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Eltern: Johann Cornies, Maria Classen

 Helena Klassen, Susanna Berg

Kinder: Maria, David, Johann, Peter, Heinrich, Helena, David, Susanna, Maria  

David Johann Cornies ∗1794 †1873

#44148

David Cornies ist am 13. Juni 1794 in Schönbaum geboren. 

"Anno 1794 d 13. Junij halb 3 uhr morgens ist unser Sohn David gebohren der Höchster wolle geben das er in die beste Gottes Furcht auf wachsen Christlich leben dar nach seelich sterben"1

 

David Cornies heiratete Helena Klaassen am 26. Januar 1821 (* 5 Oct 1800, † 23 Mar 1853 in Ohrloff)

Kinder aus dieser Ehe:

 

-Maria Cornies * Abt 1823.

-David Cornies * Abt 1825.

-Johann Cornies * Abt 1827 in Ohrloff, Molotschna, South Russia. Census 1835. Ledig gestorben.

-Peter Cornies * Abt 1831 in Ohrloff, Molotschna, South Russia. Census 1835.

-Heinrich David Cornies * 5 Jun 1833.

-Helena Cornies * 1838.

 

 

Aus der Volkszählung im Molotschnaer Mennonitengebiet von 1835:

 

Ohrloff

 

David Johann Cornies 40 Jahre alt, seine Frau Helena, 33 Jahre alt

Kinder: 

1. Maria 12 Jahre alt

2. David 10 Jahre alt

3. Johann 8 Jahre alt

4. Peter 4 Jahre alt

5. Heinrich 2 Jahre alt

David Cornies heiratete zum zweiten mal Susanna Berg.

Kinder aus dieser Ehe:

 

-David Cornies * 1856.

-Susanna Cornies. Sie heiratete H. Fast. H.: Dampfmueller. Kinderlos.

-Maria Cornies * 30 Sep 1868.

 

Familie David Cornies wohnte in Ohrloff und sein Gut, besser gesagt Forstwirtschaft, Altagir lag am Molotschnij Liman (See).

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„Was endlich Altahir betrifft, so ist schon weiter oben bemerkt, dass dieses Gut auf einer der Krone gehörigen und von ihr in Pacht gegebenen Länderei von dem Mennoniten David Cornies angelegt

ward. Es liegt von der Mennoniten-Colonie noch weiter entfernt als Taschenak, nämlich auf der das rechte Ufer des Molotschna- Sees bildenden Hochsteppe, welche hier steil zum See sich herabsenkt, wodurch die Lage dieses Gutes einen besonders romantischen Anstrich bekommt.

Es würde eine ganz unnütze Wiederholung sein, wenn ich alles aufzählen wollte, was für Gegenstände von Wichtigkeit dem Beobachter auf diesem Gute sich darbieten; es genüge die

Bemerkung, dass weder die Landwirthschaft, noch die Viehzucht (über 7000 Schafe), noch Obstbau, noch Weinbau, noch Waldanpflanzung hinter dem Betriebe der gleichnamigen Wirtschaftszweige zu Juschanlee und Taschenak wesentlich zurückbleiben, es ist, um es mit einem

Worte zu sagen, auch hier Mennoniten-Wirthschaft.

Allein einen Gegenstand muss ich jedenfalls hervorheben, einen Gegenstand, wodurch, sich dieses Gut vor allen andern auszeichnet, das sind nämlich die sehr gelungenen von David Cornies

hier ausgeführten Sandbindungen. Auf einem grösstentheils sandigen Boden hat der genannte Mennonit, der infolge seiner mit der Regierung eingegangenen Pachtverhältnisse nur die Verbindlichkeit übernahm sechs Dessjatinen mit Waldbäumen zu bepflanzen, deren nicht weniger als 60 bis jetzt bepflanzt, und man geräth, trotzdem dass man in Juschanlee bereits das Wachsthum der Bäume anzustaunen Gelegenheit hatte, hier in Altahir in neues und noch viel grösseres Erstaunen, weil man dem hiesigen Boden, der wie schon bemerkt, grösstenteils Sand ist, a priori auf keinen Fall eine solche Fruchtbarkeit zugetraut haben würde, als es doch in der That

der Fall ist.

Die Hauptsache bei der erfolgreich durchgeführten Absicht, den Sand zu binden, wurde zwar durch eine Pflanze erreicht, deren Gedeihen im Sande längst bekannt ist, ich meine nämlich die Weide, deren üppiges Wachsthum auch die Veranlassung gab, dass David Cornies auf diesem Gute eine Korbflechterei einrichtete, welche allerlei Gegenstände in recht hübschen Mustern, z. B. Tische,

Stühle, Sophas u. s. w. ausfuhrt und wesentlich beigetragen hat diesen Industriezweig an mehreren andern Orten namentlich bei russischen Bauern zu verbreiten; allein auch andere Bäume kommen

nicht bloss gut, sondern ausgezeichnet gut in diesem Boden fort. Vor allen ist das mit der Pappel (Populus nigra) der Fall. So hatten siebenjährige Pappeln, welche frei standen, bereits einen Fuss

Stammdurchmesser, und selbst wo sie gedrängt standen, war ihr Wachsthum ein überraschendes. Aus Stecklingen, von der Stärke eines Gänsefederkieles im Frühjahre 1853 gesetzt, war bis zum

23. Juli 1855, wo auf meine Bitten ein solcher Baum abgesägt ward, ein Baum von über drei Faden Höhe und einen Stammdurchmesser von reichlich drei Zoll herangewachsen und die im Jahre 1854 herangewachsenen Aeste hatten bereits einen Durchmesser von 1 1/8 Zoll erlangt, anderer Beispiele nicht zu gedenken.

Ich verweise in dieser Beziehung auf Bode, welcher ins Besondere hier zu Altahir während seines Besuches des taurischen Gouvernements im Jahre 1850 länger verweilt zu haben scheint und viele specielle Belege anführt, aus welchen die für das Wachsthum sehr verschiedener Bäume ausnehmend günstige Eigenschaft dieses Bodens zu Altahir ersehen werden mag.

So wie früher den Mennoniten überhaupt, so rufe ich hier am Schlüsse dieses Abschnittes den Gliedern der mennonitischen Familie Cornies ein herzliches Lebewohl zu. Mögen sie in ihrem Eifer

für das Wohl Kasslands nicht erkalten und möge namentlich dem greisen David Cornies ein patriarchalisches Alter von der Vorsehung verliehen werden.2

Altagir

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„Das Gut Altahir, dem gleich verdienstvollen Bruder des Johann Kornies, David Kornies gehörig, ist auf einer, der Krone gehörigen und von ihr in Pacht gegebenen Ländern von Letzterem angelegt worden. Weder hinsichtlich der Landwirtschaft noch der Viehzucht (über 7000 Schafe) noch des Obst- und Weinhaus, noch der Waldanpflanzung steht Altahir hinter dem Betriebe der gleichnamigen Wirtschaftszweige zu Juschanlee und Taschenak wesentlich zurück. Seine Waldungen belaufen sich bereits auf 60 Dessätinen, obgleich David Kornies nur die Verbindlichkeit

übernommen hat, 6 Dessätinen anzulegen.“3

Altagir, 2016
Altagir, 2016

«Ich kehrte bei dem Herrn David Kornies, Vereins -Beisitzer und Bruder des berühmten Johann Kornies ein, und ward freundlich aufgenommen; wie denn der Gastfreundschaft dieser Colonie von allen Reisenden mit gebührendem Lobe gedacht wird. Leider war Herr Joh. Kornies vor zwei Jahren, 1848, gestorben.(...)

Auch Herrn Wiebe fand ich nicht zu Hause und wurde deshalb an den Herrn David Kornies gewiesen, dessen Bekanntschaft und liebenswürdige schlichte Bereitwilligkeit ich hier mit dankbarer Anerkennung erwähne. Derselbe, (gegenwärtig ein starker Sechziger), ist mit seinem Vater aus Deutschland hierher gezogen, und kannte somit die Colonie seit der Entstehung, was Veranlassung zu vielen interessanten Mittheilungen gab. Mein freundlicher Wirth hatte seit der frühesten Jugend sich vorzugsweise mit der Pferdezucht, und nebenbei auch mit der Viehzucht beschäftigt, und war durch diesen Erwerbszweig auf den Steppen weit herum sehr bekannt geworden, indem er mit seinen Heerden während des Sommers weithin gen Osten zog, dort die Tabunen der nomadisirenden Stämme aufsuchte, um von ihnen Pferde zu handeln, oder Weiden für seine Heerden zu pachten. Gegen den Herbst kehrte er zurück zur Colonie, wo dann die Heerde hinreichend geerndtetes Futter für den Winter vorfand. Diese Lebensart erinnert an das Hirtenleben, wie es die Bibel schildert, auch verrieth Herr David Kornies, - zu dem ich mich während der wenigen Tage meines Aufenthalts freundschaftlich angezogen fühlte – viel von dem praktischen und denkenden Wesen, welches ein solches cultivirt nomadisirendes Leben erzeugen muss. Mit einer gemüthlichen Heiterkeit verband David Kornies eine grosse Beobachtungsgabe, welche ihm den wohlverdienten Ruf eines sehr erfahrenen Mannes verschafft hatte, und wodurch er das Vertrauen seiner Nachbaren, der Nogaier, und der früher hier hausenden Duchoborzen gewann. Dieser seiner näheren, vertraulichen Bekanntschaft mit den Duchoborzen verdankt es die Regierung, dass im Jahre 1814 das Oberhaupt Kapustin dieser Secte sich der Verwaltung ergab, David Kornies war auch Jäger der Steppe und hatte manchen Hasen, Wolf und Fuchs auf der Steppe gejagt. Die Steppenjagd besteht in einem Jagen im strengsten Sinne des Worts, indem das Wild vom Reiter ohne Hunde oder Flinte so lange par force verfolgt wird, bis es sich ermüdet drückt und in kurzer Zeit so steif wird, dass es sich völlig wehrlos fühlt. Dann nähern sich die Jäger und schlagen dasselbe mit der Nogaika - Kantschuk - todt, wozu, bei einiger Geübtheit, ein Hieb über die Nase hinreicht. Unter den genannten drei Thieren ist der Fuchs am schwierigsten zu jagen. Denselben verlässt auch in den Steppen die Schlauheit nicht, welche ihn in den waldigen Gegenden vor allen Thieren auszeichnet. Diese veranlasst ihn denn auch, nicht dem Wolf und Hasen gleich, aus allen Kräften zu fliehen, sobald er sich verfolgt sieht, sondern im langsamen Trotte und im Schutze des Steppengrases dem Verfolger zu entgehen, oder dessen Pferd zu ermüden.

Als Gemeinde-Beisitzer überwachte Herr David Kornies auch das sittliche Leben der Colonie - und obgleich unter den Menoniten ein gewisser Gleichheitssinn vorherrscht, so scheint mir die polizeiliche Gewalt nirgend wo despotischer gehandhabt zu werden, als unter diesen Gemeinden.(...)

Bei meinem Wirthe David Kornies ist die Hauseinrichtung vollständig derartig, wie sie in Westpreussen bei den Menoniten üblich war, als der Vater meines freundlichen Wirthes von dort auswanderte. Unter ein und demselben grossen Dache sind die abgesonderten Räume für Menschen und Ackervieh eingerichtet; in der Mitte des Hauses befindet sich die geräumige reinliche Küche, die nach dem Vorhause hin mit blitzenden Fenstern versehen ist. Vorhaus und Küche trennen den Wohnraum des Hauses von den Gesindezimmern und Ställen. In der Wohnstube stehen das allmächtige Ehebett, die Glasspinde, die Wanduhr mit messingenem Zifferblatt, die grosse mit Eisen beschlagene blau und schwarz bemalte Lade, welche den Reichthum der Familie enthält, Tisch und Stühle, -  alles einfach und solide gearbeitet Die zur Aussicht nach dem Hofe und Garten einladenden klaren Fenster sind mit einer weissen, kurzen Gardiene geziert. Die Stube ist mit Sand gestreut, selbst in der Thüre fehlt das kleine Guckfenster nicht, kurz, bis auf die geringste Kleinigkeit ist alles was man sieht, echt vaterländisch, unverändert so geblieben, wie es die Voreltern schon gehabt und für gut und genügend erkannt haben. Eben so treu, als die der Hauseinrichtung, sind die weiblichen Mitglieder der Menoniten in ihrer Kleidung, der Vorzeit geblieben, obgleich die Garderobe nicht gerade zu derjenigen gehört, die das Schöne verschönern hilft. An den Männern gewahrt man jedoch keine besondere Tracht, sie sind der allgemeinen Mode gefolgt.(...)

Da es Mittag war, wurde in der Mitte des Zimmers ein Tisch mit zwei Couverts gedeckt, und da ich schon eingeladen war verlieb zu nehmen, so hielt ich meinen freundlichen Wirth der beiden Couverts wegen für einen Wittwer, machte aber bald die Bekanntschalt der Frau Kornies, die nur plattdeutsch sprach, und erfuhr, dass wenn ein Gast komme, die Wirthin mit den verheiratheten Söhnen und dem Gesinde in der Küche speise. Die Mahlzeit, welche uns vorgesetzt wurde, war kräftig, einfach und wohlschmeckend, Käse und Butter vorzüglich gut, -  und die Sitte, am Schluss der Mahlzeit ein Glas Milch zu trinken (die überhaupt eine Hauptnahrung bei den Menoniten ausmacht), gefiel mir sehr.(...)

Die Gegend um Altahir ist zum grösseren Theil gegenwärtig noch vollkommene Steppe, allein wenn Herr Kornies mit den Gartenanlagen und Plantagen in dem Grade, wie er begonnen hat, fortfährt, so wird man, besonders am Abhange des Seeufers, in den üppigen Plantagen und Weinbergen die nahe Steppe bald vergessen.

 

Früh am folgenden Morgen besuchten wir die verschiedenen Gärten und Plantagen. Unmittelbar neben dem Gute ist ein Obstgarten, der jedoch noch wenig vorzügliche Obstsorten enthält und noch aus den Zeiten zu stammen scheint, wo hier das Duchoborzen-Oberhaupt in einer erbärmlichen Hütte residirte. Von hier stiegen wir in den vor vier Jahren angelegten Weinberg, der I Dessätin (4 Morgen) gross, neben einer Baumschule von 2 Deasätinen (etwa 8 Morgen) liegt, und erst zwei Jahre existirt. Alle Holzarten gedeihen ausgezeichnet und haben in zwei Jahren eine Grösse erreicht, die ich kaum für möglich gehalten hätte, wenn ich nicht schon an anderen Orten der Steppe auf selbst weniger salzhaltigem Boden und weniger günstiger Lage einen ähnlichen Wuchs gesehen hätte. So hatten zweijährige Feldulmen 4 Fuss Höhe und 1,25 Zoll Durchmesser. Eschensaamen keimt fast ohne Ausnahme bald nach der Saat und die jungen 2-jährigen Pflanzen dieser Holzart waren 3 Fuss hoch. Am vorzüglichsten gedeihet hier die Pappel, und auch die Kiefer erreicht in zwei Jahren schon 1 Fuss Höhe, ohne jedoch eine verhältnissmässige Pfahlwurzel zu bilden, wie diese Holzart andauernd, auf diesem harten fetten Boden nicht gedeihen kann. In eben der Art, wie die Wald-und Gartenbäume, gedeihet auch der seit vier Jahren angepflanzte Wein, der im verflossenen Jahre I849 schon eine Erndte von 5 Eimern lieferte und in diesem Jahre mindestens das Doppelte zu geben versprach.

Weiter hinunter, am flachen Seeufer, unter einem Ostabhange, befand sich die Saatschule, welche die einjährigen Holz Pflanzen enthielt, die im 2-ten Jahre, oder auch noch in demselben Jahre, in die Plantage, oder in den Wald versetzt werden, von dem ich sogleich erzählen werde. In dieser Saatschule sah ich - am 8-ten August -  Maulbeerbäumchen von 2,5 Zoll Höhe, welche aus Saamen entsprossen waren, der in diesem Jahre gereift war; mehr noch überraschten mich die Ulmen von diesjährigen Saamen, welche zwei Fuss hoch und mit einer solchen Ueppigkeit wuchsen, dass statt der wechselweis stehenden Blätter, sehr häufig gedrängt gegenüberstehende auftraten, wodurch der Zweig gefiedert erschien.

 

Die günstige Lage der Saatschule, welcher die Niederschläge des nahen Sees zu statten kommen, erklärt neben dem sehr fetten Boden diese rapide Vegetation. 

Aus der Saatschule erstiegen wir das steile Ufer, auf dessen Höhe wir in die 3 Dessätinen oder 12 Morgen grosse Maulbeerplantage traten, die seit vier Jahren angelegt, von einer Hecke von Elaeagnus umschlosseu ist, und sich in dem gedeihlichsten Zustande befindet. Dieselbe wird dereinst bei der voraussichtlichen Erweiterung der Seidenzucht reichlichen Gewinn tragen.

Noch eine Werst weiter auf der hohen Steppe, besuchten wir den sogenannten Wald, dem in dieser durchaus holzleeren Gegend ein so anmassender Titel allerdings gebührt. Der Wald liegt mitten in den Feldern auf der Fläche und verdankt seine Entstehung den grobkörnigen Flugsande, der sich nesterweise von verschiedener Ausdehnung in den Steppen findet, und der an dieser Stelle gebunden werden sollte. Zu diesem Zwecke wurden Streifen mit Stecklingen von Dotterweiden und der Rothenweide - Russisch Scheluga genannt - angepflanzt, und zwischen diesen Streifen andere Holzarten angezogen. Der Ertrag ist auch hier ein überraschender gewesen. Vor sechs Jahren war diese Pflanzung mit den Weiden angefangen worden und jetzt fuhr man schon im Schatten derselben. Die am vorzüglichsten gedeihenden Holzarten waren Schwarz -Pappeln, Birken und Kiefern. Die Pappeln hatten zwanzig Fuss Höhe und sechs Zoll Durchmesser und zählten doch erst fünf Jahre; die ebenso alten Birken hatten achtzehn Fuss Länge und vier bis fünf Zoll Durchmesser; die Kiefern, welche sechsjährig waren, hielten zwölf Fuss Länge und drei Zoll Durchmesser und diesen Holzarten standen Schwarzellern und Espen durchaus im Wuchse nicht nach, wogegen die Ulmen auf dem grobkörnigen Sande, obgleich nicht krüppelhaft, doch weniger üppig wuchsen. Dass diese Holzarten höchstens ein gesundes Alter von 15 - 20 Jahren erreichen werden, ist nach den in ähnlicher Localität - bei Odessa - gemachten Erfahrungen, nicht anders zu vermuthen. Bis dahin liefern sie aber ein gutes Nutzholz, so wie die Weiden, welche in höchstens zweijährigem Umtriebe abgeholzt werden, das nöthige Material zu der im grossen Maassstabe auf Altahir vom Herrn David Kornies angelegten Korbflechterei, aus welcher Arbeiten bis nach St. Petersburg gehen, die sich durch Geschmack und Solidität einen wohlverdienten Ruf erworben haben.

 

Diese Plantage zeichnete sich von den bisher von mir beschriebenen durch eine dichtere Pflanzung aus, deren Vorzüge unverkennbar sind, besonders da zum Reinigen und bequemen Auflockern hinlänglicher Raum vorhanden ist. Als besonders nachtheilig bewiesen sich die häufig hier blasenden Ostwinde, welche den grobkörnigen Sand gegen die Stämme treiben und dadurch deren Rinde empfindlich verletzen. Um diesem Uebel zu begegnen, hatte Herr Kornies Gräben gezogen, deren Richtung und Entfernung von der mehr oder minder gefahrdrohenden Lage abhängen, und diese Gräben mit Mist füllen lassen, so dass der Wind sich an denselben bricht.

Diese jetzt 46 Dessätinen, 184 Morgen preuss., haltende Sandbindung wird, sobald das Gut Altahir, wie es nicht anders vorauszusetzen, noch länger in den Händen des Herrn Kornies bleibt, noch bedeutend alljährlich vergrössert werden. In sechs Jahren wurden auf diese Weise vom gegenwärtigen Pächter ein und fünfzig Dessätinen, circa 204 Morgen preuss., Wald angezogen oder Fläche bestockt, die der Krone keine Ausgabe verursachten und was noch wichtiger ist, ein neues Gewerbe, die Korbflechterei eingeführt, welche auch schon in dem benachbarten Russischen Dorfe Jefrimowka, dessen Jugend Herr Kornies unterrichten lässt, und dessen Bewohner derselbe zur Weidenzucht auf den eigenen Sandflächen aufforderte und bei derselben unterstützte, Nachahmung gefunden hat.

Solche Erfolge müssen denn wohl zu der Ansicht verleiten, dass die Schwierigkeiten, welche das Klima und der Boden der Steppenbewaldung entgegenstellen, zu überwinden sind, dagegen der Hauptgegner derselben ausschliesslich in der Grösse der Kultur bedürftigen Fläche zu suchen ist. Soll die Bewaldung der Steppen gegenwartig der fernen Zukunft vorbereitet werden, so wird man sich darauf beschränken müssen, wie die Menoniten, nur die nächste Umgebung der Ansiedlungen mit kleinen Gehölzen und Gebüschen zu umgeben, oder die Felder theilweise mit Hecken einzuschliessen, und für die Ausführung solcher Arbeiten Prämien zu bewilligen.

Dass die Anpflanzungsarbeiten in Altahir nicht pr. Dessätin 109 R. Silb. gekostet haben, wie die Anpflanzungen auf der Hochsteppe im Jekatharinoslawschen, versteht sich von selbst, da hier die Localität eine günstigere und das Unternehmen ein privates ist.

Wir fuhren aus dem Walde auf die Steppe, um eine Schlucht zu suchen, durch welche wir an das untere Ufer des Molotschnaja See gelangen konnten. Auf dieser Fahrt fühlte ich den Mangel des Waldes um so mehr, als die steilen hohen Ufer des Salzsees, mit einer nur mässigen Bewaldung, ein höchst reizendes Bild gegeben haben würden, während derselbe in seiner nackten Umgebung, mit seinem von Salz gesättigten flachen Wasser, ein Gefühl hervorrief, welches dem ähnlich sein mag, das man beim Anblick des Todten Meeres empfinden soll. Doch herrschte hier nicht wie an jenem fluchbelasteten Orte Todtenstille, vielmehr machten die unzählbaren Schwärme von Wasservögeln aller Art, unter denen ich drei Pelikane erkannte, einen solchen Lärm und spannten derartig die Aufmerksamkeit, dass das Gefühl der Abgeschiedenheit sich bald verlor. Dieser See, welcher der hohen Krone jährlich eine grosse Menge Salz liefert, hat so wenig Wasser, dass derselbe vor zwei Jahren, 1848, bei anhaltender Dürre vollständig austrocknete, und da dies eine günstige Gelegenheit bot, um der zurückbleibenden dicken Salzschicht von allen Seiten beizukommen, so haben natürlich viele ungebetene Liebhaber Theil an der Salzexploitation genommen und viele tausend Pud Salz sind von Unberechtigten entwendet worden.

Nachmittags verliessen wir Altahir, und in Taschenak nahm ich von meinem biederen Freunde Herrn David Kornies Abschied, dem ich für die mir bewiesene Bereitwilligkeit, mich mit den Steppenverhältnissen dieser Gegend bekannt zu machen, hier nochmals meinen innigsten Dank wiederhole.“4

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das Auszug aus der Zeitung „Unterhaltungsblatt“ vom März 1851

 

„Diese Gelegenheit benutzend, mich darüber auszusprechen, was ein reiner Sandboden auf hoher Steppe für Ergebnisse hervorgebracht, kann ich nicht umhin, von dem Pachtgute des Mennoniten David Cornies am Molotschnasee, meine Bemerkungen zu machen.

Vor 6 Jahren kam die erste Pflanzung hier zu Stande, es war hauptsächlich die Sandweide (шелюга), welche, den Sand zu hemmen, in größem Maßstabe angepflanzt wurde.

Gleichzeitig suchte man auch viele andere Sorten von Bäumen und Gesträuchen einzuführen, und das 6-jährige Ergebniß davon ist gegenwärtig, daß daselbst im Sandboden der Maulbeerbaum, die Pappel, die Birke, die Fichte, die weiße Akazie, die Feldrüster, die Espe, der tatarische Ahorn, der Weißdorn, der Wacholder, die Hirschkolbe und auch der Trompetenbaum aufs herrlichste gedeihen.

Der Wein gedeiht ebenfalls sehr gut, und der Tabak treibt prachtvolle Blätter.

Die Anlegung dieser Pflanzung geschah von Osten nach Westen. Sobald ein Stück Land für Bäume bestimmt wurde, ward es im Herbst umgerissen, im folgen den Frühlinge nochmals gepflügt, gleich darauf die Gruben gegraben, und noch in demselben Frühlinge oder im nächsten Herbste die Bäume gepflanzt.

Die ganze Bewässerung ist, daß jeder Baum beim Pflanzen mit 2 Eimer Wasser angegossen wird, die Hauptsache aber die Bereinigung vom Unkraute und der Schutz durch Hecken von Ölftraus (?), das in kurzer Zeit hiezu heranwächst.

Der Pächter Cornies hat, um die Sandweide nützlich zu verwenden, eine kleine Flechtwerkfabrik eingerichtet, welche gegenwärtig schon für etwa 500 Rub. Silb. jährlich Ware liefert, die den besten Absatz findet und bald bedeutend werden kann.

Außerdem hat hier auf diesem Pachtlande noch wenig Nutzholz erzielt werden können, Brennholz aber gibt es schon in Menge.

Der hiesige landwirtschaftliche Verein ist überzeugt, daß die Steppen des südlichen Rußlands dem Boden und Klima angemessen, bewaldet werden können.

Die Bedingnisse (?) hinzu, wenn es sicher gedeihen soll, sind:

1.) Die Anlegung des Waldes von Süden nach Norden und die gehörige Vorbereitung des Bodens.

2.) Der Schutz durch Anpflanzung von Hecken von wilden Ölbäumen.

3.) Die Wahl der dem Boden angemessenen Baumart, welche als erprobt sich hiezu eignen, und jede Sorte in einem Stück besonders zu pflanzen.

4.) Die Bäume selbst zu erziehen und ihrer Natur angemessen zu verpflanzen, zu 2 ½ Faden Abstand von einander.

5.) Die Bereinigung der Anlage den ganzen Sommer hindurch fortzusetzen, besonders gleich im Frühlinge den ersten Keim des Unkrautes zu vernichten, um dem Boden die notwendigste Feuchtigkeit nicht anderweitig entziehen zu lassen, so lange, bis die Bäume sich selbst beschatten, und dies Geschäft überflüssig machen.

6.) Das unumgängliche Bedürfnis der Bereinigung setzt voraus, daß auf den Höhen im Allgemeinen keine Waldungen mit Erfolg unmittelbar aus Samensaaten erzielt werden können, sondern die Bäumchen gepflanzt und regelmäßig angelegt werden müssen, damit das Jäten des Unkrauts durch erfundene Maschinen erleichtert werden kann. Waldung unmittelbar aus Samen zu erziehen, setzt jedenfalls Erfahrungen voraus, die noch zu machen sind, und dieses Unternehmen ist nur da zu empfehlen, wo besondere Liebhaber sich mit Aufmerksamkeit diesem Fache widmen wollen.

7.) Der größte Feind unserer jungen Steppenwälder ist der Hase. Kein anderes Mittel, als die Bäume mit Stroh oder Rohr zu verbinden, hat sich hier bis jetzt zur Genüge bewährt. Dem Hasenbiß ist hauptsächlich die Ulme ausgesetzt, die jedoch bald wieder sehr üppig aus der Wurzel ausschlägt; mit den andern gut fortkommenden Sorten hat es in dieser Hinsicht weniger Gefahr.

Der Baum in der Steppe liebt menschliche Gesellschaft, je öfterer wir ihn besuchen, seine Natur und die ihm zuträgliche Behandlung einsehen lernen, desto kräftiger wächst er empor. Der größte Fehler, den viele in dieser Hinsicht begehen, ist die Vernachlässigung solcher Anlagen, der Mangel an Überzeugung und Ausdauer."

 

Philipp Wiebe,

Vereinsvorsitzer.

Kolonie Ohrloff, den 19. September 1850

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David Johann Cornies ist im Alter von 79 Jahren gestorben, am 07. Oktober 1873.

 

Im August 2013 besuchte ich Ohrloff und auch den Friedhof. Nur weniger alte Grabsteine existierten, ein davon von David Cornies. Der Stein lag halb zerbrochen auf der verbrannte Erde. Als ich diese Gegend noch mal im September 2016 besuchte, fang ich Grabstein voll aufgebaut. Das ist dem Gemeinderat-Vorsitzende von Svetlodolinskoe Pejtschev Pavel zu verdanken.

 

Über einen Enkel von David Cornies- Philipp David Cornies habe ich die Eintragungen im Tagebuch meines Großvaters gefunden. 

Grabstein, 2013
Grabstein, 2016

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Quelle:

1 "Ein geschlecht Register des Johann Cornies zu Schoenbaum", Privatarchiv Heiderun v. Issendorff

2 Alexander Petzhold, "Reise im westlichen und südlichen europäischen Russland im Jahre 1855", Seite 209-210

3 "Die deutschen Ansiedelungen in Russland. Ihre Geschichte und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung für die Vergangenheit und Zukunft. Studien über das russische Kolonisationswesen und über die Herbeiziehung fremder Kulturkräfte nach Russland“ Friedrich Matthäi, Offizier der Königl. Sachs, Armee, korresp, Mitglied der Kaiserl, freien ökonomischen Gesellschaft, sowie der Gartenbaugesellschaft zu St, Petersburg. Gera. Verlag van C. B. Griesbach., 1866

4 „Beiträge zur Kenntniss des Russischen Reiches und der angränzenden Länder Asiens“ von Karl Ernst von Baer  und Grigoriĭ Petrovich Gelmersen. Neunzehntes Bändchen. St. Petersburg, Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 1854. , Seite 291-314