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Heinrich Gerhard Dück ∗1892 †1960

#689206 (#133576)

1915
1957
die Geburtsurkunde vom
Heinrich Dück
Heinrich Dück, zweiter von links, 1905

Heinrich Dück, mein Großvater,  wurde am 16. März 1892 in Blumenort, Molotschna geboren. Ende des 19. Jahrhunderts war die Blütezeit der mennonitischen Kolonien, auch für Familie Dück. Der wirtschaftliche Auftrieb sowie das idyllische Dorfleben taten der Familie sehr gut. Heinrich hatte drei ältere Brüder und jeweils eine ältere und jüngere Schwester. Die Kinder spielten im großem Hof, welcher am Ende des Dorfes lag.  Das großes Wohnhaus  wurde im Winkel mit dem Stall verbunden. Zwei große gemauerte Torpfosten mit einem Tor führten in den Hof, welcher an einer Straße, gesäumt von einer Allee einhundertjähriger Pappeln lag. Diese verband die zwei Dörfer Blumenort und Rosenort. Auf der anderen Straßenseite lag die Dorfwiese etwa 100 Desjatin groß. Weil das Dück-Anwesen doch etwas vom eigentlichen Dorf Blumenort abgelegen war und es keine Nachbarskinder gab, hielten die Kinder sehr eng zusammen. Im Sommer badeten sie im Fluss Kuruschan, im Winter hat es auch am Spielen im Schnee nicht gefehlt, sie liefen viel  Schlittschuh. Wollten die Jungs abends mal eine Abwechslung haben, durften sie in den Stall gehen zu den "Menschen", wie die Arbeiter oft genannt wurden.

Zu Hause hatten sie eine Oma Dück und die andere Oma Enns wohnte in Ohrloff, welche sie oft besuchten. Die Großväter haben sie nicht gekannt.

Heinrichs Vater Gerhard Dück verwaltete Mutters (Anna Dück, geb.Wiens) und auch seine eigene Wirtschaft, d.h. Landwirtschaft, diese betrug insgesamt ca. 100 Desjatin (десятин) und den Eisenhandel

Heinrich ging von 1899 bis 1906 in die Dorfschule (Elementarschule). Die Schule lag mitten im Blumenort, man musste weit zu Fuß gehen, so dass dann auch sehr oft etwas zum Mittag mitgenommen wurde.

Nach Erzählungen von Jacob Dyck, älterer Bruder meines Großvaters, die Dorfschuljahre könne man mehr mit Spieljahren vergleichen, denn morgens vor dem Unterricht wurde schon Ball gespielt, in der Mittagspause ebenfalls und nach Schulabschluss ging das Ballspiel weiter, meistens dann auf irgendeinem Bauernhof.

Der Unterricht wurde in zwei Sprachen gehalten, zur Hälfte etwa auf russisch, die andere Hälfte auf deutsch. Der Unterricht im Rechnen, Physik, Chemie, Biologie, Geographie, Geschichte wurde in der russischen Sprache erteilt. Die erste Stunde war immer der Religionsunterricht. Das Schuljahr dauerte acht Monate, vom 1. September bis zum 1. Mai. In den Sommermonaten mussten die Kinder zu Hause im Geschäft und in der Landwirtschaft mit anpacken und da etliches Land ziemlich abgelegen war, wurde  natürlich auch oft auf der Steppe gegessen, wodurch sie sich mit den Russenjungen und Russenmädchen mehr und mehr anfreundeten. 

Heinrich hatte die Dorfschule mit einem guten Abschlusszeugnis verlassen. Alle Schüler wurden auf deutsch und russisch  examiniert, meistens in Halbstadt. 

Heinrich lernte die folgenden drei Jahren bis 1909 in der  Zentralschule in Ohrloff weiter, welche ca. drei km von Blumenort entfernt war. Es war die älteste Weiterführende Schule an der Molotschna. Sie wurde 1822 gegründet. 1860 wurde ein neues, sehr schönes Schulgebäude erbaut.

Zentralschule in Ohrloff, 1913
Heinrich Dück, Zentralschule in Ohrloff, 1908

 Aus der Erinnerungen von Jacob Dyck:

„Die Zentralschule wurde auch Vereinsschule genannt, weil verschiedene Gutsbesitzer und andere wohlhabende Leute sie einmal vor vielen Jahrzehnten gegründet hatten. Anfänglich waren sogar noch Lehrer daselbst aus Deutschland.“

 

Ab 1909 bis 1913 studierte Heinrich in der Halbstädter Kommerzschule. Dieses war die einzige rein-mennonitische Mittelschule in Russland, sie wurde 1907 als eine Realschule gegründet  und 1909 in eine Kommerzschule umgewandelt mit Hinblick auf die Bedürfnisse der Mennoniten,  hochqualifizierte Spezialisten für Landwirtschaft und Industrie auszubilden. Sie befand sich in den Räumen der ehemaligen Stärkefabrik in Alt-Halbstadt. Die Schule hatte die vier oberen Grundklassen einer achtklassigen Kommerzschule und eine Vorklasse, die der vierten Klasse von unten an den Schulen dieses Typus entsprach. Die Schule nahm die jungen Männer, die eine Zentralschule absolviert haben, sofort in die 4. Klasse.

Das Curriculum bestand aus: Russisch,Englisch, Französisch, Theologie, Physik, Mathe, technischen Zeichnen, Kunst, Rechnungswesen, Handelskorrespondenz in den oben genannten Sprachen, Buchführung, Recht, Geographie, Volkswirtschaft, Politökonomie, Nationalen und Weltgeschichte, Zoologie, Botanik, Mineralogie, der menschlichen Anatomie und Physiologie.

Von neuen Sprachen wählten die Schüler zwischen Englisch und Französisch. Ich vermute, dass mein Großvater französisch  lernte.

Kommerzschule in Halbstadt
Stärkefabrik von Jacob Willms, später Kommerzschule
Heinrich Dück, Kommerzschule, 1910
Heinrich Dück, Kommerzschule, Halbstadt

 

Die Anstalt hatte ein Internat, in dem auch Heinrich wohnte.  Die Kosten für die Unterbringung in dem Internat waren recht hoch und betrugen etwa 160 Rubel pro Jahr. Die Schülerzahl betrug 124 im Jahre 1910.  Es existiert ein Foto aus dem Jahre 1912, auf dem Heinrich mit der Kutsche aus Halbstadt nach Hause kommt.

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Heinrich Dück, Blumenort, 1912
Heinrich Dück, Blumenort, 1913
Heinrich Dück, Kommerzschulinternat
Heinrich Dück, Kommerzschulinternat, Halbstadt

 

Am 25.März 1944, währendes Krieges, in großer Not schrieb Heinrich in seinem Tagebuch:

„Ich erinnerte mich soeben an einen Fall aus meiner Schulzeit, wie wir 25 Schüler an der Zahl in unserm Kommerzschulinternat demonstrativ den Mittagstisch verließen, weil uns die Gelberübensuppe nicht gefallen wollte. Wie gerne hätte ich die heute zu Mittag gegessen.  Unser Mittag war heute eine Suppe von Hirseabgang; empfinde danach ziemliches Magendrücken.“

Ich habe noch eine sehr seltene interessante Postkarte, adressiert an den Schüler der 4. Klasse der Kommerzschule Heinrich Dück, von seinem Freund, geschrieben am 8.12.1909 in Berdjansk. Der Inhalt der Mitteilung:

 

Дорогой друг!                                                                         Liebe Freund!

Письма от меня неожидай.                                                      Warte auf meinen Brief nicht.

19 домой приеду,                                                                    Am 19. komme ich nach Hause,

во время каникул мы с тобой как-нибудь встретимся.              und wir treffen uns während der Ferien.

Тебе всё расскажу.                                                                  Ich erzähle dir dann alles.

 

Die Unterschrift ist leider sehr undeutlich, ich vermute „Klassen“.

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Als in der Schule 1910 ein Orchestra gegründet wurde, hatte Heinrich mit großer Begeisterung daran teilgenommen, denn er liebte Musik.

Heinrich Dück, Streichorchester, 1912
das Kommerzschule Zeugnis von Heinrich
Dück

Heinrich musste leider im dritten Jahr seiner Ausbildung, d.h. in der 7. Klasse, aufgrund des Todes seines Vaters Gerhard Dück die Ausbildung abbrechen. 

 

2013 besuchten meine Cousins Viktor und Wladimir Dick und ich Molotschansk (früher Halbstadt) und wir haben die Nebengebäude der ehemaligen Kommerzschule angeschaut, das Hauptgebäude existiert nicht mehr. 

die Nebengebäude der ehemaligen
Kommerzschule, Halbstadt (Molotschansk)
von links: Wladimir, Margarita und Viktor Dick, 2013

1914 hatte Heinrich die Kommerzschule als Fernkurs im Krim (Симферопольское коммерческое училище) abgeschlossen. 

Mennonitische Kommerzschule, Krim, Simferopol
Heinrich Dück, Simferopol, 1914

Mein Großvater war in seiner Jugend ein leidenschaftlicher Jäger.

Später schrieb er in seinem Tagebuch

 

26.11.1949. „Den größten Teil meiner freien Zeit in dem Jünglingsalter habe ich in der freien Natur verbracht auf der Jagd, Spaziergänge in der Natur oft mit dem Bleistift und Bloknot in der Hand, Gymnastik und Sport, Reiten, Schlittschuh laufen, Fußball und dergleichen.  Das hat in mir eine große Liebe für die Natur geweckt  und sehr wohltuend auf Geist und Gemüt gewirkt,  was von großer Bedeutung für mich für die auf der Jugend folgende schwere Lebensperiode gewesen ist und mich oft über die furchtbar schweren Verhältnisse hinüber weggeholfen hat.“

 

3.08.1944. „...etwa um eine halbe Stunde kam ich an einen kleinen See, der voller wilden Enten wimmelte, die in mir meine alte Leidenschaft als Jäger wachriefen. Allmählich neigte sich die Sonne dem Untergang zu und färbte den Abendhimmel mit seinen Wolken, wie gewöhnlich hier in den sibirischen Steppen, mit roten und goldenen Farben. Sobald die Sonne hinter den weiten Steppenhorizont verschwand, wurde es auch bald finster; am entgegengesetzen Horizont stieg dann der Vollmond auf.   Die Natur bleibt sich treu, während alles andere eine furchtbare Veränderung erlebt hat.  Ach, wieviel Lebenslust und Freude entsprossen in mir seiner Zeit und den Eindrücken der Natur.  Und jetzt?  Alles ist in uns zertreten.“

 

20.08.1944.  „Sonntag.  Gestern war starker Sturm mit Staub.  Heute trüber Herbsttag.  Diese Jahreszeit war früher doch immer eine recht schöne Zeit, denn man erntete fast ohne Ende vom Feld und Garten.  Ach! das schöne Obst, Arbusen und Gemüse.  In jedem Haus der schöne Apfelgeruch; dann das verschiedene Gebäck mit Obst usw. - ein wahrhaftes Paradies.  Gestern war der russische Apfelfeiertag;  dann kamen gewöhnlich die russ. Frauen in unsre Dörfer gefahren mit Enten und Gänse mit Obst eintauschen — eine Ente für ein Merka Birnen usw.

An diesem Tag jägerte ich als Jüngling gewöhnlich auf Juschanlee bei Reimers mit meinem Jugendfreund Heinz Klassen. Das waren herrliche Tage! Die Jagd auf Rebhühner in den heißen Vormittagsstunden am Rande des Waldes und in dem Schatten der langen Alleen. Dann das Mittag im halbdunklen kühlen Esssaal des prachtvollen Schlosses, der Gänsebraten, der Wein und die wunderschönen großen Arbusen. Dann die Nachmittagsruhestunde auf den weichen Ledermöbel im Kabinett des Jungen Gutbesitzers; die duftenden Zigaretten.  Überall Äpfel und Apfelgeruch. Die sorgenlosen Unterhaltungen über Jagt, Hunde und Pferde.  Die Hoffnungsvollen Stimmungen im Zusammenhang mit der herannahenden Schulzeit, dem Wiedertreffen der Schulkameraden und sonstigen schönen Begegnungen. Nur Sonne und Sonnenschein! Das war einmal. Unwillkürlich möchte man eine Parallele ziehen, ich will meinen Geist jedoch etwas in jener Zeit verweilen lassen.“

 

13.11.1944. „Auf dem Rückwege erblickte ich ein interessantes Bild, für mich als Jäger, neben einem Birken Wäldchen sassen auf der Erde und auf den Bäumen etwa 150 schwarze Birkhühner, die sonst nur einzeln in den Wälder anzutreffen sind.“

 

 

Heinrich Dück, ganz links, 1914

Im Frühling 1914 starb Heinrichs Mutter, Anna Dück, geb. Enns. Und kurz darauf brach der erste Weltkrieg aus. Dieses beendete die sorglose Jugend. 

„Es kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Hatten wir politisch auch nichts mit Deutschland zu tun gehabt, so sprachen wir doch die deutsche Sprache und unsere Kultur war deutsch.“1

Im Herbst 1914 wurde Heinrich  mobilisiert als Sanitäter zuerst zur türkischen Front und später zur österreichischen Front. In der ersten Zeit der Rekrutierung der mennonitischen Männer, die am 1. September 1914 in Jekaterinoslaw begann, durften diese zwischen Militärdienst, d.h. Sanitätsdienst, und Walddienst wählen, d.h. sie dürften ihren Dienst ohne Waffen leisten. Ca. 5000 Mennoniten gingen in den Sanitätsdienst. Sie arbeiteten als Krankenpfleger, deren Hauptarbeit darin bestand, in den Sanitätszügen oder auf den Sanitätsschiffen die Verwundeten von der Front zu holen.

Wie und wo genau Heinrich seinen Dienst leistete, weiß ich leider nicht. In einem seiner Lebensläufe im Jahre 1950 schrieb er: „ я был мобилизован и направлен в автосанитарный отряд кубанской пластунской дивизии, с которой я в течении трёх с половиной лет в качестве рядового солдата побывал на турецком и австрийском фронтах.“ „ich wurde rekrutiert und als Sanitäter einer Kuban Division an die türkische und österreichische Front geschickt“ Über diese Zeit habe ich leider keine Informationen, außer ein paar Bilder. Auf dem Foto ist an ihm eine Auszeichnung zu sehen, es wäre interessant herauszufinden, was sie bedeutet. 

Heinrich Dück, 1915
Heinrich Dück, rechts, Novorossijsk, 1916
Heinrich Dück, Tiflis, 1918
die Erlaubnis für die Fahrt nach Hause

Im Januar 1917 wurde Heinrich nach Tiflis überführt, um weiter beim Roten Kreuz als Buchhalter zu arbeiten. Gleichzeitig besuchte er den letzten Kurs einer Realschule für Erwachsene. 

Im Februar 1917 brach der russische Staat zusammen, der Kaiser wurde entthront und stattdessen eine provisorische Regierung eingesetzt. Es war im Oktober 1917, als die zweite Welle der blutigen Revolution ganz Russland überströmte, die Front-Soldaten (Millionen an der Zahl) verließen die Schlachtfelder und eilten mit ihren Gewähren ins Innere des Landes und das große Blutvergießen nahm seinen Anfang.

Für kurze Zeit wurde der Zusammenbruch jeglicher Ordnung durch den Einmarsch der deutschen Truppen in die Ukraine im Frühling 1918 gestoppt, unter deren Schutz die mennonitische Kolonien noch einmal aufatmen konnten. Die Kirchen wurden wieder eröffnet, sowohl bei Mennoniten wie auch bei den Russen, die Felder wurden bestellt, Ernten eingefahren. Das deutsche Militär ( 162-te Sachsenregement) hatte ihre Zentrale in Melitopol.

Im Sommer 1918, während die Deutschen noch da waren, erholten die Kolonisten sich langsam: Sie brachten die Ernte ein und versuchten, den allgemeinen Aufbau zu bewerkstelligen, natürlich mit großer Mühe, denn es fehlte an Geld, Pferdekraft, Dreschmaschinen und hundert anderen nötigen Sachen, um der verarmten und durch die Revolution und Krieg zerstörten Lage gerecht zu werden, aber man hatte Hoffnung und Mut.

Im Sommer 1918 wurde Heinrich aus dem Dienst entlassen. Er bekam vom Kommissariat der Stadt Vladikavkas eine schriftliche Erlaubnis für die Fahrt nach Hause. 1936 erwähnte er in seinem Tagebuch den Rückzug der Roter Armee, welchen er als demobilisierter Soldat von der Türkischen Front auf der Station Ilowajskoje (nicht weit von Donezk) im April 1918 erlebt hat.

Zu Hause hat sich Heinrich zuerst mit Dücks Landwirtschaft beschäftigt, so steht es in seinem Lebenslauf. Warum ich es bezweifele, berichte ich später.

„Als sich die Deutschen dann aber schon im Herbst desselben Jahres infolge des Zusammenbruches der westlichen Front zurückziehen mussten, brachen die Schrecken der Anarchie auch über Molotschna herein. Die Banditen kamen einfach auf die Höfe gesprengt und nahmen mit vorgehaltenem Revolver alles, was sich nehmen ließ, Pferde, Geld, Kleidungsstücke und Nahrungsmittel.“2

Aus der Erinnerungen von Jacob Dyck:

„Im Herbst nun, also nach Abzug der Deutschen, entstand eine volle Anarchie; es schien so, als sei der Satan losgelassen; der Hass gegen uns Deutschen (besonders Mennoniten) kannte keine Grenzen: Raub, Mord, Feuerbrunst, Gefängnis und Tausend andere Grausamkeiten, von denen man früher keine Ahnung gehabt hatte, waren an der Tagesordnung und niemand war sich sicher, ob er Nachts nicht abgeholt würde werden, hinter der Haufen geführt, und erschossen, worauf man dann in demselben Hause die Familie terrorisierte; Kinder ermordete, die Mutter vornahm, das sie oft leblos unter dieser Qual, die gewöhnlich 5-7 Mann ausübten, am Boden lag. Entstand dann mal eine Pause, durch das Vorgehen verschiedener "Weißer Generäle", wie Denikin, Wrangel, Koltschak und anderen, durch welche die Banditen verdrängt wurden uns sie scheinbar von der Bildfläche verschwanden, versuchten wir wieder aufzubauen, was jene zerstört und vernichten hatten.“

Der entlassene Sträfling und Verbrecher Nestor Machno organisierte eine große Räuberbande, bestehend aus entlassenen Sträflingen aus den umliegenden Russendörfern und der Terror ging weiter. In dieser Zeit griffen viele junge Männer an der Molotschna zu den Waffen, die von den Deutschen hinterlassen worden waren, und organisierten den sogenannten Selbstschutz. 

Da auch im Inneren Russlands ein großer und blutiger und mörderischer Kampf tobte, um die Regierungsmacht zu behalten, wurde in ganz Russland ein schrecklicher Bürgerkrieg geführt. 

Heinrichs Bruder Jacob Dyck schrieb:

„Der "Batjko Machno" wie ihn die Seinigen nannten, verbreitete sich im Süden, außer der Krim, immer mehr; und da man fast ungehindert rauben, stehlen und morden konnte, weil die Rote Armee aus dem Norden noch nicht eingetroffen war, wurde das Heer dieser Horden immer größer und verbreitete sich bis Jekaterinoslav am Dnjepr-Fluss, Alexandrowsk, der alten Kolonie u.s.w Die Bevölkerung, meistens wohl die deutschen und mennonitische Kolonien, Dörfer und Güter wurden tyrannisiert, die Frauen sehr belästigt, Männer aus etlichen Dörfern alle ermordet (richtiger hingeschlachtet). Es gab kein Erbarmen. Die Gefängnisse wurden geöffnet, von Sibirien strömten die Tausende, noch aus der Zaren Zeit Verurteilte, mit unermesslichen großen Hass und Rache in ihre Heimat zurück.“

Am 10. November 1919 war die Bartholomäusnacht von Blumenort. 20 Einwohner wurden auf grausame Weise abgeschlachtet, darunter zwei Prediger und auch der Lehrer des Dorfes. Dann wurde das Dorf in Brand gesetzt. Fast alle Dorfbewohner fanden sich hinterm Wald zusammen.

Morgens früh machten sich die Männer auf und gingen runter ins Dorf. Fast das ganze Dorf war eine Ruine. All das Vieh und die Pferde in den Ställen waren mit verbrannt. Franz und Jacob Dück (Heinrichs Brüder) spannten 2 Pferde, packten Decken, Kissen und andere nützlichen Sachen, nahmen Frauen, Kinder und Geschwister mit und fuhren gen Süden. Sie wollten eigentlich nach Berdjansk und dann per Schiff zum Kaukasus. Sie blieben über Nacht bei guten Freunden in Alexandertal. Weil die Banden abgezogen waren , änderten die Geschwister ihre Pläne und kehrten nach 2-3 wöchentlichem Aufenthalt zurück nach Blumenort.

Das Massengrab, Blumenort, 1919. Foto aus Lohrenz, Seite 258

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Sie fanden ihre Häuser ganz ausgeraubt.  Das Feuer der Revolution war wieder entfacht.  Schwerer als unter Verlust von Hab und Gut, litten die Menschen unter dem Gefühl persönlicher Unsicherheit, welches sie Tag und Nacht nicht mehr loswurden. Wenn ich den Lebenslauf (1950) von Heinrich lese, dann sollte er auch in dieser Zeit in Blumenort sein. Aber weil er in sowjetischer Zeit nicht alles offen schreiben konnte, vermute ich, dass er etwas verschwiegen hat. Warum denke ich so? Aus zwei Gründen:

- Seine jüngere Schwester Maria beschrieb in ihren Erinnerungen diese schreckliche Zeit ebenfalls  und erwähnte, dass ihr jüngerer Bruder derzeitig noch im Krieg gewesen sei .

- Heinrich schrieb in seinem Tagebuch im Jahre 1955 als er eine Frau Epp traf:   „Es  ist die Tochter von Kornelius Epp, bei dem ich mal anno 1921 als Deserteur hineinschneite zu einem großen Geburtstag und mich sehr am “minische” Zwieback, Schnittchen und Kaffee ergötzte.“

 

Warum verschwieg Heinrich, was er wirklich in dieser Zeit machte? Ich denke, dass eine einzige plausible Erklärung wäre, dass Heinrich irgendwo zwischen 1918 und 1921 der Weißen Armee diente. Und diese Tatsache musste man unter Sowjets für sich behalten, um am Leben zu bleiben. Er hatte darüber auch später seinen Söhnen nichts erzählt. Nachdem ich zu diesem Schluss kam, telefonierte ich mit meinem Bruder Andrej. Und er bestätigte es. Unser Vater Johann Dick erfuhr darüber von Peter Dück (Cousin von Heinrich), welchen er 1969 in Selenokumsk besuchte. 

Als die regulären Truppen der Roter Armee eintrafen, verbesserte sich die Lage etwas. Die rote Regierung versuchte dem Bandenwesen und den Raubüberfällen und dem Morden  Einhalt zu gebieten und in ganz Russland entstand „Ordnung und Ruhe“, selbstverständlich nach Rotem System. Bis dahin wurde ja der Diebstahl im Kleinen betrieben; doch jetzt hatte die Regierung alles in ihrer Hand und es gab kein Privateigentum. Die Dücks haben ihr Geschäft und ihre Ländereien verloren, alles wurde enteignet. Heinrich führte  während der Kriegszeit und besonders über die Jahre 1919-1925 ein Tagebuch, welches er aus Angst vernichtete. Vieles bleibt für immer leider in der Dunkelheit. 

Heinrich besuchte vier monatliche Tierzuchtkurse. Das wurde zu seiner Berufung fürs  ganze Leben. Er arbeitete aber in dieser Zeit, ich vermute von 1921 bis 1923, als Lehrer in der Dorfschule. Es herrschte Hungersnot. Und in dieser schrecklichen und schweren Zeit verliebten sich zwei junge Menschen ineinander: Heinrich Dück und Frieda Cornies.  

Heinrich Dück

Diese Jahre bis zur Hochzeit waren nicht einfach. Frieda, kam aus dem „Cornies“ Haus, welches unter russischen Mennoniten große Bedeutung hatte. Sie war eine sehr hübsche, ernste junge Frau, die aber an ihrer Liebe, ihren Entscheidungen zweifelte . Heinrich und Frieda waren verlobt und trotzdem kam der Moment, in dem sie über die Aufhebung der Verlobung nachdachten. Heinrich wollte nur eins, seine Frieda glücklich machen. Ich bin im Besitzt eines Briefes , welchen der verzweifelte Heinrich seiner Braut am 11. Januar 1922 schrieb.

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Liebe Frieda!

Da wir gegenwärtig selten die Gelegenheit haben, uns auszusprechen, und da wir bei Gelegenheit es gewöhnlich doch nicht so tun, wenn wir's uns vornehmen, und da ich dieses drückkende Gefühl, das mich gegenwärtig nicht verlässt, mal etwas abschütteln möchte, muß ich schreiben. Warum es uns so gehen muß und es so sein muß, weiß ich nicht, aber dass es so ist, das weiß ich; ich muß daher wider meinen Willen, entschiedene Stellung dazu nehmen. - Nicht zum ersten mal geht’s uns so, es ist nur mit dem Unterschied, dass wir früher mehr frei in unserem Tun sein konnten, während es jetzt damit schon etwas anders steht. Und doch soll dieses uns nicht hindern, so zu handeln, wie es für uns besser ist. Zögernd willigte ich damals auf diesen unsern ersten oficiellen Schritt ein. Aber ich baute teilweise auf Deine Gebete, die da aufrichtig sind, während meine

 

 

so kleingläubig und ohne Vertrauen sind; dann hoffte ich bei Dir doch Liebe gefunden zu haben, indem wir nach wiederholtem Auflösen unseres Verhältnisses doch immer wieder uns fanden, trotzdem ich manchmal mich bemühen wollte, es nicht zu rasch zus tun. Was zog uns denn immer wieder zu einander als nicht die Liebe? Und manche glückliche Stunde haben wir doch verlebt, Frieda;-aber leider zu oft wurde unser Himmel getrübt.- Wenn das im Leben auf immer so ist und sein wird, dass Wolken den Himmel trüben, so muß man doch, wenn man sich „ewig binden will“danach sehen, ob die Liebe erwiedert wird, oder nicht; wenn nicht, so fehlt vom Unerlässlichen das Unerlässlichste. Und wenn Du, Frieda, nicht glücklich bist und immer wieder an Deiner Liebe zweifelst, und sich diese Deine Stimmung immer wieder in gleicher Stärke wiederholt, so können wir uns kein Glück versprechen. - Mein Wunsch ist, Dich glücklich zu machen, denn nun dann kann auch ich glücklich sein.-  

 

 

Wenn Du nicht glücklich bist, Frieda, wozu wirst Du denn leiden?- Opfer will ich keine; dann opfre ich lieber, indem ich auf das ersehnte Eheglück verzichte. Denn es ist die Liebe, die die einzig wahre Grundlage des glücklichen Ehestandes bildet. Ohne sie ist die äußere Form der Verheiratung nur ein Spott.- Ich hätte schon lange zurücktreten sollen, was ich auch mehrere mal zu Dir gesagt und habe tuhn wollen. Aber immer wieder musste ich zurückkehren, wie weit ich auch schon von Dir entfernt gewesen bin.- Ich dachte, letzteres sei ein Beweis dafür, dass es für uns so besser sei: Und leider wissen wir bis jetzt noch nicht, was für uns gut ist. Wäre in dieser unserer Lage ein andres würde ich vielleicht eher zu raten wissen, wie zu handeln sei, aber das ist meine persönlichste Angelegenheit und daher weiß man sich nicht so leicht zu raten. Denn es ist nicht leicht, sich von dem zu scheiden, wofür man mehrere Jahre gelebt hat, und zwar vom Glück, das wir doch gehabt haben.  

 

 

Wie fühlte ich mich in den Stunden unseres Glückes so wohl bei Dir. War es Täuschung? -Nein.- Was machte mich denn glücklich? -Es war Deine Aufrichtigkeit mir gegenüber, Dein Vertrauen zu mir, Dein fester Glaube an Gott, und manchmal Deine Sorge um mein Seelenheil, was auf mich mehr wirkte, als viele Predigten, dann Deine Zärtlichkeit, Deine gefühlsvolle Teilnahme, Deine Lieder, die Du mir an entlegenen Plätzchen im Wald und auf der Wiese gesungen. Es waren die Stunden in denen ich zu Dir so sprechen konnte, wie mir um's Herze ward, und ich zu keinem Freunde hätte sprechen können.- Ich war wirklich glücklich.- Und oft musste ich doch schüchtern zurücktreten, wenn ich nicht Erwiederung fand und Deine Kälte merkte. Es machte mich manchmal fast befangen in Gegenwart von anderen. Und nicht selten bin ich dann betrübt von Dir nach Hause gegangen, wie am Heiligen Abend, so auch gestern abends.

Ich frage mich nun, nachdem Du mir gestern sagtest, wie Du zu mir stehst: Kann es nicht anders werden? Kannst Du auf Grund Deiner Erfahrungen noch auf etwas Besseres hoffen? - Ich fang schon an zu zweifeln.

 

 

Es fehlt an der Hauptsache: an der Liebe, an der Beständigkeit und Entschlossenheit, an dem Ewigkeitsgehalt, was man bei einer Lebensgefährtin suchen muß. Denn die rechte Ehe muß ein in unsere gefallene Welt herübergerettetes Stück des verlorenen Paradieses sein. „Das Christliche Heim muß eine sprudelnde Quelle der Liebe und Freude, der Hingabe und Treue, der Aufopferung und Selbstverleugnung sein.“ Wollen uns entschieden Rechenschaft ablegen auf Grund der gegenseitigen Prüfung, ob wir zueinander passen, oder ob wir einen Mißgriff getan haben, der später nicht mehr gut zu machen ist. Jetzt ist noch Zeit dazu, denn von dem Ehegelöbnis gibt’s keinen ehrenvollen Rückzug mehr. Wenn uns Gott den Verstand gegeben hat, so will er auch, dass das Herz auch etwas acht auf die Stimmen desselben gibt und wir dachten und überlegten, urteilen und unterschieden. Und wenn wir merken, dass wir einen Missgriff getan haben, so ist jetzt noch immer Zeit zurückzutreten, während später nicht mehr; denn die Ehe dauert

 

 

„bis der Tod uns scheidet“ Das Band der Ehe kann nur gelöst werden durch den Schiffbruch des Lebens. Hieraus der ungeheure Ernst des Ehegelöbnisses, so dass es uns klar ist, dass wir diesen Schritt nicht so machen können, wie wir wir(?) den Schritt zu unserer Verlobung gemacht haben, sondern uns ganz der göttlichen Weisung und des Segens klar bewusst sein müssen. Darum nochmals prüfe, was sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Die Aufhebung unserer Verlobung würde uns großen Kummer machen, wenn aber Gottes Hand darinn (?) ist und das, was unvermeindlich erscheint, den Plan unserer ehelichen Verbindung durchkreuzt, so ist es besser, sich zufrieden geben, ohne zu klagen. Es fällt mir schwer, diesen Brief Dir zu schicken, aber wir müssen ins Klare über uns kommen. Vor allen Dingen weise und mit Bedacht handeln;Schonung gegenseitig- und Deinen Eltern gegenüber. In allem, Frieda, hab ich Dein Wohlwollen mir gegenüber gesehen und verspürt, drumm

 

 

verzeih bitte, wenn ich Dich irgend wie in diesem Briefe verletzt habe.


in Liebe 

Dein Bräutigam   H.Dück


11/I 22

Blumenort  

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Die Liebe siegte und beide fanden zueinander. Am 3. Juni 1923 feierten einst sehr wohlhabende Familien in sehr ärmlichen Verhältnissen die Hochzeit von Frieda und Heinrich. Es war gleichzeitig der 54. Geburtstag von Friedas Mutter, Margaretha Cornies. Das Brautpaar konnte sich den Fotografen nicht leisten, und so haben wir kein  Foto von diesem Ereignis. 

Die erste Zeit bewohnten sie ein Zimmer in Dücks Haus, wie auch noch Bruder Franz und Schwester Maria.

1923-24 ging durch alle mennonitischen Kolonien Russlands eine große Auswanderungsbewegung. Man hatte seit Beginn des ersten Weltkrieges zu viel erfahren, man fürchtete noch Schlimmeres für die Zukunft. 

Aus der Erinnerungen von Jacob Dyck:

„Da wir nun sah'n, dass kein Vorwärts kam und war verbreitete sich das Auswanderungsfieber immer mehr mit B.B.Janzen an der Spitze; und so versuchte auch ich die Papiere zu bekommen. Aber es war nicht so einfach; es nahm 4 volle Jahre bis wir endlich einmal über die Grenze kamen; wir mussten alle noch eine schwere Leidensschule durchmachen; nach zwei Richtungen hin arbeiten. … ich aber versuchte fast Tag und Nacht die nötigen Auswanderungspapiere auszuwirken; was mir dann auch gelang, oft unter Lebensgefahr. Die Roten hatten die geladenen Revolver oft auf den Tischen liegen.“

Am 28. Februar des außergewöhnlich schneereichen Winters 1924 wurde mein Vater Johann Dück geboren.  Bei der Geburt stand Frieda  ihre Mutter Margaretha Cornies bei. Heinrichs und Friedas erster Sohn bekam seinen Namen nach Vater, Groß- Ur- und Ururgroßvater von Frieda. Zu Hause nannte man ihn Hansi. 

Ungefähr in dieser Zeit bekam Heinrich eine neue Anstellung als Verwaltungsangestellter für Landwirtschaft und Viehzucht. Die Arbeit gefiel ihm. „ Diesen Posten mit etwaigen Veränderung und Definition der Funktionen habe ich über 5 Jahre und zwar bis zum Frühling 1929 bekleidet. Unter meiner Leitung und aktiver Mitwirkung hat das Kontrollwesen und Zuchtarbeit in der Zucht der Deutsch-roten Kuh und die kooperative Verarbeitung und der Absatz der Milchprodukte in dem Tätigkeitsrayon unsrer Genossenschaft (früherer Halbstädter Bezirk) seinen Anfang genommen und großen Aufschwung erlebt.“, schrieb Heinrich in seinem Tagebuch 1935.

Die sowjetische Regierung hatte eingesehen, dass man ein langsameres Tempo einschlagen musste, um einem völligen wirtschaftlichen Bankrott vorzubeugen. Die Privatinitiative kam wieder zu einer gewissen Geltung, und schon nach kurzer Zeit merkte man einen wirtschaftlichen Aufschwung. Obwohl man nicht mehr als 30 Deßjatin Land bearbeiten durfte, ging man aber doch mit neuem Mut an die Arbeit. Und es war der größte und entscheidende Fehler meines Großvaters Heinrich Dück, welcher schwere Auswirkungen auf das Leben seiner Familie hatte, dass er  von diesem politischem Zug seitens der Regierung geblendet wurde und geglaubt hatte, dass alles wieder gut wird. Auch das Geschäftsleben hatte einen erfreulichen Aufschwung. Im Blumenort wurde in dieser Zeit neben Dücks Haus eine große Molkerei errichtet, in der Butter, Käse und andere Molkereiprodukte produziert wurden. Heinrich war nicht allein mit seinem Enthusiasmus und Glauben, hier in seiner Heimat  wieder zu Wohlstand und Erfolg zu kommen. Sein engster Freund und gleichzeitig Ehemann seiner Schwester Anna- Peter Neufeld, teilte seine erwachende Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei, und dass normale Verhältnisse eintreten würden. Und so entschlossen sich Heinrich Dück und Peter Neufeld mit ihren Familien in der alten Heimat zu bleiben.  

Auswanderung 1924 auf der Station Lichtenau,
Der Bote Nr. 14, 2.04.1974
Station Lichtenau, 2013
Station Lichtenau (heute Svetlodolinskoe), Bahnhof, 2013

„Nur begann die große Auswanderung. Von der Molotschna gingen die ersten Züge im Sommer 1924. Man reiste in sogenannten Eschelons. Ein Eschelon war immer ein ganzer Zug, der ungefähr 1000 Auswanderer fasste.“1  Im Juni 1924 fuhren Frieda´s Eltern und 3 Schwestern Gredl, Liesel und Marta mit anderen mennonitischen Emigranten nach Nord Amerika. Eine große Menschenmenge versammelte sich auf Station Lichtenau, Verwandte und Freunde der Abreisenden. Der Abschiedsschmerz war unerträglich. Keiner konnte vermuten, dass es ein Abschied für immer sei. Frieda wollte natürlich auch mitfahren, aber Heinrich überredete sie zu bleiben, das bereute er später. Und er hatte Schuldgefühle gegenüber seiner Frau und Kinder. 

Ein Jahr später emigrierte letzte Friedas Schwester, Käthe mit Familie. 1926 folgten Heinrichs Geschwister der Auswanderung nach Kanada. 

Jahre später schrieb Heinrich:

„Wie Frieda´s Eltern so später ganz besonders meine Geschwister bemühten sich auch uns, d.i. mich und den Schwager P. Neufeld mit Familien, zur Emigration zu bewegen, was jedoch erfolglos blieb, da wir beide meinten uns von unserer öffentlichen Arbeit, in der wir standen, nicht trennen zu können, und anderseits, ich mich fürchtete in ein Land zu ziehen in dem ich weder Sprache noch Verhältnisse kenne und somit einer Exploitation ausgesetzt wäre; zudem war ich auch der Meinung dass ein Teil der Auswanderer früh oder spät je nach Erfolg der wirtschaftlichen Aufschwünge in unserm Lande wieder zurückkehren würden.“

„Es fallen mir heute die Worte meiner Schwägerin Tine bei, die sie bei ihrer Abfahrt vor 15 Jahre äußerte wie wir uns wohl allein in Krankheitsfällen zurechtfinden würden. Ja, damals waren wir noch jung und gesund und sahen keine Gefahren.  Heute ist es doch schon weit anders.“

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Am 12. Oktober 1925 bekamen Heinrich und Frieda ihren zweiten Sohn Heinrich, und drei Jahre später am 8. September 1928 die Tochter Rita. Das Mädchen starb im Alter von einem Jahr und 4 Monaten nach kaum viertägiger Lungenentzündung. Der Schmerz der Eltern war sehr groß, und es brauchte viele Jahre um diese tiefe Wunde zu heilen.

Blumenort ca 1928, links Fam.Dück, rechts Fam. Neufeld. Im Hintergrund ist das Haus der Familie Dück (der Dycksche Hof).

Im Frühling 1929 kündigte Heinrich seine Arbeitsstelle, um sich mit einer kleinen Privatwirtschaft auf 16 Hektar Land zu beschäftigen. Die Privatinitiative kam wieder zu einer gewissen Geltung und man bemerkte einen Wirtschaftlichen Aufschwung.  Doch schon sehr bald erwachte man aus diesem schönen Traum, aber es war schon unmöglich aus Russland zu entkommen. 1930 begann in Blumenort die Kollektivierung der Landwirtschaft. Es war die extreme Form des Sozialismus  praktisch umgesetzt. Man musste sämtliches Vieh und alle Ackergeräte in den Kollektiv abgeben. Jedes einzelne Dorf bildete sein eigenes Kollektiv. Manche Familien mussten jetzt zusammenziehen, weil ihre Häuser und Stallungen für Kollektivzwecke benutzt wurden. 

„Auf unserm Hof waren inzwischen außer uns und Brauns noch 6 Familien (meistens russische) einquartiert. Ein jeder versuchte nun seine Privatwirtschaft anzulegen und begann mit Hühner, Ferkel und Kalb.  Die Sache wurde somit immer bunter und Grenzen waren keine mehr festzulegen.  Und wenn fremde hungrige Hühner die Hälfte unsrer Kartoffel aus der Erde hackten, wenn die gekaufte Holzblöcke vor unsrer Haustür oder sogar der Zaun neben dem Hause über Nacht verschwanden und den Junggesellen auf dem Hof ihr Zimmer erwärmte so musste man sich des Friedens halber damit ganz zufrieden geben und diese Angelegenheit mit Stillschweigen umgehen.  Haben daher mit unsern Haus- und Hofgenossen immer Frieden gehabt.“,  schrieb Heinrich in seinem Tagebuch.

Sein engster Freund und Schwager Peter Neufeld wurde als Sekretär und Rechnungsführer in die erste Verwaltung des Kollektivs gewählt. Im Sommer 1931 wurde er von der NKWD verhaftet und ins Exil geschickt. Peters einzige Schuld war, der Sohn eines ehemaligen großen Landbesitzers zu sein. Deswegen war er „der Feind des Volkes“. Es war die Entkulakisierung, unter diesem Worte versteht man die gewaltsame Vernichtung des einst wohlhabenden Teils der Bauernschaft durch die Sowjetregierung. 

Heinrich wurde im Januar 1931 als Viehzüchter im Kollektiv angestellt. Er arbeitete von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts, was auch sehr schnell auf seine Gesundheit schlug und er wurde gezwungen eine leichtere Tätigkeit zu suchen. Am 1. IV. 1932 trat er als Techniker in Zuchtangelegenheiten in den Dienst des Stützpunktes Südlichen Forschungsinstituts für Rindviehzucht. 

Am 5. IV. 1931 hat die Familie Zuwachs bekommen, ein blauäugiges und blondes Mädchen, Erika. Im Herbst 1932 wurden beide Jungs, trotz Altersunterschied, in die erste Gruppe der Blumenorter Dorfsschule eingeschult. 

Die Familie Dück besaß, außer einer kleinen Wohnung im früheren Elternhaus und einem Gemüsestück garnichts mehr, sie mussten alles ins Kollektiv abgeben. 

Ab August 1934 wurde Heinrich ins Charkow Institut überführt, wo er von ihm gesammeltes Material zur Erforschung der Vererbungsfähigkeiten einzelner Zuchttiere bearbeitete. Und somit wurde er von seiner Familie getrennt. Im Januar 1935, als die Lebensmittelversorgung in Blumenort noch schlechter wurde und eine Wohnung für die Familie in Charkow nicht zu bekommen war, entschied Heinrich, den Heimatort zu verlassen um nach Melitopol zu ziehen. Obwohl der Stadt Melitopol nur 40 km entfernt war, wurde der Umzug im Winter sehr problematisch. Heinrich beschrieb die ganzen Strapazen sehr gut in seinem Tagebuch. Ab Februar 1935 war er wieder mit der Forschungsarbeit in dem Molotschansken Stützpunkt beschäftigt. Die Wohnung in Melitopol befand sich auf der Nekrassowa Straße, diesen Stadtteil nannte man „Krasnaja Gorka“. Hans und Heini setzten das Lernen in der 3. Klasse der deutschen Parallelklassen einer hiesigen russischen 7 klassigen Schule wieder fort.  Bis zur Schule hatten sie etwas 1,5 - 2 km  zu gehen, bis zum Stadtzentrum. 

Im August 2013 suchten wir vergeblich nach diesem Haus in Melitopol. Leider wussten wir die Hausnummer nicht und von älteren Bewohnern konnte man kaum jemandem finden. Zum Glück ist die Nekrassowa Straße sehr kurz, deswegen konnten wir wenigsten die Gegend anschauen, in der die Dück`s wohnten.

Aus dem Tagebuch:

„23.V.1935.  Wir sind doch eigentlich schon gründlich ausgepowert: haben ein schlechtes Quartier, mangelnde Kleidung, schmale Kost, die fast ausschließlich aus Hirse und Brot in täglich zugemessenen Rationen besteht, besitzen weder Hühner noch irgend ein andres Haustier, haben kein Gemüse setzen können usw. usw. Zudem unsichere Einnahmsquelle- einfach fatal!“

Wegen der längeren Dienstreisen Heinrich´s blieb Frieda oft alleine mit den Kindern in der fremden Stadt.

Trotz Geldmangel ließen sie sich zusammen fotografieren, um den Geschwistern und Friedas Eltern ein Photo zu schicken. 

1935, von links Heini, Frieda, Erika, Heinrich, Hans

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Im August 1935 sind sie wieder umgezogen, diesmal zur Station Schelannaja. Folgende Entschädigungsbedingungen für Heinrich´s bevorstehende Arbeit wurden bekannt gegeben: 350 Rubel Monatsgage, Wohnung, Beheizung und Überfahrt mit Familie frei, ein Geldvorschuss in Höhe von 300 Rubel.  Für seine Qualifikation in der Viehzucht war dies ein anständiges Angebot. Das Hauptproblem war jedoch die Schule für die Jungen.  Heinrichs Versuch, eine Wohnung in dem 4 km entfernten deutschen Dorf Ebental mit einer 10-Klassen Schule zu finden, misslang. 

Die Wohnung auf Station Schelannaja befand sich am Straßenende einer kleinen Butterei und bestand aus zwei Zimmern, einem angebauten Flur und einem kleinen Keller daneben. Einen Hof gab es nicht.  Hans und Heini besuchten zuerst die ukrainische Schule, was viel Sorgen bereitete. 

Das andauernde Ausbleiben jeglicher Nachrichten von den Verwandten aus Kanada verstärkte das Gefühl der Einsamkeit, besonders stark bei Frieda während Heinrichs Dienstreisen.

Im April 1936 sind sie noch einmal in eine bessere Wohnung umgezogen, in die direkte Nachbarschaft mit dem Heinrichs Vorgesetzten. 

Mein Großvater besuchte im Frühling 1936 monatliche Kurse für künstliche Befruchtung ins Charkower Forschungsinstitut für Viehzucht. 

Die Lebensverhältnisse haben sich verbessert, im Sommer hatte Familie schon ein Schweinchen, ein Ferkel, 5 alte und 11 junge Hühner und etwa 65 Küken und 2 Hähne, einen schönen Gemüsegarten.

Eine traurige Nachricht kam aus Kanada, der Tod von Friedas Vater Johann Cornies. In diese Zeit quälte Heinrich noch mehr das Bewusstsein, dass Frieda seinetwegen eigentlich von ihren Eltern getrennt worden war und  ihnen nicht folgen konnte. 

Johann Cornies IV.
die Beerdigung von Johann Cornies IV., 1936
Memrik Kolonie, "Memrik" H. Goerz

Im Herbst 1936 gingen die Kinder endlich in die deutsche Schule nach Ebental. Dafür mussten sie  jeden Tag früh morgens um viertel nach sechs übers Feld, der Bahn entlang vier km zu Fuß in die Schule gehen und kehrten nachmittags zurück. Große Sorge bereitete das Fehlen an nötiger Kleidung und Schuhen. Der Winter stand bevor, aber eine Übernachtungsmöglichkeit für Kinder in Ebental konnte man nicht finden. Im Februar 1937 endlich wurde diese Frage positiv gelöst, Hansi und Heini wurden im Internat der Nikolajewer (russische Name von Ebental) Schule untergebracht.  Beköstigt wurden sie in der Artels Speisehalle.  In ihrem verhältnismäßig kleinem Zimmer standen dicht nebeneinander neun zweistöckige hölzerne Bettgestelle.  Im Zimmer befanden sich somit 18 Schüler.

1937-1938 waren die Schreckenzeiten in der UdSSR. Eine Terrorwelle ging über das ganze Land. Millionen von unschuldigen Menschen verloren Freiheit und Leben, oft aus dem alleinigen Grunde, dass sie einmal der besitzenden Klasse angehört hatten. Meistens kamen die Autos nachts und holten ihre Opfer. „Milizionäre kamen ins Haus, lasen von einer Liste den Namen des Familienvaters oder Sohnes und gewährten ihnen eine halbe Stunde Zeit, sich fertig zu machen und Abschied zu nehmen von ihrer weinenden Familie. Es war für die Betroffenen fast schwerer als den Tod zu ertragen; wusste man doch, dass es nicht nur ein Abschied für immer, sondern für den geliebten Vater oder Mann auch der Anfang einer schweren Knechtschaft sei, von der ihn nur der Tod erlösen würde.“2 Tag und Nacht hatten Heinrich und Frieda furchtbare Angst. Wenn man aus dem Schlaf von dem Geräusch der Autos geweckt wurde, fragten sie sich: „Wird es uns dieses Mal gelten?“

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Deswegen dachte Heinrich noch einmal darüber nach, Wohn- und Arbeitsort zu wechseln. Große Sorgen machte ihm die Schule für seine Jungen.  Das Internat war ziemlich voll und die kostspielig.  In der Schule wurde schon zum größten Teil in russischer Sprache unterrichtet.

Im August 1939 beendete Heinrich einen Fernkurs bei der Moskauer Fremdsprachen Fachhochschule als  Übersetzer für die deutsche Sprache. 

Der Winter 1940 war sehr streng, die Schneedecke erreichte durchschnittlich ca. 3/4 Meter Dicke. Die Familie war in Geldnot. Der Winter brachte viel Schweres mit sich: Beheizungs- Beleuchtungs- und Kleidungssorgen, Krankheiten usw. In Europa tobte der 2. Weltkrieg.

Weil Heinrich kein diplomierter Spezialist für Viehzucht war, sondern nur ein Praktiker,   absolvierte er im Herbst 1940 einen sechsmonatigen Viehzucht-Kurs in Charkow Zooinstitut. 

Im Februar 1941 wurde der Stutzpunk, in dem Heinrich gearbeitet hat, liquidiert. Die Not wurde immer größer, Friedas Gesundheitszustand verschlechterte sich. Der Wohnungszustand war sehr schlecht,  in der Küche und Flur regnete es fast so wie draußen. Aber für die Renovierung fehlte das nötige  Geld und die Kraft. Sie hatten seit mehreren Monaten kein Kerosin mehr und waren vollständig ohne Beleuchtung. Ab März bezog Heinrich den Posten als Inspektor für Rinderzucht. Sein Tätigkeitsbezirk enthielt 13 Viehfarmen im Radius von ca. 12-13 km. Dafür wurde ihm ein Pferd und ein Fahrrad zur Verfügung gestellt.  

„22.VI.1941  Sonntag.  Ein sehr ernster Tag.  12 Uhr 15 Min. meldete der Volkskommissar des Auswärtigen Amtes Genosse Molotow, dass Heute Uhr 4 des Morgens die Rote Armee von deutscher, finnländischer und rumänischer Seite angegriffen worden und somit der Krieg ohne Kriegserklärung begonnen habe.“, schrieb Heinrich in seinem Tagebuch.

Und als man dachte, es kann nicht noch schlimmer kommen, wurden Heinrich mit seinen Söhnen zur Trudarmee (Arbeitsarmee) mobilisiert. Es bedeutet, dass alle Männer (Deutsche und Mennoniten) im Alter zwischen 16 und 65 Jahren, gewaltsam in Waggons verladen wurden und nach dem Osten geschickt. Die Trennung von zu Hause war sehr schwer, man wusste nicht, ob sie irgendwann zurückkehren würden. Im letzten Moment wurde der jüngste Sohn Heinz freigelassen. Unbeschreiblich schwer war das Los der Zurückgebliebenen, Frieda, Heinz und Erika.  Am 11.September 1941 fuhr der Zug mit Heinrich und Hans in unbekannte Richtung. Am 22.September sind sie im Ural angekommen. Das Lager, wo die beiden untergebracht wurden, befand sich im Wald, überall Schnee.  Rundum Stacheldrahtzaun und weiter mit Schnee bedeckte Tannen und Birken. Dazu ganz magere Kost und schwere Arbeit. Was Heinrich und Hans dort erlebt haben, kann man kaum begreifen. Fast jeden Tag starb jemand in der Baracke. In diesen unmenschlichen Verhältnissen schrieb Heinrich weiter in seinem Tagebuch. Woher er die Kraft dazu bekam , weiß ich nicht. Ständige Sorgen um die Familie zu Hause konnten einem den letzten Verstand rauben. Längere Zeit bekamen sie keine Nachricht von ihren Lieben. 

Frieda durfte mit ihren Kindern auch nicht zu Hause bleiben. Am 3. Oktober wurde der Befehl erlassen, dass alle Mennoniten der Ansiedlung , Frauen, Kinder und die noch zurückgebliebenen Männer, evakuiert werden sollten. Sie mussten sich alle innerhalb von zwei Stunden mit ihren Sachen fertig auf der Station Schelannaja einfinden.

„So mussten alle diese unglücklichen Menschen in Regen und Schnee (es schneite in diesem Jahre sehr früh) zwei Tage lang unter offenem Himmel liegen, bis endlich einmal Waggons da waren, sie einzuladen.“2

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Am 2. Dezember bekam Heinrich endlich die eine langersehnte Nachricht von seiner Familie, eine Karte von seiner lieben Frieda folgenden Inhalts.  15.XI.41.  “Vorgestern in Pavlodar angekommen, befinden uns neben der Station und warten auf weitere Beförderung in die Kolchose.  Wir sind gesund einstweilen, Erika fühlt sich schwach. Wenn Ihr Euch schon eingerichtet habt, macht es doch möglich, dass wir zu Euch kommen, denn Heini ist doch noch klein und ich nicht gesund.  Es ist sehr kalt.” Die Freude war sehr groß, dass alle noch am Leben sind.

Wie viele andere wurden Frieda mit ihren Kindern in die kasachische Steppe vertrieben.

Im Februar 1942 durften Heinrich und Hans zu ihren Familie zurück. Die Fahrt nach Pavlodar im sehr kalten Waggon mit 50 hungrigen Menschen dauerte sieben Tage. „14.II.42.  Wie die reisenden Tiere sind unsre Menschen, die dieses durchgemacht haben.  Von menschlichen Gefühlen absolut keine Spur mehr. Bitterer Kampf ums Dasein.“

Und  nach der Ankunft brauchten Heinrich und Hans noch 14 Tage, um ihre Familie zu finden.

„7.III.42.  Gestern spät abends haben wir uns nach sechsmonatlichen Scheiden alle wiedergefunden, und zwar in einem kleinen sibirischen Häuschen des Dorfes “Motogul”, Pavlodarschen Gebiet.  Es ist eine wunderbar gnädige Führung.  Frieda ist sehr abgemagert, Heini ist sehr gewachsen und sehr selbstständig geworden, am wenigsten hat sich Erika verändert.“

„8.III.42.  Einen Tag in meiner Familie verbracht.  Zu erzählen haben wir uns ohne Ende, denn erlebt haben wir ein jeder im einzelnen im Laufe eines halben Jahres mehr als die meisten früher im ganzen Leben.  

Die Freude über unser Wiedersehen ist unbeschreiblich, trotzdem sehr primitiven Lebensverhältnisse, in die wir hinein geraten sind. Hansi und ich haben uns schon sehr ergötzt an der ungewohnten Kost, dicker Weizenbrei und Schlichtmehlklöße, denn 6 Monat haben wir nur Suppen gegessen und nie etwas Dickes.  Unterwegs haben Hansi und ich viel gehungert, nur in den letzten 2 Tagen, als wir schon in Verbindung mit den Motoguler Kolchosniki kamen, war uns etwas mit Brot geholfen. Der Vorrat im Hause ist etwas 5 Kilo Weizen.“

Ein sehr schwere Schicksal traf die Familie im März 1942. Erika, die nur 11 Jahre alt war, starb an Meningitis.  Am 3. April trugen sie zu viert das liebe Kind zu Grabe, am Ufer des Irtysch. Diesen Verlust konnten Frieda und Heinrich bis zum Ende ihres Leben nicht verarbeiten. „es scheint so, als wenn wir nie mehr werden froh sein können.  Alles hat seinen Wert verloren.“ „...ich frage mich heute, ob ohne unsre liebste Erika ein glückliches Familienleben möglich ist.“

Not und Hunger hatten kein Ende. Im November 1942 wurden wieder Männer, aber auch Frauen im Alter bis 45 Jahren zu Trudarmee mobilisiert. Und so blieb Frieda ganz allein in der sibirische Kälte ohne Familie, ohne  auch nur den kleinsten Vorrat von Lebensmitteln. Am 4. Dezember kamen Heinrich und seine Söhne in Buguruslan an. Und es ging weiter ums Überleben, starker Frost, kaum Essen. Das Einzige, was sie am Leben hielt, das war der Traum wieder zusammen zu kommen und das ständige Warten auf Post, um ein Lebenszeichen von Frieda zu bekommen. Alle drei arbeiteten sehr hart von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Es ist fast unmöglich sich vorzustellen, was alle vier erlebt haben. Mir fällt es sogar schon schwer, die Notizen meines Großvaters aus dieser Zeit zu lesen.

Teilweise war Frieda in einer ganz schrecklichen Lage, ohne Obdach, Nahrung, Kleidung und Arbeit, bei schwacher Gesundheit.

Am 10.XII.43 wurde mein Großvater von einer medizinischen Komission in Buguruslan für weitere Arbeit dort für unfähig erklärt und aus der Arbeitskolonne demobilisiert. Die Freude war sehr groß, weil es die Möglichkeit war, Frieda aus ihrem Not zu retten. Hans und Heinz besuchten beide ihren Vater zum Abschied. Obwohl es Hansi schwer fiel, so war er doch mutiger, weil er sich besser zurechtfand in jenen Verhältnissen.  Heini war etwas gedrückt und schweigsam weil es ihm materiell sehr schlecht ging. 

In der fremden kasachischen Schneesteppe trafen sich endlich Heinrich und Frieda. „... es war meine vereinsamte liebe Frieda.  Wir fielen uns um den Hals.  Welch eine Freude.  Man hatte Frieda gesagt dass ich in dieser Richtung gegangen sei,  und sie eilte mir nach.  Frieda fand ich sehr verändert, sehr mager und gealtert, eine Folge jähriger furchtbar schwerer Zeit.  Wir zogen nun mein Schlittchen zusammen weiter und kamen sehr müde zum Abend nach Osmirijesk.“ 

In dem Zimmerchen, in dem Frieda wohnte, durften sie nicht bleiben und so musste  Heinrich dringend eine kleine billige Wohnung und eine Arbeitsstelle für sich suchen, welche er  in Katschiri in der Landabteilung als Zootechniker gefunden hat. Nach einer Woche, die mit viel Strapazen, Frieren und Hunger verbunden war, haben sie endlich ein Quartierchen gefunden. Frieda wurde schwer krank und musste ins Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunk war Heinrich schon 3 Wochen und Frieda über 3 Monaten ohne Brot. 

„18.I.44.  Wie schwer ist mir ums Herze in meiner Einsamkeit; meiner lieben Frieda Zustand wird immer schwerer. Gestern sagte mir der Arzt dass es wohl nicht Typhus sei, heute jedoch kam er und sagte, dass es Flecktyphus ist.  Ich besuchte sie heute und sprach mit ihr durchs Fensterchen im Corridor.  Mir schien es so, als wenn sie etwas im Delirium war.  Ich soll an die Arbeit treten, ich habe jedoch keine Kraft dazu;  ich bin furchtbar geschlagen.  Zudem in einem neuen Quartier, wo die Wirtsfrau wohl unzufrieden, dass wir ihr so eine Krankheit ins Haus gebracht haben und sie mit ihrer Familie in Gefahr gebracht. Kann Gott sich meiner erbarmen?!

3 Uhr nachmittags — war eben bei meiner lieben kranken Frieda im Krankenhaus und brachte ihr ein Stückchen Butter. Frieda spricht sehr erregt und ernst;  sie wollte mich nicht gehen lassen, weil sie meint es gehe mit ihr dem Ende zu. Sie sprach nur von Gott und Ewigkeitsfragen. O, wie ist es so schwer.  Wie gerne möchte ich bei ihr bleiben und nicht von ihr gehen.  Man erlaubt es jedoch nicht.  Das Herz will einem darüber brechen. Schon so viel Schweres durchgemacht — sowas jedoch noch nicht.“

Ende Januar besserte sich Friedas Zustand langsam. Das Leben musste weiter laufen, jeden Tag quälten sie die gleichen Fragen: wie kriegt man das Zimmerchen warm, wie bekommt man etwas zu essen, und ewiges Warten auf Nachrichten von Hans und Heinz und beten, dass sie am Leben bleiben. Die Ganze Zeit ein bitterer Kampf ums Dasein.

Am 9. Mai 1945 kam die freue Botschaft, dass in Berlin Frieden geschlossen wurde. Die Jungs durften aber noch nicht nach Hause kommen.

Heinrich nahm eine Anstellung als Zootechniker in Zuchtarbeit der neu organisierten  Staatszuchtstation in der 150 km entfernten Stadt Pavlodar an. Vor dem Umzug wollten meine Großeltern noch einmal Erikas Grab besuchen, denn man wusste nicht, ob sie jemals wieder herkommen würden können. Aus grünen Birkenholz machte Heinrich mit dem Beil ein Kreuz, brannte Erika’s Namen, Geburts- und Todes Jahr hinein und fuhr mit Frieda los, um es aufs Grab zu stellen. 

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„Unsre Herzen waren voller tiefer Schmerz und Sehnsucht nach unserm lieben Kind.  So manche Träne hat es uns wiederum gekostet. Unser Gebet am Grabe zu Gott war,  möchte er uns doch den Glauben und die Hoffnung auf eine Auferstehung und ein ewiges seliges Leben stärken und uns in der Ewigkeit mit unserm lieben Kinde ein Wiedersehen schenken.  Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von dem Grabe unsers so heißgeliebten Kindes.  Um später vielleicht nochmal von einem Künstler ein Bild vom Grabe malen zu lassen, machte ich mit dem Stift eine kleine unvollkommene Zeichnung. Das Grab befindet sich am Ufer des Irtyschniederung, unten am Ufer steht eine Gruppe Pappellähnlicher Bäume, dahinter die überschwemte Niederung des rechten Irtyschufers, weiter ein ununterbrochener grüner Streifen des bewaldeten linken Irtyschufers.  Über dem Gewässer Möwen und sonstige Wasservögel.  In der entgegengesetzten Richtung zieht sich die unendliche grüne sibirische Steppe. Dies ist der Ort, an dem unser liebes Kind seinen letzten Ruheort gefunden hat. Wie gerne wir nicht aus dieser sibirischen Einöde hinaus möchten, schneidet uns doch tief schmerzhaft ins Herz der Gedanken davon, dieses liebe Grab hier zu verlassen.“

Jahre später fuhr mein Onkel Heinz mit seiner Frau und dem Sohn Waldemar zu diesem Friedhof, sie konnten aber leider das Grab nicht finden.

Ende Juni mieteten meine Großeltern ein Zimmer in Pavlodar für 150 Rubel, was sehr teuer für sie war, und ein kleines Gemüsegrundstück auf der anderen Seite von Irtysch. Nun im Jahre 1946 ist es ein bisschen besser mit der Lebensmittelversorgung geworden.

„29.IV.46.  Vor einem Jahr hatten wir es noch furchtbar knapp an Lebensmittel; Heute ist bei uns von Hunger schon keine Spur.  Brot haben wir genug.  Sicher sind es keine gewählte Produkten, jedoch satt zu essen haben wir.  Gott sei Dank!“

Der älteste Sohn Hans (mein Vater) kam aus Trudarmee Ende August 1946. Meine Großmutter hatte ihn fast vier und Großvater fast drei Jahre nicht gesehen.  Die Freude war selbstverständlich sehr groß.  Hans fanden sie, er sei noch gewachsen, jedoch etwas mager. Es kam wieder mehr Leben ins Haus und auch Hilfe. Heinz durfte im November nur zu Besuch kommen. 

Meine Großeltern machten sich große Sorgen um ihre Jungs, dass beide bis jetzt keine Möglichkeit hatten, eine Ausbildung zu machen, und ob sie wohl  mal tüchtige mennonitsche Frauen werden finden können.

Hans besuchte die Abendschule, welche er im Juni 1947 beendete und zum Herbst wurde er als Student der Fernkurse des Semipalatinschen Pädagogischen Instituts aufgenommen . 

Das Jahr 1947 war schon bedeutend leichter für die Familie. Sie hatten eine sehr kleine, aber warme Wohnung,  eine Kuh, die jeden Tag 3 Liter Milch gab, fast 100 Pud Kartoffel im Keller, hatten die Möglichkeit Brot, Fett und sogar Zucker zu kaufen. Nur mit der Gesundheit stand es schlecht, Frieda leidete an  Asthma und  an Schwermut.  Bei Hans und Heinrich wurde Brucellose festgestellt.

Nach ca. 12 jähriger Unterbrechung erhielten meine Großeltern  einen Brief aus Kanada von Frieda’s Schwester Marta mit einer sehr traurigen Nachricht. Friedas Mutter, meine Urgroßmutter Margaretha Cornies sei schon vor drei Jahren gestorben, im November 1944. Damit war Friedas Wunsch, noch einmal in diesem Leben ihre Eltern zu umarmen, nicht mehr möglich.

Ganz oft quälten meinen Großvater Heinrich die Glaubensfragen. Aus seinem Tagebuch: 

„ 2.V.1948. Wie gerne möchte ich mal mit erfahrene und aufgeklärte Christen über all diese großen Fragen sprechen; schon fast 20 Jahre nicht in einer Andacht gewesen. 

Frieda ist abends zur Andacht gegangen.  Ich bin noch nicht da gewesen, weil ich auf Grund der Erfahrung noch zu viel Bedenken habe.“

Am 3.Juni 1948 waren meine Großeltern schon 25 Jahre verheiratet.

„Ein bedeutender Tag für unsre Familie. Am 3 Juni 1923 feierten wir unsre Hochzeit. 25 Jahre sind seit dem verflossen. Wie rasch sind diese 25 Jahre dahin geflossen.  Und doch, wenn man etwas etappenweise analysiert, was sich in diesen Jahren zugetragen hat, was wir einst waren und was wir jetzt sind, so ist es, doch eine geraume Zeit in der Geschichte unsrer Familie. Damals waren wir noch jung, gesund und voller Hoffnung und Lebensmut;  Heute haben wir über ein halbes Jahrhundert hinter uns, unsre physische Kräfte sind teilweise gebrochen; und dennoch, dank Gottes Beistand, ist uns unsre Hoffnung und Mut (zwar andrer Arts) noch geblieben. Nie hätten wir es in unsrer Jugend geglaubt, dass sich unser Leben so gestalten würde.  Hinausgeschleudert aus unsrer Heimatstädte, verloren Hab und Gut, vollständig geschieden schon jahrzehntelang von unsern Verwandten und Bekannten,  in Sibirien arm und bloß, das ist unser Los heute. Was für eine weittragende Folgen ein Schritt im Leben des Menschen und in einer Familie haben kann, haben wir bitter erfahren müssen. Wir gingen unsre eigene Wege und folgten nicht Eltern und Geschwister.  Wir waren damals jung und hatten unsre Überzeugungen.

Trotz der furchtbar schweren Zeit haben wir auch viel Freude und Glück in unsrer Familie gehabt.  Unsrer größtes Glück fanden wir in unserm engen Familienkreis, mit unsern lieben Kindern, zwei Mädels und zwei Jungen; und unser größtes Leid und Schmerz, den wir nie geahnt hatten, fanden wir in dem Tod und Verlust unsrer beiden lieben Mädel. Als erfahrene, frühzeitig gealterte Menschen stehen wir nun da und blicken zurück auf das tiefe Tal, dass wir im Laufe der 25 Jahre zusammen durchwatet haben und danken Gott, dass wir zusammen sind und es etwas bergan geht und wir hoffnungsvoller in die Zukunft blicken dürfen.“

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Heinrich (Heinz) und Marusja, 1948

Im Juni 1948 haben Heinrich und Frieda einen Brief mit einem Foto von ihren jüngsten Sohn Heinz bekommen, in dem er über seine Frau Marusja Treichel berichtet. Diese Nachricht hatte beide sehr aufgeregt und traurig gestimmt. Erstens, die junge Frau war keine Mennonitin und zweitens, es war nicht sicher, ob Heinz überhaupt nach Pavlodar zurück kommt. Sie haben einen Brief an Heinz und  Marusja geschrieben, in dem sie ihnen ihren elterlichen Segen und Glückwünsche zum Ehebund schickten. Meine Großeltern mussten Heinz` Entscheidung, so jung und in so einer unbestimmten Lage in der Fremde zu heiraten, akzeptieren und sich damit zufrieden geben, dass  es ein deutsches Mädel  ist. Im Oktober desselben Jahres kehrten die Jungverheirateten aus der Trudarmee nach Hause zurück. Heinz hatte ganz schnell eine Arbeitsstelle als Schlosser der Dampfheizung in einer hiesigen Fabrik gefunden. Die beiden wohnten die erste Zeit zusammen mit den Eltern. Und am 17. Dezember wurde abends in einem kleinen privaten Andachtslokal die kirchliche Trauung von Heinz mit Marusja vollzogen vom Prediger der hiesigen deutschen Gemeinde. 

Eine unfreundliche Botschaft hatte das Ende des 1948 Jahres getrübt - die Botschaft, dass die Deutschen für immer (“ewig”) hierher verschickt seien und an eine Rückkehr auf den heimatlichen Boden, der im Laufe von fast 150 Jahren von den Vätern im Schweiße ihres Angesichts bebaut worden war, nie mehr zu denken haben. Außerdem durfte man sich auch in Kasachstan nicht frei bewegen, man musste sich monatlich  in der Kommandantur melden. „Wir  “Angesiedelte” (wie man uns jetzt scheinbar nennt) sind beständig unter strenger Kontrolle;  ohne extra Erlaubnis von der Behörde darf man nicht aus der Stadt hinaus nach Heu oder Holz fahren.“

oben von links Johann, Marusja und Heinrich, unten Heinrich und Frieda, 1949

Ab Februar 1949 arbeitete Hans als Buchhalter und ein Jahr später als Mathe Lehrer und studierte fern weiter. Mein Großvater war sehr oft unterwegs , vor allem seine Dienstreisen fielen ihm immer schwerer. Er wurde auf der Arbeit geschätzt und trotz seines Alters und Nationalität nicht ausrangiert. Auch seine zwei Söhne hatten Erfolg bei der Arbeit. „Das ist ein wahrer Segen und ein Erbe von unsern Vorfahren, die sehr tüchtig waren.  Frieda’s Vater, Großvater usw. wie auch meine Großväter gehörten seiner Zeit nicht zu den Dutzendmenschen und haben in ihrem Leben was tüchtiges geleistet für sich und für die Gesellschaft.“

Als klar wurde, dass man für immer in dieser Gegend bleiben musste, wollten meine Großeltern zusammen mit ihren Kindern ein Haus kaufen, es hat sich jedoch keine passende Gelegenheit geboten. Deswegen kauften Heinz und Marusja für sich ein Häuschen für 5000 Rubel. Am 2. November 1951 wurde das erste Enkelkind, Waldemar, geboren. 

Ab 4. März 1952 wurde mein Großvater pensioniert und bezog 150 Rubel Rente, aber er arbeitete weiter.

Schließlich bot sich eine Gelegenheit, es wurde ein Häuschen am Ufer des Irtysch angeboten, wofür 8000 Rubel gefordert wurde. Das Haus war ohne Dach, wie die meisten billigen Häuser hier in Pavlodar waren. Das Haus bestand aus einem Zimmer und einer Küche mit einem russischen Ofen “печка”; ans Haus wurde eine kleine Sommerküche von etwa 2-3 Meter und ein Ställchen von 4 Meter lang angebaut. Seit 1935 hatten sie mal wieder, nach langem Zweifeln, ein eigenes Häuschen. Mit großer Freude haben meine Großeltern sich im neuen Heim eingerichtet. Sie haben einen schönen Kettenhund mitgekauft.  Weil der Hof etwas abgelegen lag, war es hier bedeutend stiller, als in der früheren Wohnung und auch war die Luft viel frischer und sauberer.

Je älter mein Großvater wurde, desto öfter dachte er über den Tod und Glauben nach. Aus seinem Tagebuch:  

„ 1.I.1953 Was dem Glauben, der Hoffnung anbetrifft, so will einem der Boden unter den Füßen entgehen, da man Jahrzehnte kein Gotteswort mehr hört und daher geistig fast verkümmert. Wie sehnt man sich nach dem festerem Glauben, den unsre Väter hatten.“

„ 31.III.1955 Was den Fragen aller Fragen anbetrifft, so finde ich noch wie vor keine Klarheit und Gewissheit darüber,  trotzdem ich nie aufgehört habe zu beten und ernstlich zu suchen.  Man verkümmert innerlich, weil man keine geistige Speise mehr bekommt.“

Am 06.04.1953 bekamen meine Großeltern einen zweiten Enkelsohn, der nach seinem Vater und Großvater “Heinrich” benannt wurde. 

Hans hat im Sommer 1953 das Lehrerinstitut beendet und das entsprechende Diplom erhalten und setzte  sein Studium in den letzten Kursen des Pädagogischen Instituts fort. 

Die Zeiten wurden ein bisschen „lockerer“ , man bekam wieder Besuche und durfte auch selber reisen. In Sommer 1954 hatten sie viele Gäste gehabt, die sich durchschnittlich eine Woche  aufhielten. Friedas Cousinen Martha und Mieka, Kinder von Heinrichs Schwester Anna: Lika und Petja, Frau Tomsen, Frau Silbernagel, Helga und Irma Tomsen. Auch meine Großmutter reiste mit ihrem ältesten Sohn Hans zu ihren Tante Justel.

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An der Wand von meinem Großvater gemalte Wandschoner, vorne ich

Mitte August war mein Großvater in Moskau auf der landwirtschaftlichen Ausstellung.

Die kleine Wirtschaft meiner Großeltern bestand  im Frühling 1955 aus  einer Kuh, 13 Hühner und einem Hahn.  Die Kuh gab bis 14 Liter Milch und die Hühner lagen bis 10 Eier den Tag.

Nach 21 schweren Jahren konnte Heinrich endlich seine Schwester Anna treffen. Meine Großeltern besuchten sie in Karpinsk vom 16. bis zum 23.08.1955, wo sie sehr innig und herzlich aufgenommen wurden. 

„Das letzte mal sahen wir Anna anno 1934 als wir noch in Blumenort wohnten und Anna vom Ural  zu uns kam, ihre Kinder abzuholen.  Damals sah sie noch frisch und verhältnismäßig jung aus, während sie gegenwärtig sehr gealtert hat.  Sie hat ja auch schon 67 Jahre erreicht.  Das ist jedoch nicht der Hauptgrund ihres Alterns.  13 Monat Gefängnis mit Peter in sehr schweren Verhältnissen,   die große Sorge um ihre verlassenen kleinen Kinder  und schließlich der Verlust von Peter haben schwere Spuren an Anna’s Nerven,  ihre Augen und ihr Gesamtaussehen zurückgelassen.  Sie war mir daher anfänglich sehr fremd und besonders auch ihre Stimme. Was jedoch in einigen Tagen unsres Beisammenseins verschwand. ... haben wir uns doch viel und innig unterhalten von früher,  jetzt  und von der Zukunft, von Eltern, Geschwistern, Verwandten und Bekannten.  Und doch ist es viel  zu wenig gewesen und viel  zu rasch verfloss die Zeit unsres Beisammenseins.“

Im Juli desselben Jahres zog Anna Neufeld mit ihren Kindern, Lika und Petja mit Familie nach Pavlodar. So kamen die Geschwister wieder zusammen, man hatte endlich nahe Verwandte in der Nähe. Ende 1956 wurde der direkte Briefverkehr mit den anderen Geschwistern in Kanada wiederhergestellt, leider ohne Aussicht auf ein Wiedersehen.

„21.II.1957 Der Briefwechsel so wie auch der persönliche Verkehr mit unsern lieben Verwandten hat uns unsre Lieben alle mal wieder nahe gebracht.  Das Bewußtsein, dass wir noch so viel nahe Verwandte haben, die an uns denken, hat uns wieder aufgerichtet und mutiger gemacht.“

Im Dezember 1956 wurde mein Großvater auf seine Bitte entlassen, um in Pension zu gehen.  640 Rubel Pension bezog er. 

„Ich bin somit ein freier Mann und brauche mich nicht mehr nach der pünktlichen Arbeitszeit zu richten. Ich musste mich gewöhnen zu diesen meinen neuen Lebensverhältnissen und oft ist es mir so, als wenn ich mich beeilen muss, um nicht zu verspäten.  All zu sehr hatte ich mich an diese Arbeitsordnung gewöhnt.“

Er schrieb etliche Artikel über Viehzucht, manche wurden gedruckt und somit entstand ein Nebenverdienst.

Auch für seine Leidenschaft zum Malen und Zeichnen hatte er wieder Zeit. An von ihm gemalte Wandschoner in meinem Geburtshaus kann ich mich ganz gut erinnern. 

Meine Großeltern machten sich Sorgen um den Sohn Hans, mein Vater, dass er noch nicht geheiratet hatte. Das wurde zu einem schweren Problem, ein liebes deutsche Mädel  kennenzulernen. Man freute sich um die wenigen Verwandten und Bekannten, mit welchen man deutsch sprechen konnte. 

„Gestern Morgens als wir aufstanden fingen wir auf unserm Empfänger eine deutsche Welle mit schönen deutschen Weisen  - “Sah ein Knab ein Röslein stehen”, ein Wiegenlied  u.a.   Es stimmte uns traurig,  dass wir nur auf solche Art und ganz zufällig solche  uns so teure deutsche Lieder hören können.“  

Man sehnte sich nach einem Leben in größeren geschlossenen  Gruppen, mit deutschen Schulen, deutscher Kultur, Kirche usw.

Viele mennonitischen Bekannten fuhren in den Süden und ließen sich unweit von Taschkent nieder, andere neben Alma- Ata, und wieder andere bei Djambul,  einige im nördlichen Kaukasus  und  sogar schon in der Krim. Meine Großeltern standen noch immer vor der Frage, ein besseres Haus zu kaufen.  Man war und blieb unentschlossen im Handeln,  denn man wusste  nicht, ob man noch hier in Pavlodar seine Ersparnisse festlegen sollte,  oder ob man auch gen Süden schauen sollte,  oder noch abwarten und zusehen, was man mit den „Deutschen“ vorhaben wird.  „Wie bekannt, waren unsere Mennoniten so sehr ansässige Menschen.  Jetzt sind sie jedoch aus ihrer Schalle gerissen und finden kein Heim mehr.“

Johann und seine Anna, 1959

Am 14. November 1958 starb Heinrichs Schwester Anna.

„Und so ist der einzige nahe Verwandte aus unserm Kreise geschieden, den wir sehr schwer werden vermissen können. Ganz besonders schwer ums Herz wurde mir kürzlich, als wir so an Anna’s Bett im Halbdunkel saßen und leise sangen und mir dazu unsre ganze Vergangenheit die Kindheit im Elternhause mit eingeschlossen, und alles, was mich mit unsrer lieben Schwester verbindet in Erinnerungen trat.    In Anbetracht des nahenden Todes unsrer lieben Schwester, mit der wir unsre innigen geschwisterlichen direkten Beziehungen nach so langer Trennung und vielen schweren Erlebnissen im Laufe der letzten zwei Jahre unsres Beisammenseins wieder aufgenommen hatten, und in Anbetracht der drückenden Entfernung, die uns von Euch, lieben Geschwister alle trennt, empfand ich ganz besonders schmerzlich das bevorstehende unvermeidliche schwere Scheiden von unsrer lieben Schwester und darauffolgende  Öde und Einsamkeit.“

Am zweiten Weihnachtstag diesen Jahres luden meine Großeltern ihre Nächsten ein. Und zum ersten mal kam auch Anna Siemens dazu, meine Mutter. Alle sangen am brennenden Weihnachtsbaum mehrere Weihnachtslieder und gedachten derer, die im vorherigen Jahr noch bei ihnen waren, wie z.B. Heinrichs Schwester Anna.

Am Sonntag den 22.02.59 zogen Heinrich, Frieda und Hans ins  neue Heim. Es war eine schwere Entscheidung.  Das Haus war schon sehr alt, über 50 Jahre und hatte  sehr viele Mängel, war aber doch viel größer und solider als das frühere. Für das Haus wurde 21000 Rubel bezahlt. Dieses Haus wurde zu meinem und meines Bruders Geburtshaus, wo wir bis 1972 wohnten.

Im Frühling 59 wurde viel im und ums Haus gemacht, der Hof  wurde in drei Teile geteilt: den Hühnerhof, Gemüsegarten und den eigentlichen Hof, ein Wasserbassin auf 300-400 Eimer gegraben und zementiert, Wasserleitungen eingeführt, Gemüse gesetzt, die Sommerküche renoviert usw.

Es wurde alles so eilig gemacht, weil es fertig sein sollte zu Hans’ Hochzeit, die am 27 Juni stattfinden sollte. Und so am Sonnabend des 27. Juni heirateten meine Eltern: Johann Dück und Anna Siemens. Es waren fast 30 Gäste auf der Feier. Mein Großvater Heinrich hielt eine sehr bewegende Rede. 

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das älteste Enkelkind, Waldemar (Vova) vor dem Haus meinen Großeltern
das zweite Enkelkind, Heinrich (Gena)

Im August kamen alte Freunde zu Besuch zu meinen Großeltern, noch aus der alten Heimat. Die Begegnung mit ihnen war nach 30 jähriger Trennung sehr herzlich und innig.  Sie schwelgten buchstäblich in Erinnerungen. 

Mein Großvater war sehr stolz, als mein Vater, sein älteste Sohn Hans im September 1959 sein Staatsexamen fürs Pädagogische Institut abgelegt hat. Das Studium hatte 8 Jahre  in Anspruch genommen. Hans kam in Besitz zweier Diplome, eins fürs Lehrerinstitut und eins fürs Pädagogische Institut. 

Der Briefkontakt mit den Geschwistern in Kanada wurde immer besser, man bekam schon regelmäßig Briefe, nur die Chance, die lieben Verwandten noch mal zu sehen, schwand. 

„1.I.1960 … das Sehnen nach unsern Geschwister und lieben Freunden aufstieg. Letzteres empfinden wir gegenwärtig ganz besonders, da wir im Dezember Monat von  all’ unsern Geschwister innige Briefe mit Foto’s, Weihnachts- und Neujahrglückwünsche erhalten haben.

Die Briefe sind alle so innig, zu dem noch die Aufnahmen, dass einem fast so ist, als ob man sich mit ihnen begegnet hat.  Und besonders empfand ich das nach dem Erhalten des großen Familienbildes von Bruder Gerhard, welches ich stundenlang beschaut habe.  Ihre Familie besteht gegenwärtig laut Bild aus 31 Personen.  Alle schauen sie ins Objektiv und somit auf den, der diese Bild beschaut.  Aus den Augen und Gesichter ihrer Kinder leuchtet so etwas Nahes und Verwandtes.  Dann die lieben Schwiegersöhne- und töchter und die Schaar der lieben Enkel.   Anfänglich wusste ich nicht, warum mir ein Mädel, das Töchterchen des jüngten Sohnes Woldemar, so besonders auffiel.  Dann sagte uns Helga Tomsen, die gelegentlich das Bild sah, dass das Mädel sehr unsre liebe Erika ähnelt.  Was wir dann auch fanden. Und so muss ich denn immer wieder dieses Mädel beschauen.“

Weil Heinrich nicht mehr arbeiten musste, beschäftige er sich sehr viel in dem Haushalt.  In den freien Stunden zeichnete und malte er, mehrere Bilder davon mit Aquarell.  Mit Ölfarbe versuchte er zum ersten mal zu malen und zwar einen kleinen Wandschoner.

Inzwischen hatte mein Großvater für die hiesige Zeitung zwei große Artikel geschrieben und zwar Übersetzungen aus dem deutschen Buch “Gesunde Küche”.  Die Artikel waren auch angenommen worden und jeden Tag hoffte er, dass sie erscheinen würden, wofür er etwa 500 Rubel hätte bekommen können.  Zu seinem großen Bedauern erhielt mein Großvater einen Brief aus der Redaktion mit der Meldung, das seine Artikel nicht gedruckt werden, weil das ganze Buch “Gesunde Küche” scheinbar schon ins russische übersetzt wurde und demnächst erscheinen sollte.

Am 2. Februar passierte ein Unfall; bei meinem Großvater war in der Speiseröhre etwas stecken geblieben.  Er hat sich sofort an einen Spezialisten gewandt.  Ein junger deutscher Arzt mit  Familie Wacker untersuchte ihn. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten konnte er nichts finden. Weil die Schmerzen absolut nicht nachgaben, fuhr Heinrich am nächsten morgen in Begleitung von Hans ins entsprechende Krankenhaus zu Dr. Fröse.  Der schickte ihn zum Röntgen,  wo sie auch nichts finden konnten.  Dann begann Dr. Fröse ihn vorzubereiten für eine Untersuchung der Speiseröhre mit einem speziellen Apparat.  Zuerst wurden Zunge und Speiseröhre mit Novokain betäubt, dann wurde die Untersuchung durchgeführt, in der ihm ein spezieller Apparat (das kann man bestimmt nicht vergleichen mit den heutigen Untersuchungsgeräten) mit einem langen harten Rohr unter großer Qual in die Speiseröhre hineingeführt wurde. Es war  ein Stück Lorbeerblatt in der Wand der Speiseröhre gefunden worden und herausgeholt. Ich vermute, dass die Speiseröhre von meinem Großvater beschädigt wurde, er konnte kaum sprechen, hatte große Schmerzen und ab diesen Zeitpunk ging es ihm auch schlechter.

Zur seinem Geburtstag im März bekam Heinrich herzliche Glückwünsche von allen Geschwistern:

„... lieber Bruder Heinrich, im neuen Lebensjahr das beste Wohlergehen an Leib und Seele.“

„... Wünschen Dir, lieber Bruder, die besten Segenswünsche mit der ganzen Familie.“

auch  Kopie aus seiner Mutters (Anna Dück, geb. Enns) einfachem Büchlein, welches sie im Jahre 1864 in Halbstadt im Alter von 5 Jahren als Weihnachtsgeschenk bekommen, aufgezeichnet von seinem Vater:   Der Sohn Heinrich geboren den 4 März 1892   3 Uhr nachmittags.

Keiner konnte wissen, dass es der letzten Geburtstag sein wird.

Heinrich schrieb in seinem Tagebuch: „20-III-60.  Sonntag abends, elf Uhr. Soeben sind unsre Gäste, die zu meiner Geburtstagsfeier gekommen waren, nach hause gegangen.  Es waren Petja mit Ella, Heinz und Marusja mit ihre 3 Jungen und unsre Familie. Von einem jeden bin ich reichlich beschenkt worden, warme chinesische Unterwäsche, lederne Handschuhe, eine Schischkinbild und Hosenträger.

Mit sehr innigen Worten wandte sich unser Hans am Tisch an mich.  Mir Glück und ein langes Leben wünschend dankte er für die Erziehung, die sie von uns bzw. von mir genossen haben und zwar im Geiste der Biederkeit und Ehrlichkeit. Diese Worte waren für Frieda und mich eine große Genugtuung.  Trotz furchtbar schwere Vergangenheit und Verhältnissen,  die fast ein Jahrzehnt unser Familienleben gestört hatte, war ich nach Kräften bemüht,  nicht nur mit Worten unsre Söhne zu lehren und zu erziehen,  sondern mit einem vorbildlichem Wandel.“

An einem Aprilsonntag brachte mein Großvater ein selbstgemachtes kleines blechernes Täfelchen  zu  Schwester Annas Grabstein mit der Inschrift: "Anna Neufeld, geborene Dück, 1888-1958 - Ruhe sanft."   Dies war wohl  sein letzter Liebesdienst für seine liebe verstorbene Schwester Anna.

Während er dieses Täfelchen färbte und schrieb, erschlichen ihn schwere Gedanken, die mit Anna als seiner ältesten Schwester und ihrem Leben im Elternhause und später verbunden waren.  In Anbetracht seines Alters und Gesundheitszustandes fragte er sich, wann und wo wohl seine letzte Stunde schlagen wird und wer für ihn so ein Täfelchen anfertigen wird. 

Im Mai hatte sich sein Zustand derart verschlechtert, er konnte kaum schreiben.

„8-V-60.  Sonntag.  Meine Hand will nicht mehr sich fügen.   Infolge von Neuritis hat sich eine schlaffe Lähmung der rechten Hand entwickelt, welche mit sehr große Schmerzen verbunden ist.  Ich befürchte, dass dieser Zustand sich in die Länge ziehen kann.  So krank  zu liegen fällt mir sehr schwer.  Ich muss die Feder beiseite legen, denn ich kann nicht mehr.“

„22-V-60.  Sonntag.  Ich schreibe mit der linken Hand, da die rechte nicht mehr kann.  Ich habe furchtbare Schmerzen.“

Am 24. Mai 1960 enden die Tagebuchaufzeichnungen meines Großvaters. Die letzten Sätze sind offensichtlich unter großen Mühen und mit äußerster Entschlossenheit geschrieben worden. Sie sind kaum lesbar. Mein Großvater starb am 9.Juli 1960. Sein Wunsch, die Geschwister noch einmal wiederzusehen, hat sich weder für ihn noch für meine Großmutter erfüllt. Heinrich Gerhard Dück wurde auf dem Friedhof in Pavlodar neben seiner Schwester Anna beigesetzt. Nach zwei Monaten kam ich zur Welt, seine einzige Enkelin. Leider konnte ich meinen Großvater nie kennenlernen.

eine Eintragung meiner Großmutter:
"1960 9 Juli 4 Uhr 10 m. des Tages starb mein
lieber Heinrich"
"meines lieben Heinrich Begräbnistag"

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11.07.1960, von links: Frieda, Waldemar, Marusja mit Viktor, Heinrich (Heinz) Dück und Gena
Heinrichs Dück Sterbeurkunde
"Mennonitische Rundschau", 17.08.1960, Seite 11

 

 

Heinr. Gerhard Dick

in Rußland

 

  Den vielen Verwandten und

Freunden bringe ich mit diesem

die Trauerbotschaft, daß unser lie-

ber Bruder Heinrich, geboren in

Blumenort, Molotschna, nach drei-

monatigem schweren Leiden an

Arthritis (Gelenkentzündung) am

9. Juli 1960 im Alter von 68

Jahren gestorben ist. Seine Frau

Frieda geb. Cornies, früher Tasch-

tschenak, Melitopoler Kreis, be-

richtet uns über die letzten sehr

schweren Tage. Sie ist froh, daß

ihr lieber Heinrich im Glauben

festgeblieben ist. Letzteres ist uns

Geschwistern hier von besonderem

Wert und beugt uns vor unserm

großen Erbarmer Jesus Christus.

  Die Begräbnisfeier war am 11.

Juli, wobei ein Pred. Bickert, der

den Kranken manchmal besucht

hatte, am Sarge mit Worten des

Trostes diente.

  Ein eisernes Gitter umgibt nun

die zwei Gräber unserer teuren

Geschwister auf einem Friedhofe

in der Stadt Pawlodar, Sibirien, 

ihrer letzten Station auf dieser

ruhelosen Welt. Schw. Anna, Frau 

Peter Neufeld, starb am 14. Nov.

1958, und Br. Heinrich jetzt.

  Mögen die Leidtragenden, die

Gattin und 2 Söhne mit ihren

Frauen, auch in diesen Tagen an

die Trostworte des Herrn Jesu

denken: „Wer an mich glaubt

wird leben, ob er gleich stürbe...“.

das wünschen wir, und darum be-

ten wir.

Gerhard Dick

48 Betzner Ave., Kitchener, Ont.

(„Der Bote“ wolle dieses bitte auch 

veröffentlichen.)

Frieda am Grab ihres Mannes Heinrich Dück
1992
1992, links Waldemar Dick, rechts Andrej Dick
ich am Grab meines Großvaters, 2015

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Quelle:

 

H. Görz, "Die Molotschnaer Ansiedlung"

2 H. Görz, "Memrik"