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Der Fluss Molotschna

Die Länge des Flusses beträgt 219 km . Er wird durch den Zusammenfluss von zwei kleinen Steppenflüssen (Tschingul und Kurkulak) gebildet. Etwas weiter mündet der größte linke Nebenfluss Tokmak in die Molotschna. In der Mitte hat sie noch drei Nebenflüsse (Kurotschan, Yushanli und Arabka). Auf der rechten Seite gibt es keine Nebenflüsse. Das rechte Ufer ist steil und hat schroffe Schluchten; das linke ist niedrig und sanft. Die Höhe der Seiten überschreitet nicht 2 Meter. Die Kanalbreite beträgt 15 Meter. Im Sommer ist die Molotschna oft austrocknet. Die Flußstrecken sind stark bewachsenen mit Schilf und Rohrkolben. Im Sommer werden sie durch kleine Bäche miteinander verbunden.

Der Fluß Molotschsna mündet in die Liman (Förde) Molotschnij des Asowschen Meeres.

Mein Vater hat mir oft erzählt, wie er mit anderen Kindern im Nebenfluss der Molotschna, dem Kurotschan, schwimmen lernte. Auch berichtete er mir darüber wie schön die Kolonie Molotschna überhaupt war.

Fluss Molotschna, 2013
Liman (Förde) Molotschnij, 2013

Ausschnitt aus dem Artikel „Beschreibung des molotschner Koloniebezirkes.“von Ernst Walther, Unterhaltungsblatt N7 , 1849,  Seite 51-53

 

III. Örtliche Beschreibung des molotschner Kolonistenbezirkes.

 

(die Übertragung des Textes von mir)

 

"Der Fluß Molotschna wird zunächst durch die Tokmak (der Fluss) gebildet, welche 125 Werste (Eine Werst war ein Längenmaß im zaristischen Russland, 1 Werst= 1066,78 Meter)  östlich von hier im nordwestlichen Theile des mariupoler Kolonistenbezirkes, in mehren Verzweigungen entspringt, ihren Lauf in unbedeutenden Krümmungen westlich wendet, und durch eine Menge kleiner Nebenthäler die sich in dieselbe münden, bereichert, einige Werste oberhalb ihrer Mündung drei Wassermühlen in nassen Jahrgängen oft 8 Monate lang speiset. Am Fuße des westlichen Thalufers bei der Kolonie Molotschna, nimmt sie die ihr in entgegengesetzter Richtung begegnende Tschingul (der Fluss) auf, wodurch der Milchfluß (der Molotschna) gebildet wird, welche in südlicher Richtung durch ein 2 bis 4 Werste breites, in üppigem Pflanzenwuchse stehendes Thal sich schlängelt und nach einem Laufe von 70 Wersten unweit des asow´schen Meeres als ein Steppenfluß sich im Sande verläuft.

Seine Überschwemmungen werden nur dann gefährlich, wenn bei vielem Schnee dieser in den Thälern Tokmak und Tschingul bei plötzlich eingetretenem Thauwetter schnell schmilzt; oft aber geschieht es, daß das Schneewasser der Tschingul und Molotschna schon abgeflossen ist, ehe die weiter entfernten Gewässer durch die Tokmak in die Molotschna fließen und unerwartet Überschwemmungen verursachen, die um so gefährlicher sind, je weniger man darauf rechnete und vorbereitet war. Längs des Thales der Molotschna auf der rechten Seite eine halbe Werst vom Flußbette entfernt, erstrekt sich das bis 300 Fuß hohe Thalufer, von dessen Gipfel an die Ebene der Steppen des molotschner Kolonistenbezirkes beginnt. Einige hundert, stellenweise kaum hundert Faden von dieser Anhöhe, spendet die Ebene ihr Schnee- und Regenwasser schon nicht mehr der Molotschna , sondern führt dasselbe vermittelst der Konka (der Fluss) , in welche es durch die Indekorin und die Thäler bei Blumenthal, Heidelberg und Grauthal fließt, in die etwa 50- 60 Werst entlegene Thalfläche des Dnjeper. Es bestätigt sich auch hier eine in ganz Europa gemachte Bemerkung, dass Flüsse, die ihren Lauf von Nord nach Süd, Südwest oder Südost nehmen, in der Regel auf der rechten Seite ein hohes, steil aussteigendes Ufer bilden, auf der linken aber sich weit vom Lande her in sanfter Abdachung bis zum Flußbette neigen; während bei Flüssen die ihren Lauf von Süd nach Nord, Nordost oder Nordwest nehmen, der entgegengesetzte Fall eintritt, nämlich das rechte Ufer flach, das linke erhaben ist.

Das hohe Thalufer ist vom jezzigen Ufer des Flußbettes bisweilen eine Werst entfernt, doch sind deutliche Spuren wahrzunehmen, daß einst der Fluß sich dicht an jenem hingewunden hatte, und nur durch das, in Folge vieljähriger Überschwemmungen herbeigeführte Flöz von seinem eigenen sandigen Ufer abgeleitet und zwischen beiden eine schöne, fruchtbare Thalfläche hervorgebracht wurde, welche durch das stete Zurüktreten des asow'schen Meeres in ihrem Entstehen noch mehr begünstiget ward.

Die östliche Seite des molotschner Kolonistenbezirkes wird durch die Nebenflüsse Kurkulak und Tschingul und den Hauptfluß Molotschna begränzt.

Die Kurkulak entspringt am nördlichen Ende in mehren Zweigen unter verschiedenen Namen auf dem Lande des Kronsdorfes Großtokmak und vereinigt sich 15 Werste südlich bei der Kolonie Altmonthal mit der Tschingul, welche in derselben Richtung nach 5 Wersten bei der Kolonie Molotschna anlangt, dort in einem gebogenen Winkel sich östlich wendet und etwa 400 Faden weiter am nördlichen Ende derselben Kolonie, sich mit der Tokmak vereinigt. Leztere verfolgt in derselben Richtung nach Süden ihren Lauf unter dem Namen Molotschna in unbedeutenden Krümmungen und bildet von der Orte ihres Ursprunges an die natürliche Gränze zwischen dem Mennonitenbezirke an dem linken, und dem Kolonistenbezirke an dem rechten Ufer. Nach einem Laufe von etwa 15 Wersten verläßt sie bei der Kolonie Durlach diesen Bezirk und bildet in derselben Richtung die Gränze zwischen dem Mennonitenbezirke linker und den früher hier wohnhaft gewesenen Duchoboren rechter Seite, dann bezeichnet sie die Gränze zwischen den Nogaiern auf dem linken, den russischen Kronsbauern und der Kreisstadt Melitopol auf dem rechten Ufer, bis sie sich nach einem Laufe von etwa 70 Wersten unweit des Gutes Mordwinowka im ausgeworfenen Gange des asow'schen Meeres verliert, gleichsam als wollte sie, ihrer milden Benennung eingedenk, sich nicht mit jenem salzigen Wasser vereinen.

Mit wenigen Ausnahmen hat der Boden im ganzen Bezirke dieselbe Beschaffenheit. Die Unterlage besteht aus gelbem Lehm, der an einigen Stellen in aufrechtstehenden Geschieben, auf andern gelagert vorkommt und sich mit stellenweisen Ausnahmen, bis auf den 15 bis 35 Fuß tiefen Wasserspiegel gleich bleibt; daselbst wo dieser Lehm auf der Wasserschichte eine hellere oder gar weiße Farbe annimmt und lettenartig (dem Töpferthone gleich von Sand, Kalk und Eisentheilen frei) wird, ist in der Regel das Wasser weniger salz- und salpeterhaltig, ja zuweilen dem aus Gebirgen entspringenden Quellwasser ähnlich. Die Oberfläche des Landes ist mit einer bis 1 ½ Arschin mächtigen Schichte schwarzer, meistentheils sandfreien, fruchtbaren Gartenerde bedekt, welche durch das Verfaulen der im Verlaufe vieler Jahrhunderte gewachsenen und größtentheils unbenüzt gebliebenen Pflanzen entstanden ist.

Der Wuchs und die Gattungen des Grases sind im ganzen Bezirke beinahe gleich. Auf erhabenen Stellen zeigt sich ein kürzerer und dünnerer Wuchs, als auf geeigneten Flächen und in Thälern. Die Hauptrolle spielt der Boksbart, ein gutes und gesundes Weidegras für alle Viehgattungen, in Thälern stark unterwachsen mit der Quekke, die gemengt mit jenem, oder auch für sich allein, das beste Heu liefert. In feuchten Jahren findet sich öfter eine Art Steinklee mit gelber Blume, an Gestalt, Kraft und Wohlgeschmak der Luzerne ähnlich, als häufiges Zwischengras, welches dem zu rechter Zeit gewonnenen Heu einen besondern Werth giebt. Es würde sich der Mühe lohnen, den Samen dieses in günstigen Jahren wildwachsenden Klees zu sammeln und versuchsweise zu künstlichen Wiese zu benüzzen.

Arzneikräuter wachsen hier folgende: Süßholz, Wermuth, Rheinfarre, Engelsüß (Polhpodium), Bittersüß (Dulkamara), Thymian oder Quendel, Hauswurz, Feldkamillen, Johanniskraut, Wollblume (Königskerze), Schafgarbe, Eibisch oder Klatschrose (Althea), Sauerampfer, Kletten, Quatten, Salbei, Beifuß, Enzian (Gentiana), Krausemünze, Pfeffermünze, Tausendgüldenkraut, Feldkümmel, wilder Meerrettig und and., von denen mehre bei den Ansiedlern in Krankheitsfällen angewendet werden; die 6 leztgenannten aber sind seit einigen Jahren beinahe ganz verschwunden.

Unter den hier wachsenden Giftpflanzen zeichnen sich besonders aus: das Bilsenkraut, der Stechapfel, der Schierling. Der den Schafen so nachtheilige Hahnenfuß (Flamula Jovis), ist hier selbst bei nassen Jahrgängen und in Niederungen eine seltene Erscheinung; während er in andern Gegenden in lettenartigem Lehme selbst auf Anhöhen sehr häufig vorkömmt und den Schafbesizzern nicht selten große Verluste verursacht.

Die Einwanderer trafen den Bezirk wild und öde an, die Thalfläche der Molotschna war mit 1 ½ Faden hohem Schilfrohr und andern mächtigen Wasserpflanzen und Dornen (Schlehen) bewachsen; ein schiklicher Wohnort für Wölfe, die damals noch diese Gegend beherrschten und in nächtlicher Stille ein fürchterliches Geheule anstimmten, so daß es für einzelne Menschen nicht rathsam war, sich weit von den Wohnungen zu entfernen. Zur Nachtzeit, nicht selten auch am Tage, holten sie sich ihre Speise vom Gehöfte der Ansiedler. Es geschah zuweilen, daß ein Wolf auf dem Dache der Erdhütte zum Kamin hinein der Hausfrau zuschaute, wie sie dem abwesenden Manne das Abendbrod zubereitete."

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