei den Bauern als Knecht vermiethet

werden, damit fremde Leute nicht so

viel Geld aus unsern Kolonien schlep-

pen; wir haben es beide gut dabei.“

Und es kam vor, daß er es durchführte.

Ich habe selbst bei meiner Amtszeit den 

Befehl bekommen, den und den bei einem 

guten Bauerwirth zu vermithen; und 

er mußte seine Zeit ausdienen. So mußte

er aber auch für die Landlosen, die sein

Handwerk verstanden, Industrie- Zweige

zu ermitteln; der Seidenbau gab hun-

derten von Menschen Arbeit, wobei auch

Kinder thätig sein konnten; so auch der

Tabaksbau, wozu Cornies guten ameri-

kanischen Saamen gab. Ich habe beides

bei meiner Bewirtschaftung von 65

Dessätinen Land betrieben; den selbst

gebauten Tabak verkaufte ich im Handel

zu 13 Rbl. per Pud. Mit diesem und

dergleichen könnten sich auch heute noch 

die Landlosen und auch Andere befassen;

allein, das giebt zu wenig, ehe ich mich

damit beschäftige, lege ich mich lieber auf 

die Bärenhaut, sagt man, oder treibe

Allotria. (Den Tabak mögen sie nur

bleiben lassen. Edr. D.R.)

Dieser unvergeßliche Mann, Herr Cor-

nies, hatte viele Feinde unter den Men-

noniten als er starb; dies giebt ihm das

Zeugniß, daß er ds Gute wollte und

wirkte, er handelte aus wahrer Liebe zu

seinen Mitmenschen, obzwar die Spritzen 

der Geistlichkeit es damals anders an-

sahen. Sein Andenken bleibt uns im

Segen. M.N.

Anmerkung. Dieser der „Odess.

Ztg“ entnommene Artikel hebt in aner-

kennender Weise die Verdienste des Jo-

hann Cornies hervor ohne auf seine Miß-

griffe und Mängel zu kommen. Man-

cher unsrer Leser dürfte vielleicht im Hin-

blick auf die letztern geneigt sein, der 

„Rundschau“ diesen schönen Artikel über 

Cornies zu verübeln allein so, engherzig

muß man nicht sein: Cornies hat für

das Gedeihen der deutschen Ansiedlungen

in Rußland viel, ja sehr viel gethan,

mehr als sonst Jemand.

Die Red. d. „Rundschau“.

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Auszug aus dem Russian Biographical Lexikon, 1903

(alt russisch)

К о р н и с  , Иван Иванович, член корреспондента ученого комитета министерства государственных имуществ, деятель на поприще сельского хозяйства, родился в окрестностях Данцига в 1789 г., умер 13 марта 1848 года. Учился в мюльгаузенском училище, в 1804 г. переехал со своими родителями в южную Россию, в Хортицкий округ менонистких поселений. Родители Корниса были люди очень небогатые; но молодой Корнис отличался чрезвычайною энергиею, сметливостью и деловитостью. Начав вести свое сельское хозяйство в самых скромных размерах, он постоянно улучшал и развивал его и умело содействовал улучшению его и среди всех своих собратьев по менонистской общине. Он развел в своей местности лучшие породы лошадей, коров и овец; он сумел даже окрестных ногайцев убедить, вопреки толкованиям некоторых мулл, что именно испанская мериносовая овца и по Корану должна быть признаваема наиболие благородною, чистою и вполне пригодною для жертв; благодаря этому он успел положить твердое основаниѳ разведению мериносов между ногайцев. В 1830 г. Корнис былъ назначен пожизненным председателем менонистского земледельческого общества и в этом звании много сделал для лесоразведения, табаководства, шелководства, наконец для устройства искусственного орошения; о разведении табака в степях Корнис написал особое наставление, которое было напечатано в приложении к 1 № «Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Russland», апрель, 1846. Его образцово устроенное имение Юшанлы было посещаемо Наследником Цесаревичем Александром Николаевичем, вел. кн. Константином Николаевичем и вел. кн. Еленою Павловною во время их путешествий по России; в 1828 г. Корнис былъ избран в члены корреспонденты ученого комитета министерства государственных имуществ, в 1844 г. награжден от этого комитета золотою медалью за услуги сельскому хозяйству. В частной жизни Корнис отличался добротою и скромностью и в то время уже, когда достиг значительного богатства.

«Журн. Мин. Госуд. Имущ.», 1848. ч. 29, 220—231; «Записки Одесскаго общества сельск. Хоз.»; 1818, 11, 735—744, № 12, 786—798.